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Unser Text für die Predigt von heute Morgen besteht aus einem einzigen Vers, nämlich 1. Thessalonicher 5,17. Dort steht das ganz konkrete und einfache Gebot: „Betet ohne Unterlass!“ Im Grunde genommen ruft hier der Apostel Paulus Christen dazu auf, das Beten zu ihrer Lebensweise zu machen. Ich sagte schon oft, dass Beten wie Atmen ist. Es ist für uns ganz normal und natürlich. Wir atmen ein, wir atmen aus, in einer Atmosphäre der Gegenwart und Kraft Gottes. Deshalb stimmt zwar, dass wir es einfach leben und praktizieren, aber leider ist auch wahr, dass wir, die wir von Gott abhängig sind, nicht so unablässig beten, wie wir es sollten. Selbst dann nicht, wenn wir echte Christen sind und einen vertrauten Umgang mit Gott haben. Ich glaube, wir begehen den Fehler, dass wir geistlich gesprochen versuchen die Luft anzuhalten. Man könnte zwar meinen, dass der Druck der Gegenwart Gottes uns zum Beten zwingen würde, so wie der Luftdruck uns zum Atmen zwingt, aber das muss nicht unbedingt der Fall sein. Weil wir Sünder sind, halten wir uns nicht ständig in der Gegenwart Gottes auf. Deshalb fordert der Apostel Paulus uns auf, ohne Unterlass und zu jeder Zeit zu beten. Kontinuierliches, ausdauerndes, unaufhörliches Gebet ergibt sich aus der Abhängigkeit von Gott und ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens als Christ.

Ich möchte, dass du dieses Prinzip des Betens „ohne Unterlass“ verstehst. Man erhält zwar schon durch das bloße Lesen ein klares Verständnis dafür. Aber in der Schrift gibt es noch viel mehr, das die Bedeutung dieser Aussage verstärkt. Einige dieser Schätze möchte ich dir heute aufzeigen. Ein guter Ausgangspunkt dafür sind zwei Gleichnisse, die unser Herr erzählte. Tatsächlich stechen diese beiden Gleichnissen unter den vielen anderen hervor und der Grund, weshalb sie so besonders sind, ist ganz einfach. Alle anderen Gleichnisse beschreiben Gott durch Vergleiche: dies oder jenes ist in gewisser Weise wie Gott, dies oder jenes ist wie das Reich Gottes oder wie Gottes Handlungsweise. Doch diese beiden Gleichnisse beschreiben Gott durch einen Gegensatz: Etwas ist nicht wie Gott. Dies sind die einzigen beiden Gleichnisse von Jesus, in denen Gott dadurch beschrieben wird, dass jemand völlig anders ist als er. Und damit betonen diese Vergleiche sehr stark die Bedeutung von beharrlichem Beten ohne Unterlass.

Schauen wir uns diese beiden Gleichnisse an. Das erste finden wir in Lukas 11. Es wird auch das „Gleichnis vom unwilligen Freund“ genannt. Unser Herr erzählte dieses Gleichnis in einem Gespräch mit den Jüngern über Gebet. Lukas 11,1 berichtet nämlich, dass die Jünger zu ihm gekommen waren und gesagt hatten: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!“ Und Jesus hatte ihnen mit den sehr bekannten Worten geantwortet: „Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! [...] Gib uns täglich unser nötiges Brot! Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Und führe uns nicht in Versuchung“. Dieses Gebet ist heute bekannt als das Vaterunser.

In den Versen 2 bis 4 lehrte Jesus sie im Wesentlichen den Inhalt von Gebet, also was sie sagen sollten, wenn sie beteten: Wenn ihr betet, sollt ihr Gott ehren und seinen Namen heiligen. Ihr sollt für das beten, was sein Reich betrifft. Ihr sollt um die tägliche Versorgung bitten, die nur er geben kann. Ihr sollt eure Sünden bekennen und ihn um Vergebung bitten. Und ihr sollt um seine Weisheit bitten, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Eure Gebete sollten all diese Bestandteile beinhalten.

Nachdem Jesus über den Inhalt lehrte, geht er nun weiter und lehrt über die Beharrlichkeit des Gebets. Er sagt: „Wenn einer von euch einen Freund hätte und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Freund, leihe mir drei Brote, denn mein Freund ist von der Reise zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann! und jener würde von innen antworten und sagen: Mache mir keine Mühe! Die Türe ist schon verschlossen, und meine Kinder sind bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben!“ Man muss bedenken, dass damals, wenn es kalt war, die ganze Familie in einem Bett lag, um sich zu wärmen. Alle lagen zugedeckt und warm eingepackt nebeneinander. Und nun war Mitternacht und es war nicht die passende Zeit, um aufzustehen und Brot für einen Freund zu holen.

Aber Jesus spricht weiter in Vers 8: „Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.“ Damit meint Jesus: Wenn jener es nicht um der Freundschaft willen tun würde, so wird er es doch wegen seines Schlafes tun, denn der Kerl wird ihn nicht in Ruhe lassen, bis er sein Brot bekommen hat. Weil dieser Mann nicht um der Freundschaft willen opferbereit wäre, ärgert der andere ihn so lange, bis er schließlich keine andere Wahl hat. Jesus beabsichtigt uns mit diesem Gleichnis zu lehren, wie nützlich beharrliches Gebet ist. Aber eigentlich geht es Jesus hier stärker darum, uns auf eindrucksvolle Weise aufzuzeigen, wie anders Gott ist als dieser unwillige Freund.

Denn wenn schon dein unwilliger Freund um deiner Hartnäckigkeit willen etwas für dich tut, stell dir vor, was Gott aufgrund deiner Hartnäckigkeit willen tun wird, der im Gegensatz dazu eben nicht unwillig ist. Danach erzählt Jesus in Vers 11 von einem Vater, den sein Sohn um einen Fisch bittet. Dieser wird ihm keine Schlange statt eines Fisches geben. Oder wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm keinen Skorpion geben. Mit anderen Worten: Ein irdischer Vater wird seinem Kind nichts geben, was ihm schadet, sondern er erhört die Bitte seines Kindes. In Vers 13 heißt es dann: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird der Vater im Himmel“, der nicht böse ist, den „Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!“

Gott reagiert völlig anders auf Beharrlichkeit. Wenn sogar ein treuloser Freund, ein unwilliger Freund, ein Freund der weder Mitleid, Mitgefühl, Erbarmen, noch Gnade hat, auf dein beharrliches Bitten reagiert. Was wird dann wohl ein liebevoller, gnädiger, barmherziger, mitfühlender und fürsorgender Gott tun, wenn du beharrlich bittest? Ohne Unterlass zu beten, bewegt Gott zum Handeln. Wir sehen also, dass Jesus ihnen zuerst sagt, was sie beten sollen, und dann wie sie beten sollen: Er fordert sie auf, beharrlich dranzubleiben, weil Gott, der gut ist, es hören und antworten würde.

