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Es gibt eigentlich nicht viel, was an dieser Stelle noch gesagt werden muss. Ich bin mir sicher, dass die Leute, die die Konferenz planten, auch tatsächlich all das abdeckten, was wir abdecken wollten. Sie dienten, sprachen, predigten, lehrten und führten Interviews. Allen, die auf dieser Bühne gestanden haben bin ich zutiefst dankbar. Und ich möchte diese Dankbarkeit ihnen gegenüber ausdrücken. Schon in der Vorbereitungsphase haben sie uns mit viel Fleiß gedient und unsere Herzen vorbereitet. Und dafür sind wir sehr dankbar. Das sind Männer, die die ganze Zeit voll im Dienst stehen. Und wenn sie sich dann noch zusätzlich eine Konferenz wie diese aufladen, mit all den Vorbereitungen, Überlegungen und Gebeten, dann sind wir unendlich dankbar. Ich weiß, dass das Predigen nur die Spitze des Eisberges ist. Die Spitze kann man sehen, aber man kann nicht erkennen, was darunter liegt. Deshalb möchten wir all den Männern, die uns bei dieser Konferenz geholfen haben und deren Dienst von hier aus weitergehen wird, unsere tiefe Dankbarkeit aussprechen.

Vielleicht ist es für euch interessant, zu wissen, dass gerade gestern 127 Länder in der Welt diese Konferenz live übertragen haben. An 25.000 Orten wurde die Konferenz live gestreamt aber wir wissen nicht, wie viele Menschen dort jeweils vor Ort waren.

Wir leben in einer wunderbaren Zeit, nicht wahr? Einer wunderbaren, wundervollen Zeit. In der Vergangenheit konnte es Hunderte von Jahren dauern, bis die Wahrheit so weit verbreitet war. Vor nicht allzu vielen Jahren hätte es vielleicht ein paar Jahre, vielleicht Monate oder Wochen gedauert. Aber dass es zeitgleich stattfinden kann, ist wirklich erstaunlich.

Vielen Dank also an alle Sprecher der Konferenz. Die gute Nachricht ist, dass alles, was wir gesagt haben, um die Welt gegangen ist. Das ist eine überaus große Verantwortung für uns. Aber diese Männer erfüllen ihre Verantwortung als Diener des Herrn mit Edelmut. Denn das, was gesagt wurde, musste gesagt werden. Und es wurde so gesagt, wie es hätte gesagt werden sollen. Und das freute uns sehr.

Ich bin auch sehr dankbar, dass ihr das Buch „Fremdes Feuer“ in der Hand haltet. Denn es ist sehr wichtig, dass diese Dinge niedergeschrieben werden. Wie ich heute in der Fragerunde sagte, schrieb Gott immer dann ein Buch, wenn er sich mitteilen wollte. Er drehte kein Video. Sondern er schrieb ein Buch. Denn damit wird die Wahrheit festgehalten. Das hält die Wahrheit gegenwärtig. 

Ihr müsst das Buch zur Hand nehmen und durchlesen. Damit frischt ihr das Gesagte von dieser Konferenz wieder auf. Dann werdet ihr eine Streitmacht sein, die diese Botschaft bis an die Enden der Erde trägt, wohin der Herr euch auch führt. Wir haben hier in diesem Saal Menschen aus mindestens 30 Nationen der Welt und aus ganz Nordamerika. Und ihr werdet eine Streitmacht sein, die diese Wahrheit weiterträgt. Das Buch „Fremdes Feuer“, wurde sorgfältig geschrieben, mit Fußnoten versehen und dokumentiert, und es wird euch unterstützen und euch helfen. Ich möchte, dass ihr es sehr sorgfältig lest.

Ich glaube, dass die Argumente, die wir in dieser Woche vorgetragen haben, auch der intensivsten Prüfung standhalten können. Und ich möchte alle, die das Gesagte gehört haben und es nicht glauben können, dringend einladen, eine Bibel zur Hand zu nehmen und die Argumente sorgfältig gegen das Wort Gottes abzuwägen. Wir laden zu dieser Prüfung ein.

Diese Konferenz dient in allererster Linie dazu, der Gemeinde zu helfen. Ich mache mir nicht vor, dass Nichtgläubige verstehen können, worüber wir reden. Und wie wir bereits gesagt haben, gibt es viele Ungläubige in dieser Bewegung. Ich erwarte nicht, dass sie die Wahrheit verstehen. Ich erwarte nicht, dass sie Verlangen oder Hunger nach der Wahrheit haben, oder dass sie die Wahrheit suchen. Das tun Ungläubige nicht, es sei denn, sie werden gerade vom Heiligen Geist dazu genötigt.

Aber wir wollen der Gemeinde helfen. Wir haben zu den Menschen gesprochen, die glauben, dass die Bibel das Wort Gottes ist, und die glauben, dass Gott sich klar, konsequent und widerspruchsfrei geoffenbart hat. Dies ist für die wahre Gemeinde. Damit die wahre Gemeinde unterscheiden kann, so dass sie vor Irrtum geschützt werden kann und eine Quelle der Wahrheit für andere außerhalb der Gemeinde sein kann. Wir haben zu Gottes Volk gesprochen, zu Gottes wahrer Gemeinde im gemischten Königreich, das voll von Weizen und Unkraut ist.

Als Reaktion auf diese Konferenz hat es in den letzten Stunden und Tagen einige Gegenangriffe gegeben. Wir konnten ihnen nicht entkommen, weil sie, wie ihr wisst, im Internet erscheinen. Wahrscheinlich haben es auch einige unter euch bemerkt. Und genau auf diese Gegenangriffe möchte ich eingehen. Ich möchte heute Abend über das zu euch sprechen, was mein Herz bewegt.

Vorhin hat mich Steve Lawson gefragt, wie ich mich fühle in Bezug auf das, was ich sagen werde. Ich erwiderte: „Das ist schwer zu beantworten, weil ich keine Ahnung habe, was ich sagen werde.“ Aber ich werde das sagen, was ich auf dem Herzen habe. Denn ich glaube, es ist wichtig, auf die aufgekommenen Vorwürfe zu antworten. Und das möchte ich tun, indem ich sie jeweils einfach mit einem Wort benenne und euch dann eine kurze Antwort gebe.

Das Erste, was uns vorgeworfen wurde, war, dass wir lieblos seien, wir seien lieblos. Aber ich würde behaupten, jemandem die Wahrheit zu sagen, ist der größte Liebesbeweis, den man erbringen kann. So handelt die Liebe. Lieblos ist, Menschen in Dunkelheit und Irrtum zu lassen. Wir sagen die Wahrheit in Liebe. Und das bezieht sich nicht nur auf die Haltung oder den Tonfall, wie wir sprechen. Die Wahrheit zu sagen ist an sich ein Akt der Liebe, um die Menschen vom Irrtum zu befreien.

