Gestern Abend sahen wir uns Paulus’ Leben aus der Perspektive eines Menschen an, der die Herrlichkeit des Evangeliums begriffen hat. Dabei sahen wir, dass diese auf alles in seinem Leben Auswirkungen hatte. Die Herrlichkeit des Evangeliums beeinflusste seine Ausdauer. Sie machte ihn bereit, zu leiden. Sie ließ ihn demütig werden. Sie trieb ihn zur Reinheit. Sie machte ihn zu einem sorgfältigen Verwalter des Wortes Gottes, der die Wahrheit nicht verfälschte. Sie trieb ihn dazu, sich mehr um die ewigen Dinge und das große Gewicht der Herrlichkeit zu kümmern, als um zeitliche Annehmlichkeiten und zeitliches Ansehen. Weil er die Herrlichkeit des Evangeliums verstand, war seine gesamte Lebensperspektive durch dessen Erhabenheit geprägt. Das ermöglichte es ihm, inmitten von unvorstellbarem Leiden durch das Leben zu gehen und schließlich als Märtyrer zu sterben.
Unser Thema für heute Morgen ist das Wesen oder die Natur des Evangeliums. Ihr könnt eure Bibel gerne in Römer 3,21 aufschlagen. Wenn man sich mit dem Evangelium nach Paulus befasst, stößt man zwangsläufig auf das dritte Kapitel des Römerbriefs. Und von den vielen Aspekten des Römerbriefes, die man alle verstehen muss, ist dieser Abschnitt das Herzstück des Buches. Dort steht: „Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben. Denn es ist kein Unterschied; denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt,“ – oder auch zur Zufriedenstellung – „das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, als Gott Zurückhaltung übte, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen! Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens! So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes. Oder ist Gott nur der Gott der Juden und nicht auch der Heiden? Ja freilich, auch der Heiden! Denn es ist ja ein und derselbe Gott, der die Beschnittenen aus Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben rechtfertigt. Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.“
Heute Morgen wird es hier ein bisschen mehr wie in einem Klassenzimmer zugehen. Wir werden uns in zwei Vorträgen durch diesen Abschnitt durcharbeiten. Das Thema ist die zufriedenstellende Natur des Evangeliums. In der ersten Hälfte wird es in den Versen 21 bis 25a um den Sünder gehen und wie das Evangelium ihn in seiner Situation zufriedenstellt. In der zweiten Hälfte wird es in den Versen 25b bis 31 darum gehen, wie das Evangelium Gott zufriedenstellt. Man könnte sagen, dass die erste Hälfte davon handelt, wie Christus für die Sünder gestorben ist, und die zweite Hälfte davon, wie Christus für Gott gestorben ist. Nun wissen wir alle, dass Christus für Sünder gestorben ist. Aber vielleicht sind wir nicht so vertraut mit der Tatsache, dass Christus für Gott gestorben ist. Und genau das werden wir uns im zweiten Vortrag heute Morgen ansehen. Das Schlüsselwort hier ist das Wort Gerechtigkeit, eine Form des Wortes dikaios, dikaioō im Griechischen. Es wird in diesem Teil der Schrift sehr häufig verwendet. Manchmal erscheint es als Gerechtigkeit, manchmal als gerechtfertigt.
Aber in allen Fällen ist es der Schlüsselbegriff in diesem Abschnitt. Es zeigt uns, dass es im Kern des Evangeliums um Gerechtigkeit geht. Bevor wir jedoch diesen Abschnitt betrachten, möchte ich mit euch bis zum Buch Hiob zurückgehen. Das Buch Hiob beschreibt möglicherweise die frühesten Ereignisse in der Heiligen Schrift nach der Schöpfung. Und schon in Kapitel 9 stellt Hiob die entscheidende Frage. „Da antwortete Hiob und sprach: Wahrhaftig, ich weiß, dass es sich so verhält; und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?“ Das ist die alles entscheidende Frage. Wie kann ein Mensch vor Gott gerecht sein? Und Hiob fährt fort: „Wenn er mit Ihm rechten wollte, so könnte er Ihm auf tausend nicht eins antworten. Er hat ein weises Herz und ist von ungebrochener Kraft; wer hat ihm je getrotzt und ist heil davongekommen? Er versetzt Berge, und man merkt es nicht; er, der sie umkehrt in seinem Zorn. Er stört die Erde auf von ihrem Ort, sodass ihre Säulen erzittern. Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel. Er allein spannt den Himmel aus und schreitet auf Meereswogen einher. Er machte den Großen Bären, den Orion und das Siebengestirn, samt den Kammern des Südens. Er tut große Dinge, die unerforschlich sind, und Wunderwerke ohne Zahl.
Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht. Siehe, wenn er dahinrafft, wer kann ihn hindern? Wer kann ihm zurufen: Was machst du da? Gott lässt von seinem Zorn nicht ab; selbst Rahabs Helfer müssen sich unter ihn beugen. Wie viel weniger könnte ich ihm da antworten, und Worte finden, um mit ihm zu reden! Auch wenn ich im Recht wäre, könnte ich ihm nichts erwidern, sondern müsste meinen Richter um Gnade anflehen. Wenn ich rufe, wird er mir antworten? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört; denn im Sturm zermalmt er mich und fügt mir ohne Ursache viele Wunden zu. Er lässt mich nicht einmal Atem holen, sondern sättigt mich mit bitteren Leiden. Kommt’s auf die Kraft des Starken an, siehe, er hat sie, und wenn aufs Recht, wer lädt mich vor? Wenn ich mich auch rechtfertige,“ – im menschlichen Sinne – „so wird mich doch mein Mund verurteilen, und bin ich auch untadelig, so wird er mich doch für verkehrt erklären.“
Das ist ein unglaubliches Bild von Gott und Hiob zeigt auf gewaltige Art und Weise Gottes Größe auf. Und Hiob stellt die Frage: Wie kann ich mit diesem Gott versöhnt sein? Wie ist es überhaupt möglich, dass ich mit einem Gott von solchem Ausmaß versöhnt sein kann? Wie kann ein Mensch seinem unausweichlichen Gericht entgehen? Jede Religion der Welt versucht, diese Frage zu beantworten, die lautet: wie wird ein Mensch mit Gott versöhnt? Im Israel des Alten Testaments gab es beispielsweise einige Religionen, die sagten, dass man sich mit Gott versöhnen könne, indem man sein Baby auf dem Altar verbrenne. Das zeigt aber nur, wie Religion beschaffen ist. Denn mit Ausnahme der Wahrheit schlägt jede Religion dieselbe Richtung ein: Menschen unternehmen religiöse Anstrengungen, um Gerechtigkeit vor Gott zu erlangen. Dabei ist es egal, um welche Religion es sich handelt, denn es trifft auf jede einzelne zu. Ich nenne sie die Religion der menschlichen Errungenschaften.
Es spielt keine Rolle, ob es sich dabei um die Anbetung von Moloch handelt oder von Baal oder Allah. Es spielt keine Rolle, ob du ein Mormone, Zeuge Jehovas, Hindu, Schintoist, Buddhist oder römisch-katholisch bist. Oder ob du einer weitgehend unbekannten Nebenreligion angehörst. Sie alle verbreiten die große Lüge, dass man sich durch eigene Anstrengung mit dem Gott versöhnen könne, an dessen Existenz man glaubt. Und obwohl sie unter vielen unterschiedlichen Namen daherkommt, ist alles nur eine einzige falsche Religion. Sie alle fordern für die Versöhnung mit Gott die unterschiedlichsten menschlichen Anstrengungen und Leistungen. Dazu müsse man nur bestimmte moralische, zeremonielle und religiöse Verhaltensweisen befolgen und man würde mit Gott versöhnt werden.
Hiob glaubte das nicht. Die Bibel sagt ganz klar, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Leistungen oder ihrer Taten vor Gott gerecht werden können. Daher stellt sich die Frage: Wenn man sich mit Gott nicht durch Moral, Zeremonien oder religiöse Aktivitäten versöhnen kann, wie dann? Das ist die entscheidenste und wichtigste Frage für jeden Menschen. Auf diese Frage braucht er eine Antwort. Denn mit Gott versöhnt zu sein ist der einzige Weg, der ewigen Verdammnis, der ewigen Hölle, zu entgehen. Gehen wir zurück zum Römerbrief. Paulus macht von Kapitel 1,18 bis hin zu Kapitel 3,20 etwas deutlich. Er zeigt auf, dass niemand aufgrund menschlicher Anstrengung mit diesem großen Gott versöhnt sein kann. Paulus stellt in Vers 10 unmissverständlich fest und betont mit allem Nachdruck: „Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. [...] Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer!“ Ebenso hebt Paulus in Vers 20 hervor, dass durch die Werke des Gesetzes kein Mensch vor Gott gerechtfertigt werden kann.
Die ersten drei Kapitel des Römerbriefes sagen also ganz klar, dass die ganze Welt verdammt ist. Es gibt keinen Menschen, der sich vor dem Richterstuhl Gottes angemessen verteidigen kann. Diese Nachricht ist natürlich für die religiösen Menschen besonders verheerend. Die Welt ist voll von durch und durch religiösen Menschen. Nehmen wir nur einmal die Juden als Beispiel, denn ihre Religion ist das Thema von Paulus’ Brief an die Römer. Die Juden glaubten, sie könnten mit Gott versöhnt sein, indem sie das im Alten Testament offenbarte Gesetz Gottes peinlich genau einhielten. Deshalb leiteten sie aus dem Gesetz endlose, selbst erdachte Gebote ab. Sie glaubten, dass diese hinzugefügten Gebote das eigentliche Gesetz derart abschirmen würden, dass man nie Gefahr laufen würde, gegen das eigentliche Gesetz Gottes zu verstoßen. Sie glaubten, man könne sich mit Gott versöhnen, indem man dem Gesetz gehorcht und es hält.
Diesen großen Irrtum zerriss der Apostel Paulus in den ersten Kapiteln des Römerbriefes buchstäblich in der Luft. Seine Schlussfolgerung in Kapitel 3,20 ist, dass es unmöglich ist, durch das Halten des Gesetzes gerechtfertigt zu werden. Der Weg Gottes führt nicht über menschliche Anstrengung. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Gott das in seinem Wort so offenbart. Schon in Micha 6 heißt es über das Opfern, das notwendig war, um vor Gott treten zu können: „Hat der Herr Wohlgefallen an Tausenden von Widdern oder an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen geben für meine Übertretung, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele?“ Soll ich mein Kind für meine rebellischen Taten verbrennen lassen? Dann heißt es weiter: „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?“ Es geht nicht um Zeremonien oder Rituale. Es geht um das Herz. Das Problem ist nur: Was kann der Sünder wegen seines Herzens tun, das über alle Maßen trügerisch und überaus bösartig ist? Er kann nicht Recht tun oder demütig leben und damit Gott gefallen. Es gibt keinen, der mit Gott versöhnt ist, nicht einen einzigen.
