Wir kommen nun am Ende des Briefes zu 1. Thessalonicher 5,19. In den Versen 16-22 behandelt Paulus einige grundlegende Elemente des christlichen Lebens. Seine Schlussfolgerungen gibt er stakkatoartig in Befehlsform an die jungen Christen in Thessalonich weiter. Das erscheint uns zunächst grob vereinfacht, aber zugleich ist es äußerst tiefgründig. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um eine relativ junge Gemeinde handelt. Keines ihrer Mitglieder ist länger gläubig als ein paar Monate. Deshalb brauchen sie eine Erinnerung und eine Zusammenfassung der Grundelemente des christlichen Lebens.
Im letzten Teil des Briefes lehrt Paulus über das Heranziehen einer gesunden Herde. Anhand der Metapher von einer Schafherde spricht er über die Beziehung zwischen Pastoren und Gemeindegliedern. Wie sollte die Beziehung der Schafe zu ihren Hirten sein und wie sollte die Beziehung der Hirten zu ihren Schafen sein? Dann spricht er darüber, wie die Beziehung der Gemeindeglieder untereinander sein sollte. Und ab Vers 16 geht es um die Beziehung der Gemeindeglieder zum Herrn selbst, dem Oberhirten. Hier gibt Paulus mehrere Gebote für unsere persönliche geistliche Beziehung zum Herrn. Ich sprach bereits über drei Gebote, nämlich: „Freut euch allezeit“, „Betet ohne Unterlass“ und „Seid in allem dankbar“. Sie sind der Wille Gottes in Christus Jesus.
Nun kommen wir in Vers 19 zum vierten Gebot: „Den Geist löscht nicht aus“. (ELB) Diese Aufforderung ist klar und deutlich und eigentlich nicht schwer auszulegen. Aber damit wir diese Aussage in unserer heutigen Zeit anwenden können, müssen wir sie richtig verstehen.
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ziemlich viele Ausleger der Ansicht sind, dass Vers 19 mit den nachfolgenden drei Versen zusammenhängt. Ihrer Meinung nach nimmt der Vers darauf Bezug, dass die Thessalonicher die charismatischen Gaben in ihrer Gemeinde missbrauchen würden. Wenn Paulus also sagt: „Den Geist löscht nicht aus! Die Weissagung verachtet nicht! Prüft alles, das Gute behaltet! Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt!“, dann wolle er damit eigentlich etwas korrigieren, weil sie die charismatischen Gaben missbrauchten.
Die Anhänger dieser Sichtweise, dass es hier um die charismatischen Gaben ginge, würden den Vers deshalb so auslegen: Paulus meine mit seiner Aussage „Den Geist löscht nicht aus!“, dass die Thessalonicher die Ausübung bestimmter charismatischer Gaben in der Gemeinde nicht unterdrücken sollten. Folglich legen sie die nächsten Verse (v. 20-22) wie folgt aus: „Verachtet nicht die Weissagungen, die durch den Heiligen Geist kommen“, und „Unabhängig davon, was gesagt wird, müsst ihr alles prüfen. Wenn es gut ist, haltet daran fest. Wenn es böse ist, dann haltet euch davon fern.“
Sie interpretieren diesen ganzen Abschnitt mit Bezug auf die charismatischen Gaben, die in der Gemeinde vorkommen. Das würde die Gabe der Weissagung beinhalten, das Wort der Erkenntnis, das Wort der Weisheit, die Sprachenrede und die Auslegung der Sprachen. Sie nehmen an, dass die Gemeinde in Thessalonich diese Gaben missbrauchten, und dass Paulus mit diesen Aufforderungen versucht, das wieder in Ordnung zu bringen.
Alle Vertreter dieser Ansicht bringen diese Stelle mit dem 1. Korintherbrief in Verbindung und behaupten, dass die Thessalonicher die Wahrheiten von 1. Korinther 12 bis 14 nicht verstanden hätten. Dort beschreibt Paulus sehr ausführlich den Missbrauch der charismatischen Gaben in der Gemeinde der Korinther und korrigiert die Korinther mit vorsichtigen Worten. Er beschreibt, wie diese Gaben eingesetzt werden sollen, wie sie nicht eingesetzt werden sollen, wie man die wahre Gabe erkennt und wie man eine falsche Gabe davon unterscheidet. Er geht darauf ein, wie sie im Gottesdienst eingesetzt werden soll, wie sie überprüft werden soll und nennt eine Vielzahl von Details. Er erstellt sogar eine Prioritätenlisten dieser Gaben. Darin erklärt er, was wichtiger ist als alle Gaben: Nämlich die Liebe, die er in Kapitel 13 beschreibt.
Diese Ausleger sagen also, dass es in Thessalonich Probleme mit den geistlichen Gaben gegeben habe, weil die Menschen die Grundsätze aus 1. Korinther 12, 13 und 14 nicht verstanden. Die Thessalonicher hätten die Anweisungen nicht befolgt. Deshalb würde Paulus diese problematische Sichtweise korrigieren. Ich habe die Argumentation von zehn oder elf Kommentatoren gelesen, die diese Ansicht vertreten, aber ich muss zugeben, dass ich immer noch nicht überzeugt bin. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Zunächst einmal sehe ich keinen Anlass, diesen Abschnitt so zu verstehen. Es gibt keinen zwingenden Grund, in Vers 19 etwas anderes hineinzulesen, als dass man den Geist ganz allgemein nicht auslöschen soll. Außerdem gibt es keinen zwingenden Grund die Aussage in Vers 20 anders zu deuten. Paulus sagt ganz einfach: „Verachtet nicht die Weissagungen“. Dieses Wort wird sowohl für die mündliche als auch die schriftliche Offenbarung des Geistes verwendet. Paulus sagt damit einfach nur ganz allgemein: „Wenn der Geist spricht, verachtet es nicht“.
In Vers 21 sehen wir eine weitere sehr allgemeine Aussage. „Ihr müsst unterscheiden können. Prüft alles. Haltet fest an allem, was gut ist. Meidet alles, das böse ist.“ Wenn er in Vers 21 von Prophezeiungen sprechen würde, dann würde er sagen: „Haltet fest an dem, was wahr ist, und meidet das, was falsch ist.“ Aber stattdessen sagt er einfach nur: „Haltet fest an dem, was gut ist, und haltet euch fern von jeder Form oder jeder Art von Bösem.“ Es muss also um mehr gehen als nur um eine spezielle Form der prophetischen Äußerung.
Deshalb sehe ich diese Aufforderungen einfach als unterschiedliche Gebote und Grundprinzipien des geistlichen Lebens: Eins davon lautet „Den Geist löscht nicht aus“. Das andere besagt: Die Weissagung verachtet nicht!, seien sie schriftlich oder mündlich. Prüft alles, in eurem Leben, und wenn ihr etwas Gutes findet, dann haltet daran fest. Wenn ihr auf etwas Schlechtes stoßt, haltet euch davon fern. Es gibt also wirklich keinen Grund, irgendeinen Missbrauch der Geistesgaben in den Text hineinzulesen.
Wenn ein solches Missbrauchsproblem tatsächlich in einer so jungen Gemeinde wie Thessalonich aufgetreten wäre, wäre Paulus vermutlich Feuer und Flamme gewesen, es zu lösen. Er hätte das Schadenspotential erkannt und wäre nicht annähernd so indirekt und allgemein geblieben. Wäre der Missbrauch zuerst in der Gemeinde von Thessalonich aufgetreten, hätte er ihnen sicherlich das geschrieben, was er später an die Gemeinde in Korinth schrieb.