Wir erinnern uns, dass Paulus in Apostelgeschichte 20 mit den Ältesten von Ephesus zusammenkam und zu ihnen sagte: Ich habe drei Jahre lang nicht aufgehört, euch unter Tränen zu warnen. In dem Wissen, dass sich sowohl von außen als auch von innen verkehrte, betrügerische Menschen erheben werden, um euch in die Irre zu führen. In Titus 1 haben wir die Qualifikation eines Pastors oder Ältesten in der Gemeinde. Als ein solcher ist man verpflichtet, auf Irrtümer hinzuweisen und biblische Argumente dagegen vorzubringen. Auf diese Weise kümmert man sich um die Schafe. Auf diese Weise schützt man sie.

Uns wurde auch vorgeworfen, spalterisch zu sein. Dem würde ich zustimmen. Die Wahrheit ist von Natur aus entzweiend. Deshalb sagte Jesus: Ich bin gekommen, um das Schwert zu bringen, um Menschen und Familien zu entzweien. Die Wahrheit ist von Natur aus vom Irrtum abgetrennt, und es ist viel wichtiger, durch die Wahrheit entzweit zu sein als durch den Irrtum vereint zu sein. Ich weiß, dass die Wahrheit entzweiend ist.

Ich erinnere mich, dass mich vor Jahren, nachdem ich das Buch „The Gospel According to Jesus“ (dt: „Lampen ohne Öl“) geschrieben hatte, ein führender evangelikaler Prediger, den ihr alle kennt, mich zum Mittagessen einlud und sagte: „Du hast den Leib Christi gespalten.“ Und ich sagte: „Darf ich dir eine Frage stellen?“ Er antwortete: „Ja“. Ich fragte ihn: „Ist das, was ich geschrieben habe, wahr? Stimmt es?“ Das ist die einzige Frage, die ich habe. Natürlich spaltet die Wahrheit. Sie trennt unmittelbar zwischen Irrtum und Wirklichkeit.

Ein dritter Kritikpunkt, der uns vorgeworfen wird, und den ich heute gelesen habe, lautet, dass die Thematik in der Bibel nicht klar sei. Und deshalb zeige eine Konferenz wie diese und die Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und einigen bekannten Leuten, ja sogar bekannten Theologen, dass die Schrift in dieser Thematik nicht klar sei. Auf die Behauptung, dass die Thematik unklar sei, möchte ich antworten, dass sie nur durch den Einfluss von Irrlehrern unklar geworden ist.

Den Aposteln war dies klar. Den frühen Kirchenvätern war dies klar, und am Ende des Buches kann man Zitate von ihnen lesen. Auch den Reformern war die Thematik klar. Darüber haben wir gehört. Diese Thematik war den Puritanern klar. Sie ist in Glaubensbekenntnissen wie dem Westminster-Bekenntnis klar umrissen. Gelehrte, edle, reformierte Theologen, die zitiert wurden, wie B.B. Warfield, waren sich dieser Thematik bewusst. Für Spurgeon war dies klar. In moderneren Zeiten war dies für Jim Boice klar. Dies war für R.C. Sproul klar. Wurde das Thema nun unklar wegen Menschen wie Aimee Semple McPherson, Kathryn Kuhlman, Jimmy Swaggart, Jim Bakker und Kenneth Copeland? Das ist lächerlich. In dem wahren und historischen Fluss der gesunden Lehre ist diese Thematik immer kristallklar gewesen.

Ein weiterer Vorwurf lautete, dass wir über etwas sprechen, das nur auf den extrem verrückten Rand der Bewegung zutrifft. Das stimmt offensichtlich nicht. In dieser Bewegung gibt es einen Irrtum, der sich durch die gesamte Bewegung zieht. Wie wir heute in der Fragerunde gehört haben, machen sich 90 Prozent der Menschen in aller Welt, die mit der charismatischen Bewegung verbunden sind, das Wohlstandsevangelium zu eigen. Vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Millionen von ihnen leugnen die Trinität. Hundert Millionen von ihnen sind römisch-katholisch. Wie Nathan sagte: „Rechnet es euch aus.“ Das ist kein Randthema. Das ist die Bewegung, und sie wächst in rasantem Tempo.

Andere haben gesagt: Ihr greift die Bewegung an, die uns so reiche Anbetung geschenkt hat. Sie sagen, dass diese Musik aus der charismatischen Bewegung den Gottesdienst der Gemeinde bereichert. Nun, das würde ich anders sehen. Ich bin davon überzeugt, dass der zeitgenössische Stil der charismatischen Musik das Einfallstor für die charismatische Theologie in die Gemeinde ist. Wenn man erstmal die Musik einkauft, dann folgt die Theologie, denn plötzlich singt man dieselben Lieder, hört dieselben Künstler, erlebt dieselben Emotionen, empfindet dieselben Gefühle. Die Gemeinde mag zwar nicht charismatisch sein, aber die Musik und der Stil sind genau gleich wie bei einer charismatischen Gemeinde. Das ist das Einfallstor.

Zeige mir eine Gemeinde, die eine solide Stellungnahme zu ihrer Lehre hat, eine historische Stellungnahme zu ihrer Lehre, und ich werde dir eine Gemeinde zeigen, die sich sehr zurückhält, sich auf diese Musik einzulassen. Zeige mir eine Gemeinde, die große Hymnen liebt, große Theologie, die in Musik umgesetzt wird, und ich zeige dir eine Gemeinde, die zögert, die Musik der charismatischen Bewegung anzunehmen. 

Und weil die Musik nicht hineinkommt, spielt auch die Theologie keine Rolle. Das ist das verführerische Einfallstor. 

Ich spreche über nichts Bestimmtes, denn es gibt zeitgenössische Musik, die wunderschön ist. Und wir sollten und können sie singen. Aber Musik öffnet die Tür, wenn sie unkritisch ist und wenn es sich um Musik handelt, die nicht den Verstand, sondern das Fleisch anspricht. Dies geschieht, wenn es nicht um die verstandene Wahrheit geht, sondern um gefühlte Emotionen. Dann ruft sie Gefühle hervor, die mit der charismatischen Bewegung übereinstimmen.

Wenn wir alle die gleiche Musik singen, wie können wir uns dann voneinander trennen? Ich finde, dass die charismatische Bewegung die Anbetung deutlich verschlechtert hat. Sie hat Anbetung aus dem Bereich der Wahrheit — mit dem Verstand anzubeten — herausgenommen und auf fleischliche Gefühle reduziert.