In Lukas 18,1 finden wir ein weiteres Gleichnis, das mit Gegensätzen arbeitet. Jesus hatte erneut über das Gebet gelehrt, und in dem folgenden Gleichnis zeigt er ihnen, dass sie zu jeder Zeit beten und nicht nachlässig werden sollten. Lass dich nicht entmutigen, wenn du nicht sofort eine Antwort bekommst oder die Dinge nicht wunschgemäß verlaufen, oder sich nicht so schnell ändern, wie du es vielleicht geplant hast. Sondern bete einfach immer weiter, unaufhörlich, ständig und ohne Unterlass. Um das zu veranschaulichen, sagt Jesus: „Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute. Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher!“ Offensichtlich unternahm jemand alles Mögliche, um dieser Witwe ihren dürftigen Lebensunterhalt wegzunehmen, und sie flehte bei diesem Richter um Gerechtigkeit. In Vers 4 heißt es: „Und er wollte lange nicht“. Aber danach sagte er sich: „Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor keinem Menschen scheue, so will ich dennoch, weil mir diese Witwe Mühe macht, ihr Recht schaffen, damit sie nicht unaufhörlich kommt und mich plagt.“ Diese Frau ist eine Plage und ich kann ihre ständige Belästigung nicht mehr ertragen. Auch wenn ich es nicht aus Liebe zu Gott oder zu Menschen tue, werde ich ihr dennoch willens sein, um meine Ruhe zu haben.

Dann kommt Vers 6: „Und der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Gott aber, wird er nicht seinen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, wenn er auch lange zuwartet mit ihnen? Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen!“ Daran siehst du, dass Gott ganz anders ist als der ungerechte Richter und auch anders als ein unwilliger Freund. Aber wenn ein unwilliger Freund und ein ungerechter Richter wegen des ständigen Bittens tun, was man von ihnen verlangt, dann wird ein barmherziger, liebender, gnädiger, gütiger, warmherziger Gott sicherlich noch mehr tun. Genau darum geht es Jesus.

Und so sagt er: „Betet. Betet auf diese Art und Weise. Betet beharrlich, betet beständig, betet zu jeder Zeit, gebt nicht auf, lasst euch nicht entmutigen, klopft weiter an, bittet weiter, sucht weiter, und der gute, barmherzige, treue, liebevolle, gnädige, erbarmende Jehova, euer Gott, wird hören und antworten.“

Manche glauben, dass diese Gleichnisse im Widerspruch zu anderen Dingen stehen, die Jesus lehrte. Zum Beispiel sagt er in Matthäus 6,7 etwas, das auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mag und darum richtig verstanden werden muss. Dort sagt Jesus: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.“

Vielleicht findest du das auch widersprüchlich? Sagt er damit nicht, dass wir uns beim Beten nicht wiederholen sollen? Nein, sondern er will damit sagen, dass man sich nicht sinnlos wiederholen soll. Das ist das Schlüsselwort. Was meine ich mit „sinnlosen Wiederholungen“? Nun, das sind solche Gebete, wie sie die Heiden beten, die glauben, dass sie wegen ihrer vielen Worte gehört werden. Denn ihre Gottheit kümmert sich nicht um ihr Herz. Sie kennt kein Mitgefühl. Ihre Gottheit versteht nicht die Leidenschaft, den Schmerz, die Sehnsucht und das Verlangen des Herzens. Aber diese Menschen glauben, dass es irgendeine Formel gibt, irgendein religiöses Ritual, irgendein Mantra, irgendeinen Gesang, irgendeine Abfolge von Perlen, irgendetwas, das diesen Gott irgendwie dazu bringt, etwas zu tun, was er sonst nicht tun würde. Und Jesus sagt einfach nur zu ihnen, dass sie nicht auf diese Weise beten sollten. Andererseits verbietet er ihnen nicht, sich sinnvoll zu wiederholen. Er verbietet ihnen nicht, von Herzen zu flehen. Was er verbietet, sind leere Rituale. Er verbietet oberflächliches Geplapper, das nur aus dem Mund kommt und davon ausgeht, dass Gott auf Worte antwortet, und nicht auf das Herz.

Wenn Paulus also sagt: „Betet ohne Unterlass“, dann widerspricht er Jesus nicht. Er bekräftigt einfach nur das Prinzip aus Lukas 11 und Lukas 18, dass Gebet unaufhörlich sein soll. Wir werden nicht wegen unserer vielen Worte gehört, sondern weil unser Herz zu ihm ruft. Der Mann, der wegen eines Brotes zum Haus seines Freundes kam, betete auch kein formelhaftes rituelles Gebet, sondern er bat um etwas, das er brauchte. Die Witwe, die zum Richter kam, trug ihm weder ein Mantra vor noch einen Gesang oder ein rituelles Gebet. Sondern die Frau rief den, der die Macht hatte, sie zu schützen, aus tiefstem Herzen um Schutz an. Und ein solches herzzerreißendes, wiederholtes Gebet bewegt einen barmherzigen, liebenden Gott.

Wenn wir das Leben unseres Herrn betrachten, bekommen wir ebenfalls einen Einblick, was es bedeutet, ohne Unterlass zu beten. Denn Jesus selbst betete so. Ganz offensichtlich hatte er ständige Gemeinschaft mit dem Vater. Wir sehen, dass er früh aufsteht, um zu beten. Wir sehen, dass er die ganze Nacht im Gebet verbringt. Es muss eine unaufhörliche und ununterbrochene Gemeinschaft zwischen ihm und dem Vater gegeben haben. Der Hebräerbrief gibt uns dazu einen faszinierenden Einblick. Dort heißt es, dass Jesus mit lautem Rufen und unter Tränen sowohl Bitten als auch Flehen darbrachte. In den Gebeten Jesu lag also eine absolut einzigartige, erstaunliche Intensität. Seine Gebete waren manchmal mit großer Qual und Schmerz verbunden. Die Schrift berichtet uns zwar nicht in Einzelheiten von allen seinen Gebeten, aber wir können davon ausgehen, dass sie genauso intensiv waren wie die Gebete, die uns im Text offenbart werden. So sagt uns die Bibel z. B. nur, dass er auf den Ölberg ging und die ganze Nacht betete. Aber das tat er ohne Zweifel mit einer Intensität, die wir nur sehr wenig oder gar nicht kennen.