Außerdem konnten die Thessalonicher gar nicht wissen, was in 1. Korinther 12 bis 14 steht. Das war nämlich noch gar nicht geschrieben worden. Die Gemeinde in Korinth war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gegründet worden und es gab auch noch keine Christen in dieser Stadt. Wir müssen also von Folgendem ausgehen: Wenn es in Thessalonich ein Problem von Missbrauch der Geistesgaben gegeben hätte, dann wäre es hier zum ersten Mal aufgetreten. Und dann hätte sich Paulus diesem Problem mit der gleichen Ernsthaftigkeit, Ausführlichkeit und Besorgnis gewidmet, wie er es im Fall der Korinther tat. Folglich müssen wir schließen, dass es ein solches Problem nicht gab. Und somit war eine solche Korrektur wie 1. Kor 12,13,14 nicht notwendig. Es gibt also keine zwingenden Gründe, diesen Abschnitt mit derartigen Problemen im Hinterkopf auszulegen. Paulus gibt uns hier ab Vers 16 ganz einfach mehrere Gebote von derselben Art. Diese Gebote fassen die Grundlagen der Beziehung eines Christen zu seinem Herrn zusammen.
Demzufolge steht Vers 19 als allgemeines Gebot für sich allein. Dort heißt es: „Den Geist löscht nicht aus!“ Natürlich setzt der nächste Vers voraus, dass hinter allen prophetischen Weissagungen der Geist steht, aber auch diese Aussage steht für sich allein. Betrachten wir also Vers 19 als ein für sich allein stehendes, allgemeines Gebot, welches durch eine sehr anschauliche Metapher bildhaft ausgedrückt wird: „Den Geist löscht nicht aus!“. Das Verb spricht von „auslöschen“. Das griechische Wort bedeutet zu unterdrücken, zu hemmen oder auszulöschen, wie es hier übersetzt wird. In Markus 9,48 beschreibt es das Löschen eines Feuers, in Matthäus 25,8 das Auslöschen einer Lampe. Das Wort bedeutet: löschen, auslöschen, ersticken, Wasser auf ein Feuer gießen.
Wie wir wissen, wird der Heilige Geist in der gesamten Schrift als Feuer dargestellt. In Apostelgeschichte 2 heißt es z. B., dass der Geist Gottes als zerteilte Feuerzungen auf die Gemeinde herabkam. Und in seinem Brief an Timotheus sagte Paulus: „Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gnadengabe Gottes wieder anzufachen, die [...] in dir ist.“ Damit sagt er, dass das Feuer zwar noch da ist, aber so schwach, dass Timotheus noch etwas Holz nachlegen sollte, damit es wieder brennt. Der Geist wird also mehrfach als Feuer oder loderndes Feuer beschrieben. Und hier sagt der Apostel: „Gießt kein Wasser auf dieses Feuer. Hemmt es nicht. Erstickt nicht das Wirken des Geistes.“
Dieser Befehl sollte uns nicht überraschen. Denn natürlich kann der Heilige Geist ausgelöscht werden, sonst müsste Paulus uns das nicht befehlen. Der Heilige Geist kann betrübt werden. In Epheser 4,30 heißt es: „Betrübt nicht den Heiligen Geist.“ Außerdem kann man dem Heiligen Geist widerstehen. Davon lesen wir in Apostelgeschichte 7,51. Der Heilige Geist kann auch gelästert werden. Jesus verurteilt die Pharisäer in Matthäus 12,24-32, weil sie den Heiligen Geist gelästert haben. Dabei ist es wichtig, zu unterscheiden, dass Ungläubige den Heiligen Geist lästern und ihm widerstehen können, aber Gläubige können ihn auslöschen und betrüben.
Vielleicht fragst du dich: „Was ist der Unterschied zwischen auslöschen und betrüben?“ Auslöschen ist das, was du dem Geist antust und Betrübnis ist die Reaktion des Geistes auf das, was du getan hast. Betrübnis meint den persönlichen Kummer des Heiligen Geistes, wenn ein Gläubiger das heilige Feuer auslöscht, das der Geist in seinem Herzen entzündet hat. Man kann den Heiligen Geist nicht auslöschen, ohne ihn zu betrüben, und man wird den Heiligen Geist nicht betrüben, es sei denn, man löscht ihn aus. Das sind einfach zwei Seiten desselben Problems: Die eine beschreibt, was du tust, die andere, was der Geist tut. Du löschst aus und das betrübt ihn. Andererseits ist er betrübt, weil du ihn auslöschst. Als Schafe, die in rechter Weise mit dem Oberhirten verbunden sein wollen, dürfen wir also den Heiligen Geist nicht auslöschen.
Um dies zu verstehen, müssen wir uns kurz anschauen, was genau das Werk des Heiligen Geistes ist und wie wir ihn auslöschen können. Als unser Herr seinem Tod näherkam und seine Kreuzigung bevorstand, versprach er, einen anderen Helfer zu senden. Damit meinte er den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der genau wie der Herr selbst war. Er versprach: „Der Heilige Geist wird kommen, nachdem ich zum Vater aufgefahren bin. Ich werde den Heiligen Geist senden und er wird meine Rolle bei euch übernehmen. Der Heilige Geist —eine andere Person der Dreieinheit— wird kommen, —Gott von Gott—, und wird die Rolle übernehmen, die ich im Leben der Jünger spielte.“ Im Grunde sagt Jesus: „Ich war euer Lehrer; in Zukunft wird der Geist euch belehren. Ich war euer Freund; nun wird er euer Freund sein. Ich habe euch geführt; nun wird er euch führen. Ich war eure Quelle; nun wird er eure Quelle sein. Ich war euer Helfer; nun wird er euer Helfer sein. Ich war euer Tröster; nun wird er euer Tröster sein.“
In anderen Worten, „der Heilige Geist wird meine Rolle einnehmen. Ich war Seite an Seite mit euch. Der Geist wird sogar in euch sein. Ich war sozusagen das Feuer um euch herum, aber der Geist wird das Feuer in euch sein“. Wie versprochen sandte der Herr Jesus den Heiligen Geist am Pfingsttag. Er sandte und sendet auch weiterhin den Geist zu jedem einzelnen Gläubigen, der zu Christus kommt, um in dem Gläubigen zu leben. Jedem einzelnen Gläubigen wohnt der Geist Gottes inne. Er ist da wie ein Feuer, das nicht ausgelöscht werden darf, sondern zu voller Flamme entfacht werden muss.
Ich bin überzeugt, dass das Feuer des Geistes häufig ausgelöscht wird, nicht nur im Leben von einzelnen Gläubigen, sondern auch in der Gemeinde Jesu Christi insgesamt. Das zeigte ich vor kurzem auf in meinem Buch Our sufficiency in Christ (dt. Unsere Hinlänglichkeit in Christus). Ich bin davon überzeugt, dass der Heilige Geist heute wirklich im ganz großen Stil ausgelöscht wird und dass er daher tief betrübt ist über das, was in der Gemeinde vor sich geht.
Da ist zunächst der Mystizismus der charismatischen Bewegung, der zwar vorgibt, das Wirken des Heiligen Geistes zu verherrlichen, in Wirklichkeit aber seine heiligenden Absichten auslöscht. Ich weiß, dass das sehr schwer zu sagen und zu hören ist und vielleicht sogar schwer zu glauben. Denn wenn wir eines über die charismatische Bewegung annehmen würden, dann wäre es, dass sie den Heiligen Geist mehr als andere verherrlichen. Schließlich reden sie immerzu über den Heiligen Geist. Ständig sprechen sie von den Gaben des Geistes und von der Kraft des Geistes und sind total begeistert von ihrer selbst entwickelten Theologie des Heiligen Geistes. Aber Tatsache ist: Egal wie viel sie über das Wirken des Heiligen Geistes reden, in Wirklichkeit löschen sie sein wahres heiligendes Wirken aus, indem sie sein Wirken verdrehen und einen falschen Ersatz dafür anbieten. Dadurch wird der Heilige Geist in gewaltigem Ausmaß ausgelöscht.
Die Charismatiker machten aus dem Heiligen Geist eine Art göttlichen Flaschengeist, der auf Abruf wirkt und nur Dinge tut, die man sieht, fühlt oder hört. Und wenn man sie nicht sehen, fühlen oder hören kann, hat er sie nicht getan. So ist die charismatische Bewegung zwar auf den Heiligen Geist fixiert, aber gleichzeitig unterdrückt sie das echte heiligende Wirken des Geistes. Und mit einem solchen falschen Standard für Heiligung oder Geistlichkeit löscht man den Geist aus.