Ziemlich früh in dieser Konferenz gab es andere, die Kritik übten, indem sie sagen: Ihr greift Brüder an. Ihr greift Brüder an. Ich wünschte, ich könnte dem zustimmen. In dieser Woche haben wir es immer wieder auf die eine oder andere Weise gesagt: Es handelt sich um eine Bewegung, die zum größten Teil aus Nicht-Christen besteht.

Vor ein paar Jahren habe ich auf NBC ein Interview gegeben, als es einen großen Skandal in der evangelikalen Welt gab. Und dieser Reporter des Fernsehsenders NBC fragte mich: „Warum lassen Sie so etwas geschehen?“ Seine Frage lautete: „Wer kontrolliert Ihre Bewegung? Wer kontrolliert Ihre Bewegung?“ Er kam mit der Tatsache nicht zurecht, dass der Evangelikalismus eine gesetzesfreie Zone war, keiner Autorität und keiner zentralen Stelle unterworfen.

Und ich sagte: „Nun, eigentlich kontrolliert niemand die Bewegung.“ Und das ist traurig. Wer sollte die Bewegung überwachen? Ich sage dir, wer die Bewegung überwachen sollte. Jeder treue Pastor und jeder treue Älteste und jeder treue Theologe und jeder treue Prediger und Lehrer des Wortes Gottes. Und ich füge folgendes noch hinzu: Wenn reformierte Leiter, die die Wahrheit kennen, das Evangelium kennen, das Wort Gottes kennen, diese Bewegung nicht in Schranken weisen, werden die geistlichen Terroristen dominieren. 

Es ist wie mit dem Islam. Wir hören immer wieder: „Wow, die Terroristen. Sie sind nur eine kleine Minderheit am extremen Rand.“ Und wir alle fragen immer wieder: „Warum kommen konservative Muslime dann nicht in Massen zusammen und lehnen die Terroristen ab?“ Das tun sie nicht. Ich denke, auf den Schultern all der Männer, die das Wort Gottes kennen, lastet eine schwere Bürde, sich zu erheben und diese Bewegung anzuprangern. Aber davon hört man nichts.

Also sagen die Leute: „Ah, MacArthur mal wieder. Er ist auf das hier fixiert. Er ist wie ein Zirkuspferd. Er kennt nur eine Vorstellung. Immer hält er den Charismatikern eine Standpauke.“

Nun, wenn du zur Grace Church gehörst, weißt du es besser. Wir haben über 40 Jahre damit verbracht, das Neue Testament Vers für Vers zu predigen. Es stimmt also nicht, dass wir uns auf eine Sache fixiert haben. Ich bin 1969 hierher gekommen, und seit 1969 haben wir exakt eine Konferenz über die charismatische Bewegung abgehalten, und das ist diese hier. Und eigentlich sind wir zu spät dran. Wir sind zu spät dran. Wir haben in eine Wunde gestochen, in die man schon lange hätte stechen müssen. Aber wir haben versucht, uns in Geduld zu üben. Ich bin nicht auf dieses Thema fixiert. Das hat man mir übrigens schon gestern vorgeworfen, am zweiten Tag der Konferenz, am zweiten Tag von 45 Jahren. Es gibt andere Themen, die uns beschäftigt haben, wie die Verherrlichung Jesu Christi und alle anderen Dinge im Wort Gottes.

Außerdem wurden wir beschuldigt, Menschen zu beleidigen und ihre Gefühle zu verletzen. Das ist nicht meine Absicht. Ich wurde einmal von einem charismatischen Leiter auf einer Buchhändlertagung mit den Worten vorgestellt: „Das ist mein Freund John MacArthur, der persönlich viel netter ist als in seinen Predigten.“ Ich hoffe, das wird immer so sein. Ich hoffe, dass ich die Wahrheit mit Wohlwollen vertrete. Ich hoffe, ich vertrete die Wahrheit in Liebe. Aber wenn ich das Wort Gottes öffne, muss das Wort sprechen. Und um ehrlich zu sein, sind mir die Gefühle der Menschen nicht egal. Es macht mir etwas aus, sie zu verletzen. Aber nicht annähernd so sehr, wie es mir etwas ausmacht, Gott zu verletzen.

Die Charismatik ist eine fremde Bewegung. Sie ist eine fremde Bewegung. Ich will hier nicht auf die ganze Geschichte eingehen, aber ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht. Es gibt einen Fluss gesunder Lehre, gesunder Doktrin und gesunder Theologie, der bis zu den Aposteln zurückreicht. Er zieht sich durch Athanasius und Augustinus, er zieht sich durch Luther und Calvin, er zieht sich durch die große Reformation und die Reformatoren, und er zieht sich, wie wir gestern Abend gehört haben, durch die Puritaner. Und für sie alle schien dies klar zu sein. Es war klar für die Westminster Synode, für Charles Spurgeon und David Martyn Lloyd-Jones, und so weiter. Dieser Fluss gesunder Lehre zieht sich auch durch Menschen wie S. Lewis Johnson und Jim Boice und andere Namen, die wir angeführt haben. Er reicht bis zu den R.C. Sprouls und anderen. Das ist der Fluss gesunder Lehre. 

Es gibt Helden in diesen Generationen, und wir wissen, wie sie heißen. Du hast diese Woche von ihnen gehört. Unsere Helden reichen zurück bis an den Anfang. Wir gehen zurück zu John Rogers. Wir gehen zurück zu den 288 Marion Märtyrern. Wir gehen zurück zu Foxes Buch der Märtyrer. Beim Lesen jeder einzelnen Seite dieses Buches vergießen wir Tränen, wenn wir sehen, was den Menschen angetan wurde, die die Wahrheit zu einem so hohen Preis an die nächste Generation weitergaben. Wir haben eine tiefe und beständige Liebe für eine Person wie William Tyndale für das, was er getan hat. Das sind unsere Helden. 

Aber du musst verstehen, dass diese andere Strömung des Evangelikalismus auf das Jahr 1966 zurückgeht. 1966 kamen die Hippies aus San Francisco nach Orange County und schlossen sich der Calvary Chapel an. Das war der Startschuss für eine Gruppe lockerer, barfüßiger, am Strand lebender, von Drogen beeinflusster junger Leute, die der Gemeinde sagte, wie Gemeinde aussehen und sich verhalten sollte. Hymnen verklangen. Anzüge starben aus. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte wurde die Handlungsweise der Gemeinde an eine Subkultur angepasst, die in San Francisco aus LSD und Marihuana entstanden und nach Südkalifornien abgewandert war.