Tatsächlich sagt uns Römer 3,19, dass jeder Mund verschlossen ist. Anders ausgedrückt kann sich keiner vor dem Richterstuhl verteidigen. Keiner kann sich selbst mit dem Richter, dem lebendigen Gott, ins Reine bringen. Es gibt in unserem Leben nichts qualitativ Hochwertiges, sei es moralisch oder religiös, mit dem wir vor Gott argumentieren könnten. Nichts davon würde uns mit ihm versöhnen. Dazu sind alle Sünder sowohl unfähig als auch unwillig. Gott selber hat ihnen mit der Religion des Alten Testaments den Maßstab seines Wohlgefallens vorgelegt. Aber kein Sünder kann Gott dadurch gefallen, dass er diese Maßstäbe befolgt. Denn wenn man gegen eines der Gesetze verstößt, hat man gegen alle verstoßen, richtig? Obwohl also das Gesetz die Offenbarung und der Abglanz des Wesens Gottes und damit der Maßstab für das Richtige ist, kann es dennoch vom Menschen nicht erfüllt werden. Daher ist die Lage des Menschen düster und trostlos. Würde Paulus in Kapitel 3,20 stehen bleiben, wäre die Verzweiflung groß. Denn der Mensch wäre ohne Ausweg zur Hölle verurteilt.
Doch wenn wir weitergehen, kommen wir plötzlich zu Vers 21, wo ich zu lesen begann. Dort, wo es so aussieht, als wäre alle Hoffnung verloren und die Religion der menschlichen Anstrengung völlig verworfen, bricht ein Licht durch die Dunkelheit. „Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden“. Hier bricht das Licht endlich durch, das bereits in Kapitel 1,16 kurz aufgeflackert war. Dort heißt es, dass das Evangelium Gottes Kraft zur Errettung ist und in ihm „die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben geoffenbart“ wird. Das war in Kapitel 1,16 ein kurzes Aufblitzen der Herrlichkeit des Evangeliums und der Realität des Heils. Aber erst in Kapitel 3,21 bricht das volle Licht hervor und Hoffnung durchdringt die entsetzliche Verzweiflung des Sünders. Die einleitenden Worte von Römer 3,21, „Jetzt aber“, sind deshalb eine höchst willkommene Überleitung. Wir haben genug von der Hässlichkeit der Sünde gesehen. Römer 1,18 sagt, dass deswegen der Zorn Gottes vom Himmel her offenbart wird. In diesem sehr bekannten Vers geht es bei dem Zorn Gottes, der vom Himmel her offenbart wird, nicht um den eschatologischen, zukünftigen, ewigen Zorn. Es geht auch nicht um den Zorn als Konsequenz von Sünde: denn was der Mensch sät, das erntet er. Sondern es ist der dahingebende, verwerfende Zorn Gottes gemeint, der sich durch die menschliche Geschichte hindurchzieht. Mit diesem Zorn bestrafte Gott eine Nation nach der anderen, weil sie Gott zwar kannten, ihn aber nicht als Gott verherrlichten. Sie waren der Sünde verfallen, weil sie sich falsche Götter gemacht hatten. Und Gott gab sie dahin an die Unmoral, Homosexualität und an einen verdorbenen Verstand. Wir sehen im Lauf der menschlichen Geschichte immer wieder, dass es um die Verurteilung der Sünde Einzelner aber auch der Sünde bestimmter Gruppierungen ging.
In Römer 1,18 bis 3,20 ist also die Dunkelheit sehr dicht und von düsteren Vorahnungen geprägt. Aber nun kommt die Morgendämmerung der Hoffnung und mit ihr ein willkommener Übergang. „Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden“. Die Gerechtigkeit des Menschen war unzureichend. Jesaja wählte dafür einen sehr anschaulichen hebräischen Ausdruck, indem er sagte: „All unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid“. Das heißt, dass sich ein Mensch nicht durch irgendetwas mit Gott versöhnen kann, das er auf menschlicher Ebene tut. Dazu möchte ich euch aus Paulus’ Sicht in Philipper 3 ein Dilemma in seinem Leben zeigen. Wir sprachen gestern Abend schon kurz darüber. Hier berichtet Paulus ab Vers 4 von seiner eigenen Gerechtigkeit.
„Wenn ein anderer meint, er könne auf Fleisch vertrauen, ich viel mehr: beschnitten am achten Tag, aus dem Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern“. Das heißt, ein Traditionalist. „Im Hinblick auf das Gesetz ein Pharisäer“. Das bedeutet, dass er sich der höchsten, anspruchsvollsten Stufe der gesetzlichen Hingabe verpflichtet fühlte. „Im Hinblick auf den Eifer ein Verfolger der Gemeinde“, die er als Feind der Wahrheit ansah, „im Hinblick auf die Gerechtigkeit im Gesetz untadelig“. Äußerlich konnte man ihm also nichts vorwerfen, was standgehalten hätte. Er war ein überaus geschickter Heuchler mit einem tadellosen Äußeren, wie so viele andere in der Gemeinschaft der Pharisäer.
Und dann sagt er in Vers 7: „Dies alles war mir ein Gewinn“. Er hatte geglaubt, dass er dadurch das Seelenheil erlangen würde. Aber als er Christus sah, wurde ihm klar, dass alles andere wertlos war. Alles wanderte von der Rubrik des Gewinns in die Rubrik des Verlustes. Deshalb sagt er in Vers 8: „Ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.“ Das ist es, was wirklich zählt. Und Vers 9 sagt uns, warum: „Indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott“. Wenn du mit Gott versöhnt sein willst, musst du eine Gerechtigkeit haben, die von Gott kommt. Auf diesen Kern des Evangeliums werden wir in den nächsten Tagen immer wieder zurückkommen, damit ihr es in seiner ganzen Fülle versteht. Man kann nicht auf der Grundlage menschlicher Gerechtigkeit mit Gott versöhnt sein. Der einzige Weg, wie ein Mensch mit Gott versöhnt sein kann, ist durch Gottes eigene Gerechtigkeit. Das Licht kommt nicht von unten und nicht von innen, sondern von oben. Gott kommt zur Hilfe.