Weiterhin weise ich in meinem Buch darauf hin, dass die aktuelle Fixierung auf die Psychologie ebenfalls das Wirken des Geistes auslöscht. Denn auch die heutige Psychologie ersetzt die echte Wirkungsweise durch eine falsche, indem sie menschliche Weisheit einsetzt, um geistliche Probleme zu lösen. Menschliche Mittel und menschliche Kraft werden verpackt in menschliche Techniken. Damit lehnen sie den Heiligen Geist ab, die einzige wahre Kraft und den einzigen echten Problemlöser, der allein die Sünden unseres Lebens heilen und uns heilig machen kann. Und wir müssen uns schließlich fragen: Brauchen wir einen Therapeuten oder brauchen wir den Heiligen Geist? Ein Großteil der Gemeinde von heute beteuert zwar ihren Glauben an den Heiligen Geist, würde aber sagen, dass wir trotzdem einen Therapeuten brauchen.
In meinem Buch schrieb ich folgendes zu diesem Thema: „Die psychologische Heiligung ist zu einem Ersatz für das Leben im Geist geworden. Welchen Sinn hat es, den Trost des Heiligen Geistes zu suchen, wenn tief sitzende emotionale Probleme nur von einem ausgebildeten Psychologen behandelt werden können? Welchen Sinn hat es, den Trost des Heiligen Geistes zu suchen wenn Menschen ihr Leben nur in den Griff bekommen können, indem sie sich auf ihre Kindheit zurückbesinnen, weil die Antworten auf unsere schlimmsten Verletzungen und Schmerzen tief in uns selbst vergraben sind? Wenn diese Dinge wahr sind, brauchen wir keinen Fürsprecher, sondern einen Therapeuten. Viele in der Gemeinde schlugen genau diesen Weg ein, und dadurch wird der Heilige Geist ausgelöscht.
Vor Kurzem erhielt ich einen Brief von einer Hörerin unserer Radiosendung, und ich nahm ihn mit ins Buch auf, weil er die Einstellung vieler Menschen verdeutlicht. Diese Frau wurde von einer ganzen Fülle an christlicher und säkularer Psychologie beeinflusst. Sie schrieb: „Ich war nie einverstanden mit Ihrer Meinung über Psychologen und damit, dass Sie sie alle in einen Topf werfen, egal ob christlich oder säkular. Ereignisse aus der jüngsten Vergangenheit haben mir das wieder einmal bewusst gemacht. Das macht Ihre Einstellung für mich noch beunruhigender. Sie halten Menschen mit großen emotionalen Problemen davon ab, die Hilfe zu suchen, die sie brauchen. Und ich frage mich, ob Sie sich des Schadens bewusst sind, den Sie dadurch anrichten. Wenn Sie in einer perfekten Familie aufgewachsen sind, fällt es Ihnen wahrscheinlich schwer zu verstehen, wie tief die Seele mancher Menschen verletzt wurde und wie sie das bis ins Innerste zerstört hat. Oft wurden die Vorfälle von den Kindern verdrängt und tauchen erst wieder auf, wenn sie älter oder schon erwachsen sind. Nur Bibelstudium und Gebet zu empfehlen, kann bedeuten, ein Pflaster aufzukleben, wenn jemand eigentlich operiert werden müsste. Christ zu werden löst das Dilemma ebenfalls nicht, auch wenn ich früher dachte, dass es das tut. Im besten Falle wandelt die betroffene Person den tiefen Schmerz ihrer Seele im geistlichen Sinne in etwas Konstruktives um. Und vielleicht sieht sie dadurch ihre früheren Lebenserfahrungen als ganz normal an. Aber weil diese Dinge nie aufgearbeitet wurden, tragen diese Menschen sie in ihre Ehen hinein, und so beginnt ein weiterer Kreislauf.“
Hier unterbreche ich kurz. Die These dieser Dame ist also, dass Bibelstudium, Gebet und der Dienst des Geistes nur ein Pflaster sei, während Psychologie eine tiefgreifende Operation ist. Das ist im Grunde das genaue Gegenteil der Wahrheit, denn es ist genau andersherum: Psychologie ist das Pflaster und das Wort Gottes, das Gebet und die Kraft des Geistes sind die tiefgreifende Operation. Aber das ist die Denkweise, die in der Gemeinde immer mehr um sich greift.
Weiter heißt es in dem Brief: „Die grob vereinfachte Antwort ist, dass es an der Sünde liegt.“ Ist das grob vereinfachend oder ist das die Wahrheit? Sie schreibt weiter: „Sie sagen immer wieder: Bitte Gott, dir zu vergeben, vergib anderen, lies deine Bibel und bete. Bitte Gott dir zu helfen, dich zu bessern. Aber man muss sich auch mit dem beschäftigen, was die Sünde angerichtet hat. Wenn die Person sich jedoch des tief in ihrem Unterbewusstsein vergrabenen Problems nicht bewusst ist, wie soll sie es dann lösen? Einem Mann mit einem gebrochenen Bein hilft es nicht, die schmerzende Stelle mit Salbe einzureiben. Solange man nicht die Ursache des Schmerzes entdeckt, kann man keine Heilung herbeiführen.“
Wieder taucht diese These auf, dass die Bibel, das Gebet und das Wirken des Heiligen Geistes einfach nur Salbe auf das Problem schmieren und es nicht lösen. Um es zu lösen, müsse man noch tiefer graben, als es mit geistlichen Mitteln überhaupt möglich ist. Das spiegelt nichts anderes wider als den evolutionäre, atheistische Freud-Theorie. Nach Freud sind Menschen so, wie sie sind, weil sie eine ganze Menge Müll in ihr Ich integriert haben. Aber das alles liegt unter der Oberfläche verborgen. Und um geheilt zu werden, muss man diesen ganzen Müll irgendwie wieder hochwürgen. Das finden wir natürlich so nicht in der Bibel und es hat auch überhaupt nichts mit dem Wirken des Geistes zu tun.
Die Dame fährt fort: „Der christliche Psychologe ist geschult und ist besser in der Lage, diese ernsten Probleme an der Wurzel zu packen. Ein Freund oder guter Zuhörer ist keine große Hilfe, weil die Angelegenheit zu tiefgreifend ist. Und ein Pastor hat eine ganze Gemeinde zu betreuen. Wie um alles in der Welt könnte er die Zeit rechtfertigen, die er brauchen würde, um sich mit nur einigen wenigen in seiner Gemeinde zu befassen? Das Leben wird immer komplexer und die Beziehungen dadurch immer zerbrechlicher. Und Sie sind der Meinung, dass Christen keine professionelle Beratung in Anspruch nehmen sollten????
Ich frage mich, wie viele bedürftige Menschen von Ihnen leider überzeugt wurden, keine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie dringend benötigt hätten. Mich schaudert bei dem Gedanken an die Verantwortung, die Sie tragen, wenn Ihre Stimme durch den Äther schallt und Menschen davon abhält, sich die benötigte Hilfe zu holen. Ich hoffe aufrichtig, dass wir missverstanden haben, was Sie wirklich meinten. Um es ganz klar zu sagen: Ich stimme Ihnen nicht zu, dass Christen keine professionelle psychologische Therapie nutzen sollten. Wenn der Bedarf da ist, sollten sie die Hilfe in Anspruch nehmen.“
Das ist ein gutes Beispiel für die weit verbreitete Sichtweise, dass die Bibel die Dinge oft nur oberflächlich behandeln würde. Solange man die Schichten nicht durch Psychologie und Therapie abtrage, um das darunter Verborgene zu sehen, werde es nicht zu der notwendigen tiefgreifenden Heilung kommen. Ich würde dieser Frau oder andere Menschen, die diesem Muster folgen, einfach die Frage stellen, ob sie die Antworten an der richtigen Stelle sucht. Steht sie wirklich hinter dem, was ihrer Meinung nach wahr ist? Gäbe es wirklich jemanden, der besser geeignet wäre als der Heilige Geist? Will sie damit sagen, dass Gott uns nicht den Heiligen Geist gegeben hätte, wenn er gewusst hätte, was wir jetzt wissen? Dann hätte er uns nicht den Geist gegeben, um uns auf den Weg der Vollkommenheit zu führen, sondern jedem Gläubigen seinen eigenen persönlichen Psychiater!? Hat Gott deshalb so schwer gelitten, weil er dummerweise —vor Freud— Mensch geworden und auf die Erde gekommen ist?