Das ist eine völlig andere Strömung. So entstand eine formlose, kulturell geprägte, kulturell definierte Gemeinde, die den Menschen gibt, was sie wollen. Sie endet in der sucherfreundlichen Gemeinde, die einen Zweig bei Vineyard hat. Und die Vineyard-Bewegung führt zu den Exzessen der heutigen charismatischen Bewegung. Das ist eine ganz andere Strömung. Das ist nicht unser Strom. Das sind nicht unsere Helden.

Ich gehe nicht zurück auf Lonnie Frisbee, der die Jesus-Bewegung anführte und als Homosexueller an AIDS starb. Ich gehe nicht darauf zurück. Das ist nicht mein Strom. Das ist die Strömung, die von der Kultur angetrieben wurde und eine sucherfreundliche Gemeindebewegung hervorgebracht hat. Auch wenn es unter ihnen gute und schlechte, bessere, beste und schlechteste Elemente gibt, ist das der Ursprung. 

Wir sind sehr unterschiedlich, wir unterscheiden uns gravierend. Unsere Helden sind sehr unterschiedlich. Wir wissen, wer unsere Leute sind. Und wenn du dir sicher bist, dass du auf dieser Seite stehst, dann hast du die Verantwortung, dieser wunderbaren historischen Geschichte treu zu sein. Wenn irgendjemand diese Bewegung überwachen soll, dann müssen es die Menschen hier sein.

Ich bin darüber so besorgt, dass ich im Buch „Fremdes Feuer“ ein 12. Kapitel geschrieben habe, falls du es noch nicht gesehen hast. Schlag das Buch jetzt nicht auf. Ich möchte, dass du es in Ruhe liest. Aber im Inhaltsverzeichnis lautet der Titel: „Ein offener Brief an meine kontinuistischen Freunde“.

Wer sind meine kontinuistischen Freunde? Es sind Menschen, die meine Freunde sind. Echte Freunde von mir, die ich respektiere, die einen großen Beitrag zur Gemeinde, zum Leib Christi geleistet haben, die uns alle gelehrt haben, die mich gelehrt haben. Brüder die an meiner Seite gedient haben, Hand in Hand mit mir, mit denen ich gebetet habe, manchmal stundenlang, mit denen ich gesprochen und geredet und Überzeugungen ausgearbeitet habe. Aber sie nennen sich „Kontinuisten“, weil sie der charismatischen Bewegung Raum geben wollen.

Ich möchte darauf hinweisen, dass das nicht hilfreich ist. Das ist nicht hilfreich. Wir brauchen sie, um die Bewegung zu überwachen. Und in diesem letzten Kapitel, „Ein offener Brief an meine kontinuistischen Freunde“, erkläre ich in 8 wichtigen Gründen, warum sie uns helfen müssen.

Erstens vermittelt die Haltung der Kontinuisten der breiteren charismatischen Bewegung eine Illusion von Legitimität. In dem Moment, wo du sagst: „Ich bin ein Kontinuist“, hast du diese Bewegung beglaubigt. Das solltest du vielleicht ein wenig einschränken. Das solltest du vielleicht prüfen. Auch wenn theologisch angesehene konservative Kontinuisten eine sehr kleine Minderheit in der Bewegung darstellen, wird die ganze Bewegung respektiert, nur weil diese ihr Glaubwürdigkeit verleihen.

Und dann ist da noch diese junge Generation young, restless, reformed, die sich ihren Vorbildern anschließen, die das Fortbestehen der Geistesgaben bejahen und offen sind für die charismatische Bewegung. Und so folgen sie ihren Helden und übernehmen entweder selbst diese Idee des Fortbestehens oder sind offen dafür, was im Grunde ein und dasselbe ist.

Wenn namhafte kontinuistische Theologen charismatischer Auslegung Glaubwürdigkeit verleihen oder es versäumen, unbiblische charismatische Praktiken direkt zu verurteilen, geben sie einer tödlich gefährlichen Bewegung theologische Deckung.

Zweitens entwertet die Position der Kontinuisten den wundersamen Charakter der echten Geistesgaben, die Gott der Gemeinde des ersten Jahrhunderts verliehen hat. Mit diesen beiden Aussagen fassen wir zusammen, was du diese Woche gehört hast. Ich wiederhole den zweiten Punkt: Die Position der Kontinuisten, entwertet die wundersame Natur der echten Geistesgaben, die Gott der Gemeinde des ersten Jahrhunderts geschenkt hat.

Wir wissen, dass Gott zur Zeit Christi und der Apostel Offenbarungen gegeben hat. Und die Gaben, Zeichen und Wunder sollten diejenigen bestätigen, die diese Offenbarung verkündeten und aufschrieben. Hebräer 2,3 sagt, das Evangelium „wurde ja zuerst durch den Herrn verkündigt und ist dann von denen, die ihn gehört haben, bestätigt worden, wobei Gott sein Zeugnis dazu gab mit Zeichen und Wundern und mancherlei Kraftwirkungen und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen“.

Hör gut zu: Dieser Text ist bedeutungslos - völlig bedeutungslos -, wenn die Zeichen und Wunder und Wundertaten und Zungen und Prophezeiung und Heilung zu jedem und jeder heutigen Erfahrung dazugehören. Er wäre bedeutungslos. Das wäre kein Zeichen für irgendetwas.

Hinzu kommt, wenn Kontinuisten die Terminologie der neutestamentlichen Geistesgaben verwenden, sie dann aber so definieren, dass sie etwas anderes bedeuten, werten sie den Charakter der echten Gaben ab. Sie schmälern die glorreiche Art und Weise, in der der Heilige Geist bei der Gründung der Gemeinde gewirkt hat. Wenn die „Geistesgaben“, die heute in charismatischen Gemeinden praktiziert werden, den Gaben entsprechen, die im Neuen Testament beschrieben sind, dann waren diese ursprünglichen Gaben nichts Besonderes, und dann war auch diese Zeit nichts Besonderes. Im Prinzip wird das, was im ersten Jahrhundert wirklich übernatürlich war und was Gott tat, entwertet indem die Begriffe gleich verwendet werden. Aber dafür müssen die Geistesgaben neu definiert werden. Der reformierte Kontinuismus trägt zu dieser falschen Darstellung bei.