In Lukas 22 finden wir das große klassische Beispiel für die Intensität seines Gebets. Dort kniet er vor seinem Tod im Garten und betet und sein Schweiß rinnt und er ringt in einem blutigen Kampf. Er sagt: „Vater, wenn du diesen Kelch von mir nehmen willst — doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Lukas schreibt: „Und er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger; sein Schweiß wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.“

Es musste eine überaus qualvolle, intensive Erfahrung sein, die den Herrn Jesus Christus beim Beten dermaßen ins Schwitzen brachte, dass der Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde viel. Das ist beeindruckend! Ebenso fällt in Matthäus 26,38-46 auf, dass Jesus sein Flehen im Garten dreimal hintereinander wiederholte. Es war also ein sehr ausgedehntes Gebet. Wir wissen sogar, dass es sich so lange hinzog, dass die Jünger mehrmals einschliefen. Und damit erhalten wir einen einzigartigen Einblick in das lange und ringende Gebetsleben unseres Herrn Jesus Christus.

Ich möchte die Betonung auf folgendes legen: Der Herr Jesus hat während seiner Zeit auf Erden viele Wunder vollbracht. Doch bei keinem ist ein Kraftaufwand erkennbar. Die Schrift sagt zwar, dass Kraft von ihm ausging, aber in der gesamten Heiligen Schrift, weist nichts darauf hin, dass er beim Vollbringen eines dieser Wunder gerungen hätte. Weder als er einem Blinden das Augenlicht schenkte noch einem Tauben das Gehör, noch einem Stummen die Sprache, noch einem Kranken die Gesundheit oder einem Lahmen das Gehvermögen. Auch nicht, als er jemanden von den Toten auferweckte oder 5.000 Männer, plus Frauen, plus Kinder, also ca. 20.000 Menschen am Meer speiste, oder als er einen Sturm stillte oder auf dem Wasser ging. Egal, um welches Wunder es sich handelt, es gibt keine Aufzeichnungen über irgendeinen erkennbaren Kraftaufwand von Seiten Jesu. Bei all den Wundern war nirgends Anstrengung oder Schweiß oder Blutstropfen im Spiel. Er tat das alles scheinbar mühelos und ohne sich anzustrengen. Die Plagerei fing erst an, als er zu beten begann. Als er betete, rang er mit sich. Sogar an seinem Körper zeigte sich, dass sein Herz und sein ganzes Wesen zerrissen wurden. Sein Gebet war ein Ringen bis aufs Blut und zeugt in seiner Intensität sicherlich von der Beharrlichkeit, die Jesus in Lukas 11 und 18 andeutete. Und auch Paulus hatte diese Form der Beharrlichkeit im Sinn, als er sagte: „Betet ohne Unterlass!“

Die frühe Gemeinde war von Anfang an von dieser Art des beständigen, leidenschaftlichen, unablässigen Gebets geprägt. Das war eines ihrer Kennzeichen. Schon vor dem Pfingsttag in Apostelgeschichte 1,14 waren alle Gläubigen vereint und beteten einmütig und unablässig. Die Apostel erkannten, dass sie nicht alle Aufgaben in der Gemeinde übernehmen konnten. Also strukturierten sie die Gemeinde so, dass sie sagten: „Wir können nicht all diese Routineaufgaben erledigen, aber wir werden uns dem Gebet und dem Dienst am Wort widmen.“ Auch in Apostelgeschichte 12 sehen wir das Vorbild der ersten Gemeinde. Dort war Petrus im Gefängnis, und die Gemeinde Gottes betete inbrünstig für ihn. Inbrünstiges, unablässiges und beharrliches Gebet ist ein Kennzeichen der ersten Gemeinde.

Dann kommen wir zu den Briefen. Ob es der Römerbrief ist, oder Epheser, Philipper, Kolosser oder 1. Thessalonicher, in jedem der Briefe ermahnt Paulus die Gläubigen zum Gebet. In Epheser 6,18 heißt es: „Betet zu jeder Zeit mit allem Gebet und Flehen.“ Das ist derselbe Gedanke. Betet zu jeder Zeit. Im 1. Thessalonicherbrief, den wir gerade studieren, erwähnt Paulus in Kapitel 3,10 sein eigenes Vorbild: „Tag und Nacht flehen wir aufs Allerdringendste“. Dies beschreibt einfach eine bestimmte Art und Weise, zu leben, indem man ständig und unaufhörlich betet.

Im Kolosserbrief liebe ich das Zeugnis über Epaphras, einem „Knecht des Christus, der allezeit in den Gebeten für euch kämpft“. Er war ein Mann des Gebets. Und in Kolosser 4,2 sagt Paulus: „Seid ausdauernd im Gebet und wacht darin mit Danksagung.“ Unablässiges, anhaltendes und beharrliches Gebet ist so wichtig.

Vielleicht hatte Coleridge recht, als er sagte: „Gebet ist die höchste Form der Energie, zu der das menschliche Herz fähig ist, und die größte Leistung des Christen auf Erden.“ Aber ich fürchte, wenn wir das Gebet für eine energiegeladene, edle, glorreiche Leistung halten, werden wir es auf ein paar bedeutsame Momente im Leben beschränken. Das trifft sicherlich zu, aber eigentlich sollte Gebete eine durch nichts unterbrochene Gemeinschaft sein, die unseren Alltag bestimmt. Das erfordert Intensität. Das ist das Wesen des Gebets. Wie du weißt, lässt Gott sich von denen finden, die ihn von ganzem Herzen suchen. Wer im Gebet ringt, hat bei Gott Erfolg. „Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist“, sagt Jakobus.

Während es also einerseits diese großartigen, edlen Momente des ringenden Gebets gibt, gibt es andererseits das Beten in alltäglichen Situationen. Nur ist es manchmal eben intensiver. Gott beauftragt uns also, ohne Unterlass zu beten. Wir gehen zurück zu 1. Thessalonicher 5,17. Für „beten“ wird hier nur das allgemeine Wort proseuchomai verwendet, das häufigste neutestamentliche Wort für „beten“. Das kann Lob sein, es kann Dank sein, es kann Sündenbekenntnis sein, es kann Bitte sein, es kann Fürbitte oder auch Unterordnung sein. Es bedeutet einfach „beten“ im Allgemeinen. „Ohne Unterlass“ bedeutet im Grunde genommen „wiederkehrend“. Es bedeutet nicht, dass man ununterbrochen redet, sondern dass man immer wieder betet. Wie ich schon sagte, ist es ganz einfach eine Lebensweise. Wir sollen ständig im Gebet bleiben; ständig in einer Haltung des Gebets.