So viele Menschen sind bereits darauf hereingefallen. Und das ist nicht neu! Bereits die Galater hatten damit zu kämpfen. In Galater 3,3 sagt Paulus: „Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen und wollt es nun im Fleisch vollenden?“ Habt ihr ein menschliches Werkzeug, eine Technik, eine Methode, eine Therapie oder etwas Sonstiges gefunden, das wirklich tiefgreifender wirkt, weil der Geist es nicht kann? Das ist doch lächerlich. Paulus fordert die Galater auf, einmal nachzudenken: Glaubt ihr, dass der Heilige Geist nur das rettende Werk und das rechtfertigende Werk vollbringen kann und nun unfähig sei das auch das verwandelnde Werk zu vollbringen? Der Heilige Geist kam doch in euer Leben, und er versetzte euch durch die Kraft des Evangeliums vom Tod ins Leben, von der Finsternis ins Licht, von der Sünde zur Heiligkeit, vom Kind Satans zum Kind Gottes. All das tat der Heilige Geist! Denkt ihr er könne das Werk der Heiligung nicht vollbringen?
Glaubt ihr, dass der Heilige Geist mächtig genug war, euch von eurer Sünde zu überführen? War er mächtig genug, euch eurer eigenen Bemühungen überdrüssig zu machen, Gott zu gefallen? War der Heilige Geist mächtig genug, um euch zur Buße zu führen, aus Scham über eure Sünde und aus Angst vor dem Zorn Gottes? So dass ihr euch von eurer Sünde abgewandt habt um Christus zu folgen? Glaubt ihr, dass der Geist mächtig genug war, um das Evangelium zu beleben, so dass es in eurem geistlich toten Zustand als Wahrheit zu euch kommen konnte? Und dass der Geist Gottes mächtig genug war, eure Wiedergeburt zu bewirken und euch ganz neu zu machen, indem er den Samen des Lebens Gottes in euch pflanzte? Wenn ihr das glaubt, sollte er nach all dem mit euren aktuellen Problemen nicht fertigwerden? Das Schwerste ist doch schon erledigt. Denn als ihr gerettet wurdet, im Moment eurer Bekehrung, bewirkte der Geist Gottes eine vollständige Umkehr und Erneuerung eures Herzens. Diese radikale Umwandlung ist ein übernatürliches Wunder. Diese Umwandlung sondert euch ab, weg von der Sünde und hin zu Gott. Diese Umwandlung versetzte euch in den Leib Christi. Seither wohnt der Heilige Geist dauerhaft in euch. Er teilte euch Geistesgaben aus. Er gab euch Heilsgewissheit und versiegelte euch für die ewige Herrlichkeit. Er goss die Liebe Gottes in eure Herzen aus und machte euch dadurch zu wahren Anbetern Gottes und Menschenfreunden. All das tat er zum Zeitpunkt eurer Erlösung.
Deshalb sagt Paulus den Galatern und jedem anderen, der mit einer solchen Torheit daherkommt: „Wollt ihr mir sagen, dass der Heilige Geist all das getan hat, und jetzt könnt ihr ihm den Rest nicht anvertrauen? Ihr habt zu irgendwelchen menschlichen Mitteln gegriffen und denkt jetzt, dass der Heilige Geist für die Probleme des Lebens ein Pflaster ist und die Psychologie eine tiefgreifende Operation?“ Das ist eine absolute Torheit. Wir sollten uns einmal anschauen, was das Werk des Geistes wirklich ist. Wir sprachen darüber, dass in der heutigen christlichen Kultur der Geist durch die Psychologie und die Mystik der charismatischen Bewegung ausgelöscht wird. In meinem Buch fügte ich einen weiteren Abschnitt über Pragmatismus hinzu. Es gibt Menschen, die den Heiligen Geist auslöschen, indem sie die kraftvolle Predigt durch Manipulation ersetzen. Sie ersetzen die kraftvolle Lehre und die kraftvolle Auslegung der Schrift durch Unterhaltung. Diese Menschen glauben, dass die Gemeinde nicht durch die Kraft des Geistes wächst, sondern durch kluges und kreatives unternehmerisches Handeln.
Was ist nun mit unserem persönlichen Leben? Treten wir einmal vom großen Ganzen zurück und konzentrieren uns auf dich und mich. Was will der Heilige Geist in mir tun, das ich auslöschen kann? Das ist ganz einfach. Er möchte dich zu immer größerer Heiligkeit führen. „Heilig“ bedeutet abgesondert. Es ist ein Prozess der Absonderung. Er will dich immer weiter von der Sünde absondern. Und je weiter du dich von der Sünde entfernst, desto näher kommst du Gott. Er möchte in dir bewirken, dass die Häufigkeit der Sünde abnimmt, dass die Macht der Versuchung abnimmt, dass deine Beschäftigung mit der Welt abnimmt, dass du immer weniger ein Opfer des Fleisches bist und dass deine Sehnsucht nach Gott wächst. So verläuft Heiligung. Das Werk des Geistes ist ein Wachstum zur Heiligkeit.
Und das perfekte Ziel ist natürlich Jesus Christus. Paulus schreibt: „Ich jage auf das Ziel zu“, auf den Kampfpreis, und der ist Christus Jesus. Er möchte wie Christus sein. Der Psalmist David sagt: „Ich werde mich freuen, ich werde glücklich sein, ich werde zufrieden sein, wenn ich in deinem Ebenbild erwache.“ Das ist sein Ziel. Paulus sagt in Galater 4,19: „Ich leide Geburtswehen, bis Christus in euch Gestalt gewinnt.“ Und in Kolosser heißt es: „Wir arbeiten, indem wir predigen, jeden Menschen lehren und ermahnen, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen.“ Paulus will, wie es in Epheser 4,13 heißt, dass die Gläubigen wie Christus sind und dass sie zum Maß der vollen Größe des Christus gelangen. Der Heilige Geist will dich also auf einem Weg zunehmender Heiligkeit in einem fortschreitenden Absonderungsprozess zur Christusähnlichkeit bringen. Die Heiligkeit ist wie ein Same, der bei deiner Errettung eingepflanzt wurde und jetzt wächst. Und während er wächst, bringt er durch das Wirken des Geistes immer mehr Frucht hervor.
Der große puritanische Autor John Owen hatte eine tiefe Erkenntnis darüber als er schrieb: „Die Heiligung ist ein unmittelbares Werk des Geistes Gottes an den Seelen der Gläubigen. Er läutert und reinigt ihre Natur von der Befleckung und Unreinheit der Sünde und erneuert das Ebenbild Gottes in ihnen. Dadurch befähigt er sie, aus einem geistlichen und gewohnheitsmäßigen Prinzip der Gnade heraus Gott gehorsam zu sein. Dies tut er durch das Leben und den Tod Jesu Christi gemäß der Grundhaltung und den Bedingungen des Neuen Bundes.“ Der Geist wirkt an deiner Seele. Er läutert dich, reinigt dich und befreit dich von der Befleckung der Sünde, während du mehr und mehr in das Ebenbild Gottes verwandelt wirst. Kurz zusammengefasst schrieb Owen: Es ist die umfassende Erneuerung unserer Natur durch den Heiligen Geist in das Bild Jesu Christi.
