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Schlagt eure Bibel in Jesaja Kapitel 53 auf. Ich möchte mich bei denen von euch entschuldigen, die an diesem Wochenende wegen der besonderen Abschlussfeier und vielleicht auch wegen dem Muttertag bei uns sind: Ihr müsst in gewisser Weise auf einen fahrenden Zug aufspringen. Wir befinden uns in einer Reihe von Predigten, die sehr eng miteinander verbunden sind. Euch werden eine ganze Menge der früheren Inhalte aus den letzten Predigten fehlen, aber wir hoffen, dass es trotzdem eine Ermutigung für euch sein wird.

Ich habe wie immer das Gefühl, dass ich ein wenig tun muss, um euch auf den neuesten Stand zu bringen. Nachdem wir hier in der Grace Church über vierzig Jahre lang das Neue Testament betrachtet haben, haben wir nun mit dem Alten Testament begonnen. Dieses Studium ist eine große Herausforderung für uns, ich denke aber auch ein sehr großer Segen. Wir suchen Christus im Alten Testament überall dort, wo wir ihn finden können, und wir beginnen dort, wo er sich am wunderbarsten und vollständigsten offenbart, nämlich in Jesaja Kapitel 53.

Tatsächlich beginnt diese Offenbarung unseres Herrn in Kapitel 52,13 und geht bis 53,12. Dieses Knechtslied, wie wir es nennen können, besteht aus fünf Strophen. Es ist ein Lied. Es hat einen gewissen lyrischen Charakter. Es hat einen bestimmten Rhythmus, wenn es im hebräischen Original gelesen wird. Es ist ein Lied über einen Knecht. Dies ist das vierte aller „Knechtslieder“, die Jesaja geschrieben hat. In der zweiten Hälfte der Prophetie von Jesaja, die von Kapitel 40 bis zum Ende von Kapitel 66 reicht, konzentriert er sich auf die Erlösung. Die Erlösung hängt vom Erlöser ab, und so stellt uns Jesaja in diesem Abschnitt den Erlöser vor.

Auch an anderen Stellen seines Buches bezieht er sich auf den Erlöser. Bereits in Kapitel 7 nimmt er Bezug auf die Geburt des Erlösers durch eine Jungfrau. Auch schon in Kapitel 9 identifiziert er den Erlöser auf wunderbare Weise. Er ist der mächtige Gott, der Fürst des Friedens, der Vater der Ewigkeit, der Sohn, der uns geboren ist und auf dessen Schultern die endgültige und ewige Herrschaft ruhen wird. Es gibt also viel, was Jesaja über den Messias sagt, doch vor allem sind es die vier Knechtslieder in der zweiten Hälfte seiner großen Prophetie. Eins in Kapitel 42, eins in Kapitel 49, ein weiteres in Kapitel 50 und dann diese krönende Abhandlung über den Messias in Kapitel 53. In jedem dieser vier Kapitel erzählt uns Jesaja etwas über den Messias.

Erinnert euch, dass diese Texte 700 Jahre vor der Ankunft des Messias geschrieben wurden. 700 Jahre vor Jesus gibt uns Jesaja eine Prophetie Es sind keine vagen Prophezeiungen, sondern sehr konkrete, insbesondere in Kapitel 53. In Kapitel 42 wird der Messias unter dem Titel der Knecht Jehovas, der Knecht des Herrn oder der Sklave des Herrn vorgestellt. Ebed ist das hebräische Wort für Sklave.

Dieser Diener, dieser Messias, dieser eine, der kommen soll, wird laut Kapitel 42 von Gott erwählt sein. Er wird vom Heiligen Geist bevollmächtigt sein. Er wird der Welt Gerechtigkeit bringen. Er wird der Welt das Heil bringen. Er wird blinde Gefangene aus ihren dunklen Kerkern der Sünde befreien. Auf diese Weise wird er in Kapitel 42 beschrieben.

In Kapitel 49 erfahren wir ein wenig mehr. Er wird menschlich sein; er wird ein Mensch sein. Es gibt sogar einen Hinweis darauf, dass er von einer Jungfrau geboren wird. Er wird Israel retten, den Völkern dieser Welt das Heil bringen und schließlich verherrlicht werden. Kapitel 50 berichtet uns ein wenig mehr. Er wird gedemütigt werden, dieses Element wird in Kapitel 50 vorgestellt. Er wird Erniedrigungen erleiden, durch die er Gehorsam lernt und schließlich und endlich wird er bestätigt werden. Wenn wir zu Kapitel 50 kommen, sind die Einzelheiten vollständiger und erstaunlicher als in diesen früheren Prophezeiungen.

In Kapitel 52,13 bis Kapitel 53,12 beginnen wir, uns auf den kommenden Messias zu konzentrieren. Das geschieht mit einer Präzision, die nur Gott bekannt sein kann, 700 Jahre bevor es eintrifft. Wir sehen hier, dass wir nicht nur einen Messias haben, der auserwählt und durch den Geist bevollmächtigt ist, der der Welt Gerechtigkeit und Heil zu bringen. Wir sehen hier nicht nur ein Mann, der von einer Jungfrau geboren wurde, ein Mann, der durch Demütigung und Leiden Gehorsam lernt, wie Kapitel 50 es andeutet. Stattdessen haben wir einen Messias, der als Opfer für Sünde stirbt. Genau das zeigt uns Kapitel 53 auf einzigartige Weise auf. Hier in diesem Kapitel wird den Juden 700 Jahre vor der Ankunft des Messias gesagt, dass der Messias das Opferlamm Gottes sein wird.

