Wir ergreifen heute die Gelegenheit, uns mit der großartigen Lehre von der Inspiration der Schrift zu beschäftigen. Dazu werden wir uns ein Teilgebiet der Theologie anschauen, die sogenannte Bibliologie. Bibliologie ist das Studium des Wortes Gottes. Vor einigen Jahren las ich ein interessantes Interview. Ein sehr beliebter christlicher Liedermacher, dessen Lieder wir alle gerne singen, wurde gefragt, wie er ein bestimmtes Lied geschrieben habe. Seine Antwort war: „Dieses Lied entstand sehr schnell, und wir wollen nicht über seine Theologie diskutieren. Ja wir denken sogar, dass eine Analyse des Liedes bedeuten würde, an der Inspiration des Heiligen Geistes herumzupfuschen, der das Lied inspiriert hat.“ Zitatende.
Ich glaube, ich verstehe, was der Autor dieses Liedes sagen wollte. Nämlich, dass er weder über die Theologie des Liedes diskutieren noch den Text analysieren wolle, denn dadurch würde er am Werk des Heiligen Geistes herumpfuschen, der das Lied inspiriert hat. Aber diese Behauptung wäre wirklich erschreckend. So eine Aussage könnte darauf hinweisen, dass er nicht wirklich versteht, was Inspiration eigentlich bedeutet. Zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass wir dieses Wort inflationär verwenden, besonders im Zusammenhang mit Musik. Es ist eine Sache zu sagen: „Die Musik hat mich inspiriert“, oder: „Das war eine inspirierende Interpretation dieser Musik.“ Damit meinen wir, dass uns das Singen oder Hören dieses Liedes aufgerichtet, ermutigt und emotional ergriffen hat. Ein Liedermacher könnte sogar sagen: „Es war eine inspirierende Erfahrung, dieses Lied zu schreiben.“
Aber zu sagen, ein Lied sei die Inspiration des Heiligen Geistes und dürfe daher nicht hinterfragt werden, das bedeutet, das Lied mit der Schrift gleichzusetzen. Will man in dem Fall also behaupten, dass ein Liedermacher genauso inspiriert ist wie Lukas es war, als er das Lukasevangelium schrieb? Oder wie Paulus, als er den Römerbrief schrieb? Oder wie Jesaja, als er das nach ihm benannte Buch der Prophetie schrieb? Was meinen wir, wenn wir sagen, die Bibel sei inspiriert? Meinen wir damit, dass es ein inspirierendes Buch ist, weil es in uns Glauben, religiöse Gefühle und Verständnis weckt? Sind Menschen heute noch inspiriert, wenn sie Lieder schreiben, so wie die Schreiber der Bibel inspiriert waren? Sind heutige Bücher inspiriert? Wie sieht es mit Predigten aus? Sind sie inspiriert?
Das Wort „inspirieren“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „einhauchen“. Doch das ist tatsächlich ein wenig missverständlich. In 2. Timotheus 3,16 heißt es: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben.“ In der englischen Übersetzung steht hier „inspiriert“. Und ich glaube wirklich, dass wir hier wegen des eingedeutschten Wortes „inspirieren” ein Problem haben. Das griechische Wort ist „gottgehaucht“, theopneustos, von dem wir „pneumatisch“, „Pneumonie“ und andere Begriffe ableiten, die mit der Lunge und dem Atmen zu tun haben. Das Wort in 2. Timotheus 3,16 bedeutet also eigentlich „Alle Schrift ist gottgehaucht.“ Nicht wir hauchen ein, sondern Gott haucht aus. Aber Gott haucht uns nicht irgendwie eine inspirierende Eingebung ein. Sondern Gott haucht seine Worte aus.
Wir glauben, dass die Bibel direkt aus Gottes Mund stammt. Gott hat sie ausgehaucht. Er hat sie gegeben, er hat gesprochen. Kann man daher sagen, dass dasselbe auch auf ein Lied zutreffen kann? Ist es in Ordnung, das auch von einem Buch zu behaupten oder von einer Predigt, einer Idee, einem Gedanken oder einem Plan für einen Dienst? Hätten wir es in diesen Fällen wirklich mit direkter göttlicher Offenbarung zu tun? Natürlich nicht. Ich habe noch nie eine gottgehauchte Predigt gehalten. Ich habe nie eine Predigt empfangen, die mir direkt von Gott eingegeben wurde. Was ist dann mit der Zungenrede? Was ist mit den Menschen, die Prophezeiungen, Worte der Weisheit und Worte der Erkenntnis erhalten? Ist das gottgehauchte Offenbarung, die direkt aus dem Mund Gottes kommt? Und wäre sie dann jedem Buch der Bibel gleichwertig? Diese Diskussion führte ich im Laufe der Jahre mit vielen Menschen.
Und vielleicht werden auch heute abend einige sagen: „Du übertreibst ein wenig.“ Denn es gibt verschiedene Grade der Inspiration. Manche Prediger oder manche Liedermacher können inspiriert sein. Ebenso sind auch manche Menschen inspiriert, die Offenbarungen und Worte der Weisheit und der Erkenntnis von Gott erhalten. Sie sind inspiriert, nur eben in einem geringeren Maß als die Verfasser der Bibel. Die Bücher der Bibel sind eben in höchstem Maße inspiriert und andere Dinge etwas weniger.“ Aber inspiriert bedeutet gottgehaucht. Es bedeutet, dass Gott es gesagt hat, und da gibt es keine Rangstufen.