Wahrscheinlich geht es dir wie mir: Ich schlafe nachts meist mit Gebet ein. Ich wache morgens meist mit Gebet auf. Es ist einfach mit meinem ganzen Leben verwoben, dass ich in ständiger Gemeinschaft mit Gott bin. Es ist nicht immer gleich intensiv, aber ich lebe immer im Bewusstsein seiner Gegenwart. Das gehört so sehr zu meinem Leben, dass ich mich sogar dabei ertappe, mitten im Gebet einzuschlafen und mittendrin wieder aufzuwachen. Die Schrift nennt Beispiele von Menschen, die morgens beten, von Menschen, die mittags beten, von Menschen, die abends beten, von Menschen, die siebenmal am Tag beten, von Menschen, die um Mitternacht beten, von Menschen, die die ganze Nacht beten, von Menschen, die vor dem Morgengrauen beten, von Menschen, die tagelang beten und von Menschen, die wochenlang beten. Manche beten lange, manche kurz, manche beten kniend, manche stehend, manche beten auf einem Bett liegend, manche mit erhobenen Händen, manche beten mit dem Gesicht nach unten, manche mit dem Gesicht nach oben, usw. Sie beten auf jede Weise überall ohne Unterlass.

Wenn du dir unseren Text noch einmal ansiehst, wirst du feststellen, dass er eine Art Gegenstück zu Vers 16 ist. In Vers 16 heißt es: „Freut euch allezeit!“ und in Vers 17: „Betet allezeit!“ Diese beiden gehören im geistlichen Leben einfach zusammen und es besteht ein wunderbares Gleichgewicht zwischen ihnen. Als Gläubiger bist du dir dein ganzes Leben lang deiner Unzulänglichkeit bewusst und lebst daher in völliger Abhängigkeit von Gott. Und solange du dir deiner Unzulänglichkeit und deiner Abhängigkeit bewusst bist, wirst du ohne Unterlass beten. Gleichzeitig betest du in der Erwartung, dass Gott dich reichlich segnen wird. Einerseits betest du also in Abhängigkeit, andererseits freust du dich über den vielfältigen Segen Gottes. Deshalb freuen wir uns allezeit, weil Gott als Antwort auf unser unablässiges Gebet Segen ausschüttet.

Wenn ich als Christ unzulänglich bin und meine ständige Abhängigkeit von Gott erkenne, wenn ich dankbar für alles lebe, was er für mich tut, wenn ich wegen meiner Sünde ständig bußfertig bin und ständig meine Liebe für andere zum Ausdruck bringe, dann wird all das in unausgesprochenem Gebet zu Gott strömen. Es wird auch dazu führen, dass Gott die Schleusen des Segens öffnet, worauf ich wiederum freudig reagieren werde. Wir sollen uns also nicht nur allezeit freuen, sondern auch den Weg zu dieser Freude einschlagen, nämlich den Weg des unablässigen Gebets. Solches Gebet führt zum Segen, der wiederum Freude zur Folge hat.

Wie passt nun dieser Vers 17 in den Gesamtzusammenhang am Ende von Paulus´ Brief an die Thessalonicher? Er möchte ihnen helfen, ihre Gemeinde für die Zukunft auf den richtigen Kurs zu bringen. Sie sind eine gute Gemeinde, eine großartige Gemeinde, edel und geistlich. Aber sie sind noch jung, und er möchte sie daran erinnern, wie sie zu einer gesunden, reifen Herde heranwachsen können. Sie sind als Gemeinde noch ein Baby, erst ein paar Monate alt, und er gibt ihnen einen Wachstumsplan. Die Verse 12 und 13 beschreiben, dass das Heranziehen einer gesunden Herde die richtige Beziehung zwischen den Hirten und den Schafen erfordert, und auch zwischen den Schafen und den Hirten. Die Verse 14 und 15 zeigen, dass für das Heranziehen einer gesunden Herde die richtige Beziehung der Schafe untereinander nötig ist. Und in den folgenden Versen 16 bis 22 wird beschrieben, dass es für eine gesunde Herde die richtige Beziehung zwischen den Schafen und dem Oberhirten braucht.

Jede Gemeinde besteht also aus diesen Beziehungen: den Beziehungen zwischen Leitung und Gemeindemitgliedern, zwischen Gemeindemitgliedern und Leitung, zwischen den Gemeindemitgliedern untereinander, und zwischen den Gemeindemitgliedern und Gott. Keine Gemeinde kann besser sein als das geistliche Leben ihrer Mitglieder. Deine Beziehung zum Oberhirten ist also entscheidend. Und das Erste, was du dafür tun musst, ist, dich allezeit zu freuen, und das Zweite, immer zu ihm zu beten. Nur so bleibt die Beziehung so, wie sie sein sollte, denn das ist unerlässlich dafür, dass eine gesunde Gemeinde heranwächst. Wenn wir eine gesunde Gemeinde sein wollen, müssen wir unablässig beten, wir müssen Gottes Quelle anzapfen, wir müssen an die Tür klopfen und nach den Broten verlangen. Wir müssen das Knie vor Gottes Gerechtigkeit beugen und darum flehen, dass unser Fall mit Fairness und Gerechtigkeit gelöst wird. Wir müssen für uns und andere vor Gott treten und ohne Unterlass beten, denn dadurch setzen wir die Macht Gottes und den Segen Gottes in der ganzen Größe frei.

Mehr gibt es zu diesem Vers eigentlich nicht zu sagen, denn es ist klar, was er bedeutet. Aber ich möchte trotzdem noch ein wenig tiefer darauf eingehen mit einer kurzen Liste von Dingen, die ich „die Beweggründe zum Beten“ nenne. Ich nehme an, dass das, was auf mich zutrifft, auch auf dein Leben zutrifft. Denn egal, wie viel ich bete, ich habe immer das Gefühl, dass es nicht genug ist. Geht es dir auch so? Ich fühle mich ständig schuldig, weil ich nicht genug gebetet habe.

Egal, wie viel ich bete, ich habe immer das Gefühl, nicht genug gebetet zu haben. Das liegt zum einen daran, dass ich nicht genug gebetet habe, und zum anderen daran, dass ich wegen meiner Position mit so vielen Gebetsanliegen überschwemmt werde, dass es mir menschlich unmöglich ist, auch nur zu versuchen, am Ball zu bleiben. Das macht meine Last noch schwerer. Ich muss also einen Schritt zurückgehen und mich fragen, ob ich wirklich motiviert bin zu beten, wenn ich nicht so bete, wie ich es tun sollte. Ich werde zehn Beweggründe nennen, die dir helfen werden ein unaufhörliches Gebetsleben zu führen.