Die bemerkenswerte Aussage findet sich in Vers 7. „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.“ Er ist ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Hier wird uns ohne Umschweife, ohne vage Formulierungen, nicht in symbolischer Weise, sondern es wird geradewegs gesagt, dass der Messias wie ein Lamm geschlachtet werden wird. Bei dieser Schlachtung wird er still sein, wie ein Lamm still ist.

Für die Juden, die diese Prophezeiung hören oder lesen, ist die Symbolik eindeutig. In früheren Zeiten haben sie in einer Agrargesellschaft gelebt, einer Gesellschaft, die sich durch Ackerbau – Getreide auf dem Flachland und Weinberge an den Hängen – ausgezeichnet hat. Sie waren mit der Viehzucht und insbesondere mit Schafen sehr vertraut. Schafe waren ein fester Bestandteil ihres Lebens. Wegen ihrer Wolle und ihrem Fleisch zur Nahrung waren sie lebenswichtig. Sie wurden nicht nur geschoren, sondern auch gegessen. Sie wurden geschoren und geschlachtet. In den früheren Zeiten war das in Israel ein sehr vertrauter Bestandteil des Lebens. Sie töteten Schafe, um sie zu essen. Sie schoren Schafe, um daraus ihre Kleidung herzustellen.

Hier wird ihnen ihr Messias als ein Lamm vorgestellt, das geschlachtet werden soll. Der Teil mit der Schlachtung ist Realität, das Lamm ist eine Analogie. Hier in Vers 7 heißt es, dass der Messias unterdrückt, geplagt, still sein und geschlachtet werden wird. Er wird still und leise sein, während er geschlachtet wird, so wie ein Schaf still ist, wenn es geschlachtet wird, und sogar still ist, wenn es geschoren wird. Zweimal lesen wir in Vers 7, dass er seinen Mund nicht geöffnet hat.

Erinnert euch, dass dieses Kapitel zwar den Tod Christi vorausschaut, aber eigentlich bezieht es sich auf die Bekehrung Israels am Ende der Menschheitsgeschichte und blickt deswegen zurück. Deshalb stehen die Verben in der Vergangenheitsform. Er wurde unterdrückt. Er war geplagt. Er hat seinen Mund nicht aufgetan. Alles, was hier über den Tod Jesu Christi gesagt wird, steht in der Vergangenheitsform, weil es nicht aus der Sicht Jesajas gesagt wird. Stattdessen wird es aus der Sicht der zukünftigen Bekehrung Israels gesagt, wenn sie auf den schauen werden, den sie durchbohrt haben, wie Sacharja 12 sagt, und um ihn als einzigen Sohn trauern.

Jesaja 53 ist aus der Perspektive des zukünftigen erlösten Volkes Israel geschrieben und das wird in der Menschheitsgeschichte noch geschehen. Sie werden zurückblicken und erkennen, dass er unterdrückt und gequält wurde, dass er wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wurde, dass er still war und dass er all das um ihrer Übertretungen willen getan hat, wie es Vers 8 beschreibt. Wir haben hier also eine wunderbare Perspektive in diesem Kapitel. Es handelt sich zwar um eine Prophezeiung über das Kreuz, aber erst in zweiter Linie. In erster Linie ist es eine Prophezeiung über die zukünftige Bekehrung Israels. Genau diese Worte werden sie sagen, wenn sie ein wahres Schuldbekenntnis ablegen, wenn sie bereuen, dass sie Jesus Christus abgelehnt haben, und dann ihren Glauben an ihn als ihren Retter und Erlöser bekennen.

Genau das werden sie sagen. Diese Worte in Jesaja 53 sind ihr Schuldbekenntnis. Es handelt sich also um eine erstaunliche Prophetie, die über das Kreuz hinaus und von dort zurück auf das Kreuz blickt. Diese Prophetie beschreibt nicht nur das künftige Bekenntnis Israels, die künftige Rettung Israels und die Worte, die sie sagen werden. Gleichzeitig gibt uns diese Prophetie in zweiter Linie Einzelheiten über das Kreuz, zu dem sie sich bekennen werden und zu dem wir uns alle, die wir gläubig sind, bereits bekennen. Das, was Israel eines Tages als wahre Perspektive auf Christus bestätigen wird, haben wir, die Gläubigen dieser Generation, sowohl Juden als auch Heiden, bereits bestätigt.

Wir sind gerettet, weil wir glauben, dass er für unsere Übertretungen durchbohrt wurde, Vers 5. Wir sind gerettet, weil wir glauben, dass er für unsere Sünden zermalmt wurde. Dass die Strafe, die über ihn kam, zu unserem Wohlergehen war und dass wir durch seine Wunden geheilt sind. Wir sind gerettet, weil wir – wie Vers 6 es sagt – glauben, dass der Herr die Schuld von uns allen auf ihn geworfen hat. Wir sind gerettet, weil wir — Vers 8 — glauben, dass er um unserer Übertretungen willen abgeschnitten wurde. Wir glauben, — Vers 10 —, dass es dem Herrn gefiel, ihn zu zermalmen und zu zerschlagen, damit er ein Schuldopfer für unsere Sünden würde. Wir glauben, dass er — Vers 11 — viele gerechtfertigt hat, indem er ihre Sünden getragen hat. Und dann sagt das Ende von Vers 12: Wir glauben, dass er die Sünden vieler trug und für die Übertreter eintrat.