Entweder hat er etwas gesagt, oder er hat es nicht gesagt. Darum sollte man sehr vorsichtig sein mit Aussagen wie: „Der Herr hat mir dies oder jenes gesagt.“ Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Menschen im Laufe der Jahre, die glaubten, der Herr würde ihnen alles Mögliche sagen. Einmal sagte eine Frau zu mir: „Es ist mir völlig egal, was in der Bibel steht. Ich weiß ganz genau, was Gott zu mir gesagt hat.“ Das ist erschreckend. Es gibt bei dem, was Gott spricht, keine unterschiedlichen Grade inwieweit das Gesagte von ihm stamme, sondern es gibt lediglich die einzige Unterscheidung: Entweder etwas stammt aus seinem Munde oder nicht. Entweder hat Gott es ausgehaucht oder er hat es nicht ausgehaucht. Entweder sind es Gottes Worte, oder es sind nicht seine Worte. Sie können nicht mehr oder weniger von Gott sein.
Wir müssen uns bewusst sein, dass wir Menschen manche Dinge als das Höchste, das Beste oder das Meiste bezeichnen. Das nennt man einen Superlativ. Mehr geht nicht. Man spricht beispielsweise von dem höchsten Berg, oder der besten Uhr oder von dem meisten Geld. Wenn das zutrifft, dann gibt es keinen höheren Berg, keine bessere Uhr und niemanden mit mehr Geld. Es gibt nichts, das höher ist als das Höchste, besser als das Beste oder mehr als das Meiste. Genauso gibt es keine mehr oder weniger inspirierten Schriften von Gott. Gott ist absolut. Darum ist auch Gottes Wort absolut. Gott ist ein Superlativ und er spricht im Superlativ. Inspiration hat keine Abstufungen. Entweder hat er gesprochen, oder er hat nicht gesprochen.
Und es gibt kein Lied, kein Buch, keine Vision, keine Offenbarung und keine Predigt, die eine direkte Offenbarung Gottes wäre. Das überhaupt in Erwägung zu ziehen, ist an sich schon ein erschreckender Gedanke. Denn die Bibel endet in Offenbarung 22,18 mit den folgenden Worten: „Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht.“ Damit ist das Buch der Offenbarung gemeint, die den Abschluss des Kanons der Offenbarung Gottes bildet.
Die Bibel endet mit dieser sehr deutlichen Warnung: der Offenbarung nichts hinzuzufügen, denn das würde bedeuten, dem Kanon der Schrift etwas hinzuzufügen, welchen dieses Buch abschließt. Zu sagen, jemand sei im biblischen Sinne inspiriert, ist demzufolge eine wirklich schwerwiegende Behauptung. Von meinen Predigten wurde keine einzige jemals von Gott inspiriert. Sondern ich nehme das Wort, das von Gott inspiriert ist und mir abgeschlossen überliefert wurde, und ich bemühe mich, euch diese inspirierte Botschaft zu erklären. Aber mein Bemühen bleibt mein Bemühen. Zwar hoffe ich, dass ich dabei vom Wirken des Heiligen Geistes in mir unterstützt werde. Aber die Worte, die ich weitergebe, sind und bleiben meine Worte. Mit diesen Worten versuche ich, die Bedeutung der Offenbarung Gottes zu erklären.
Ich erinnere mich an ein Radiointerview mit einer Predigerin. Der Moderator wusste vermutlich nicht, was für eine Antwort ihn erwartete, aber er fragte sie: „Wie kommen Sie zu Ihren Predigten?“ Sie antwortete mit leicht verklärter Stimme: „Ich komme nicht zu ihnen, sondern ich empfange sie.“ Daraufhin fragte der Moderator, was um alles in der Welt damit gemeint sei. Sie erklärte, dass sie ihre Predigten direkt vom Himmel empfangen würde. Ich wünschte, das wäre wahr. Das würde vieles einfacher machen. Aber die Lieder, die wir schreiben, spiegeln einfach das wider, was Gott bereits in seinem Wort offenbart hat. Predigten, die wir halten, sind nicht mehr als Versuche, den Zuhörern das bereits inspirierte und offenbarte Wort Gottes verständlich zu machen. Das Gleiche gilt für Bücher, die wir schreiben.
Ich wäre ein Narr, wenn ich behaupten würde, dass Gott meine Predigten inspiriert hat, oder ein Buch, das ich vielleicht schreibe, oder ein Lied. Alle meine Predigten müssen überarbeitet werden. Gott dagegen braucht keine Überarbeitung. Meine Predigten sind deshalb bestenfalls ein schwacher Versuch, Gottes Wort durch einen menschlichen Mittler zu den Menschen zu bringen. Wir wollen also darauf achten, die Inspiration der Schrift zu schützen. Nach dieser Einführung möchte ich nun definieren, was genau unter Inspiration zu verstehen ist. Ich werde heute Abend vermutlich eher wie ein Professor herüberkommen. Aber ich versuche es ziemlich einfach zu halten und hoffe, du kommst gut mit. Neulich las ich in der LA Times, dass ich „das Heu zu den Ziegen bringen“ muss. Ich nehme diese Herausforderung gern an, wobei ich nicht weiß, ob du als Ziege bezeichnet werden möchtest. Aber fangen wir an.
Was ist die Lehre der Inspiration? Ein paar Kategorien zu nennen, kann helfen, diese Frage zu beantworten. Da ist einerseits die Offenbarung. Sie ist der Inhalt. Gott selbst enthüllt seine Wahrheit. Die Inspiration ist das Mittel. Die Offenbarung ist der Inhalt dessen, was Gott offenbarte, und die Inspiration ist die Art und Weise, wie er das tat. Wenn wir von göttlicher Offenbarung sprechen, meinen wir den Inhalt, also die Botschaft, die Wahrheit, die Gott offenbarte. Wenn wir von Inspiration sprechen, meinen wir die Methode, die Gott verwendete, also wie er seine Wahrheit aushauchte. In der Offenbarung gab Gott sich zu erkennen. Bei der Inspiration nahm Gottes Geist die Offenbarung und übermittelte sie durch den Verstand der menschlichen Schreiber des Alten und Neuen Testaments. Diese schrieben die Botschaft dann exakt so nieder, wie sie von Gott, dem Heiligen Geist, gegeben wurde.