Der erste Beweggrund ist ein Verlangen nach der Herrlichkeit des Herrn; ein Verlangen nach der Herrlichkeit des Herrn. Jesus sagte, dass Gebet so beginnen sollte: „Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme, dein Wille geschehe.“ Damit betest du darum, dass Gott verherrlicht wird, dass Gottes Ziele erreicht werden, dass Gottes Name gepriesen wird und dass Gottes Wille geschieht. Das steckt alles da drin. Du betest nicht für dich selbst, sondern für ihn. Im Alten Testament betete Daniel in Daniel 9, weil er ein Verlangen nach Gottes Herrlichkeit hatte. Sein Gebet ist ein Muster und Vorbild für Gebet. Er betete, dass Gott dem Volk dessen Sünden vergibt, und dass Gott seine Verheißung erfüllen möge. Denn Gott hatte gesagt: „Ich werde euch nur eine bestimmte Anzahl von Jahren in Gefangenschaft lassen, und dann werde ich euch befreien.“

Daniel las Jeremia, stieß auf diese Verheißung und sagte: „Gott, ich möchte, dass du das tust. Ich möchte, dass dein Reich kommt, dein Wille geschieht und deine Verheißung erfüllt wird. Und ich möchte, dass du deinem Volk vergibst.“ Und in Vers 19 sagt er: „Ich möchte, dass du es tust, um deiner selbst willen, mein Gott! Denn nach deinem Namen ist deine Stadt und dein Volk genannt!“ Damit meint er: „Gott, wenn du das tust, wird es dein Ansehen steigern. Dein Name wird dadurch gepriesen werden. Es wird dich verherrlichen. Tu es um deiner selbst willen.“ Der höchste Beweggrund für Gebet ist das Verlangen nach der Herrlichkeit des Herrn. Wenn du betest, dass Jesus erhöht wird und dass Gott gepriesen und verherrlicht wird, dann tust du das, weil es dir am Herzen liegt und es dir wichtig ist. Dann bist du wie David, der sagte: „Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“ Und er rief, der Herr solle sich erheben. Der erste Beweggrund für Gebet ist also ein Verlangen nach der Herrlichkeit des Herrn. Wenn dein Herz sich danach sehnt, dass Gott verherrlicht wird, wirst du dafür beten. Du wirst unablässig zu Gott rufen: „Sei gepriesen, sei verherrlicht, sei erhöht, erreiche dein Ziel, bau dein Reich, tu deinen Willen.“

Ein zweiter Beweggrund für Gebet ist ein Verlangen nach Gemeinschaft mit Gott; ein Verlangen nach Gemeinschaft mit Gott. Der Psalmist fasste diese Wahrheit in Psalm 42,2 so wunderschön in Worte: „Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach dir! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und vor Gottes Angesicht erscheinen? Meine Tränen sind meine Speise bei Tag und bei Nacht.“ So sieht es aus, wenn jemand nach Gott verlangt. So sieht ein Herz aus, das nach Gemeinschaft schreit. Das Gefühl, von Gott entfremdet zu sein, das Gefühl, abgeschnitten zu sein, das Gefühl der Einsamkeit, veranlasst uns, die Hand auszustrecken und zu sagen: „Gott, ich will Gemeinschaft mit dir, ich will deine Gesellschaft, ich will deine Gegenwart.“

Psalm 63 findet noch schönere Worte: „O Gott, du bist mein Gott; früh suche ich dich! Meine Seele dürstet nach dir; mein Fleisch schmachtet nach dir in einem dürren, lechzenden Land ohne Wasser, dass ich deine Macht und Herrlichkeit sehen darf, gleichwie ich dich schaute im Heiligtum.“ Ich will dich einfach nur sehen, ich will einfach nur bei dir sein, ich will einfach nur erleben, wie wunderbar du bist. Auch die ersten Verse von Psalm 84 zeugen von dem Verlangen, in Gottes Gegenwart zu sein: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, o HERR der Heerscharen! Meine Seele verlangte und sehnte sich nach den Vorhöfen des HERRN, nun jubeln mein Herz und mein Leib dem lebendigen Gott zu! [...] Wohl denen, die in deinem Haus wohnen“. Und vielleicht am herrlichsten von allen klingt Psalm 27. Hör einfach diesen wunderbaren Worten zu: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? [...] Eines erbitte ich von dem HERRN, nach diesem will ich trachten: dass ich bleiben darf im Haus des HERRN mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des HERRN zu schauen und [ihn] zu suchen in seinem Tempel.“ Ich möchte einfach nur dort sein, wo er ist. Kennst du das? Hast du auch dieses Verlangen nach Verbundenheit und lieblicher Gemeinschaft?

Es gibt einen dritten Ansporn zum unaufhörlichen und unablässigen Gebet. Das ist der Wunsch, dass Bedürfnisse erfüllt werden, und zwar nicht nur unsere, sondern auch die der Menschen um uns herum. In Matthäus 6,11 lehrte uns Jesus zu beten: „Gib uns heute unser tägliches Brot.“ Es ist richtig, dafür zu beten, dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Es ist richtig, Gott um die grundlegenden Dinge des Lebens zu bitten. Das ist ein Ansporn zum Gebet. Aber weil wir so viel haben, spornt das nur die wenigsten von uns an, zu beten. Und doch gibt es überall auf der Welt viele Menschen, die regelmäßig zu Gott beten, nur damit ihre täglichen Bedürfnisse erfüllt werden. Wir verstehen das in unserer Wohlstandskultur nicht, aber dies trifft auf viele unserer Brüder und Schwestern in Christus zu.

Wir haben sogar einen lieben Bruder, der aus Afrika hierher zu uns gekommen war, weil er seine Familie nicht ernähren konnte. Sam und seine Frau Nora waren ungefähr sechs Jahre lang in unserer Gemeinde, bevor sie nach Afrika zurückgingen, um zu dienen. Aber dort ist es anders als bei uns, und er bekommt keine Medikamente für seinen Diabetes. Wir leben in einem Umfeld, in dem es uns ziemlich fremd ist, Gott um unseren täglichen Bedarf zu bitten. Gott gibt uns in seiner Gnade, was wir brauchen, ohne dass wir ihn darum bitten müssen. Aber wir sollten nicht so töricht sein zu glauben, dass uns das nicht weggenommen werden könnte, wenn wir ihm gegenüber gleichgültig werden.