Um Christ zu werden, muss man an das stellvertretende sühnende Opfer Christi für uns am Kreuz glauben. Aber eines Tages wird das ganze Volk Israel das glauben. Sacharja sagt uns, dass zwei Drittel des Volkes im Unglauben eliminiert und von Gott gerichtet werden. Er sagt, dass das verbleibende Drittel von Israel durch Gottes souveränes Handeln eine nationale Bekehrung erfahren wird. Nimmt man die derzeitige Zahl von etwa 15 Millionen Juden in der Welt, so werden 5 Millionen Juden in einem einzigen Augenblick durch die souveräne Macht Gottes zum Glauben an Jesus Christus kommen.

Ganz egal, was auf der Weltbühne passiert, egal, wie viel Atommacht der Nahe Osten aufbringt, egal, wie viele Bomben der Iran entwickeln kann und wie viele sie auf Israel richten können, sie werden Israel nicht zerstören. Sie werden Israel nicht vernichten, denn Gott hat eine zukünftige Rettung für Israel vorgesehen, die in der Heiligen Schrift detailliert beschrieben wird. Ihre Rettung wird in Jeremia 31 verheißen; sie wird in Hesekiel 36 verheißen, wie wir gesehen haben; sie wird in Sacharja 12 und 13 verheißen. Und ihre Rettung wird genau hier in Jesaja 53 in den Worten ihres Schulbekenntnisses erneut angekündigt. Paulus bekräftigt dies im Römerbrief und sagt: So wird ganz Israel gerettet werden.

Was auch immer also in der nächsten Zeit im Nahen Osten geschehen mag, Gott wird sein Volk für seine endgültige Erlösung bewahren. Es kann sein, dass das Land angegriffen wird. Es kann sein, dass es verheerende Angriffe auf dieses Land geben wird, aber es wird ein Israel übrig bleiben, das in der Zukunft seinen Glauben auf Christus setzen wird. Hier erfahren sie durch eine Prophetie, dass ihr Messias geschlachtet werden wird. Das haben sie nie erwartet. Sie haben erwartet, dass er als König kommen würde. Aber bevor er ein zweites Mal als König kommen wird, muss er das erste Mal als Lamm kommen. Bevor er kommt, um zu leben und zu herrschen, muss er kommen, um zu sterben.

Durch die ganze Geschichte hindurch waren die Juden sehr vertraut mit Opfertieren. Im 3. Buch Mose wurden sie angewiesen, blutige Opfer darzubringen, und zwar weil Gott es so wollte. Das war nicht neu, ganz und gar nicht. Das geht bis zu Abel zurück, der Gott ein blutiges Opfer darbrachte, und bis zu Abraham, dem gesagt wurde, dass er seinen Sohn auf dem Altar opfern sollte. Als Abraham das Messer hebt, um es in Isaaks Herz zu stoßen, wird seine Hand gehalten, und Gott sorgt für ein Opfer. Die Israeliten wurde belehrt, dass Sünde den Tod verursacht, dass die Seele, die sündigt, sterben wird, wie der Prophet es sagte. Ihnen war klar, dass für die Sünde eine Strafe bezahlt werden muss. Jemand muss sterben. Das zeigt sich in jedem Opfertier, das jemals in der Geschichte Israels geschlachtet wurde.

Es ging nicht darum, dass die Erlösung durch den Tod des Tieres kam, sondern um die Symbolik. Das Tier symbolisiert die Tatsache, dass Sünde den Tod fordert und dass Gott bereit war, einen unschuldigen Stellvertreter bereitzustellen, der den Tod für den bußfertigen Sünder sterben würde. Ohne ein annehmbares, stellvertretendes Opfer durch einen Unschuldigen würde Gott Sünde nicht vergeben. Seit Abraham, 1. Mose 22, wussten sie, dass Gott ein Opfer bereitstellen würde. Schon so früh, schon seit Abraham, konnten sie sich darauf freuen, wer dieses Opfer schlussendlich sein würde.

Tiere waren nie das zufriedenstellende Opfer. Von 2. Mose 12 bis zur Zerstörung des Tempels durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. wurden bei jedem Passahfest Zehntausende von Tieren getötet. Jeden Tag wurden im Tempel und in der Stiftshütte Tiere geopfert, das Morgen- und das Abendopfer. Dann gab es noch persönliche Opfer, das wird in 3. Mose 5 beschrieben. Die Menschen mussten ihre eigenen Opfergaben mitbringen. In der Geschichte Israels wurden zu jeder Zeit Lämmer geschlachtet. Man konnte einen Priester nur auf eine Art und Weise sehen, und zwar als Schlachter. Denn im Wesentlichen waren Priester genau das. Wenn sie in den Tempel gingen, um ihren priesterlichen Dienst zu verrichten, schlachteten sie dort für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts Tiere. Sie standen knöcheltief im Blut, Tag für Tag, Tag für Tag, und Gott zeigte ihnen so auf symbolische Weise, dass eure Sünde den Tod fordert. Die treuen Juden mit aufrichtigem Herzen, die Buße taten, sie sind gekommen und haben das verstanden. Sie haben ihr Opfer dargebracht und damit gesagt: Ich weiß, dass meine Sünde den Tod fordert. Ich weiß, dass ich nicht gerecht bin. Ich tue Buße und bitte dich, mir zu vergeben auf der Grundlage dieses Gehorsams, ein Opfer darzubringen. Sie wurden nicht durch das Ritual gerettet. Sie wurden nicht durch das Opfer gerettet. Sie wurden durch Buße und den Glauben gerettet. Und zwar ihr Vertrauen darauf, dass Gott ihnen durch ein anderes Opfer, auf das diese Tiere hinwiesen, barmherzig sein würde, das würde Genüge tun.