Das ist die Absicht des Geistes. Und weder die Psychologie noch menschliche Weisheit kann das leisten. Nichts außer dem Heiligen Geist kann das tun. Er ist die einzige Kraft, die das bewirken kann. Trotzdem kann man den Geist im Verlauf dieser Heiligung auslöschen, indem man ihn ersetzt durch ekstatische Erfahrungen, Emotionen, Gefühle, Methoden, therapeutische Methoden, Formeln oder auch durch Pragmatismus, mystische, intuitive, sich selbst bestätigende Erfahrungen oder Psychologie. All das wird niemals das bewirken, was die Aufgabe des Geistes ist und was nur er allein tun kann. Im Verlauf dieser Entwicklung der Heiligung bewirkt der Geist in dir einige Dinge, von denen du wissen musst. Sie sind die Bestandteile dieses Prozesses.
Erstens: Er erleuchtet und erklärt das Wort. In 1. Petrus 2,2 heißt es: „Seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst.“ Du nimmst die Wahrheit auf und wächst durch das Wort. Du schreitest voran. Dein Wachstumsprozess wird durch das Wort vorangetrieben: Auf diese Wiese kommst du auf dem Weg der Heiligung voran, indem du dich immer mehr von der Sünde absonderst und Gott zuwendest. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht!“ Du ernährst dich von dem Wort, und dadurch wächst du. Der Geist ist dabei sowohl der Vermittler, als auch der Autor des Wortes Gottes. In 2. Petrus 1,20-21 heißt es: „Vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“ Der Geist ist der Autor der Schrift. Und nicht nur das: In 1. Johannes 2,20.27 heißt es, dass er in uns wohnt und eine Salbung ist, so dass wir keine menschlichen Lehrer brauchen.
Das heißt, dass der Geist nicht nur das Wort schrieb, sondern nun auch in uns wohnt als der Erleuchter und Ausleger des Wortes. Es ist so wichtig zu verstehen, dass er uns das Wort erschließt. Deshalb sagte Jesus in Johannes 14,26 und Johannes 16,13: „Ich werde euch den Geist senden. Er ist der Geist der Wahrheit und wird euch in die Wahrheit leiten. Er wird euch die Wahrheit zeigen und bezeugen, was der Vater über mich sagt.“ Blättert kurz zurück zu 1. Korinther 2,9, wo wir eine sehr wichtige Aussage finden. Dort zitiert Paulus aus Jesaja 64 und 65: „Sondern, wie geschrieben steht: ‚Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben‘.“
Für diejenigen, die Gott lieben und ihn kennen, hat Gott herrliche, wunderbare Dinge vorbereitet, die alle mit dem Prozess der Heiligung verbunden sind. Aber diese Dinge können weder objektiv noch subjektiv erkannt werden. Beachte bitte —erstens —, dass du es weder sehen noch hören kannst. Das bedeutet, dass die großen geistlichen Realitäten und die Wahrheit nicht empirisch erkannt werden können. Empirismus meint einfach die Methodik der objektiven Beobachtung und diese Dinge gibt es nicht in deiner beobachtbaren Welt. Du kannst sie weder sehen, noch hören. Und darüber hinaus gibt es auch keine wissenschaftliche Methode, die den Menschen in die Lage versetzt, die großen geistlichen Realitäten zu entdecken. Keine einzige objektive, kalkulierte, wissenschaftliche, vernünftige Methode kann das erbringen, weil diese Dinge dem menschlichen Intellekt nicht durch den wissenschaftlichen Prozess zugänglich sind. Sie können nicht empirisch entdeckt werden.
Zweitens sind diese Wahrheiten nicht in dein Herz gekommen. Sie sind also auch subjektiv nicht zugänglich. Man kann sie weder empirisch noch intuitiv erkennen. Gottes Wahrheit kann nicht durch ein Gefühl erkannt werden. Viele Menschen sagen: „Ich weiß einfach, was ich glaube.“ Aber das hat nicht unbedingt etwas mit der Wahrheit zu tun. Gottes Wahrheit lässt dich wachsen. Sie ist die eigentliche Nahrung für dein Leben. Sie heiligt dich, indem sie dich in einem Absonderungsprozess näher zur Heiligkeit bringt. Und sie macht dich Christus ähnlicher. Aber du kannst Gottes Wahrheit weder durch äußere Beobachtung noch durch innere Intuition erkennen. Sie ist nicht zugänglich. Der einzige Weg, sie zu erkennen, steht in Vers 10: „Uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist.“ Der Geist Gottes schrieb nicht nur die Schrift, sondern er erleuchtet uns auch und macht sie für uns lebendig. Jede echte geistliche christliche Erfahrung, ist eine Reaktion auf Wahrheit: offenbart im Wort und belebt im Herzen durch den Geist.
Ein paar Beispiele: Vielleicht empfindest du außergewöhnliche, übernatürliche Freude. Du bist von Freude überwältigt, übersprudelnd, du singst Psalmen und Loblieder und vergießt vielleicht sogar Freudentränen, weil es dir so unglaublich gut geht. Du freust dich so sehr über deine Errettung, dass deine Emotionen sozusagen ihren Höhepunkt erreichten. Der Grund dafür ist nicht deine Intuition, nicht ein Bauchgefühl, sondern dass du die Wahrheit kennst; und das bewirkt in dir diese Reaktion. Der Geist Gottes machte diese Wahrheiten für deinen Verstand lebendig und das beschwingt deine Gefühle. Das geschieht nicht in einem Vakuum. Wenn emotionale Erfahrungen nicht eine Reaktion auf geoffenbarte und belebte Wahrheit sind, dann sind es nichts weiter als Emotionen in einem Vakuum und es handelt sich nicht um echte, christliche, geistliche Erfahrungen.
Ebenso kann es sein, dass du tiefe Traurigkeit und Kummer erlebst und viele Tränen vergießt, weil du weißt, dass etwas in deinem Leben nicht in Ordnung ist. Der Geist Gottes hat dich darauf aufmerksam gemacht und beim Versuch, mit dieser Anregung des Geistes umzugehen, kamen deine Emotionen an ihre Grenzen. Zusammenfassend kann man sagen: Gottes Geist schrieb das Wort und während wir es treu studieren, legt er als Salbung das Wort aus. Zugleich belebt der Geist das Wort, und ruft in uns Emotionen hervor, von tiefsten Kummer über Sünde bis zur übernatürlichsten Freude und Lobpreis. Das geschieht, weil die Wahrheit uns begeistert. Auf diese Weise bringt der Geist uns voran. Es ist sein Werk und im Mittelpunkt des Ganzen steht das Wort.
In Psalm 19 heißt es, dass das Wort den ganzen Menschen umwandelt. Das Wort macht den Unverständigen weise. Das Wort erfreut das Herz. Das Wort erleuchtet die Augen. Das Wort bleibt in Ewigkeit. Das Wort bewirkt umfassende Gerechtigkeit. Das Wort kann alles und wurde gegeben, um uns zu lehren, zu unterweisen, zurechtzuweisen und zu erziehen, damit wir zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet sind. Der Geist war der Autor des Wortes und ist nun der Ausleger des Wortes. Er handelt durch das Wort als der, der es anwendet, und er belebt unser Herz. Damit macht er uns das Wort lebendig und führt uns von der Sünde weg hin zur Heiligkeit. Das ist sein Werk.
Aber du kannst den Geist auslöschen, indem du es versäumst das Wort zu studieren, um dich Gott als bewährt zu erweisen. Oder indem du die Schrift falsch verwendest und sie nicht recht teilst. Indem du sie nicht in Demut aufnimmst, wie es in Jakobus 1,21 heißt. Du kannst den Geist auslöschen, indem du das Wort nicht in deinem Leben anwendest und so zum Hörer wirst, anstatt zum Täter. Du kannst den Geist auslöschen, indem du das Wort nicht in deinem Herzen bewahrst, indem du es nicht eifrig erforschst oder indem du es nicht begehrst. Du kannst den Geist auslöschen, indem du das Wort nicht reichlich in dir wohnen lässt, wie Paulus in Kolosser 3 sagt.