Was sie aufschrieben, waren die genauen und echten Wörter, die Gottes Botschaft ausmachten, und zwar ganz genau so, wie Gott sie wollte. Die Offenbarung ist also die Botschaft an sich und die Inspiration ist das Mittel, durch das sie gegeben und schließlich in der Schrift festgehalten wurde. Ich möchte das jetzt aus unterschiedlichen Blickwinkeln noch etwas genauer betrachten, um zu klären, was Inspiration nicht ist. Biblische Inspiration ist keine herausragende menschliche Leistung. Im Laufe der Jahre wurde immer wieder die Lehre kritisiert, dass Gott jedes einzelne Wort in den Verstand der Autoren hauchte, sodass jedes Wort tatsächlich aus Gottes Geist stammt.
Manche behaupten, das stimme nicht: Die Bibel sei nämlich lediglich eine herausragende menschliche Leistung. Zu dieser Schlussfolgerung muss man zwangsläufig kommen, wenn man die göttliche Urheberschaft leugnet. Man kann die Tatsache nicht leugnen, dass dieses erstaunliche Buch voller Weisheit ist. Und so sagen manche, die Bibel sei eine Sammlung von Texten großer religiöser Genies, vergleichbar mit Homers Odyssee, Dantes Göttlicher Komödie oder Shakespeares Tragödien. Sie meinen, die Bibel sei sehr kunstfertig und mit großem literarischem Geschick geschrieben, so wie jedes andere Meisterwerk von menschlichen Genies. Aber sie sei eben trotzdem menschlich und dadurch fehlbar. Diese Sichtweise erhebt zwar die menschlichen Verfasser zu Genies, leugnet aber die göttliche Urheberschaft komplett.
Das funktioniert aus vielerlei Gründen nicht. Zum einen übersteigt die Persönlichkeit Jesu Christi und die Art, wie er beschrieben wird, alles menschliche Denken. Wer würde sich eine Person wie Jesus Christus ausdenken? Er übertrifft in Reinheit, Liebe, Vollkommenheit und Gerechtigkeit jede Figur der menschlichen Literatur. Nirgendwo in der gesamten menschlichen Literatur gibt es jemanden wie ihn. Kein Mensch wäre dazu fähig, ihn zu erfinden.
Dazu muss man noch bedenken, dass er das zentrale Thema der gesamten Bibel ist, so dass in einem Zeitraum von mindestens 1.500 Jahren etwas mehr als 40 Autoren über ihn schrieben. Hinzu kommt, dass alles, was sie über ihn sagen, durchgängig einheitlich, schlüssig und übernatürlich ist. Wenn man das alles zusammennimmt, dann ist es schlichtweg unvorstellbar, dass eine so lose miteinander verbundene Gruppe menschlicher Genies ein und dieselbe Person erfinden könnte, die doch jede menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Wer hätte außerdem ein Buch geschrieben, das die gesamte Menschheit verdammt? Welche Gruppe menschlicher Genies würde ein Buch verfassen, in dem steht, dass es keine andere Hoffnung gibt außerhalb der Person Jesus Christi? Alle anderen religiösen Bücher lehren Erlösung durch Werke. Diese Bücher wurden von anderen religiösen Genies geschrieben, die wiederum von übernatürlichen Genies unterstützt wurden, die wir als Dämonen bezeichnen würden. Ihre Bücher schmeicheln dem menschlichen Stolz.
Menschliches Genie verherrlicht immer sich selbst, weshalb es in keiner anderen Religion der Welt eine Person wie Jesus Christus gibt. Außerdem: wenn die Verfasser der Bibel einfach nur menschliche religiöse Genies auf dem Höhepunkt ihrer geistlichen Brillanz gewesen wären, warum schrieben sie dann nicht noch weitere Schriften, die an die Bibel heranreichen? Tatsache ist, dass sie sich selbst überlassen zwar einige gute Dinge hervorbringen konnten, aber keine inspirierte Schrift. Paulus schrieb viele Briefe, aber nur dreizehn davon stehen im Neuen Testament. Alle anderen tauchen dort nicht auf, das waren einfach nur Briefe von Paulus.
Sie waren sicherlich von Paulus in Bestform geschrieben, aber eben nur von Paulus. Tatsächlich weiß man, dass er mehrere Briefe an die Korinther geschrieben hat als die beiden Briefe in der Bibel. Diese anderen Briefe waren aber nicht von Gott inspiriert. Paulus war ein Pastor wie andere Pastoren auch, ein Evangelist wie andere Evangelisten. Er sagte wahre Dinge, aber das waren keine direkt inspirierten Worte aus dem Mund Gottes. Inspiration kann also nicht einfach ein besonders hoher Ausdruck menschlichen Genies sein. Man kann sich Christus nicht einfach ausdenken. Und keiner verfasst ein Buch, das die ganze Menschheit verdammt und ihr keine andere Hoffnung lässt als diesen vollkommenen Christus.