Sie wussten, dass in diesem Tier keine Vergebung zu finden war. Sie wussten, dass das Tier nicht Genüge tun würde. Woher wussten sie das? Kaum hatten sie ein Opfer dargebracht, mussten sie schon wieder ein neues darbringen. Sie mussten jeden einzelnen Tag des Kalenderjahres Opfer darbringen, und dann noch mehr Opfer am Versöhnungstag, an Jom Kippur, und noch mehr Opfer am Passahfest, und persönliche Opfer. Sie wussten, dass es nie, nie, nie zu Ende ging. Sie wussten, dass das Opfer, das Genüge tun würde, noch nicht gekommen war. Aber ein wahrhaftiger Jude, ein echter Israelit, ein Israelit, der Gott wirklich kannte und anbetete, der verstand, dass er ungerecht ist, dass er erbärmlich ist, dass er sündig ist, dass er den Tod verdient. Er kam bußfertig und gehorsam und tat, was Gott ihm geboten hatte. Er bat Gott um Gnade und Barmherzigkeit und wartete darauf, dass Gott das Opfer bereitstellt.

Niemals hätten sie erwartet, dass das letzte und zufriedenstellende Opfer der Messias sein würde. Der wird übrigens bereits in Kapitel 52,13 als der Knecht vorgestellt. Er wird Erfolg haben und er wird erhoben sein, erhöht werden und sehr erhaben sein. Nach Vers 15 wird er viele Völker erschrecken, und die Könige werden wegen ihm ihren Mund schließen. Das wird eine atemberaubende, überwältigende, mächtige, einflussreiche und hoch angesehene Person sein. Am Ende von Kapitel 53: Er wird einen Anteil mit den Großen erhalten und die Beute mit den Starken teilen. Sie haben in ihrem Messias einen erhabenen Herrscher und König gesehen, den großen König, den König aller Könige.

Doch nun erfahren sie, dass bevor er überhaupt als König eingesetzt werden soll, dass er geschlachtet werden soll. Der Messias geschlachtet? Wie ein Schaf? Wenn ihr damit Erfahrung habt, wisst ihr, dass Schafe, die geschlachtet werden sollen, sich still und leise verhalten. Auch ich habe diese interessante Erfahrung in Neuseeland und Australien gemacht. Es gibt ein Schaf, das wird auch Judasschaf genannt. Das ist der Name des Schafes, das alle zur Schlachtbank führt. Sie alle folgen dem Judasschaf durch einen bestimmten Korridor aus Holz oder Metall in ihren Tod. Es ist eine völlig stille Szene, völlig still, während sie sich eins nach dem anderen die Kehle durchschneiden lassen. Sie sind beim Schlachten genauso still wie beim Scheren. Ich habe stundenlang zugesehen, wie Schafe geschoren wurden und wie still sie dabei waren.

Dieses Bild zeigt den Messias, der geschlachtet wird und dabei schweigt wie ein Schaf. Das ist die Metapher. Die Tatsache ist, dass der Messias zur Schlachtbank geführt werden wird. Die Analogie ist, dass er wie ein Schaf schweigen wird, während er geschlachtet wird. Keines der Opfer vor dem Tod des Messias hat Gott zufriedengestellt. Aber nachdem Jesus geschlachtet worden war, wurde der Vorhang im Tempel von oben bis unten zerrissen, und alle weiteren Opfer wurden gestrichen. Bald darauf hat Gott den Tempel durch die Römer zerstört. Das ganze System wurde beendet, weil das von Gott gewählte Opfer dargebracht worden war. So lesen wir hier in Vers 7, dass er still ist, schweigend. Wir könnten diese Predigt mit dem Titel überschreiben „Der geschlachtete Knecht“ oder „Der stille Knecht“ oder „Der stille, geschlachtete Knecht“.

Johannes der Täufer war der letzte Prophet des Alten Testaments. Er war ein erstaunlicher Mann und ein einsamer Prophet. Außer ihm gab es keine anderen Propheten, und er selbst kam 400 Jahre nach dem letzten Propheten. Er gehört nicht in diese Zeit hinein. Er ist eine Ausnahmeerscheinung. Er hätte gar nicht leben dürfen, denn seine Mutter und sein Vater, der Priester Zacharias und Elisabeth, waren unfruchtbar. Sie waren alt und konnten schon lange keine Kinder mehr bekommen. Aber Gott hatte ihnen auf wundersame Weise einen Sohn geschenkt, der Johannes der Täufer genannt wurde. Schon von Mutterleib an war er mit dem Heiligen Geist erfüllt, so dass Gott etwas ganz Besonderes mit ihm vorhatte. Wie ihr wisst, wurde er schlussendlich der Wegbereiter des Messias.