Es gibt jedoch noch eine zweite Sache, die der Heilige Geist tut. Indem er uns nämlich auf diesem Weg der Absonderung zur Heiligkeit führt, bringt er uns in eine vertraute Beziehung zu Gott. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil unseres geistlichen Wachstums. Wir brauchen Zeit mit Gott. Wenn ich mich Gott immer mehr nähern will, wenn die Beziehung immer lieblicher und bereichernder und umfassender werden soll, dann muss ich Zeit mit Gott verbringen. Es ist also das Werk des Geistes, mich in diese Richtung zu locken und zu ziehen. In Römer 8 heißt es, dass der Heilige Geist uns dazu bringt, „Abba, Vater“ zu rufen. Er bringt uns zu der Überzeugung, dass wir Kinder Gottes sind. Auch in Galater 4,6 sagt Paulus: „Der Heilige Geist ist es, der uns rufen lässt: 'Abba, Vater'.“ Das bedeutet „Vati“ oder „Papa“. Es ist ein Kosename, ein Begriff für Verwandtschaft und Vertrautheit. Das will der Geist. Er möchte, dass wir uns ins Gebet begeben, in die Gemeinschaft und die Verbundenheit mit Gott. Wir sollen zu ihm laufen als Kinder, die ihren liebevollen Vater lieben.
Es ist sehr interessant, was diese beiden Texte uns über „Abba, Vater“ lehren. Im Römerbrief will der Geist uns in die Vertrautheit mit Gott führen, damit wir uns unseres Heils sicher sein können. Es geht ihm um unsere Gewissheit. Der Geist möchte, dass wir die wunderbare, beglückende Zuversicht genießen können, dass wir Kinder Gottes sind und Gott uns sehr liebt. Der Text in Galater betont hingegen etwas anderes. Im Galaterbrief geht es nicht um Gewissheit, sondern der Geist lehrt uns „Abba, Vater“ zu beten aufgrund all dessen was wir brauchen. Wir brauchen diese Vertrautheit nicht nur, um seine Gemeinschaft zu genießen, sondern auch, um auf das zuzugreifen, was wir dringend brauchen. Einerseits rufen wir also „Abba, Vater“, weil wir einfach die Beziehung genießen. Andererseits rufen wir „Abba, Vater“, weil wir Manches dringend benötigen. Das ist nicht anders als bei deinen Kindern. Manchmal kommen sie nur zu dir, um deine Zuneigung und Liebe zu genießen. Ein anderes Mal kommen sie, um um etwas zu bitten, was sie dringend brauchen. Und so wie sie rufen wir in beiden Fällen: „Abba, Vater“.
Was ist nun die Absicht des Geistes? Er wirkt in unseren Herzen und bringt uns dazu, „Abba, Vater“ zu rufen. Er gibt uns diese Neigung zur Gemeinschaft und Vertrautheit mit Gott. In allen Religionen der Welt ist Gott ein ferner Gott. Doch der Geist macht ihn von einem fernen Gott zu einem Gott der Liebe, der Barmherzigkeit, der Fürsorge und des Verständnisses, zu einem Gott, der uns in seine Liebe einschließen will. Vertrautheit mit Gott ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Wachstums. Wie können wir jemals ein geistlicher Vater werden? Das geistliche Wachstum verläuft in drei Stufen. 1. Johannes 2,12-13 erklärt, dass es geistlich gesehen Säuglinge, junge Männer und Väter gibt. Geistliche Säuglinge kennen die Grundlagen. Geistliche junge Männer kennen die Lehre und die geistlichen Väter kennen den, der von Anfang an ist. Wie kann ich zu einem tiefen Verständnis über den ewigen Gott gelangen, wenn ich keine Zeit mit ihm verbringe? In diesem Prozess des geistlichen Wachstums und der Heiligung, lerne ich also immer mehr über Gott. Darum flehte Paulus, dass seine Empfänger Gott erkennen mögen. Und danach sehnt sich auch mein Herz: Ich möchte ihn immer besser und immer mehr kennen. Das kommt durch das Wirken des Geistes. Er will uns in eine erfüllende und vertraute Gemeinschaft mit Gott bringen. Und dazu gebraucht er sogar Schwierigkeiten in unserem Leben. Denn es sind die Schwierigkeiten, die uns in diese Gemeinschaft treiben. Es ist so wichtig, das zu verstehen!
Du kannst dieses Wirken des Geistes auslöschen, indem du die Schwierigkeiten des Lebens nicht annimmst, verbittert und zornig bist, nicht betest und dich nicht an der Gemeinschaft mit Gott erfreust. Du kannst das Wirken des Geistes auslöschen, wenn du ihn nicht anbetest und nicht bereit bist, deine Sorge auf ihn zu werfen. Du kannst das Wirken des Geistes auslöschen, indem du dich auf die eigene fleischliche Kraft und menschlichen Mittel stützt und sagst: „Ich werde Gott um nichts bitten. Ich habe alles, was ich brauche und komme alleine klar.“ Du kannst das Wirken des Geistes auslöschen, indem du dich unzulänglich fühlst, der Liebe Gottes nicht traust und dir sagst, dass er dich nicht lieben würde, wenn du zu ihm kämst. Oder du traust seiner Versorgung nicht und glaubst, dass er nicht hat, was du brauchst. All das und noch einiges anderes führt dazu, dass du das Wirken des Geistes auslöschst.
Der Geist tut noch eine dritte Sache: Indem er uns zur Christusähnlichkeit führt, lässt er uns Christi Herrlichkeit erkennen. Warum tut er das? Weil das Ziel unserer Heiligkeit ist, wie Christus zu sein. Wie schon erwähnt, sagt Paulus in Galater 4,19: „Ich leide Geburtswehen, bis Christus in euch Gestalt gewinnt.“ Es geht darum, wie Christus zu sein. Wenn wir in seinem Ebenbild erwachen und ihn sehen, wie er ist, werden wir ihm ähnlich sein. Das ist das Ziel, und das ist der Siegespreis, den Paulus in Philipper 3 anstrebt. Damit ich aber wie Christus sein soll, muss ich erst wissen, wie Christus ist. 1. Johannes 2,6 drückt es so aus: „Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist.“ Wenn wir sagen, dass wir in ihm bleiben und zu ihm gehören und sein sind, dann sollten wir so wandeln, wie er gewandelt ist. Und wenn wir das tun wollen, dann müssen wir uns erst anschauen, wie er gewandelt ist.
Deshalb zeigt der Geist uns Christus und lässt uns Christi Herrlichkeit erkennen. In Johannes 15,26 sowie Johannes 16,14-15 sagte Jesus: „Wenn der Geist kommt, wird er von mir Zeugnis ablegen. Er wird von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Er wird mich euch offenbaren.“ Jesus sagte: „Ich bin gekommen, um den Vater zu offenbaren“ und „der Geist ist gekommen, um mich zu offenbaren. Er wird mich euch zeigen.“ Der Geist bringt die Menschen immer dazu, Jesus Christus die Ehre zu geben. In 1. Korinther 12,3 heißt es, „dass niemand, der im Geist Gottes redet, Jesus verflucht nennt; es kann aber auch niemand Jesus Herrn nennen als nur im Heiligen Geist.“ Der Geist schreibt die Herrschaft immer Christus zu. Er gibt immer Christus die Ehre. Und darum will er, dass wir voller Staunen die Herrlichkeit Christi betrachten. Er möchte, dass wir den sehen, der das Ziel unseres geistlichen Wachstums ist.