Drittens sind die Verfechter der Kontinuisten aufgrund ihres Standpunktes stark in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, andere zu konfrontieren, die in charismatische Verwirrung geraten sind. Was werden sie den Menschen sagen, die in Chaos und Verwirrung verfallen? Im Buch „Fremdes Feuer“ wirst du ein paar überaus bizarre Dinge lesen, die von einigen der bekanntesten Charismatiker als spirituelle Erfahrung angeboten wurden. Einer von ihnen war heute sogar hier. Du wirst die bizarrsten Dinge lesen, die eigentlich im Ganzen verurteilt werden sollten. Und wir warten immer noch, dass die Kontinuisten dies verurteilen, von ihnen sollte man annehmen, dass sie es besser wüssten.

Aber dies geschieht nicht. Sie haben ihre Vormachtstellung aufgegeben und können sich nicht äußern, weil sie das alles zulassen. Und nach welchen Kriterien würden sie solche Behauptungen verurteilen?

Viertens: Indem sie darauf besteht, dass Gott den Christen auch heute noch neue Offenbarungen gibt, öffnet die Bewegung der Kontinuisten weiteren Verwirrungen und Irrtümern Tür und Tor. Sie sagen das, was wir sagen, nur auf andere Art und Weise. Sie sagen, dass es heute noch Prophetie gibt, dass sie aber falsch sein kann. Sie sagen, dass es heute zwar noch Zungenrede gibt, aber das sind keine echten Sprachen.  

Sie sagen, dass es heute noch Heilungen gibt, aber die sind nicht mit den Heilungen zur Zeit Christi und der Apostel zu vergleichen. 

Die Haltung der Kontinuisten lädt also jeden Christen ein, alles als von Gott kommend zu interpretieren. Jede Art von Kauderwelsch, jede Art von angeblicher spiritueller Erfahrung oder Eindruck oder Gedanke oder Idee, die einem in den Kopf kommt, kann als Prophezeiung betrachtet werden. Damit entfällt der entscheidende, objektive Maßstab zum Messen und Beurteilen, ob eine Person rechtmäßig Offenbarung für sich beansprucht.

Indem die Kontinuisten alles zulassen, haben sie keine Kriterien zur Unterscheidung mehr. Und so enden sie darin, alles zuzulassen, weil sie nicht mehr entscheiden können, was richtig ist und was nicht. Allein die Vorstellung, dass Christen eine außerbiblische Offenbarung von Gott, mystische Erfahrungen oder prophetische Worte erwarten sollten, führt zu theologischem Schiffbruch. Wenn man über das Wort Gottes hinausgeht, kann man den Irrtum nicht mehr eindämmen.

Fünftens: Indem die Bewegung der Kontinuisten darauf besteht, dass Gott den Christen auch heute noch neue Offenbarungen gibt, leugnet sie stillschweigend die Lehre von Sola Scriptura. Ich muss das nicht weiter ausführen, denn gestern Abend hat Steve ein unvergessliches Argument dafür geliefert. Keiner meiner Freunde, keiner meiner reformierten kontinuistischen Freunde würde den Abschluss des Kanons leugnen. Den würden sie nicht leugnen. Sie würden auf keinen Fall leugnen, dass die Bibel 66 Bücher enthält. Sie würden die Autorität der Heiligen Schrift nicht leugnen. Sie würden die Genugsamkeit der Heiligen Schrift auf keinen Fall leugnen. Doch genau das leugnen sie, weil sie die Gläubigen lehren, zusätzliche Offenbarung zu erwarten. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie das missbraucht werden kann. Wer das am meisten missbraucht sind Menschen in Machtpositionen, die dich glauben machen wollen, dass sie für Gott sprechen.

Sechstens: Indem die Kontinuisten die irrationale Zungenrede sogar als private Gebetssprache zulassen, öffnen sie die Tür zu einer geistlosen Ekstase charismatischer Äußerungen. Sie geben zu, dass Zungenrede heute keine echte Sprache ist, aber was ist es dann? Das ist ganz einfach. Wenn die Prophetie von heute nicht wie die biblische Prophetie ist, weil die heutige Prophetie fehlbar ist, wenn das Zungenreden nicht wie das biblische Zungenreden ist, weil es Kauderwelsch und keine Sprache ist, wenn die Heilungen nicht wie die Heilungen Christi sind, dann sind sie keine Kontinuisten. Sondern heimliche Cessationisten, die an das Aufhören dieser Dinge glauben. Sie haben gerade gesagt, dass es nicht mehr das ist, was es einmal war. Was haben sie damit also getan? Sie haben einfach eine Fälschung akzeptiert. Darauf kann man nicht stolz sein. Es zeugt nicht von edler Haltung, eine Fälschung zu akzeptieren. Sie geben selbst zu, dass es eine Fälschung ist.

Nummer sieben: Mit der Behauptung, die Gabe der Heilung sei weiterhin vorhanden, bekräftigt die Haltung der Kontinuisten die gleiche Grundannahme, die dem betrügerischen Wirken charismatischer Glaubensheiler zugrunde liegt. Wenn man sagt, dass es die Gabe des Heilens heute immer noch gibt, ohne irgendeinen Beweis dafür zu geben, weder experimentell noch biblisch, dann bestätigt man geradezu die betrügerischen Heiler die sagen, dass es die Gabe der Heilung immer noch gäbe. 

Wer würde so etwas tun wollen? Sind diese Heiler nicht die Niedrigsten der Niedrigen? Sind das nicht die Schlimmsten der Schlimmen? Sie gehen nicht in Krankenhäuser. Sondern sie machen Jagd auf die Verzweifeltsten, die Schwerstkranken, die Hoffnungslosesten, die Hilflosesten, sehr oft die Ärmsten, erzählen ihnen Lügen und werden reich. Wer würde solche unterstützen wollen?

Und schließlich entehrt die Haltung der Kontinuisten letztlich den Heiligen Geist, indem sie die Menschen von seinem wahren Wirken ablenkt und sie mit Fälschungen verführt. Reicht es nicht aus, den innewohnenden Geist und die Fülle des Geistes zu haben? Reicht es nicht aus, die Gaben des Geistes zu haben, die Frucht des Geistes zu haben, vom Geist begnadet zu sein? Reicht es nicht aus, alle Verheißungen des Geistes zu haben? Muss ich zu Gott kommen und sagen: „Gib mir mehr, gib mir diese andere Sache?“ Ich will die haben. Dadurch wirfst du dem Heiligen Geist Mangelhaftigkeit vor. 