Jesus sagte, er sei der größte Mensch, der bisher gelebt hat. Nicht weil er klüger war als die anderen, oder edler, moralischer, geistlicher oder gerechter, sondern weil er die größte Aufgabe hatte, die je ein Mensch hatte. Seine Größe hing mit seiner privilegierten Aufgabe zusammen, die darin bestand, auf den Messias hinzuweisen. Er ist derjenige, von dem Jesaja in Jesaja 40, Verse 3 bis 5, schreibt: „Die Stimme eines Rufenden ertönt: In der Wüste bereitet den Weg des Herrn!“ Er ist derjenige, von dem Maleachi sowohl in Kapitel 3 als auch 4 schreibt: Wenn der Messias schließlich kommen wird, wird einer vor ihm kommen, um seine Ankunft zu verkünden. Johannes ist der verheißene Herold, der verheißene Wegbereiter, der Prophet, der auf den Messias hinweist.

Am Jordan kam der dramatische Moment: Johannes der Täufer und Jesus stehen sich an einem öffentlichen Ort von Angesicht zu Angesicht gegenüber, als Jesus im Begriff war, sein Amt anzutreten. Es heißt, dass ganz Jerusalem und Judäa dorthin gingen, um sich von Johannes taufen zu lassen, weil Johannes sagte: Der Messias ist da, der Messias ist angekommen, bereitet eure Herzen vor, bereitet eure Herzen vor. Er predigte das Reich Gottes und die Gerechtigkeit des Reiches, und forderte die Menschen auf, sich bereit zu machen. Er bot diese Taufe an, die ein Symbol für ihren Wunsch war, gereinigt zu werden. Es waren Massen von Menschen da. Und eines Tages taucht Jesus auf, und wie stellt Johannes Jesus vor? Er sagte nicht: Siehe, euer König. Sondern er sagte: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ Das ist ein Zitat aus Jesaja 53.

Nach Johannes 1,29 hat er genau das gesagt, als er das erste Mal auf Christus hingewiesen hat. Am nächsten Tag, ist Christus wieder da, wieder von Angesicht zu Angesicht, und Johannes sagt erneut: „Siehe, das Lamm Gottes“. Johannes gibt noch nicht einmal eine Erklärung ab. In Jesaja 53 gab es genug Hinweise, um zu verstehen, dass der Messias als Lamm und Opfer für die Sünde kommen wird, einer, der geschlachtet wird und dabei still sein wird. Israel sollte seinen lebendigen, erhabenen König bekommen, aber erst nachdem er zu einem Lamm geworden war, das stirbt und verworfen wird. Die Bildsprache hier ist so nüchtern. In Vers 6 heißt es: „Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg“. Das ist das Bild der sündigen Menschheit: Wir sind alle Schafe, die sich verirrt haben. Der Knecht wird also zu einem von uns, ein Lamm, um das Opferlamm zu werden, das die Schafe rettet.

Wir werden heute Morgen mit den Versen 7 bis 9 beginnen, aber wir werden sie allerdings nicht abschließen können. Dies ist die vorletzte, die vierte der fünf Strophen, aus denen dieser erstaunliche Abschnitt besteht. Die Hauptbetonung in den Versen 7 bis 9 ist das Schweigen, oder, wenn wenn man so will, die Unterwerfung, die Bereitschaft, der Gehorsam. Hier ist der leidende Knecht Jehovas, der bereitwillig und aus freien Stücken bis zum Tod leidet. Hier lebt er das aus, was im Garten Gethsemane gebetet wurde: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“.

Man könnte sagen, dass hier der Mund des Messias dargestellt wird. In Vers 7 tut er seinen Mund nicht auf; zweimal wird das gesagt. In Vers 9: Es gibt keinen Betrug in seinem Mund. Vers 7: Er schweigt während seines Prozesses. Vers 8: Er schweigt in seinem Tod. Vers 9: Er schweigt in seinem Begräbnis. Auch hier wird Israel in der Zukunft zurückblicken und erkennen, dass sein Schweigen eine Bereitwilligkeit war, sich töten zu lassen. Vers 8 sagt, dass diese Bereitwilligkeit für die Übertretung meines Volkes war, dem eigentlich der Schlag gebührte. Sie werden eine völlig neue Perspektive auf seinen Prozess, seinen Tod und sein Begräbnis haben.

Ich möchte hier etwas Allgemeines sagen. Dieses Kapitel ist von entscheidender Bedeutung für jeden, der das Evangelium treu verkünden will. Das liegt daran, dass die Sprache hier die Sprache des Evangeliums ist. Ich möchte euch zeigen, was ich damit meine. Viele Menschen wollen über Christus reden, über den Glauben an Jesus, darüber, Jesus als Retter anzunehmen und dass Christus Herr deines Lebens wird - das ist alles richtig und gut. Aber die Sprache der wahren Errettung ist die Sprache von Jesaja 53: Wenn die Juden in einer zukünftigen Generation oder wenn du und ich in dieser Generation auf Jesus Christus schauen – dann müssen wir ihn so ansehen. Nicht als Lehrer, nicht als gütigen, willigen Retter, obwohl er ein Lehrer und sicherlich ein Retter ist. Sondern wir müssen Christus als Opfer ansehen, okay? Das ist der entscheidende Satz. Wir müssen ihn als Opfer sehen.