Der vierte Beweggrund für beharrliches Gebet ist das Verlangen nach Weisheit. Ein Verlangen nach Weisheit. Jakobus drückte es so aus: „Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt.“ Wenn du in der Illusion lebst, Gottes Weisheit nicht zu brauchen, dann täuschst du dich gewaltig. Als Jesus uns das Beten lehrte, sagte er, wir sollen so beten: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Ich bin überzeugt, dass dies ein Gebet um geistliche Weisheit und geistliches Unterscheidungsvermögen ist. „Herr, bitte gib mir durch deinen Geist die Fähigkeit, zu erkennen, wenn ich in Versuchung gerate. Gib mir die Weisheit, zu erkennen, wenn ich zu etwas Bösem verführt werde.“ Dafür müssen wir unaufhörlich beten. Wir müssen jeden Tag unseres Lebens beten: „Herr, bitte bewahre mich vor Versuchungen und führe mich nicht auf einen bösen Weg. Gib mir die Weisheit und das Unterscheidungsvermögen und das Verständnis und das Gespür für die Schrift und die Führung durch den Geist Gottes, damit ich nicht in Satans Fallen tappe, in die Fallen des Fleisches und in die Falle dieser Welt.“ Was bringt uns dazu, unaufhörlich zu beten? Ein Verlangen nach der Herrlichkeit Gottes, ein Verlangen nach Gemeinschaft mit ihm, der Wunsch nach der Befriedigung von Bedürfnissen und der Wunsch nach Weisheit auf dem Weg durch das Minenfeld dieser Welt.

Nummer fünf: Gebet wird ausgelöst durch den Wunsch, aus Schwierigkeiten befreit zu werden. Gebet wird ausgelöst durch den Wunsch, aus Schwierigkeiten befreit zu werden. In den Psalmen geht es an so vielen Stellen genau darum. Psalm 20,2 fasst dies alles zusammen; dort heißt es: „Der HERR antworte dir am Tag der Drangsal!“ Und das wird er gewiss tun. Zeiten großer Not bringen uns meistens dazu, unablässig zu beten. Und je größer die Schwierigkeiten und je größer die Not, in der wir uns befinden, desto häufiger liegt es daran, dass wir nicht vorher um Weisheit gebeten haben. Und so tappten wir in unserer Unwissenheit in die Falle, aus der es keinen menschlichen Ausweg gibt und aus der wir nun befreit werden müssen. Und dann schreien wir zu Gott um Befreiung.

Das erinnert an Jona. Jona hatte ein ganz besonderes Gebetsleben. Er fand sich im Bauch eines großen Fisches wieder, und in Jona 2,2 heißt es: „Und Jona betete aus dem Bauch des Fisches zu dem HERRN, seinem Gott.“ Und er betete bestimmt nicht zuerst für alle Missionare. Er sagte geradeheraus: „Hol mich hier raus!“ Und der Herr tat es und befreite ihn. Da sagte Jona: „Aus meiner Drangsal rief ich zu dem HERRN, und er erhörte mich; [...] da hast du, HERR, mein Gott, mein Leben aus dem Grab heraufgeführt! Ich war dort unten und erinnerte mich an den Herrn, und ich rief, und er befreite mich.“ Wir kommen zu Gott, wenn wir schwierige Zeiten haben, wenn wir unter Druck stehen, im Stress, Schmerzen oder Bedrängnisse haben. Dann brauchen wir seine Befreiung und das bringt uns dazu, unablässig zu beten.

Der sechste Beweggrund ist der Wunsch nach Befreiung von Angst und Sorgen; der Wunsch nach Befreiung von Angst und Sorgen. Wenn wir weise und geistlich gesinnt sind, wird uns das zum Beten bringen. Doch wir müssen so oft daran erinnert werden. Deshalb heißt es in Philipper 4: „Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus!“ Was kannst du tun, wenn du Angst und Sorgen hast, wenn du in Bedrängnis bist oder deprimiert bist? Das ist ganz einfach: Hör auf, dir Sorgen zu machen, und geh ins Gebet. Und wenn du mit einem dankbaren Herzen betest, wird der Friede Gottes, der allen menschlichen Verstand übersteigt, dein Herz und deine Gedanken bewahren.

Konkret bedeutet es, dass Gott deine Gedanken vor Angst Depression, Kummer, Furcht und Sorgen bewahren wird. Wenn du eine menschlich nachvollziehbare Lösung willst, dann wende dich an Menschen. Wenn du aber eine Lösung möchtest, die über das menschlich Vorstellbare hinausgeht, dann geh zu Gott. Es gibt eine einfache Formel für Angst, für Sorge, für Furcht, für seelische Not und Schmerz, die lautet: Geh zum Herrn in beharrlichem, beständigem, unablässigem Gebet mit Danksagung, und der verheißene Friede Gottes wird dein Herz und deine Gedanken bewahren. Warum solltest du zu einer anderen Quelle gehen? Wenn du von Ängsten und Sorgen befreit werden möchtest, dann hat unser Gott versprochen, dir durch Gebet darauf zu antworten. So, wie der Psalmist es in Psalm 4 ausdrückt: „Antworte mir auf mein Schreien, du Gott meiner Gerechtigkeit! In der Bedrängnis hast du mir Raum gemacht; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!“ Würdest du mich bitte wieder befreien, so, wie du es schon in der Vergangenheit getan hast?

Nummer sieben: Ein weiterer Beweggrund für Gebet ist der Wunsch, für vergangene Segensbeweise zu danken; der Wunsch, für vergangene Segensbeweise zu danken. Wenn du als dankbarer Mensch ein dankbares Herz hast, wirst du dich an all das erinnern, was Gott in seiner großen Güte getan hat. Und das wird dich zum Beten bringen, und sei es auch nur, um dafür zu danken. In Psalm 44 sagt der Psalmist: „O Gott, mit unseren eigenen Ohren haben wir es gehört, unsere Väter haben es uns erzählt, was du für Taten getan hast zu ihrer Zeit, in den Tagen der Vorzeit! Du hast mit deiner Hand die Heidenvölker vertrieben, sie aber gepflanzt; du hast Völker zerschmettert, sie aber ausgebreitet. Denn nicht mit ihrem Schwert haben sie das Land gewonnen,
und nicht ihr Arm hat ihnen geholfen,
sondern deine rechte Hand und dein Arm und das Licht deines Angesichts; denn du hattest Wohlgefallen an ihnen. Du bist derselbe, mein König, o Gott.“

Der Psalmist lobt ganz einfach Gott! Und zwar nicht für etwas, das Gott für ihn getan hatte, sondern für das, was Gott in der Vergangenheit für andere getan hatte. Lerne, Gott für alles dankbar zu sein, was er im Laufe der Heilsgeschichte tat. Lerne, Gott für alles dankbar zu sein, das Gott tat, nicht nur für dich. Der Apostel Paulus schreibt an die Philipper: „Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch gedenke, indem ich allezeit, in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden Fürbitte tue, wegen eurer Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt.“ Ich kann einfach nicht anders, als immerzu zu beten und Gott zu danken für das, was er in eurem Leben tut und getan hat und noch tun wird. Wenn du Gott wirklich dankbar bist für alles, was er getan hat, wird sich das in einem Gebet des Dankes äußern.