Wenn ich also mit Gott versöhnt sein will, muss ich vollkommen sein, wie mein Vater im Himmel vollkommen ist. Aber das kann ich nicht. Es ist unmöglich. Ich selber kann dieses Maß an Gerechtigkeit nicht erreichen. Ich kann ein Mönch werden und für den Rest meines Lebens meinen Bauchnabel betrachten, als wäre das eine heilige Übung. Ich könnte in einem Kloster oder einem Konvent leben. Ich könnte Nägel in meine Schuhe legen, und mir einen Gürtel mit Widerhaken um die Taille schlingen, um mich bis ins Fleisch zu schneiden. Ich könnte den ganzen Tag in der Bibel lesen und beten. Ich könnte an Haken von der Decke hängen. Ich könnte mein Fleisch geißeln oder mich kreuzigen lassen. Doch all das würde nichts nützen. Nichts davon hätte irgendeinen Wert, denn die Gerechtigkeit, die ich brauche, ist von göttlicher Natur. Die einzige für Gott annehmbare Gerechtigkeit ist seine eigene Gerechtigkeit.
Die Antwort auf die Frage, was der Mensch braucht, um mit Gott versöhnt zu sein, lautet daher, dass er die Gerechtigkeit Gottes braucht. Diese Gerechtigkeit unterscheidet sich jedoch von jeder anderen Gerechtigkeit. In Jesaja 45,8 heißt es: „Träufelt, ihr Himmel, von oben herab, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf, und es sprosse Heil hervor“. Das ist ein wunderschönes Bild für die Gerechtigkeit, die wir brauchen. Sie muss vom Himmel herabkommen. Und dann heißt es am Ende dieses Verses: „Ich, der Herr, habe es geschaffen.“ Die Gerechtigkeit Gottes ist göttlich und vollkommen. Sie gehört Gott selbst, sie wurde von ihm geschaffen und hat sich in Christus manifestiert. Petrus nennt sie „die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus“. Liebe Geschwister, das ist der Kern des Evangeliums. Wenn du mit Gott versöhnt sein willst, musst du diese Gerechtigkeit Gottes besitzen. Es ist die Gerechtigkeit Jahwes und die Gerechtigkeit des Sohnes Gottes. Diese Gerechtigkeit ist perfekt und unterscheidet sich damit von jeder anderen Gerechtigkeit. Jesus kam in die Welt, offenbarte diese Gerechtigkeit und zeigte sie auf zweierlei Weise. Theologen sprechen gerne von der aktiven und der passiven Gerechtigkeit Christi. Hast du diese Begriffe schon einmal gehört? Die aktive Gerechtigkeit Christi meint die Gerechtigkeit, die sich in seinem Leben zeigte. Die passive Gerechtigkeit Christi hingegen meint die Gerechtigkeit, die sich in seinem Sterben zeigte.
Wir sehen die Gerechtigkeit Gottes in Christi vollkommenen Leben und in seinem stellvertretenden Tod. Er war dem Gesetz Gottes vollkommen gehorsam und erfüllte seine Gebote auf vollkommene Weise. Und in seinem Tod erfüllte er vollkommen die vom Gesetz geforderte Strafe für Sünde. In 3. Mose 1 finden wir eine ziemlich anschauliche Darstellung dieser Vollkommenheit und Gerechtigkeit. Im 3. Buch Mose wurden dem Volk Israel Opfer vorgeschrieben, die sie darbringen mussten. Auf Sünde bezogen gab es drei Opfer: das Sündopfer, das Schuldopfer und das Brandopfer.
3. Mose 1 beginnt mit dem allgemeinsten unter den Opfern, dem Brandopfer. Es war ein lieblich duftender Wohlgeruch. Zwar hatte es einige Elemente und Merkmale mit dem Sündopfer und Schuldopfer gemein, aber zugleich hatte es auch etwas Einzigartiges. Das Brandopfer symbolisierte die wesentlichen Merkmale der Sühnung. Schon damals sagte der Herr dem Volk Israel, dass menschliche Gerechtigkeit nicht ausreicht. Das wurde gerade durch dieses Opfer symbolisch dargestellt. „Und der Herr rief Mose, und er redete zu ihm aus der Stiftshütte und sprach: Rede zu den Kindern Israels und sprich zu ihnen: Wenn jemand von euch dem Herrn eine Opfergabe darbringen will, so sollt ihr eure Opfergabe vom Vieh darbringen, und zwar vom Rind und vom Kleinvieh.“ Die erste Anforderung an die Opfergabe war dann, dass es sich um ein fehlerloses männliches Tier handeln sollte. Vers 3: „Ist seine Opfergabe ein Brandopfer vom Rind, so soll er ein makelloses männliches Tier darbringen.“ Ohne Makel, ohne einen Defekt. Oder in Vers 10: „Wenn aber seine Opfergabe vom Kleinvieh ist, so bringe er ein makelloses männliches Tier von den Lämmern oder Ziegen zum Brandopfer dar.“ Wenn ein Israelit dann ein Lamm mitgebracht hatte, wurde es überprüft, um sicherzustellen, dass es ohne Makel war.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Gott ein Opfer verlangt, welches rein, perfekt, sündlos und tadellos ist. Weil der Täter schuldig ist, muss die Sühnung von jemand kommen, der unschuldig ist. Das ist ein wunderbares Bild, denn kein Tier ist einer Sünde schuldig. Kein Schaf, kein Widder, kein Stier, keine Ziege hat sich je einer Sünde schuldig gemacht. Hier haben wir also das Bild eines sündlosen Opfers, das anstelle des schuldigen Sünders erforderlich ist. Deshalb sagt Petrus, dass für uns wortwörtlich ein makelloses Opfer bereitgestellt wurde und wir damit einen makellosen Stellvertreter haben. Wir wurden nicht mit Silber und Gold erkauft, sondern mit dem kostbaren Blut des Lammes ohne Fehl und Tadel. Das Lamm ohne Makel weist meiner Meinung nach auf den aktiven Gehorsam Christi hin. Manche Leute wenden ein, dass die Thematik des aktiven Gehorsams nicht explizit in der Bibel stünde. Ich glaube aber, dass der aktive Gehorsam sehr wohl an mehreren Stellen in der Heiligen Schrift zu finden ist, unter anderem in dieser hier. Der aktive Gehorsam Christi sorgte für ein nachweislich vollkommenes Opfer, so dass alle wissen können, dass dieses Opfer gültig war.