Wenn man Jesaja 53 anschaut, dann hört man dort das Schuldbekenntnis der Juden in der Zukunft, aber auch das Schuldbekenntnis eines jeden bekehrten Menschen in der Gegenwart. Was drücken die Worte aus? Gehen wir zurück zu Vers 3: verachtet, verlassen, ein Mann der Schmerzen, der mit Leid vertraut ist. Vers 4: Kummer, Leid, geschlagen, geplagt, durchbohrt, zerschlagen, gestraft, gegeißelt. Vers 7: unterdrückt, bedrängt, geschlachtet. Vers 8: Unterdrückung, Gericht, ausgerottet, d. h. getötet, geschlagen – am Ende von Vers 8. In Vers 10 heißt es: „Aber dem Herrn gefiel es, in zu zerschlagen; er ließ ihn leiden.“ Vers 11 und 12: er ist ein Schuldopfer, er trägt Schuld, er trägt Sünde.

Was will ich damit sagen? Beim Evangelium geht es um Sünde, um Gericht, um Sühnung, um Tod, um Opfer und um Blut. Beim Evangelium geht es um Unterdrückung, Bedrängnis, Gericht, Hinrichtung, geschlagen werden. Es geht um Missetaten, Übertretungen, Sünden. Das ist das Evangelium. So muss es verstanden und erklärt werden. Leider geht der aktuelle Trend zu einer harmlosen Botschaft, zu einem reduzierten, geringfügigen Bezug auf Christus. S. Lewis Johnson sagte: „Christen stellen ihre Theologie auf jede neue Idee ein, so wie wenn man seine Uhr jedes Mal neu stellt, wenn man eine andere Uhrzeit vorfindet.“ Die Worte der Rettung sind jedoch die Worte, die wir in Jesaja 53 finden. So, und nicht anders, muss der Tod Christi verstanden werden. So, und nicht anders, müssen ihn andere verstehen.

Von wem ist hier die Rede? Wer erleidet einen solchen Prozess, wie er in Vers 7 beschrieben wird, einen solchen Tod, wie er in Vers 8 beschrieben wird, und ein solches Begräbnis, wie es in Vers 9 beschrieben wird? Wer ist das? Wer ist dieser leidende, gehorsame Sklave Jehovas? Wer ist dieser unschuldige, sündlose, aber geduldig und bereitwillig leidende Mensch, der einen so brutalen Tod stirbt? Wer ist das? Es gibt nur eine mögliche Antwort: Der Knecht Jehovas, der Messias, welcher Jesus ist. Er ist nicht in einem Netz von Umständen gefangen, die außer Kontrolle geraten sind, sondern er fügt sich in aller Stille allem, was geschieht.

Der Messias spricht in Kapitel 42 und 49 im Lied des Knechtes. Der Messias spricht in Kapitel 50 im Lied des Knechtes. Aber in Jesaja 53 redet der Messias nichts, er spricht überhaupt nicht. Er ist der stille, leidende Knecht. Er sagt nichts, tut nichts, lässt aber alles mit sich geschehen. Das ist der freiwillige, bewusste, stellvertretende Tod des Knechtes.

Schauen wir uns heute Morgen in den bleibenden Minuten Vers 7 an, den ersten dieser drei Verse, in dem der Prozess gegen Jesus dargestellt wird. Woher wissen wir das? Vers 7: „Er wurde misshandelt“. Wörtlich heißt es im Hebräischen „er selbst“, „er selbst“ wurde stark unterdrückt. Dieses Wort verweist auf Brutalität, es verweist auf Versklavung. Es ist ein Wort, das beschreibt dass er verhaftet und misshandelt wurde. Und es war schlimm. Als er verhaftet und misshandelt wurde, wurde er so brutal behandelt, dass es in Kapitel 52 Vers 14 heißt: Sein Angesicht war sehr entstellt, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt mehr als die der Menschenkinder. Er sah nicht einmal wie ein Mensch aus.

Als sie mit ihm fertig waren, sah er nicht einmal mehr wie ein Mensch aus. Er musste körperliche Schläge einstecken, Kopf und Gesicht wurden durch die Dornenkrone und die Stöcke misshandelt, mit denen er ins Gesicht geschlagen wurde. Spucke, Schweiß und Blut liefen ihm über das Gesicht hinunter. Nach den Peitschenhieben war er über und über mit Blut verschmiert. Seine Misshandlung beinhaltet den quälenden Schmerz im eigenen Gesicht und alle Emotionen des Augenblicks. Es begann mit seiner Verhaftung, mitten in der Nacht im Garten Gethsemane. Dann ging es weiter mit dem Spott bei den Prozessen, den falschen Zeugen, den Beschimpfungen, die ihm dort widerfuhren und der psychologischen Folter, die er dort erlitt. Und dann die unsagbare Ungerechtigkeit, ihn den Römern auszuliefern, und die Art und Weise, wie sie mit ihm umgingen und ihn körperlich misshandelten.