Eine andere Sichtweise besagt, dass sich Inspiration nur auf die Gedanken der Schreiber beziehen würde. Gott hätte ihnen einfach edle Ideen in den Kopf gesetzt und Gedanken eingepflanzt. Die erste Art der Inspiration durch menschliche Genialität wird natürliche Inspiration genannt. Die zweite Art wird Gedankeninspiration genannt. Diese Ansicht besagt, dass Gott irgendwann diesen Schreibern eine geistliche Idee eingegeben hätte, aber die konkrete Ausformulierung ihnen überließ. Damit wird jedoch die Verbalinspiration geleugnet. Wenn es jedoch keine Verbalinspiration gäbe, dann käme es nicht auf die einzelnen Worte an. Und dann würden wir mit Textauslegung nur unsere Zeit verschwenden, wie neulich in der Larry King Show ein Mann zu mir sagte, Zitat: „Sie konzentrieren sich so sehr auf die Wörter, dass Sie die eigentliche Botschaft der Bibel übersehen.“ Gedankeninspiration ist eine sehr bequeme Sichtweise. Es ist die Vorstellung, dass irgendwo da drin eine Idee, ein Konzept oder ein religiöser Gedanke versteckt ist, der vielleicht mit den niedergeschriebenen Worten verbunden ist, oder vielleicht auch nicht. Aber dem gegenüber steht der Anspruch der Bibel, dass jedes einzelne Wort Gottes Wort sei.
1. Korinther 2,13 sagt: „Davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind.“ Paulus sagt hier sinngemäß: Wenn ich Gottes Offenbarung wiedergebe und aufschreibe, was Gott mir eingibt, dann sind das keine Worte menschlicher Weisheit, sondern sie sind vom Heiligen Geist gelehrt. In Johannes 17,8 sagt Jesus: „Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen.“ Auch hier liegt die Botschaft in den Worten. Denn es gibt weder eine Botschaft noch eine Inspiration ohne Worte. Mehr als 3.800-mal lesen wir im Alten Testament Formulierungen wie: „So spricht der Herr“, „Das Wort des Herrn geschah“, oder „Gott sprach“. Immer geht es um die Worte. Wortlose Konzepte sind ein Widerspruch in sich selbst, deshalb gibt es sie auch nicht.
Als Mose sich dem Dienst für den Herrn entziehen wollte, sagte er: „Ich muss etwas anderes tun, weil ich kein guter Redner bin.“ Aber Gott antwortete nicht: „Ich gebe dir ein paar großartige Ideen und du wirst schon herausfinden, wie du sie weitergeben kannst.“ Gott sagte auch nicht: „Ich werde mit deinem Verstand sein.“ Sondern Gott sagte zu ihm: „Ich will mit deinem Mund sein und dich lehren, was du sagen sollst!“ Das erklärt auch, warum Mose 40 Jahre später in 5. Mose 4,2 folgendes zu Israel sagt: „Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete.“ Damit sagte er, dass sie nichts anrühren sollten von dem, was er ihnen gebot, weil es von Gott selbst kam.
Die Verfasser der Bibel schrieben also nicht ihre eigenen Worte auf, sondern das Gegenteil war der Fall. Sie schrieben Wörter auf, die sie nicht verstanden. In 1. Petrus 1,10 heißt es, dass die Propheten Worte aufschrieben und nicht verstanden, was sie bedeuteten: „Wegen dieser Errettung haben die Propheten gesucht und nachgeforscht, die von der euch zuteilgewordenen Gnade geweissagt haben. Sie haben nachgeforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist des Christus in ihnen hindeutete, der die für Christus bestimmten Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten zuvor bezeugte.“ Sie schrieben also über die Leiden des kommenden Messias, sowie über die Herrlichkeit, die auf die Leiden des Messias folgen würde. Und dann versuchten sie selbst zu verstehen, was sie da eigentlich geschrieben hatten. Sie forschten in den eingegeben Worten nach, um herauszufinden, auf wen und auf welche Zeit sich das bezog. Nicht einmal sie konnten die Bedeutung der Worte, die sie schrieben, vollständig erfassen. Gott gab keine Ideen ohne Worte, aber in einigen Fällen gab er Worte ohne die vollständige Idee dahinter.
In Matthäus 24,35 sagt die Schrift klar und deutlich: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Wenn Gott spricht, dann benutzt er dazu Worte. Die Bibel ist die schriftliche Wiedergabe der Worte, die Gott gesprochen hat. Gedanken sind mit Worten verbunden wie eine Seele mit einem Körper. Ein Schriftsteller formulierte es einmal so: „Wenn man sagt, Gedanken könnten unabhängig von den Worten inspiriert sein, die sie ausdrücken, dann könnte man genauso gut von einer Melodie ohne Musik oder einer Summe ohne Zahlen sprechen. Es gibt keine Geologie ohne Gestein und keine Anthropologie ohne den Menschen. So wie es keine Melodie ohne Musik gibt, kann es auch keine göttliche Offenbarung von Gottes Reden ohne Worte geben.“ Gedanken werden durch Worte vermittelt, und Gottes Gedanken wurden durch Gottes Worte vermittelt. Sie wurden an uns weitergegeben, indem Gott diese Worte dem Geist der Schreiber einhauchte, damit sie genau das schrieben, was er wollte, und alles in der Bibel zusammentrugen.
Es gibt noch weitere interessante Ansichten über die Lehre der Inspiration. Manche behaupten, dass die Inspiration nur die geistliche und moralische Lehre betreffen würde. Man nennt diese Sichtweise Teilinspiration und meint damit, die Bibel sei nur teilweise inspiriert. Nur der geistliche Teil und der moralische Teil seien inspiriert. Aber über den historischen Teil brauche man sich keine Gedanken zu machen, ebensowenig über den geografischen Teil und den wissenschaftlichen Teil. Die Bibel müsse ja auch nicht in allen Bereichen korrekt sein, sondern nur in Bezug auf das Geistliche und die Ethik. Das würde die Irrtümer in der Bibel erklären, ihre Mythen und alle falschen Vorstellungen. Nach Ansicht dieser Leute garantiere die Inspiration nur das Heilige, nicht aber das Weltliche.