Gott bezeugte außerdem Jesu Vollkommenheit, indem er sagte: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. Und der Schreiber des Hebräerbriefs sagt über Jesus: „Er ist heilig, unschädlich, unbefleckt und abgesondert von den Sündern“. Das makellose Lamm weist daher auf den aktiven Gehorsam Christi hin, der ein Leben ohne Sünde lebte. Dabei stellt Gott ein vollkommenes, sündloses, heiliges und gerechtes Leben bereit, das jeder Mensch sehen kann.
Auch der zweite Aspekt des Brandopfers ist sehr interessant: Der Schuldige stützte sich mit seinem ganzen Gewicht auf das Tier. Vers 4 sagt: „Und er soll seine Hand auf den Kopf des Brandopfers stützen, so wird es ihm wohlgefällig angenommen und für ihn Sühnung erwirken.“ Wie wir aus der Geschichte wissen, traten die Leute an das Opfertier heran und legten buchstäblich ihre Hände auf den Kopf des Tieres. Damit stützten sie sich symbolisch mit ihrem ganzen Gewicht auf das Opfer, um die Schuld auf den Stellvertreter zu übertragen. Das symbolisiert das Wesen des Glaubens. Der Schuldige setzt sein Vertrauen und seine Hoffnung auf Rettung ganz auf den Stellvertreter. Es ist ein wunderschönes und herrliches Bild für den Glauben an Christus, bei dem wir unser ganzes Vertrauen auf den legen, der an unserer Stelle starb. Es gibt in Vers 5 noch ein weiteres interessantes Element des Brandopfers. Der Opfernde, also der Sünder, der das Opfer brachte, sollte „den jungen Stier vor dem Herrn schächten“. Hier sehen wir, dass der Tod des Stellvertreters ein Symbol war und ist, und zwar für die grausame, tödliche Strafe für Sünde. Es zeigt, dass die göttliche Gerechtigkeit es damals und heute absolut ernst meint und als Strafe den Tod fordert. Manche Leute wollen, dass wir die Erlösung als eine Art kollektiver Angelegenheit verstehen, so zum Beispiel auch die neue Paulus-Perspektive. Aber dieses Opfer zeigt, dass es eine sehr persönliche Angelegenheit ist. Der Sünder tötete das Tier mit seinen eigenen Händen und vermittelte so lebhaft einen Eindruck von seiner persönlichen Verantwortung für den Tod des endgültigen Stellvertreters. Deine Sünden haben Christus dorthin gebracht.
Das nächste Merkmal ist, dass der Priester Blut auf den Altar sprengte. In der Mitte von Vers 5 heißt es: „Die Priester sollen das Blut darbringen und es ringsum an den Altar sprengen, der vor dem Eingang der Stiftshütte steht.“ Das symbolisiert die Tatsache, dass die Strafe für Sünde der Tod war und dass nur der Tod, symbolisiert durch das Blut, Gott zufrieden stellen konnte.
Diese vier Bestandteile des Brandopfers fanden sich auch beim Schuldopfer und beim Sühnopfer. Aber hier kam noch eine fünfte Komponente ins Spiel, die einzigartig war: Die Priester verbrannten das gesamte Opfer vollständig. In Vers 6 heißt es: „Er aber soll dem Brandopfer die Haut abziehen und es in seine Stücke zerlegen; und die Söhne Aarons, des Priesters, sollen Feuer auf dem Altar machen und Holz aufschichten über dem Feuer“. Unten in Vers 9 heißt es dann: „Seine Eingeweide aber und seine Schenkel soll er mit Wasser waschen; und der Priester soll das Ganze auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen als ein Brandopfer, ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den Herrn.“ Das Brandopfer soll also einen lieblichen Geruch für Gott verströmen. Das symbolisiert, dass Gott mit dem Opfer zufrieden ist, sein Zorn besänftigt ist, Versöhnung stattgefunden hat und Frieden eingetreten ist. Das zerschlagene Opfer stellte Gott zufrieden, wie Jesaja 53,10 es sagt: „Aber dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen“.
All dies ist ein Beispiel für die Gerechtigkeit, die Gott verlangt. Er verlangt ein vollkommen gerechtes Opfer, das im Opfersystem im Brandopfer symbolisiert und in der Person Jesu Christi verwirklicht wurde. Jesus führte ein Leben in vollkommenem Gehorsam und demonstrierte damit aktiv die Gerechtigkeit Gottes. Dann starb er einen Tod in vollkommenem Gehorsam. In diesem Moment demonstrierte er außerdem die vollkommene Erfüllung der Gesetzesstrafe für Sünder. Wir haben aus uns selbst nicht die Gerechtigkeit, die Gott verlangt, sondern er muss sie uns geben. Und das tut er durch das Opfer Christi. In Bezug auf die Gerechtigkeit Gottes muss noch gesagt werden, dass es eine ewige Gerechtigkeit ist. Jesaja sagt: „Meine Gerechtigkeit wird ewig bleiben“. Selbst wenn wir Menschen einen Moment lang gerecht sein könnten, wäre unsere Gerechtigkeit nicht von Dauer. Deshalb heißt es in Hebräer 10,14: „Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden.“ Und Hebräer 9,12 formuliert es folgendermaßen: Er „hat eine ewige Erlösung erlangt“. Wir müssen nicht versuchen, an der Gerechtigkeit festzuhalten, denn wir könnten diese Gerechtigkeit sowieso weder erreichen, noch könnten wir sie aufrechterhalten. Es ist die Gerechtigkeit Gottes und sie kommt von ihm herab. Deshalb ist die Erlösung für immer.