Dadurch entehrst du den Heiligen Geist. Und damit hast du die Menschen zu Fälschungen weggelockt, anstatt zu einer von Herzen kommenden Dankbarkeit für die Fülle dessen, was der Geist uns geschenkt hat. Denn wie gibt Gott seinen Geist? Nicht nach Maß. Ich denke, dass die Haltung der Kontinuisten Stolpersteine in den Weg der Heiligung und des geistlichen Wachstums legt, und zwar aus zwei Gründen. Erstens lassen sie die Menschen glauben, sie hätten nicht alles, was sie brauchen. Und zweitens lassen sie die Leute glauben, dass sie etwas nachjagen müssten. Das ist wirklich traurig.

Darüber lässt sich noch viel mehr sagen, und im Buch werdet ihr vielmehr darüber lesen. Hör gut zu: ich bin überzeugt, dass die breite charismatische Bewegung Tür und Tor zu mehr theologischem Irrtum geöffnet hat als jede andere lehrmäßige Verirrung in der heutigen Zeit. Der Liberalismus war schlecht. Die Psychologie war schlecht. Die Ökumene war schlecht. Pragmatismus war schlecht. Mystik war schlecht. Aber nichts ist so schlimm wie die Charismatik, wegen ihrer weitreichenden Auswirkungen. Und wenn diese Art von Erfahrungsbezogenheit erst einmal Fuß gefasst hat, gibt es keine Art von Irrlehre oder Bosheit, die vor der Gemeinde Halt machen würde.

Diese charismatische Theologie wird dann zum fremden Feuer unserer Generation, und evangelikale Christen dürfen damit auf keiner Ebene liebäugeln. Ich bin überzeugt, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die wahre Gemeinde reagieren muss. Es ist an der Zeit, dass die Menschen die theologisch auf den Schultern der Reformatoren stehen, der reformatorischen Theologie in ihrer ganzen Fülle treu bleiben. Wenn wir uns auf die Reformatoren berufen, dann sollten wir uns auch genauso mutig verhalten. Bezeichne dich selbst nicht als einen charismatischen Calvinisten. Da wäre Johannes Calvin dagegen. Johannes Calvin hat das abgelehnt. Du musst den Teil „Calvinist“ weglassen.

Ich bin so besorgt, weil ich glaube, dass diese guten und gottesfürchtigen Freunde einen gewaltigen Unterschied darin machen könnten, was die junge Generation und die nächste Generation über diese Bewegung glaubt. Und zwar dann, wenn sie dort Stellung beziehen würden, wo sie Stellung beziehen müssen.

Vielleicht glaubst du, dass ich nun fertig bin. Aber das bin ich nicht. Schlag deine Bibel in 1. Timotheus auf, im letzten Kapitel. Ich werde mich nicht lange damit aufhalten. Aber es gibt noch eine Sache, die ich sagen muss, und zwar folgende. Wenn wir diesen Standpunkt nicht einnehmen, dann wären wir unserer pastoralen Berufung untreu. 

Das ist kein Steckenpferd von mir. Das ist keine persönliche Fehde von mir. Sondern ich erfülle damit meine Pflicht als Pastor, und ich werde vor Gott für die Erfüllung dieser Verantwortung zur Rechenschaft gezogen. Wie Conrad uns vorhin sagte, schreibt Paulus an Timotheus, während er sein Leben ausklingen lässt. Er gibt den Staffelstab weiter. Er gibt den Mantel weiter. 

Er erinnert Timotheus in 1. Timotheus 6 daran, dass es ein Kampf ist. Es ist ein Kampf, ein guter Kampf, wie er es nennt, kämpfe den guten Kampf des Glaubens. Es ist ein Kampf. Und dann sagt er zu Timotheus in Kapitel 6, Vers 20: „O Timotheus“, „O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut.“ Wovon redet er? Was meint er mit „das anvertraute Gut“?

Wörtlich heißt es: „Behüte den Schatz“. Was ist der Schatz? Es ist die göttliche Offenbarung. Der Schatz ist die göttliche Offenbarung. Behüte das, was in dein Herz eingeflossen ist, die göttliche Wahrheit, und „meide das unheilige,  nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis‘! Zu dieser haben sich etliche bekannt und haben darüber das Glaubensziel verfehlt.“

Mit dieser Verabschiedung gibt er in seinem ersten Brief an Timotheus den Staffelstab weiter. Sein letztes Wort ist: „Behüte den Schatz der Wahrheit, meide das unheilige, nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis‘! Zu dieser haben sich etliche bekannt und haben darüber das Glaubensziel verfehlt.“ Eine grundlegende Verantwortung des Mannes Gottes ist, ein Hüter des Schatzes zu sein, den Schatz in seiner Generation zu schützen und ihn an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

Paulus ist sehr besorgt um Timotheus. Nachdem er an Titus geschrieben hat, was der vorletzte Paulusbrief ist, schreibt er deshalb einen letzten Brief an Timotheus, das ist der 2. Timotheusbrief. Schau ihn dir an. Es ist ein Abschiedsbrief. Er ist sehr besorgt um Timotheus, sehr besorgt. In Kapitel 1, Vers 6 erinnert er ihn daran: „die Gnadengabe Gottes wieder anzufachen, die durch Auflegung meiner Hände in dir ist.“ Timotheus war zum Dienst für die Verkündigung des Wortes Gottes eingesetzt worden. Und er hatte zugelassen, diese Gabe nicht mehr zu gebrauchen. Er wurde von Leuten in der Gemeinde eingeschüchtert, die ihm Schwierigkeiten bereiteten. Er war eingeschüchtert durch die drohende Verfolgung außerhalb der Gemeinde und der Einschüchterung von innen. Die Einschüchterung von außen drängte ihn zum Schweigen. Das war Feigheit. 

In Vers 7 heißt es: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.“ Dies ist eine beängstigende Zeit für Paulus, weil er den Staffelstab an Timotheus weitergeben wird und Timotheus einen schwachen Eindruck macht.

Paulus sagt in Vers 6: „Schäme dich nicht der Wahrheit.“ Schäme dich nicht zu predigen und die Wahrheit zu verkünden durch die Gabe, die dir gehört und die durch die Handauflegung der Ältesten bestätigt wurde. Sei kein Feigling. In Vers 8 heißt es: „Schäme dich nun nicht des Zeugnisses von unserem Herrn.“

Machst du Scherze? Meinst du, Timotheus könnte nach all den Jahren mit Paulus, nachdem er den ganzen triumphalen Dienst des Paulus gesehen hat, zusammenbrechen und sich des Zeugnisses des Herrn schämen und sich schämen, mit Paulus identifiziert zu werden? Offensichtlich. Dies ist eine bange Zeit in Paulus' Leben, und er hat Angst um Timotheus.