Von der Verhaftung im Garten ging es zu dem Prozess im Haus des Hohenpriesters, wo man versuchte, ihn durch falsche Zeugenaussagen anzuklagen, dann kam er vor Herodes, dann vor Pilatus. All diese Misshandlungen geschahen durch die Juden und die Römer. Kein Verbrechen konnte im nachgewiesen werden, kein Beweis konnte hervorgebracht werden, keine Schuld wurde jemals festgestellt. In Lukas 23,15 erklärte Herodes ihn für unschuldig. Dreimal sagt Pilatus in Lukas 23, dass Jesus unschuldig sei. Dreimal bestätigt er seine Unschuld, und er war der Statthalter. Es war also ein rechtskräftiges Urteil, und alle dreimal wurde er für unschuldig befunden. Trotzdem haben die Führer Israels, die jüdischen Führer mit der Zustimmung des Volkes, Pilatus dazu gedrängt, ihn zur Hinrichtung freizugeben – trotz seiner dreifachen Bestätigung, dass Jesus unschuldig ist. Das geschieht in Lukas 23,25. Und genau das sehen wir hier in Vers 7: Er wurde misshandelt.

Und dann heißt es, dass er geplagt wurde. Aber es ist ein Verb das im Passiv steht, und es muss ein bisschen differenzierter und genauer betrachtet werden. Er ließ zu, dass er geplagt wurde. So würde man ein passives Verb übersetzen. Passiv bedeutet, dass etwas mit dir geschieht, nicht durch dich. Es bedeutet auch – und könnte wie in 2. Mose 10,3 übersetzt werden – er demütigte sich selbst. Das ist eine andere Art um zu sagen, dass er sich selbst bedrängen ließ. Vielleicht hatte Paulus genau diesen Satz im Sinn, als er Philipper 2 schrieb: Er „erniedrigte [...] sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.“ Das könnte eine direkte Anspielung auf Jesaja 53,7 sein.

Das ist nicht normal für gefolterte Menschen. Das ist nicht normal für unschuldige Menschen, die gefoltert werden. Normalerweise schreit ein unterdrückter Mensch, der gefolterter wird auf, besonders wenn er unschuldig ist und weiß, dass es sich um ein großes Unrecht handelt. Er schreit über das Unrecht und schreit über seine Unschuld. Aber nicht der Knecht Jehovas. Er sagt kein einziges Wort. „Er tat seinen Mund nicht auf.“ Trotz der Tatsache, dass all das ein böses, gemeines, elendes Unrecht war, nicht nur gegen einen unschuldigen, sondern einen vollkommen heiligen und gerechten Menschen, öffnete er seinen Mund nicht. Sünder leiden nicht still vor sich hin. Das tun wir nicht. Da meldet sich zumindest die Stimme der Schuld. Wenn wir für unsere Sünde leiden, schreien wir auf, wie David es in Psalm 32 und 51 getan hat, nicht wahr? „An dir allein habe ich gesündigt“. „Wasche mich völlig rein von meiner Schuld und reinige mich von meiner Sünde.“ Das ist der Schrei des schuldigen Sünders.

Den Schrei des unschuldigen Sünders finden wir bei Hiob, der immer wieder zu Gott schreit wegen seiner Unschuld. In Hiob 7,1 bis 13 geht es um die Frage: Gott, warum geschieht das? Ich bin ein unschuldiger Mann. Ich bin nicht einmal daran schuldig, was mir sogar meine eigenen Freunde vorwerfen. Sünder leiden nicht im Stillen. Wenn wir unter Schuldgefühlen leiden, schreien wir zu Gott um Vergebung. Wenn wir wegen unserer Unschuld leiden, schreien wir zu Gott und fragen, warum.

Aber hier ist ein stiller Leidtragender. Man hat ihn mitten in der Nacht suchen lassen und nach Mitternacht wurde er im Garten Gethsemane gefunden. Die Autoren des Neuen Testaments berichten, dass sie mit einer riesigen Menschenmenge zu ihm kamen, mit der Tempelpolizei, den religiösen Führern und den römischen Soldaten, um ihn zu verhaften; um ihn zu jagen wie ein Tier. Er wird verhaftet, er wird von Judas verraten. Er wird in Gewahrsam genommen und in jeder erdenklichen und unerdenklichen Weise misshandelt, gefoltert, gequält, schikaniert. Und dann ohne jeden Widerstand, ohne jede Beschwerde wird er zur Hinrichtung geführt.

Matthäus 26 berichtet, dass er schweigt als er vor den Hohenpriester geführt wurde. Im nächsten Kapitel, Matthäus 27, wird er vor die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten geführt, und er schweigt. In Markus 15 wird er vor Pilatus geführt und schweigt. Johannes 19 berichtet ebenfalls über sein Schweigen vor Pilatus. In Lukas 23 wurde er vor den römischen Vasallenkönig aus Rom namens Herodes geführt, und wieder schwieg er. Er schwieg vor dem Hohepriester, vor dem Sanhedrin. Er schwieg vor Pilatus, er schwieg vor Herodes. Er hat nie ein Wort zu seiner Verteidigung gesagt. Er hat nie seine Unschuld beteuert.

Jesaja sagt, er war wie ein Lamm. Er wurde zur Schlachtbank geführt, und wie ein Schaf, das vor seinen Scherern verstummt, tat er seinen Mund nicht auf. Hier geht es um die Bereitwilligkeit des Messias, zu sterben. Das ist nicht ein guter Plan, der schief gelaufen ist. Die Prophezeiung war eindeutig, und zwar 700 Jahre bevor Jesus auftauchte: Wenn er kommt, wird er wie ein Lamm zum Schlachter geführt werden. Als er kam und bevor er seinen Dienst begann, sagt Johannes: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Das bedeutet, dass er ein Opferlamm sein muss, denn nur durch den Tod des Opfers wird die Sünde beseitigt.