Das bringt aber gewaltige Probleme mit sich. Denn entweder schrieb Gott die Bibel oder er schrieb sie nicht. Wenn man Gott schon bei historischen, geografischen oder wissenschaftlichen Angaben nicht trauen kann, warum sollten wir ihm dann in geistlichen Fragen vertrauen? Wenn man Gott nicht zutraut, uns die Wahrheit über die Geschichte zu sagen oder über die materielle Welt, in der wir leben, warum sollten wir ihm dann unsere ewigen Seelen anvertrauen? Wie könnten wir sicher sein, dass wir ihm vertrauen können? Warum sollten wir das Geistliche glauben, das wir nicht überprüfen können, wenn wir das Historische/ Physische und Materielle nicht glauben können, das tatsächlich nachprüfbar ist? Genau das ist der entscheidende Punkt. Sobald man der Bibel auch nur in einem Punkt die Vertrauenswürdigkeit abspricht, beginnt ein Prozess, an dessen Ende man zwangsläufig die gesamte Bibel ablehnt. Denn warum sollte man Gott in Dingen vertrauen, die man nicht sehen und beweisen kann, wenn er bei dem gelogen hätte, was man sehen und beweisen kann?
Diese Sichtweise ist eigentlich völlig unnötig, weil das, was die Bibel über die Geschichte spricht, erwiesenermaßen wahr ist. Noch nie stellte sich ein biblischer Bericht als historisch, wissenschaftlich oder geografisch falsch heraus. Eine weitere Sichtweise zur Inspiration besagt, dass sie das Wirken Gottes am Leser sei. Hier kommen alle vorherigen Ansichten zu einer zusammen: Die Bibel sei im Grunde ein ganz normales Buch, geschrieben von einigen religiösen Genies. Einige der Ideen mögen vielleicht von Gott herabgeschwebt sein. Aber eigentlich würde Gott das Entscheidende direkt bei dir als Leser bewirken. Während du dieses tote Buch liest, wird es plötzlich lebendig für dich, weil Gottes Geist dich inspiriert und erweckt. Das ist theologischer Existenzialismus, oder auch Neo-Orthodoxie. Demnach sei die Bibel kein unfehlbares Wort von Gott und käme nicht direkt aus Gottes Mund.
Aber Gott tue trotzdem etwas wirklich Gutes. Denn wenn man die Bibel lese und sie mit offenen Augen und einem empfänglichen Herzen wahrnehme, würde er sie zum Leben erwecken. Die Bibel würde plötzlich lebendig, weil Gott uns in eine Art Ekstase versetze und uns eine kurze Berührung mit dieser göttlichen Realität schenke. Irgendwo, irgendwann spüre man plötzlich Gott. Das ist aber keine zuverlässige Erfahrung, sondern nichts anderes als eine Art spiritueller Gänsehaut, die man beim Lesen der Bibel bekommt. Du erlebst sie vielleicht ganz anders als jemand anderes. So ist es bei jedem von uns. Wir alle existieren im Jetzt und leben im Augenblick. Und in diesem Augenblick fällt dir beim Lesen der Bibel plötzlich etwas auf. Ein Aha-Moment, ein Wow-Effekt tritt ein, und das nennen sie dann Inspiration. Diese Leute sind übrigens auch die Leute, die dich warnen, bloß nicht auf die Idee zu kommen, dass die Bibel uns tatsächlich historische Wahrheit vermitteln würde.
Dieselben Leute, die an diese Form der existenziellen Inspiration glauben, glauben auch an eine Entmythologisierung der Bibel. Das ist eine große Strömung in der liberalen Theologie, die sich über Jahre, ja sogar Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Die Bibel zu entmythologisieren bedeutet, sie von allen sogenannten Mythen zu befreien. Als Mythen gelten die Trinität, die Präexistenz Christi, die Jungfrauengeburt, die Gottheit Christi, die Wunder Christi, der stellvertretende Tod Christi, die Auferstehung Christi, die Himmelfahrt Christi, die Wiederkunft Christi, sowie das ewige Gericht. Um die Bibel zu entmythologisieren, muss das alles rausgeworfen werden. Alles was dann noch übrig bleibt, wird behalten. Und dann hoffst du, dass Gott dich beim Lesen irgendwann elektrisiert, oder Gott dir einen anderen Geistesblitz schickt und du eine ekstatische religiöse Erfahrung machst. Dieses Phänomen wurde von Francis Schaeffer einmal als „Glaubenssprung“ bezeichnet, als ein Sprung ins Nichts.
Ein anderer Autor schreibt: „Solche Menschen weigern sich zu glauben, dass Gott das Wunder vollbracht hat, uns durch Inspiration eine unfehlbare Bibel zu geben. Gleichzeitig sind sie aber bereit zu glauben, dass Gott täglich das noch größere Wunder vollbringt, nämlich die Menschen zu befähigen, im fehlbaren Menschenwort ein unfehlbares Gotteswort zu erkennen.“ Wie soll das gehen? Wie soll man eine göttlich wahre Erfahrung machen können durch ein menschlich fehlerhaftes Buch? Das würde ja bedeuten, dass Gott Lügen und Betrug bestätigt. Die Bibel ist kein harmloses Buch. Sie behauptet von sich selbst, Gottes Wort zu sein. Und entweder ist sie das, oder sie ist der größte Schwindel aller Zeiten. Aber die Frage stellt sich, warum Gott durch einen Schwindel eine echte geistliche Erfahrung schenken sollte!?