Nummer acht: Ein weiterer sehr wichtiger Beweggrund für Gebet ist das Verlangen, von der Schuld der Sünde befreit zu werden; das Verlangen, von der Schuld der Sünde befreit zu werden. Ich könnte viele Schriftstellen dafür anführen. Aber Psalm 32 spricht davon. Psalm 32 ist der klassische Bußpsalm. Ich beginne mit Vers 3, damit der Ablauf klar wird. Dort sagt David: „Als ich [meine Sünde] verschwieg, da verfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag.“ In anderen Worten: „ich bin wegen meiner Schuld psychosomatisch krank“. Und er stöhnte den ganzen Tag, „denn deine Hand lag schwer auf mir Tag und Nacht, sodass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürr wird.“ Er war nur noch ein Häufchen Elend. Der Saft, von dem er hier spricht, steht für die Körperflüssigkeiten wie Speichel, den Blutkreislauf und das Nervensystem, das durch Flüssigkeit geleitet wird. Seine Körperflüssigkeiten waren ausgetrocknet. Der Speichel war ausgetrocknet und der Blutfluss war nicht in Ordnung. Darum funktionierte sein Körper nicht mehr richtig. Sein Nervensystem war völlig durcheinander. Er war ein Wrack, hatte Fieber und stöhnte nur noch vor sich hin.

Dann sagt er in Vers 5: „Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg meine Schuld nicht; ich sprach: »Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen!« Da vergabst du mir meine Sündenschuld.“ Er bekannte seine Schuld und Gott vergab sie ihm. Das passt zum Anfang des Psalmes, wo es heißt: „Wohl dem, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der HERR keine Schuld anrechnet, und in dessen Geist keine Falschheit ist!“ Mit der Falschheit ist es vorbei: Er deckt die Sünde nicht mehr zu, sondern auf. Er bekennt sie, und jetzt ist ihm vergeben und er ist gesegnet. Das zeigt, dass Gebet – unaufhörliches, unablässiges, bußfertiges Bekennen –durch den Wunsch angeregt wird, von der Schuld der Sünde befreit zu werden.

Nummer neun: Ein weiterer Beweggrund für Gebet ist der Wunsch, dass die Verlorenen errettet werden mögen; der Wunsch, dass die Verlorenen errettet werden mögen. Wenn man sich voller Mitgefühl um verlorene Menschen sorgt, wird sich das sicherlich in beharrlichem Gebet niederschlagen. Diese Menschen sind überall um uns herum. Und wenn dir ihr Seelenheil am Herzen liegt, dann wirst du fast ununterbrochen beten, wenn sie dir über den Weg laufen oder in den Sinn kommen. Hör zu, was Paulus in Römer 10,1 sagt: „Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Flehen zu Gott für Israel ist, dass sie gerettet werden.“ Damit sagt Paulus, dass er für ihre Errettung betet, weil er unerlöste Menschen nicht sehen kann, ohne für sie zu beten. Auch Timotheus bekommt in 1. Timotheus 2 von Paulus gesagt, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und dann sagt er: „So will ich nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben.“ Wofür sollen sie beten? Für die Errettung der verlorenen Menschen, für die Gott eine Rettung bereitgestellt hat. Der Wunsch nach der Errettung von Verlorenen bringt uns zum Beten und wenn du nicht unaufhörlich betest, dann stimmt etwas mit deinem Mitgefühl für die Verlorenen nicht.

Schließlich kommen wir zu Nummer zehn: Unaufhörliches, unablässiges Gebet wird vom Verlangen eines Gläubigen nach geistlichem Wachstum angeregt. Das Verlangen eines Gläubigen nach geistlichem Wachstum. In Epheser 1,15 sagt Paulus den Ephesern, wofür er für sie betet: „Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten an euch zu gedenken, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis seiner selbst, erleuchtete Augen eures Verständnisses, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung und was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist, was auch die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung an uns ist, die wir glauben.“

Er betet für ihre Weisheit, ihr Wissen, ihre Erleuchtung und ihre Hoffnung. Er betet dafür, dass die Kraft Gottes in ihrem Leben freigesetzt wird. Er betet für ihr geistliches Wachstum. In Kapitel 3,14 sagt er: „Ich beuge meine Knie vor dem Vater und bete für euch.“ Worum betet er in Vers 16? „Dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit gebe, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden an dem inneren Menschen.“ Er betet für geistliche Kraft. In Vers 17 betet er dafür, dass Christus in ihren Herzen wohne, dass sie in der Liebe gewurzelt und gegründet werden und die Liebe verstehen, die die Erkenntnis übersteigt. Und in Vers 19, betet er, dass sie erfüllt werden bis zur ganzen Fülle Gottes. In Vers 20 betet er, dass der Herr weit über die Maßen mehr zu tun vermag als sie bitten oder verstehen können. So betet er für ihr geistliches Wachstum.

Wir können für so Vieles beten. Was spornt dich zum Beten an? Du betest, wenn du ein Verlangen nach der Herrlichkeit des Herrn hast, wenn du ein Verlangen nach Gemeinschaft mit ihm hast, wenn du dir wünschst, dass deine Bedürfnisse von dem erfüllt werden, der allein die Mittel dazu hat, wenn du dir Weisheit und Unterscheidungsvermögen wünschst, wenn du dir Befreiung von den Schwierigkeiten des Lebens und von Furcht, Angst und Sorgen wünschst, wenn du für alle seine vergangenen und gegenwärtigen Segnungen danken möchtest, wenn du dir Befreiung von Schuld und Sünde wünschst, wenn du dir die Errettung anderer wünschst, und wenn du dir das Wachstum der Gläubigen wünschst. Eigentlich sollte dein Leben genug Erinnerungen an diese Dinge bieten, so dass du immer betest. Mach also eine kleine geistliche Bestandsaufnahme. Wenn du nicht ohne Unterlass betest, dann deshalb, weil mit deinen Wünschen oder mit deiner zugrundeliegenden Motivation etwas nicht stimmt. Die Frage ist, wie das angeregt werden kann.