Viele Leute glauben, dass man seine Errettung verlieren könne. Aber wie soll das möglich sein? Du kannst deine Errettung nur dann verlieren, wenn die Errettung von dir abhängig wäre. Tatsache ist, wenn ich mein Seelenheil verlieren könnte, würde ich es ganz sicher verlieren. Und auch du würdest deine Errettung ganz sicher verlieren, wenn das möglich wäre. Ich selbst bin nicht dazu in der Lage, meine Errettung aufrechtzuerhalten. Aber was meine Errettung aufrechterhält, ist eine mir völlig fremde Gerechtigkeit Gottes, die mir gegeben wird. Nun kehren wir zurück zu Römer 3. All das, was ihr gerade gehört habt, war nur eine Art Einführung zu diesem Abschnitt. Der Schlüssel in diesem Abschnitt ist das Konzept der Gerechtigkeit. Lasst uns nun im Einzelnen darüber sprechen, woraus diese Gerechtigkeit Gottes besteht.
Erstens: Sie hat nichts mit Gesetzlichkeit zu tun. Sie ist nach Vers 21 „außerhalb des Gesetzes“. Paulus setzt diese Formulierung an eine besonders nachdrücklich betonte Position in seiner Aussage. Ich weiß nicht, wie das bei eurer Übersetzung ist, aber die Schlachter hat es in ihrer Übersetzung aus dem Griechischen richtig gemacht. Dort ist es als besonders starke Aussage formuliert: „Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes“. In Römer 5,20 heißt es: „Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde.“ Das Gesetz bewirkt effektiv also nicht Gerechtigkeit, sondern Übertretung. Deshalb sagt auch Paulus in Römer 7: „Als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf, und ich starb“. Damit bestätigt er, dass das Gesetz nicht seine Gerechtigkeit vollbrachte. Die Gerechtigkeit Gottes ist also ausdrücklich abseits vom Gesetz, d. h., sie hat nichts mit dem Halten des Gesetzes zu tun. Das muss jeder Gläubige verstehen. Der größte Irrtum der Religion besteht in der Annahme, dass Menschen durch Werke Gerechtigkeit und ein gutes Verhältnis zu Gott erlangen könnten. Das ist die große Lüge des Teufels.
Gerechtigkeit ist nicht nur unabhängig vom Gesetz, sondern ich möchte euch noch eine zweite Wahrheit weitergeben: Sie beruht auf Offenbarung. Die Formulierung in Römer 3,21: „Die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird“ ist eine Umschreibung für das Alte Testament. Es ist also nichts Neues, was er hier schreibt, sondern das, was das Alte Testament schon immer gesagt hat. Schlagt zum Beispiel Römer 4,3 auf. Dort nimmt Paulus Bezug auf das alttestamentliche Modell für Gerechtigkeit: „Denn was sagt die Schrift? ‚Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet‘.“ Abraham wurde also durch Glauben gerettet. Das ist der ganze Punkt von Kapitel 4. Vers 2 sagt: „Wenn nämlich Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott.“ Und Vers 5: „Wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.“ Wir sehen also, dass dieses Konzept nicht neu ist. Es stammt direkt aus dem Alten Testament.
Vers 9 sagt: „Dem Abraham [ist] der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet worden“. Das stammt direkt aus 1. Mose 15. Die religiösen Zeremonien und Rituale des Alten Testaments konnten kein Leben schenken. Selbst das heilige Gesetz Gottes, von dem Paulus sagt, dass es heilig, gerecht und gut ist, konnte kein Leben geben. Es konnte nur den Tod bringen. Das ist nicht neu. Wir sehen es schon seit dem Anfang, in 1. Mose. Auch bei den Propheten finden wir es, z. B. bei Habakuk: „Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.“ Das war schon immer so. Und auch das wunderbare Kapitel 55 aus Jesaja, muss an dieser Stelle hinzugezogen werden: „Wohlan, ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser; und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst!“ Mit anderen Worten: wer keine Gerechtigkeit hat, „kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Sucht den Herrn, solange er zu finden ist; ruft ihn an, während er nahe ist! Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Übeltäter seine Gedanken; und er kehre um zu dem Herrn, so wird er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung“. Das ist der Schlüssel. Du brauchst Vergebung.
Aber was wollte nun das alttestamentliche Gesetz erreichen? Die Aufgabe des Gesetzes war, Menschen zur Verzweiflung zu treiben, weil sie nichts gegen ihre Sünde unternehmen konnten. Der Mensch sollte dazu gebracht werden, zu Gott um Gnade zu schreien. Das beste Beispiel für eine alttestamentliche Bekehrung finden wir in Lukas 18: „Und der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab“. Die innere Zerbrochenheit des Zöllners führte zur Glückseligkeit. Mit dem Beginn der Bergpredigt klagt Jesus die Pharisäer an, dass sie alles falsch verstanden hatten. Denn das Reich Gottes besitzen nur die Armen im Geist, die geistlich bankrott sind und es wissen. Die Sanftmütigen sind Erben des Reiches Gottes und diejenigen, die nach einer Gerechtigkeit hungern und dürsten, von der sie wissen, dass sie sie nicht haben. Diejenigen besitzen es, die über ihren geistlichen Zustand weinen und trauern. Und sie werden getröstet werden. Sie sind diejenigen, die das Reich Gottes empfangen. Das war in der Heiligen Schrift schon immer der Weg, wie man gerettet wurde. Die Art und Weise war im Alten Testament nicht anders als heute. Somit untergräbt das Evangelium von Jesus Christus nicht das Alte Testament. Es ist kein Übergang zu einem neuen Weg der Errettung. Sondern es ist die volle Substanz dessen, was man im Alten Testament nur als Schatten erkennen konnte.