Schau dir 2. Korinther 3,18 an. Dort heißt es in Bezug auf uns Gläubige: „Wir alle schauen mit unverhülltem Angesicht.“ Zuvor hatte Paulus über Mose gesprochen und darüber, dass die Herrlichkeit Gottes Moses Gesicht zum Strahlen brachte. Erinnerst du dich? Mose stieg auf den Berg und sah die Herrlichkeit Gottes. Dies brachte sein ganzes Gesicht zum Strahlen, und er verhüllte sich. Paulus sagt weiter: „Wir aber haben keinen Schleier. Es steht nichts zwischen uns und der Herrlichkeit. Nichts hindert uns. In Christus ist der Schleier weg, so dass wir wie in einen Spiegel schauen und die Herrlichkeit des Herrn sehen.“ Das ist eine großartige Aussage. Der Spiegel, der die Herrlichkeit des Herrn widerspiegelt, ist Gottes Wort. In dem Moment, wo du Gottes Wort studierst, strahlt die Herrlichkeit Jesu Christi aus ihr heraus. Egal, ob du im Alten oder Neuen Testament bist: Überall ist Christus das Thema. Und weil du in Christus bist, schaust du in Gottes Wort hinein, ohne Scheuklappen und ohne Schleier. Du schaust in diesen Spiegel, der die Herrlichkeit des Herrn in dein Gesicht reflektiert. Und hier steht, dass du, während du das tust, in dasselbe Bild verwandelt wirst.
Wenn wir Gottes Wort studieren, wird uns die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, vor Augen geführt. Sie leuchtet sozusagen aus dem Spiegel des Wortes heraus und blendet uns manchmal sogar. Es geht uns wie Mose, der in der Felsspalte war und von der Herrlichkeit umgeben wurde. So werden auch wir von dieser Herrlichkeit verwandelt, wenn wir auf Christi Herrlichkeit schauen, die im Wort offenbart wird. Dann sagt Paulus weiter, dass wir verwandelt werden „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ zu Herrlichkeit, zu Herrlichkeit. Wer tut das? Schau auf das Ende des Verses, dort wird uns gesagt wer dies vollbringt: es ist der Herr, der Geist. Es ist das Werk des Geistes. Wollen wir wirklich dieses Werk auslöschen oder hemmen?
Der Geist verwandelt uns. Das Wort „verwandelt“ ist eigentlich dasselbe Wort, wie in Matthäus 17 als Jesus auf dem Berg war und vor den Jüngern „verklärt“ wird. Das war in der Tat außergewöhnlich. Bei Moses war die Herrlichkeit des Herrn auf seinem Gesicht erschienen, also außen. Aber Jesus zeigte seine Herrlichkeit, die von innen herauskam. Deshalb ist es äußerst bemerkenswert, wenn Paulus hier sagt, dass wir als Gläubige mehr wie Jesus sind, als wie Mose. Denn die Herrlichkeit ist nicht äußerlich, sondern innerlich. Er sagt, dass wir durch das Wirken des Heiligen Geistes innerlich verwandelt und buchstäblich verklärt werden zu der gleichen Art von Herrlichkeit, die Jesus hatte.
In diesem Prozess, in dem der Geist dich in der Heiligung voranbringt, will er also das Wort Gottes erleuchten, das dich wachsen lässt. Er möchte dich in die Vertrautheit mit dem Vater ziehen, das lässt dich ebenfalls wachsen. Und dann will er dir Christus in einer so strahlenden Herrlichkeit offenbaren, dass du deutlich das Bild vor dir siehst, in das du verwandelt wirst. Wenn du dich auf dieses Bild konzentrierst und in Staunen, Liebe und Lobpreis versinkst, dann wirst du feststellen, dass Gottes Geist dich unaufhaltsam der Christusähnlichkeit näher bringt.
Aber auch das kannst du dämpfen und auslöschen. Wie? Indem du dir einfach keine Mühe machst, das Wort zu studieren. Indem du nicht die Schönheit von Christus anschaust. Indem du die Bibel lediglich als Werkzeug benutzt, um all deine Probleme zu lösen, und du nicht zulässt, dass sie dir einfach nur Christus offenbart. Indem du nicht demütig zugibst, dass du es dringend nötig hast, seine Herrlichkeit anzuschauen und dadurch eine Stufe nach der anderen in seine Herrlichkeit verwandelt zu werden. Dein geistlicher Stolz und deine mangelnde Demut halten dich zurück. Dadurch behinderst du das Wirken des Geistes. Dadurch löscht du ihn aus. Dadurch betrübst du ihn.
Viertens möchte der Geist dich im Heiligungsprozess in den Willen Gottes führen. Damit meine ich zwei Aspekte: Erstens bedeutet es gehorsam gegenüber dem geoffenbarten Willen Gottes, also gegenüber all dem, was in der Schrift steht. Er möchte dein Herz und dein Gewissen anregen, deinen Verstand überführen, dich aufrütteln und dich dazu bewegen, gehorsam zu sein. In Jeremia 10,23 heißt es: „Ich weiß, HERR, dass der Weg des Menschen nicht in seiner Macht steht, dass der Mann, wenn er geht, seine Schritte nicht lenken kann.“ Damit sagt Jeremia, dass er eines ganz sicher weiß, nämlich dass er sein Leben nicht selbst in die Hand nehmen kann. Und damit hatte er absolut Recht! Er kann weder sein Leben noch seine Schritte selbst lenken. Dann schreit er zum Herrn und sagt: „Herr, Du musst es tun. Du musst mich auf den Weg deines Willens führen. Alleine kann ich das nicht.“
Hesekiel 36,27 spricht ebenfalls über den Aspekt des Gehorsams, und zwar in Bezug auf die Verheißung Gottes im neuen Bund: „Ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.“ Dann sagt er, wie er das tun wird: „Ich werde euch im neuen Bund durch Christus meinen Geist geben und er wird euch dorthin führen, mir zu gehorchen.“ Gottes Geist wird dich zum Gehorsam leiten und dich bewegen dem Wort Gottes zu gehorchen.
Psalm 143,10 zeigt eine weitere faszinierende Wahrheit. Der Vers beginnt folgendermaßen: „Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott.“ Dann geht es weiter: „Dein guter Geist führe mich in ebenem Land!“ Einerseits lehrt uns der Geist also, dem Wort zu gehorchen. Andererseits führt uns der Geist in ebenem Land. Vielleicht fragst du dich: „was bedeutet das?“. Der Geist führt uns, bewegt uns, treibt uns an, verpflichtet uns und überführt uns, dem zu gehorchen, was wir aus der Schrift wissen. Aber darüber hinaus führt uns der Geist auch durch Lebensumstände in Bereiche, die nicht in der Schrift offenbart sind. Die Bibel sagt mir nicht, wo ich dienen soll. Die Bibel sagt mir nicht, wo ich predigen soll. Die Bibel sagt mir nicht, worüber ich reden soll, wenn ich an einem bestimmten Ort predige. Es gibt viele Wege in meinem Leben, wohin der Geist mich führen muss. Er macht meinen Weg eben. Der Geist führt uns also objektiv, wenn er uns dazu bewegt, dem Wort zu gehorchen. Und er führt uns subjektiv, durch Umstände, Möglichkeiten, Pflichten, und Gottes Vorsehung. Ich möchte euch Jesaja 30,20-21 vorlesen, wo das sehr schön gesagt wird: „Der Herr hat euch zwar Brot der Drangsal zu essen und Wasser der Trübsal zu trinken gegeben; aber dein Lehrer wird sich nicht länger verborgen halten, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen; und deine Ohren werden das Wort hören, das hinter dir her so spricht: ‚Dies ist der Weg, den geht!‘, wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abbiegen wollt.” Auf diese Weise führt der Geist subjektiv. Da wird eine Stimme sein, die dir sagt: „Tu dies“ oder „tu jenes nicht.“ Es wird keine hörbare Stimme sein, aber trotzdem eine starke und unwiderstehliche. Wenn du im Wort liest und treu betest, flüstert der Geist Gottes deinem Gewissen und deinem Verstand zu: „Tu dies, tu jenes nicht. Tu dies, geh diesen Weg, das will ich.” Und dazu gebraucht er deine reinen geistliche Wünsche: Er erleuchtet deinen Verstand und bewegt dein Herz. „Befiehl dem Herrn deinen Weg, und er wird deine Pfade ebnen.“ Er wird dich um die Hindernisse herumführen und den Weg ebnen.