Aus eigener Lebenserfahrung kann ich dir nur sagen, dass mein Gebetsleben durch Gottes Wort angeregt wird. Die Zeit, die ich mit dem Wort Gottes und dessen Studium verbringe, regen mein Gebetsleben an. Natürlich gibt es auch andere Momente, in denen ich zum Beten angeregt werde. Und zwar dann, wenn Gottes Geist in mir wirkt, während ich dem Herrn gehorsam lebe. Ich merke jedoch, dass es nur möglich ist, ein echtes Verlangen nach Gottes Verherrlichung zu entwickeln, indem ich sein Wort studiere. Wenn ich sehe, wie sich sein Wort und sein wunderbarer Plan entfalten, geht es mir wie Daniel: Wenn ich lese, was Gott für seine eigene zukünftige Herrlichkeit geplant hat, dann steigt in mir das Verlangen danach auf, dass er verherrlicht werden möge. Es ist wie bei Johannes: Am Ende der Offenbarung hat er gerade von all den Herrlichkeiten erzählt, die Christus erhalten wird, und er kann nicht anders, als zu rufen: „O Herr, komm bald – nicht um meinetwillen, sondern um deinetwillen!“

Wenn ich also den herrlichen Plan Gottes in seinem Wort bestaune, dann werde ich von seinem Reich und seiner Herrlichkeit eingenommen und das lässt mich dafür beten. Wenn ich Gottes Wort studiere und darin Gemeinschaft mit ihm habe, so wie er sich im Wort offenbart, wenn ich mehr über seinen Charakter und seine Majestät erfahre, dann habe ich ein größeres Verlangen nach Gemeinschaft mit ihm. Wenn ich meine Bibel studiere und all seine Verheißungen lese und all die Dinge, die er für seine Kinder tun möchte, wie er all unsere Bedürfnisse befriedigen und für alles sorgen wird, dann motiviert mich das, dafür zu beten.

Wenn ich die Schrift lese, sehe ich seine Majestät in seiner Weisheit offenbart in seinem erstaunlichen Urteilsvermögen und seinem perfekten Verständnis von allem. Und dann sehne ich mich danach, dass diese Weisheit auch meine Weisheit ist, damit ich mich in dieser komplizierten Welt zurechtfinden kann. Wenn ich die Schrift lese, sehe ich die Berichte über die wiederholte Befreiung seines Volkes und seine Verheißungen, dass er das immer wieder für sein Volk tun wird. Das bringt mich dann dazu, um Befreiung von den Schwierigkeiten in meinem eigenen Leben zu beten, und im Leben der Menschen um mich herum. Wenn ich mir die Schrift ansehe, entdecke ich, wie viele seiner besonders geliebten Diener von Furcht, Sorgen und Ängsten befreit wurden, so dass sie im Gefängnis Loblieder sangen. Ich sehe, wie manche von ihnen an der Öffnung eines feurigen Ofens stehen und den Gott preisen konnten, der das zugelassen hatte, weil sie ihm völlig vertrauten. Wenn ich das sehe, dann kann ich von meiner eigenen Furcht und von meinen eigenen Sorgen befreit werden. Wenn ich erkenne, dass ich alle meine Sorge auf ihn werfen kann, weil ich weiß, dass er sich bestens um mich kümmert, dann werde ich von der Angst befreit.

Wenn ich meine Bibel studiere, entdecke ich dort die herrliche Heilsgeschichte, mit allen vergangenen Segnungen Gottes. Ich sehe alles, was er tat, um die Heilsgeschichte an den Punkt zu bringen, an dem sie heute ist, damit ich die Herrlichkeit des Evangeliums Christi erfahren kann durch die Segnungen seines innewohnenden Geistes und den Schatz seines Wortes. Und das bringt mich dazu, für seine Segnungen zu danken. Wenn ich die Schrift betrachte, sehe ich die vollkommene Vergebung in Jesus Christus. Ich sehe, wie majestätisch der Sühneplan ist und wie er aus Gnade durch den Glauben in meinem eigenen Leben verwirklicht wurde. Ich sehe, dass ich in jedem Augenblick meines Lebens Zugang zu vollkommener Vergebung und Reinigung habe, und das alles bringt mich dazu, meine Sünden zu bekennen. Ich sehe Gottes Tränen in Jeremia 13 und die Tränen Jesu in Matthäus 23. Sie vergossen Tränen über diejenigen, die das Heil und die Güte Gottes ablehnen. Und dann wünsche ich mir die Errettung der Verlorenen, genauso wie Gott es tut. Ich sehe in der Schrift das Verlangen Gottes offenbart, dass sein Volk geistlich wachsen möge. Das zeigt sich darin, dass er sein Volk von Anfang bis Ende der Schrift ständig dazu aufruft, in Gehorsam und Heiligkeit zu leben. Und dann werde ich daran erinnert, für das geistliche Wachstum der Gläubigen zu beten.

Wenn ich also ein beharrliches, beständiges Gebetsleben haben will, brauche ich die richtige Motivation dafür. Dazu müssen bestimmte Wünsche in meinem Herzen sein, die mich motivieren. Das aufmerksame Studium von Gottes Wort bringt als Frucht diese Wünsche in mir hervor und regt so mein Gebetsleben an. Es kommt selten vor, dass ich mich nach dem Studium von Gottes Wort nicht erneut entscheide, in Bezug auf die eine oder anderen Sache noch treuer zu beten als bisher. Paulus sagte also: „Betet ohne Unterlass!“. Und mit diesen wenigen Worten hat er viel gesagt. Das soll unsere Lebensweise sein. Wir neigen uns zum Gebet.

Wir danken dir, Vater, für die Verheißung in 1. Johannes 3,22, dass wir alles, was wir bitten, von dir empfangen, weil wir deine Gebote halten und tun, was vor dir wohlgefällig ist. Wir wissen, dass unsere Gebete wirksam und mächtig sind und dass du sie hörst und erhörst, wenn wir deine Gebote halten und das tun, was dir gefällt. Wenn du Gebet erhörst, werden wir gesegnet, und dann bekommst du alle Ehre. Das ist dein Plan und dafür beten wir, um Jesu willen. Amen.

ENDE

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