Wie ernst ist es? Vers 13: „Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! Bewahre dieses edle, anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt!“ Heute verstehe ich das. Es gibt alle Arten von Menschen, deren Stärke in ihrer Kommunikationsfähigkeit liegt. Sie sind cool, schlagfertig, klug und ziehen das Publikum in ihren Bann. Aber in der Anweisung von Paulus an Timotheus geht es darum, gesunde Worte zu bewahren und die Wahrheit wie einen Schatz zu hüten.

Als Hirte bist du ein Wächter. Wir verkünden nicht nur die Wahrheit, sondern wir beschützen die Wahrheit. Paulus' Herz ist am Ende seines Lebens wirklich gebrochen. In Vers 15 sagt er zu Timotheus: „Du weißt ja, dass sich von mir alle abgewandt haben, die in der Provinz Asia sind, unter ihnen auch Phygellus und Hermogenes.“ Alle hatten ihn im Stich gelassen. Er war allein. Einfach unglaublich. Ausgenommen das „Haus des Onesiphorus“, der „mich oft erquickt und sich meiner Ketten nicht geschämt hat“.

Alle hatten Paulus im Stich gelassen. Der Preis war zu hoch. Paulus ist am Ende seines Lebens und fleht Timotheus an: „Ich habe dir den Schatz gegeben. Bewache den Schatz. Bewahre die gesunden Worte.“ In Kapitel 2 setzt er den gleichen Appell fort. „Sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist. Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen“, - das ist der Schatz, die geoffenbarte Wahrheit, die durch den Apostel Paulus gekommen ist, - „das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“ Hier sind vier Generationen: Von Paulus zu Timotheus, zu treuen Männern, dann zu anderen. Auch du bist Teil der Staffel.

Es betrübt mich immer wieder, diese Art von Schein-Gemeinden zu sehen, die auftauchen und sich selbst als von allem Vergangenen losgelöst verstehen. „Dies ist nicht die Gemeinde deines Großvaters. Dies ist nicht die Gemeinde deiner Großmutter. Wir haben keine Orgel. Kommt, wie ihr wollt.“ Mit all dem wollen sie ein Bild schaffen, das völlig losgelöst ist von der Erfahrung, die jemand mit einer Gemeinde gemacht hat.

Paulus sagt: Ich gab dir die Wahrheit. Du gibst sie an die nächste Generation weiter, damit diese es an die nächste Generation weitergeben kann. Es geht darum, treu zu sein und das zu behalten, was einem gegeben wurde. Es geht nicht um Kreativität. Dann sagt Paulus: „Du nun erdulde die Widrigkeiten als ein guter Streiter Jesu Christi! Wer Kriegsdienst tut, verstrickt sich nicht in Geschäfte des Lebensunterhalts, ...“ Bringe es zum Abschluss wie ein Athlet. Er geht einfach all diese Bilder durch: Den Athleten, den Bauern, den Soldaten, den Lehrer. Nachdem er gesagt hat: „Halte im Gedächtnis Jesus Christus“, er ist dein Vorbild für Treue, sagt Paulus in Vers 9: „In dessen Dienst ich Leiden erdulde, sogar Ketten wie ein Übeltäter - aber das Wort Gottes ist nicht gekettet!“

Dies ist das letzte, endgültige Wort an jeden jungen Gemeindeleiter, gegeben von dem Apostel, der im Begriff ist, seinen Kopf auf einen Block zu legen und die Klinge einer Axt wird in der Sonne aufblitzen und seinen Kopf vom Körper trennen, und er wird beim Herrn sein. Und die nächste Generation wird in den Händen von Timotheus liegen.

Daran denke ich, wenn ich mir den Charakter und den Stil vieler dieser Männer ansehe, die Pastoren sind. Wie wird die nächste Generation aussehen, wenn das, was sie empfängt, in ihren Händen liegt? Was muss Timotheus tun? Vers 14: „Bring dies in Erinnerung und bezeuge ernstlich vor dem Herrn, dass man nicht um Worte streiten soll, was zu nichts nütze ist als zur Verwirrung der Zuhörer. Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt.“ Darum geht es. Bewahre die gesunde Lehre, behüte den Schatz, geh mit der Wahrheit richtig um. Das ist der Auftrag.

Und noch einmal: meide „unheilige, nichtige Schwätzereien“. „denn sie fördern nur noch mehr die Gottlosigkeit und ihr Wort frisst um sich wie ein Krebsgeschwür.“ Es richtet großen Schaden an, führt Menschen von der Wahrheit weg.

In Vers 20 heißt es dann: „In einem großen Haus gibt es aber nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und zwar die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre.“ Darf ich für einen Augenblick ein bisschen ungehobelt sein? Jedes Haus in der Antike hatte diese Art von Gefäßen. Damals gab es nicht den Vorteil von Rohrsystemen, die Wasser einleiten oder Abwasser ableiten konnten. Sie hatten also Gefäße aus Gold und Silber. Gefäße aus Gold und Silber waren für ehrenvolle Dinge bestimmt. Man richtete Essen darauf an und servierte es darauf. Gefäße aus Holz und Steingut waren für unehrenhafte Dinge bestimmt. Man brachte damit Müll raus. Man brachte damit Abfall raus. Was möchtest du sein? Möchtest du ein Topf für das sogenannte Plumpsklo sein? Oder möchtest du ein goldenes Tablett sein?

„Wenn nun jemand sich von solchen reinigt“ - Was ist damit gemeint, „von solchen“?  Der Einfluss von nichtigem, weltlichem Geschwätz, das zu Gottlosigkeit führt, und von Gerede, das sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitet. Wenn du dich reinigst von dem Einfluss unbiblischer Dinge, wirst du „ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und dem Hausherrn nützlich, zu jedem guten Werk zubereitet. So fliehe nun die jugendlichen Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden nach zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen. Die törichten und unverständigen Streitfragen aber weise zurück, da du weißt, dass sie nur Streit erzeugen.“

Das läuft doch alles auf das Gleiche hinaus, oder nicht? Es ist derselbe Weg. Und wir haben heute so meisterhaft von Conrad gehört, dass wir uns an die Schrift halten sollen. In Kapitel 3, Vers 15 heißt es: sie ist fähig dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ 

Und denke daran, dass alles, was du tust, vor dem Angesicht Gottes in Christus Jesus ist, „der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen.“ - Und dann kommt das Gebot – „Verkündige das Wort“ allezeit. Sogar in einer Zeit, in der sie „die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben;“ Sie wollen sich ihre Ohren kitzeln lassen.

Hörst du den Tonfall, der hier angeschlagen wird? Wisst ihr, als ich ein junger Mann war und mein Vater mir die erste Bibel gab, aus der ich zu predigen begann, schrieb er vorne rein: „Lieber Johnny, predige das Wort.“ Und er gab den Mantel an mich weiter. Predige das Wort.