Der Prozess der Heiligung beinhaltet also Fortschritt, und das bedeutet, dass ich Gottes Willen tun muss. Zunächst veranlasst mich der Geist, dem Wort Gottes zu gehorchen, indem er mich überführt. Manchmal züchtigt er mich auch, wenn ich nicht gehorche. Dann ordnet der Geist Gottes Vorsehung in meinem Leben, die Ereignisse und Umstände. Er flüstert in mein Gewissen, durch meine Wünsche, und schickt mich in die Richtung, in die er mich führen will. All das bringt mich im Prozess der Heiligung voran.
Doch auch das kannst du auslöschen, indem du egoistisch bist. Ich will tun, was ich tun will, und ich will es so tun, wie ich es will. Ich will dieses Gebot nicht halten. Ich habe kein Interesse, diesen Dienst zu tun. Ich bin eigensinnig, stur, stolz, teilnahmslos, gleichgültig und unempfindlich gegenüber seiner Führung. Ja ich frage ihn nicht einmal, weil es mich einfach nicht interessiert. Diese Dinge werden den Geist auslöschen.
Und zu guter Letzt stärkt der Geist uns innerlich. Denn diese ganze Entwicklung erfordert innere Stärke. Wie wir gerade festgestellt haben, steht es nicht in der Macht des Menschen, seine Schritte zu lenken. Du und ich haben gar nicht die Kraft dazu. Wie Sacharja es ausdrückt: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist!, spricht der HERR der Heerscharen.“ Ich kann es nicht alleine tun. Deshalb betet Paulus in Epheser 3,16, „dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit gebe, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden an dem inneren Menschen.“ Nur, wenn deine Kraft vom Heiligen Geist kommt, kannst du Gottes Willen tun und seine Liebe erfahren. Nur, wenn deine Kraft vom Heiligen Geist kommt, kannst du über das hinaus sehen, was man erbitten oder denken kann. Nur, wenn deine Kraft vom Heiligen Geist kommt, wird Christus in der Gemeinde verherrlicht. Deshalb sagt Paulus in 2. Korinther 12 sinngemäß: „Wenn ich in meiner menschlichen Kraft schwach bin, werde ich stark. Denn wenn ich keine menschlichen Mittel mehr habe, dann verlasse ich mich auf Gott.“ Die Kraft kommt vom Geist. Er gibt sie uns, wenn wir das Wort lesen, wenn wir beten und wenn wir gehorchen. Auch wenn wir durch Prüfungen gehen, werfen wir unser Vertrauen ganz auf ihn, denn er ist alles, was uns bleibt. Und die Kraft finden wir nur in ihm.
Ohne seine Kraft könntest du kein Zeugnis geben. Jesus sagte: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, dann werdet ihr Zeugen sein.“ Ohne seine Kraft könntest du nicht über die Sünde siegen, denn das ist im Fleisch nicht möglich. Das Fleisch kann das Fleisch nicht überwinden, nur der Geist kann es überwinden. Ohne seine Kraft könntest du niemals den Sieg über Satan erringen, denn unsere Waffen in diesem Kampf sind nicht fleischlich, sondern mächtige geistliche Waffen, die vom Geist gegeben werden. Ohne seine Kraft könntest du keine Sicherheit haben, denn das Heil wird dir nur durch die Versiegelung des Geistes gewährt. Ohne die Kraft des Heiligen Geistes könntest du nicht wirksam dienen. Wenn du nicht mit dem Geist erfüllt bist, kannst du Gott auch nicht mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern preisen und ihm in deinem Herzen singen und spielen. Wenn du nicht mit dem Geist erfüllt bist, kannst du keine guten Beziehungen führen: weder in der Ehe, noch in der Familie noch irgendwo anders. Es ist allein die Kraft des Geistes, die uns befähigt, das alles zu tun.
Doch auch dieses Wirken des Geistes kannst du auslöschen, indem du stolz bist anstatt demütig; indem du weder deine Schwäche anerkennst, noch deine Bedürftigkeit, noch deine Abhängigkeit. Du kannst dieses Werk des Geistes auslöschen, indem du auf dein eigenes Fleisch und deine eigenen Fähigkeiten vertraust. Jede Art von Sünde dämpft diesen Prozess! Warum solltest du dich also um Sünde in deinem Leben kümmern? Wenn du das nicht tust, wird es den Geist Gottes auszulöschen, deinen geistlichen Heiligungsprozess verzögern und den Geist zu betrüben. Du wirst Segen verlieren, und stattdessen Züchtigung erfahren.
Der Geist tut ein großes Werk. Er erleuchtet das Wort. Er bringt dich in die Vertrautheit mit Gott. Er zeigt dir die Herrlichkeit Jesu Christi, das Ziel deines Lebens. Er führt dich in den Willen Gottes. Er stärkt dich für den geistlichen Dienst, für das Dienen und den Kampf. Er ist ein mächtiger Geist. Ich glaube, die schönste Zusammenfassung seines Dienstes finden wir in Jesaja 11,2. Dort beschreibt der Prophet den Heiligen Geist auf diese Weise: Er ist „der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.“ Derselbe Geist wird dir Weisheit geben, Verständnis, Rat, Kraft und Wissen. Er wird dich dazu bringen, Gott zu fürchten und anzubeten. Der Heilige Geist tut alles, was du brauchst. Was brauchst du mehr als Weisheit, Verständnis, Rat, Kraft, Wissen und Gottesfurcht? Mehr brauchst du nicht! All dies ist sein Werk, das er in deinem Leben bewirken möchte.
Aber du wirst es auslöschen, wenn du nicht mit dem Geist erfüllt bist oder wenn du nicht im Geist wandelst. Epheser 5,18 und Galater 5,25 sagen diesbezüglich dasselbe. Mit dem Geist erfüllt zu sein bedeutet, dass er dich ausfüllt und alles kontrolliert. Im Geist zu wandeln bedeutet, dass du deine Füße auf den Weg setzt, den er vorgibt. Und wenn du im Geist wandelst, wird der Geist sein heiligendes Werk tun.
Wir wollen heutzutage den Geist in der Gemeinde nicht auslöschen, aber trotzdem tun wir es in großem Ausmaß. Auch in unserem eigenen Leben wollen wir den Geist Gottes nicht auslöschen. Aber wir tun es, wenn wir ihm nicht erlauben, diese fünf Dinge zu vollbringen, während er uns Christus immer ähnlicher macht. Möge Gott uns helfen, treu zu sein und den Heiligen Geist nicht auszulöschen oder zu betrüben. Lasst uns beten.
Vater wir wissen, dass wir die in uns verbleibende Sündhaftigkeit, unsere bösen Begierden und Versuchungen, nur dann überwinden können, wenn wir im Geist wandeln und von ihm erfüllt werden. Wir wissen, dass wir in die Werke des Fleisches zurückfallen werden, wenn wir nicht mit dem Geist erfüllt sind: dies ist Unzucht, Unreinheit, Sinnlichkeit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Auseinandersetzungen, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Trunkenheit und dergleichen mehr. Wir wissen, dass wir uns nicht einmal bewusst dafür entscheiden müssen, diese Dinge zu tun. Wenn wir nicht unter der Kontrolle deines Geistes leben, werden sie einfach geschehen. Und der einzige Schutz gegen die negative Macht der Versuchung, gegen Sünde und gegen Satan ist die positive Macht deines Geistes. Herr, hilf uns, den Geist nicht auszulöschen, sondern ihn uneingeschränkt in unserem Leben wirken zu lassen. Er soll so handeln dürfen, wie nur er es kann, um unsere Heiligung zu vollenden und uns Christus ähnlich zu machen. In seinem Namen beten wir. Amen.
ENDE
This article is also available and sold as a booklet.