Wenn wir über die Gerechtigkeit Gottes sprechen, ist sie also erstens abseits von Gesetzlichkeit, basiert zweitens auf Offenbarung und wird drittens durch den Glauben erworben. Römer 3,22 sagt: „Nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus“. Die Erlösung kommt durch den Glauben. Wir gehen noch einmal zurück zu Römer 4,5: „Er rechtfertigt den Gottlosen, weil sein Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet wird“. Das ist ein erstaunliches und großzügiges Geschenk, nicht wahr? Oder schaut euch Epheser 2,8 an: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es“. Es geht einfach um den Glauben. In Römer 4,20 heißt es über Abraham: „Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die Ehre gab und völlig überzeugt war, dass Er das, was Er verheißen hat, auch zu tun vermag. Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.“ Verstehst du, worum es bei diesem Tausch geht? Wenn du Gott Glauben schenkst, schenkt er dir seine Gerechtigkeit. Deshalb sagen wir, dass die Errettung allein durch den Glauben kommt, sola fide – durch Glaube allein. Und selbst dieser Glaube ist ein Geschenk Gottes.
Er gewährt ihn jedoch nicht losgelöst von unserem Willen, sondern indem er uns willens macht. So verleiht Gott unserer toten Seelen Leben durch das Werk des Heiligen Geistes in der Wiedergeburt. Man könnte noch viel mehr darüber sprechen, was rettender Glaube ist. Aber das hebe ich mir für eine der nächsten Predigten auf. Der Kern des Evangeliums, das Paulus verkündigt, ist, dass die Gerechtigkeit Gottes zu uns vom Himmel herabkommt. Die Gerechtigkeit Gottes basiert auf Offenbarung und ist im Einklang mit dem Alten Testament. Die Gerechtigkeit Gottes kommt nicht durch Gesetzlichkeit, sondern durch den Glauben.
Viertens: Die Gerechtigkeit Gottes ist für alle bereitgestellt, die glauben. Das ging dem pharisäischen Judentum sicher gegen den Strich. Wenn ihr wissen wollt, wie die Juden über die Bekehrung von Heiden dachten, lest das Buch Jona. Der Prophet Jona sollte eigentlich als Evangelist und Missionar tätig werden. Aber als sich dann schließlich Menschen bekehrten, war dies das Schlimmste, was ihm je passiert war. Er wurde so wütend, dass er Gott aufforderte, ihn zu töten. Und das nur wegen der Tatsache, dass die Niniviten glaubten und sich damit Heiden in die jüdische Verheißung einklinken wollten. Mit dieser Wendung konnte er nichts anfangen. Römer 3,22 zeigt uns den Gegenstand des Glaubens, das ist Jesus Christus. Dort heißt es: „Nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben. Denn es ist kein Unterschied.“ Und Apostelgeschichte 13,39 sagt: „Jeder wird gerechtfertigt, der glaubt.“ Juden und Heiden wird dasselbe Evangelium gepredigt. Es gibt keinen Unterschied, sondern die Gerechtigkeit Gottes kommt zu allen, die glauben. Die Juden hassten das. Man könnte die Frage stellen, was dann mit dem ersten Satz in Römer 1 gemeint ist, wo es heißt: „zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen“. Hier bezieht sich Paulus auf die chronologische Reihenfolge. Natürlich sandte Gott seinen Sohn als Jude zum Volk Israel. Daher kam die Botschaft des Evangeliums zeitlich zuerst zu den Juden, aber sie war immer für die ganze Welt bestimmt. Und der Beweis dafür ist in Vers 23 zu finden. „Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes“. Weil alle die gleiche Not haben, ist Sühnung für alle verfügbar.
Wenn ihr ein wenig zu Römer 2 und 3 zurückgeht, könnt ihr Folgendes sehen: Juden, die stolz waren auf das, was sie besaßen, werden verurteilt. In Vers 25 heißt es: „Die Beschneidung nämlich hat nur Wert, wenn du das Gesetz hältst; bist du aber ein Übertreter des Gesetzes, so ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden. Wenn nun der Unbeschnittene die Rechtsbestimmungen des Gesetzes befolgt, wird ihm dann nicht seine Unbeschnittenheit als Beschneidung angerechnet werden?“ Der entscheidende Punkt ist, dass es grundsätzlich darum geht, das Gesetz zu halten. Und dazu sind weder die Beschnittenen noch die Unbeschnittenen in der Lage. Paulus sagt in Vers 23 zu den Juden: „Du rühmst dich des Gesetzes und verunehrst doch Gott durch Übertretung des Gesetzes? Denn der Name Gottes wird um euretwillen gelästert unter den Heiden“. Damit sagte er, dass sie nicht besser dran waren als die Heiden. Wisst ihr, was für einen Art der Taufe die die Taufe des Johannes des Täufers war? Das war keine christliche Taufe, sondern eine jüdische Proselyten-Taufe. Eine solche Taufe wurde an Heiden vorgenommen, die Teil der jüdischen Religion werden wollten. Und als Johannes der Täufer die Bevölkerung Israels, das jüdische Volk taufte, sagte er ihnen damit: Ihr seid nicht besser dran als die Heiden. Obwohl das jüdische Volk Gottes Verheißungen empfangen hatten, standen sie in Wirklichkeit außerhalb des Bundes Gottes. Und so gab er ihnen diese Proselytentaufe. Das war für die Juden eine bittere Medizin, die sie schlucken mussten.