Trotzdem ist diese Ansicht so raffiniert, dass sogar postmoderne Philosophen wie Kierkegaard sagen: „Nur die Wahrheit, die erbaut, ist für dich Wahrheit.“ Wenn der gesamte biblische Bericht eine Lüge ist, wie könnten wir dann glauben, dass eine beim Bibellesen gemachte spirituelle Erfahrung wahr sein könnte? Es gibt viele falsche Vorstellungen über Inspiration. Die fünfte und letzte auf meiner Liste ist die sogenannte Theorie des mechanischen Diktats. Das ist das genaue Gegenteil der vorherigen Auffassung. Hier geht man davon aus, dass jedes Wort direkt von Gott diktiert wurde und die Verfasser der Bibel im Grunde wie Roboter waren. Diese Sicht nennt man die Diktattheorie der Inspiration. Weil wir überzeugt sind, dass Gott jedes Wort geschrieben hat, werfen uns liberale Theologen gern vor, an die Inspiration durch Diktat zu glauben. Bei dieser Sichtweise stellt man sich vor die Schreiber seien in Trance versetzt worden, in eine Art transzendenten seherischen Modus, und hätten als bloße menschliche Schreibmaschinen nur noch das niedergeschrieben, was Gott ihnen vorgab.
Es stimmt, dass Gott einfach alles hätte diktieren können. Auch dann hätten wir einen inspirierten Text gehabt. Aber das tat er nicht. Das zeigen die großen stilistischen Unterschiede in der Bibel: Der Sprachgebrauch unterscheidet sich deutlich von Autor zu Autor. Auch sind die individuellen Persönlichkeiten klar zu erkennen. Beim Schreiben kamen Emotionen zum Ausdruck. Das Neue Testament sagt, dass Gott Schreiber benutzte, die vom Heiligen Geist getrieben wurden. Sie waren nicht vom Prozess der Inspiration ausgeschlossen, sondern aktiv beteiligt und in den Schreibprozess einbezogen. Tatsächlich brachten sie ihre eigene Herzenshaltung ein, ihre eigenen Gedanken, ihre Einsichten und ihre Erfahrungen. Aber alles geschah unter der vollen Kontrolle Gottes.
Das wird an mehreren entscheidenden Stellen deutlich und ich möchte drei davon kurz ansprechen. Es gäbe noch viele weitere Stellen, aber mehr schaffen wir heute Abend nicht. Eine gute Ausgangsstelle ist Hebräer 1,1-2. Hier bekommen wir einen klaren Hinweis auf den göttlichen Urheber der Schrift: „Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen.“ Hier steht: „Gott hat geredet”. Das ist der Schlüssel zu einem biblischen Verständnis von Inspiration. Gott hat gesprochen. Der Schöpfer selbst beseitigte durch seine Offenbarung das, was uns hinderte ihn zu verstehen.
Als nächstes sehen wir, dass „Gott durch die Propheten geredet hat“. Damit sind die Verfasser der Schrift gemeint. Er hat „vielfältig“ geredet, polymerōs, d. h. in vielen Passagen, genaugenommen in 66 Büchern. Davon sind 39 im Alten und 27 im Neuen Testament. Er hat „vielfältig“ „und auf vielerlei Weise”, polytropōs, gesprochen. Das meint, dass er durch Visionen gesprochen hat, durch Prophezeiungen, Gleichnisse, Typologie, Symbole, Zeremonien, Gotteserscheinungen, auch durch eine hörbare Stimme. All das wurde im Alten Testament aufgezeichnet.
Das Alte Testament ist keine Sammlung antiker Weisheiten, sondern es ist Gottes Stimme. Gott sprach auf unterschiedlichen Wegen durch unterschiedliche Mittel. Das, was er sprach, und in der Bibel festhalten wollte, wurde von den Verfassern des Alten Testaments niedergeschrieben. Nun hat er „in diesen letzten Tagen“ wieder „zu uns geredet durch den Sohn“. Das bezieht sich auf das Neue Testament und wieder ist es Gott, der spricht und sich selbst offenbart. Und was er aufgeschrieben haben wollte, wurde von den Verfassern des Neuen Testaments niedergeschrieben. Den zweiten Text finden wir in 2. Petrus 1,20: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“ Das Schlüsselwort hier ist „getrieben“ am Ende von Vers 21. Die Menschen waren vom Heiligen Geist getrieben, mitgetragen, mitgenommen worden. Wie ein Blatt, das stromabwärts getrieben wird, genauso wurden sie als Teil des Prozesses mitgetragen.
In 1. Korinther 2,10 schreibt Paulus über die herrlichen Wahrheiten der Offenbarung: „Uns aber hat es Gott geoffenbart“. Gemeint ist die Gesamtheit seiner Offenbarung „durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Denn wer von den Menschen kennt die Gedanken des Menschen als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So kennt auch niemand die Gedanken Gottes als nur der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, sodass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind.“ All das bedeutet ganz einfach, dass die Schreiber vom Geist gelehrt wurden. Und was sie von ihm empfingen, schrieben sie auf. Das bedeutet „getrieben“ zu sein: mitgetragen zu werden und vom Heiligen Geist getrieben zu werden, diese Dinge aufzuschreiben.
In 2. Petrus 1,21 heißt es: „Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht.“ Das Wort „Weissagung” bezieht sich hier nicht nur auf Vorhersagen, wie wir das oft verstehen, sondern umfasst die gesamte Schrift. Es steht für die Botschaft. Das griechische Wort prophēteia bedeutet, vor jemandem stehen und sprechen, offenbaren, weitergeben. Das meint alles, was Gott in der Schrift gesprochen hat. Nichts davon entsprang einem menschlichen Willensakt, sondern Menschen wurden vom Heiligen Geist zum Weitergeben von Gottes Wort getrieben. Wenn wir nochmals zu Vers 20 zurückgehen, steht dort, dass kein Teil und keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist.