Es dauerte nicht lange, bis ich herausfand, dass der Befehl, das Wort zu predigen, einen Kontext hat, den wir gerade betrachtet haben, und dass ich Gott gegenüber Rechenschaft ablegen muss, dem Wort treu zu sein. Und das bedeutete, der gesunden Lehre treu zu bleiben und den Schatz zu hüten, der mir anvertraut worden war.

Paulus schließt sein Leben ab, indem er Timotheus noch einmal daran erinnert: „Ich habe den guten Kampf gekämpft.“ Er sagt es noch einmal: Es war ein Kampf. „Ich habe... den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“ Den Glauben, die Gesamtheit der Wahrheit, die den christlichen Glauben ausmacht. Und jetzt gehe ich zu meiner Belohnung.

Es war nicht leicht für ihn. Alle, die in Asia sind, lassen ihn im Stich. Vers 10: „Demas hat mich verlassen, weil er die jetzige Weltzeit liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gezogen. Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Nur Lukas ist bei mir.“ Stell dir vor, nach allem, was er getan hat, ist er nun ganz allein und einsam, nur Lukas ist da. Und er bittet darum, dass Markus zu ihm kommt zur Gemeinschaft. Und er bittet um seinen Mantel und ein paar Pergamente.

In Vers 16 sagt er: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich; es werde ihnen nicht angerechnet! Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Verkündigung völlig ausgerichtet würde und alle Heiden sie hören könnten; und so wurde ich erlöst aus dem Rachen des Löwen. Der Herr wird mich auch von jedem boshaften Werk erlösen und mich in sein himmlisches Reich retten. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

So wird es auch bei uns sein. Wisst ihr, ich bin von wunderbaren Menschen umgeben. Ich bin so gesegnet. Ich kann nicht wie Paulus sagen: „Alle haben mich verlassen.“ Ich bin gesegnet. Nicht alle haben mich im Stich gelassen. Aber ich denke, jeder von uns, der zu solchen Themen Stellung bezieht, weiß, wie es ist, verleumdet, fälschlich beschuldigt, angegriffen und angefeindet zu werden. Und am Ende des Tages können wir einfach bestätigen: „Der Herr stärkt mich.“ Das wirst du tun müssen. Es kann sein, dass du dich in einer isolierten Situation wiederfindest, weil du versuchst, zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Der Herr wird dich stärken und dich für deine Treue belohnen.

Was für ein aufrichtiger Brief an Timotheus. Wenn du dich fragst, wie Timotheus reagiert hat, findest du die Antwort am Ende des Hebräerbriefs, denn der Schreiber des Hebräerbriefs schreibt folgendes: Hebräer 13,23: „Ihr sollt wissen, dass der Bruder Timotheus freigelassen worden ist;“ Woraus? Aus dem Gefängnis. Timotheus war im Gefängnis. Er wurde freigelassen. Timotheus hatte seine Gabe verstummen lassen, um das zu vermeiden. Als Paulus ihm schrieb, war er ein Feigling. Er wollte auf jeden Fall verhindern, ins Gefängnis zu kommen. Dann bekam er diesen Brief. Ich glaube, er ergriff sein Herz. Ich glaube, er wurde mutig und kam deshalb ins Gefängnis. Aber er wurde freigelassen. Es ist nur eine kurze Bemerkung, aber ich bin froh, dass sie da ist. Ich bin so froh, dass sie da ist.

Der Brief des Paulus hat das Leben von Timotheus verändert. Und möge er das Gleiche für dich tun, für uns alle. Mögen wir den Schatz behüten, gesunde Worte bewahren, uns bemühen, uns vor Gott als untadelige Arbeiter zu erweisen, die das Wort recht unterscheiden. Und mögen wir dann, nachdem wir es recht unterschieden haben, das Wort treu verkündigen. Und wenn niemand auf unserer Seite steht, dann soll es so sein. Der Herr wird uns nicht im Stich lassen.

Vater, wir danken dir für unsere gemeinsame Zeit in diesen Tagen. Es war ein wahrer Segen. Wir haben das Gefühl, auf dem Berg der Verklärung gewesen zu sein. Wir sind der Herrlichkeit nahe gekommen, und so sollten wir uns auch fühlen, so sollte unsere Haltung sein. Wir kamen deiner Herrlichkeit nahe, weil wir uns intensiv auf dich und dein Wort konzentriert haben. Und dein Wort ist der Ort, wo die Herrlichkeit wohnt. Denn in deinem Wort offenbarst du dich als der Allerherrlichste.

Danke für die Gemeinschaft, die wir genossen haben. Danke für die neuen erfrischenden Freundschaften, die wir geschlossen haben. Und, Herr, wir haben uns bemüht, dir auf dieser Konferenz ein Opfer des Gottesdienstes zu bringen, indem wir unsere Gedanken und Herzen vor dir erheben. Damit wir für eine neue Ebene des Dienstes vorbereiten werden. Eine neue Ebene der Nützlichkeit für dich, in der sich jeder Einzelne auf seine eigene bescheidene Weise gegen die Flut stellt, die dich entehrt.

Gott, unser Vater, Christus, unser Erlöser, und glückseliger Heiliger Geist, unser Beistand, unser Helfer. All das ist zu deiner Ehre und deinem Ruhm, all das. Und wir haben das Opfer in Demut gebracht, weil wir wissen, dass das Beste, was wir geben können, weit hinter dem zurückbleibt, was du wert bist. Alle unsere Worte, alle unsere Gedanken, alle unsere Einsichten, alle unsere Bemühungen, ob als Redner oder als Zuhörer, alles, was wir hier eingebracht haben, haben wir getan, um dir die Ehre zu geben. Möge es nur der Anfang sein, nur der Anfang von vielen Dienern, die sich zu deiner Ehre dafür einsetzen.

Mögen wir den Schmerz spüren, wenn du entehrt wirst. Und mögest du uns, Herr, als Werkzeuge benutzen, um andere wie ein Brandscheid aus dem Feuer zu reißen und den Gläubigen zu helfen, unnötiger Täuschung zu entkommen.

Während die Wahrheit von diesem Ort aus in der ganzen Welt nachhallt, wollen wir dir alles anbefehlen. Mach damit, was du willst. Nutze diese Konferenz nach deinem Willen. Das ist alles, worum wir bitten können. Und wir freuen uns und ruhen in dem, was du mit dem tust, was wir auf den Altar gelegt haben. Herr, mögest du verherrlicht werden. In deinem Namen beten wir. Amen.

ENDE

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