Als Jesus am Ende der drei Jahre seines Dienstes starb, war das nicht, wie manche es darzustellen versuchten, eine gute Sache, die schlecht ausgegangen ist. Sein Tod war der eigentliche Grund, warum er überhaupt gekommen ist. Er hätte vor seinen Anklägern viel sagen können. Es gab viele Dinge, die er dem Hohepriester und den Hohenpriestern, die den Sanhedrin bildeten, hätte sagen können. Es gab viele Dinge, die er Pilatus und Herodes hätte sagen können, aber er tat es nicht. Das Schweigen war Zeichen dafür, dass er sich dem Willen des Vaters unterordnet hat. Aber das Schweigen war auch ein Zeichen des Gerichts: Ihr wolltet nicht zuhören, und jetzt habe ich euch nichts mehr zu sagen. Als ich über das Leben und die Erlösung gesprochen habe, als ich über Vergebung und das Reich Gottes gesprochen habe, wolltet ihr nicht zuhören, und jetzt habe ich euch nichts mehr zu sagen.

Er ist absolut still, in seinem ganzen Gerichtsprozess. Vers 7 endet wieder mit den Worten: Er tat seinen Mund nicht auf. Er nahm nicht nur das ungerechte Urteil der Menschen an, sondern auch das gerechte Urteil Gottes für ungerechte Sünder, um sie gerecht zu machen. Kein Opfer war jemals so vollkommen, kein Opfer war jemals so rein. Hier ist das sündlose, fleckenlose Lamm Gottes, das Gott wohlgefällig ist, das von Gott auserwählt und bestimmt wurde, das nun für Sünder stirbt. Hier, liebe Geschwister, erreicht die alttestamentliche Soteriologie ihren Höhepunkt. Das ist der Höhepunkt des Alten Testaments. Der Messias ist das Opfer, das von Gott für uns geschlachtet wird.

Er ist der Knecht Jehovas, er ist der Sklave Jehovas. Sein Dienst erfordert, dass er stirbt, dass er für unser Wohlergehen bestraft wird, dass er für unsere Heilung gegeißelt wird, dass er für unsere Missetaten zerschlagen wird, dass er für unsere Übertretungen durchbohrt wird. In Vers 8 heißt es: Er soll um unserer Übertretungen willen aus dem Land der Lebenden ausgerottet werden, obwohl die Strafe uns gebührt. Das ist die Botschaft des Evangeliums. Es ist eine Botschaft von Sünde und Gericht, von Tod und Opfer.

Der leidende, schweigende, gehorsame, geschlachtete, verachtete Knecht Jehovas nimmt die Strafe Gottes auf sich für die große moralische Schuld der Auserwählten der gesamten Menschheitsgeschichte. Er bezahlt das Lösegeld mit seinem Leben. Davon spricht Vers 7. Das ist die Gerichtsverhandlung, die uns zu seinem Tod in Vers 8 führt. Das betrachten wir das nächste Mal. Wir sehen, dass er im Tod und sogar im Begräbnis still ist, Vers 9. Wir neigen uns zum Gebet.

Vater, wir kommen nicht umhin, die erstaunlichen Worte von Petrus zu hören, der über Christus sagt: „Er hat keine Sünde getan, es ist auch kein Betrug in seinem Mund gefunden worden“ – Worte, die direkt aus Vers 9 stammen. „Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder, als er litt, drohte er nicht, sondern übergab es dem, der gerecht richtet. Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen; durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“

Wir bestaunen voller Ehrfurcht das Opfer Christi. Wir staunen darüber, dass du es für uns geltend gemacht hast, für uns die wir völlig unwürdig sind. Warum du ausgerechnet uns aus der ganzen Welt auserwählt hast, um Empfänger dieser gewaltigen Tat zu sein, entzieht sich unserem Verständnis, aber es ist der Grund für unsere Anbetung. Deshalb lieben wir dich, preisen dich, beten dich an, und ehren dich.

Du hast uns beauftragt, diese große Wahrheit bis an die Enden der Erde zu verkünden, dass jeder, der den Namen des Herrn anruft, gerettet wird, ob Jude oder Heide. Das ist der Tag des Heils. Das ist die angenehme Zeit. Ja, es wird eine zukünftige Zeit am Ende der Menschheitsgeschichte geben, wenn die Nation Israel gerettet wird. Aber in der Zwischenzeit wird jeder, der den Namen des Herrn anruft, gerettet werden. Das Evangelium ist die Kraft Gottes zur Errettung für jeden, der glaubt, ob Jude oder Heide.

Wir bitten dich, Herr, dass du heute, auch in dieser Stunde, einige zu dir ziehst, ob Jude oder Heide, Menschen die hier sitzen und zuhören. Möge das der Moment sein, in dem sie aus der Dunkelheit ins Licht kommen, aus dem Tod ins Leben, aus der Verwirrung zur Klarheit, aus der Unwissenheit zur Erkenntnis, aus dem Tod ins Leben. Mögen sie durch deinen Heiligen Geist unwiderstehlich zu Christus hingezogen werden. Möge das ein Tag der Rettung sein. Vater, tue ein Werk in den Herzen und vollbringe es zu deiner Herrlichkeit, zu deiner Ehre, damit der Himmel sich über die Heimkehr eines verlorenen Sünders freuen kann. Wir beten, dass du auf diese Weise geehrt wirst, dass du erhöht wirst. In Jesu Namen. Amen.

ENDE

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