Manche glauben, dass die Juden im Alten Testament ein Evangelium des Gesetzes hatten und die Heiden ein Evangelium der Gnade. Aber das stimmt nicht. So, wie es nur ein Evangelium gibt, gibt es nur einen Weg der Errettung. Und das war immer derselbe. Errettung kam immer durch den Glauben. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Jude oder Heide, denn alle haben die gleiche Not. „Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes“. Was bedeutet das? Sünde bringt alle Menschen in dieselbe Position vor Gott. In Jesaja 43,7 heißt es: „Ich habe ihn zu meiner Ehre erschaffen“. Aber der Mensch hat es versäumt, ihm Ehre zu machen. Alle haben gesündigt und alle brauchen die Gerechtigkeit Gottes. Diese Gerechtigkeit Gottes war ohne Unterschied schon immer für jeden verfügbar, der glaubte.
Mit Gott versöhnt zu sein geschieht also außerhalb von Gesetzlichkeit, beruht auf Offenbarung, wird durch den Glauben erworben und ist für alle bereitgestellt. Fünftens, die Gerechtigkeit Gottes wird durch Gnade gegeben. Römer 3,24 sagt es so: „sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade“. Wir wissen, dass es ein Geschenk ist, durch seine Gnade gerechtfertigt zu sein. Man kann dieses Geschenk ablehnen oder annehmen, aber man kann es sich nicht verdienen. Es ist ein Geschenk. Ich liebe es wie die Elberfelder das Griechische an dieser Stelle präziser übersetzt: Sie werden „umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade“. Gerechtfertigt bedeutet gerecht. Es ist ein Geschenk durch seine Gnade, dass wir gerecht geworden sind. Hier steht dasselbe Wort, dikaios. Rechtfertigung ist eine Angelegenheit der Gnade. Paulus verwendet den Begriff charis, Gnade, etwa hundertmal in seinen Briefen, weil das Evangelium immer als ein Evangelium der Gnade zu verstehen ist.
Mit Gott versöhnt zu sein, wird also durch Gnade ermöglicht. Aber obwohl es für uns kostenlos ist, war es sehr kostspielig. Und das ist der sechste Punkt: Es wurde durch Erlösung vollbracht. Vers 24 geht weiter: „aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ Was bedeutet das Wort Erlösung? Es bedeutet, jemanden durch die Zahlung eines Preises freizukaufen. Und wer bezahlte den Preis? Jesus. Vers 25 nennt die Höhe des Preises: „Ihn hat Gott vor den Augen aller Welt zum Sühneopfer für unsere Schuld gemacht“, das griechische Wort ist hilastērion: zum Sühnopfer. „Durch sein Blut, das er vergossen hat, ist die Sühne geschehen“ (NGÜ).
Die Antwort auf Hiobs Frage: Wie kann ein Mensch mit einem Gott wie diesem versöhnt werden? … lautet also: Weder aus eigener Kraft, noch durch eigene Anstrengung. Der Mensch muss die Gerechtigkeit Gottes vom Himmel empfangen, als ein Geschenk, außerhalb von Gesetzlichkeit. Dieses Geschenk beruht eindeutig auf der Offenbarung Gottes im Alten Testament und wird durch den Glauben erworben. Es steht allen zur Verfügung, die glauben. Es wird aus Gnade gegeben. Die Erlösung wurde durch ein Sühnopfer bereitgestellt. Das ist das Evangelium des Paulus in Bezug darauf, wie es das Bedürfnis des Sünders zufrieden stellt. Das ist der Grund, warum wir diese Botschaft predigen. Die Botschaft lautet: Ohne Evangelium gibt es keine Rettung. Ich weiß, dass manche Menschen heute sagen: Oh, aber an Orten, wo Menschen noch nie die Gelegenheit hatten, das Evangelium zu hören, wird Gott das auch nicht von ihnen fordern. Er wird ihren Glauben an das, was auch immer sie erkannt haben, als ausreichend betrachten, um sie zu retten. Das ist aber nicht das, was die Bibel sagt. Errettung erfolgt durch den Glauben an Christus. Ohne ihn gibt es keine Rettung. Deshalb haben wir den Auftrag, in die Welt zu gehen und allen Geschöpfen das Evangelium zu verkündigen.
Die große Frage im Herzen des Sünders lautet also: Wie kann ein Mensch mit Gott versöhnt werden? Die Antwort finden wir in diesem Text: Durch die Gerechtigkeit Gottes, die ihm aus Gnade durch Glauben zuteil wird. Die Versöhnung mit Gott beruht auf der Tatsache, dass Christus für alle Sünden bezahlt hat. Er zahlte den Preis für die Erlösung des Sünders in voller Höhe. Darüber werden wir noch mehr erfahren. Vater, wir danken dir, dass wir heute Morgen die Zeit hatten, uns in diesen wunderbaren Teil der Schrift hinein zu vertiefen. Dein Wort nährt immer und zu jeder Zeit unsere Seele und ermutigt uns. Ich bete, Herr, dass uns allen die klare Wahrheit dieses Textes bewusst wird und uns nicht nur befähigt, uns zu freuen und dich freier und bewusster im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Sondern dass sie uns zu treueren Evangelisten macht, die selber die Botschaft besser verstehen, die wir Sündern überall verkünden. Fahre fort, dein Werk zu tun, sowohl durch die Lehre des Wortes heute als auch durch unsere wunderbare Zeit der Gemeinschaft. Wir danken dir in Jesu Namen. Amen.
ENDE
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