Das Wort „Deutung“ ist das griechische Wort epilusis, und kann auch als „freigeben, auflösen“ übersetzt werden. In unserem Zusammenhang hier steht es nahezu gleichbedeutend mit „Inspiration“. Der Genitiv macht deutlich, dass keine Weissagung ihre Quelle in einem Menschen hat. Keine Prophezeiung wird durch einen menschlichen Willensakt hervorgebracht. Die ganze Schrift kam durch den Heiligen Geist, indem Menschen getrieben und mitgetragen wurden, so dass sie aufschrieben, was Gott gesprochen hatte. Es ist wie bei einem Schiff, das seine Segel setzt und vom Heiligen Geist erfüllt in die Richtung getragen wird, die er bestimmt hat.
Die dritte sehr bekannte Stelle ist 2. Timotheus 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben.“ Damit fingen wir an. „Alle Schrift“, pasa graphē theopneustos, alles Geschriebene, alle heiligen Schriften sind gottgehaucht. Sie sind der Atem Gottes. Deshalb nennt Römer 3,2 die Schrift „Aussprüche Gottes“. Gott ist der Urheber dessen, was die Bibel sagt. Das bezeugen sehr sehr viele biblische Autoren, vor allem im Alten Testament. Eine gute Übung wäre z. B., Jeremia 1 bis 3 zu lesen und darauf zu achten, wie oft Jeremia sagt: „So spricht der Herr - so spricht der Herr“.
Seine Weissagung beginnt in Kapitel 1,4 mit den Worten: „Und das Wort des HERRN erging an mich folgendermaßen“. Er empfing die Worte direkt aus Gottes Mund. Wir müssen die Inspiration demnach als Offenbarung Gottes verstehen, die uns durch Gottes Geist als Schrift gegeben wurde. Der Heilige Geist legte diese Botschaft in den Verstand des Schreibers und verband sie auf souveräne und übernatürliche Weise mit dessen eigener Erfahrung und seinem persönlichen Wortschatz. So entstand jedes Wort, das Gott geschrieben haben wollte. Für Gott ist es ein Leichtes, das zu benutzen, was er selbst geschaffen hat, um seine Ziele zu erreichen. Und die Schrift bezeugt immer wieder, dass sie das Wort Gottes ist.
Ich könnte noch viel mehr dazu sagen, aber ich möchte heute Abend mit dem wichtigsten Zeugnis abschließen, und zwar mit dem Zeugnis Jesu Christi über die Schrift. Was war seine Sicht in Bezug auf die Schrift? Wie dachte er über die Schrift? Erstens bestätigte Jesus, dass er selbst das Thema der ganzen Schrift ist. In Johannes 5,39 sagt er: „Ihr forscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben.“
Christus wusste, dass er das zentrale Thema der gesamten Schrift ist und dass die Schrift von Anfang bis Ende zuverlässig und korrekt über ihn spricht. In Lukas 24,44 schlägt er das Alte Testament auf und erklärt den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus alles, was im Alten Testament über ihn steht. Damit bekräftigt Jesus, dass die Schrift eine wahre und genaue Darstellung von ihm ist und er tatsächlich das Thema der ganzen Schrift ist.
Zweitens: Er kam, um die Schrift zu erfüllen. Er kam nicht, um sie zu korrigieren oder zu überarbeiten und zu ändern, sondern um sie zu erfüllen! Jesus sagt: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern um zu erfüllen!” Es gibt nichts, woran man herumpfuschen müsste, nichts, was verändert werden sollte, nichts, was man ausklammern dürfte. In Matthäus 26,24 sagt er: „Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht.“ Damit sagt er, dass er völlig im göttlichen Zeitplan war und dass er genau das tat, was geschrieben steht. Im selben Kapitel befielt er Petrus, sein Schwert wegzulegen. Denn, so fragt er, „wie würden dann aber die Schriften erfüllt?“ In allem, was Jesus tat, erfüllte er die Schrift.
Jesus sagte also, dass er das zentrale Thema der ganzen Schrift ist, und dass die Schrift ihn als Person genau darstellt. Jesus sagte, dass er kam, um die Schrift zu erfüllen, und dass nichts darin aufgehoben werden sollte. Vielmehr musste jeder einzelne Teil der Schrift erfüllt werden. Nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz würde vergehen, bis alles geschehen sei. Weil für ihn die Schrift als Ganzes Gottes Offenbarung war, sagte er in Johannes 10,35: „Die Schrift kann doch nicht gebrochen werden.“ Man kann sie nirgends in Teile brechen. Sie ist zusammenhängend, allumfassend, abgeschlossen und vollständig. Jesus setzte den Fortbestand der Schrift mit dem Fortbestand des Universums gleich. Wir alle wissen, dass mit der Sünde der Tod Einzug hielt. Aber Gottes Wort ist von der Sünde unberührt, vollkommen rein und bleibt ewig bestehen.
Es war Jesus, der die Bedeutung jedes einzelnen Wortes bis hin zum Buchstaben betonte, als er sagte: „Nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein wird vergehen.“ In Lukas 18,31 sagte er: „Es wird alles erfüllt werden, was durch die Propheten [...] geschrieben ist.“ Jesus stützte sogar seine Auslegung des Alten Testaments auf ein einziges Wort, was zeigt, dass die Wörter wichtig sind. So sagte Jesus in Matthäus 22 zu den Sadduzäern: „Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt. Denn in der Auferstehung heiraten sie nicht noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel.
Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was euch von Gott gesagt ist, der spricht: ‚Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs‘? Gott ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.“ Hier bezog Jesus sich auf Gottes Bezeichnung von sich selbst als der sich als der „Ich bin“ vorstellt: „Ich bin der ewig Lebendige.“ Aber nicht nur ist er der ewig Lebendige, sondern alle, die zu ihm gehören, würden auch ewig leben. Die Sadduzäer glaubten nicht an die Auferstehung. Aber Jesus belegte seinen Standpunkt, indem er das Verb „sein“ im Präsens benutzte, als er über die Ewigkeit Gottes sprach. Das überzeugt zumindest uns.
Darüber hinaus stellte Jesus die Schrift auf eine Stufe mit seinen eigenen Worten. Man muss sich vor Bibeln in Acht nehmen, in denen Jesu Worte rot gedruckt sind. Denn das könnte einen zu der Annahme verleiten, dass diese roten Buchstaben wichtiger seien als der Rest der Schrift. Aber seine Worte sind nicht wichtiger, sondern gleichwertig. In Matthäus 24,35 sagt er: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Die Schrift wird nicht vergehen und meine Worte werden nicht vergehen, sie sind gleichwertig. Jesus bestätigte die Macht des Wortes Gottes in seiner Versuchung. Als er in Matthäus 4 und Lukas 4 versucht wurde, antwortete er mit der Schrift.
Immer wieder verwies er auf die Schrift, als er sagte: „Habt ihr nicht gelesen – habt ihr nicht gehört – steht nicht geschrieben.“ Jesus bestätigte zahlreiche alttestamentliche Berichte, wie die Erschaffung von Adam und Eva oder die Ermordung Abels. Er verwies auf Noah und die Sintflut, die Rolle Abrahams, die Beschneidung, die Vernichtung von Sodom, von Lots Frau, und Lots Rettung, er bestätigte Moses Berufung, das Gesetz Moses, das Manna vom Himmel, die eherne Schlange und vieles vieles mehr. Am Kreuz erfüllte er die in Psalm 22 vorhergesagte alttestamentliche Prophezeiung, als er ausrief: „Mich dürstet“. Mit alldem bekräftigte und bestätigte Jesus, dass das Alte Testament wahr ist.
Er stellte in Lukas 16,29 auch fest, dass die Schrift zur Errettung ausreicht: „Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören!“ Das war alles, was sie brauchten, um nicht in der Hölle zu landen. Er zeigte ihnen, dass Irrtum immer dann entsteht, wenn man die Schrift nicht kennt, z. B. in Markus 12: „Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr die Schriften nicht kennt?“ „Ihr irrt sehr.“ Ein Zehntel aller aufgezeichneten Worte Jesu stammt aus dem Alten Testament. In den 1.800 Versen mit den Worten Jesu zitiert er 180-mal das Alte Testament. Das ist ein Zehntel. Und er sagte von sich, dass er die Wahrheit und das ewige Wort ist. Jesus ist unser Vorbild im Umgang mit der Schrift.
Das stellt uns vor drei Möglichkeiten. Erstens: Die Bibel enthält keine Irrtümer, so wie es Jesus bezeugt. Zweitens: Die Bibel enthält Irrtümer, aber Jesus wusste nichts davon. Drittens: Die Bibel enthält Irrtümer und er wusste davon, vertuschte sie aber. Es bleibt eigentlich nur eine Möglichkeit. Denn wenn es Irrtümer in der Bibel geben würde und Jesus hätte nichts davon gewusst, dann wäre er nicht Gott. Wenn es Irrtümer in der Bibel gibt und er hätte davon gewusst und sie vertuscht, dann wäre er der Teufel.
Aber er ist Gott. Weder ist er der Teufel, noch gibt es Irrtümer in der Schrift. Letztlich entscheidet die Autorität Christi über die Frage nach der Inspiration des Textes. Somit wird die Schrift zum verbindlichen Wort Christi. Deshalb heißt es auch: „Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen.“ Die Schrift ist das Wort Christi. Christus übernimmt das Eigentumsrecht für die ganze Schrift. Gemäß 1. Korinther 2,16 haben wir in der Schrift „den Sinn des Christus“. Und laut 2. Korinther 10,5 nimmt man „jeden Gedanken gefangen [...] zum Gehorsam gegen Christus“, wenn man sein Wort verkündigt. Christus übernimmt das Eigentumsrecht für die ganze Schrift. Deswegen sollten wir uns voller Zuversicht auf sein Zeugnis stützen und das auch tun. Es gäbe noch vieles mehr zu sagen, aber für heute Abend soll es genügen. Lasst uns beten.
Vater, wir danken dir für die Zuversicht, die uns die Schrift selbst schenkt. Sie ist ihr eigener stärkster Verteidiger, denn in ihr sprichst wirklich du. Wir wissen nicht, wie das Wunder der Inspiration im Einzelnen geschehen ist. Wir können die geistlichen Vorgänge dahinter nicht vollständig verstehen. Aber wir wissen, dass sie wahr ist. Wir wissen, dass die Schreiber ihre eigenen Erfahrungen aufgeschrieben haben, ihre eigenen Einsichten und Perspektiven, und doch hast du dafür gesorgt, dass jedes Wort von dir stammt. Darum ist das, was wir in Händen halten, wirklich Gottes Wort. Mögen wir erkennen, dass dieses Wort Leben gibt, Leben erhält und uns eines Tages in das ewige Leben hineingeleiten wird, das uns in deiner Gegenwart erwartet. Wenn dein Wort kommt, bringt es Licht. Und dieses Licht ist unser Leben. Wir danken dir für das Wort und das Werk, das es tut. Möge es fortwährend sein mächtiges Werk in uns tun, wenn wir es reichlich in uns wohnen lassen. Wir beten im Namen unseres Erlösers. Amen.
ENDE
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