Schlagt bitte eure Bibeln in 1. Thessalonicher Kapitel 5 auf. Genauso wie letzten Sonntag, werden wir uns auch heute morgen nochmal die Verse 12 und 13 anschauen. Dort steht: „Wir bitten euch aber, ihr Brüder, dass ihr diejenigen anerkennt, die an euch arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen, und dass ihr sie umso mehr in Liebe achtet um ihres Werkes willen. Lebt im Frieden miteinander!“
Diese beiden Verse beziehen sich auf die christliche Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde. Es geht darum, wie die Schafe die Hirten und wie die Hirten die Schafe behandeln sollen. Letzte Woche sprach ich darüber, dass die Hirten eine fürsorgliche, umsorgende Verantwortung gegenüber den Schafen haben. Diese Botschaft lag mir als Hirte natürlich sehr am Herzen. Denn auch ich trage für meine Schafe vor Gott die Verantwortung, diese Art von Fürsorge zu leisten. Doch genauso spiegelte diese Botschaft die Einstellung aller unserer Pastoren und Ältesten in der Grace Church wider.
In der vergangenen Woche dachte darüber nach, was ich letzte Woche gesagt hatte über die Verantwortung, die Freuden, die Schwierigkeiten, die Prüfungen, die Sorgen und das Glück des Pastorendaseins. Dabei fiel mir ein, wie Phil Johnson und ich vor ein paar Monaten zu Mittag aßen und er zu mir sagte: „John, du musst bald wieder einen Leitartikel für das Masterpiece Magazin schreiben. Worüber würdest du denn gerne schreiben?“ Und während ich hier auf der Straße mein Hähnchensandwich von Carl‘s aß, antwortete ich ihm: „Phil, ich glaube, ich würde gerne einen Artikel darüber schreiben, warum ich Pastor bin. Unabhängig davon, wie ich von außen wahrgenommen werde, soll jeder verstehen, dass die Grundlage für das alles mein Hirtendienst ist. Dazu hat Gott mich berufen und das ist es, was ich wirklich bin.“
Er fragte mich, wie ich das angehen würde und ich antwortete: „Wie wäre es, wenn ich einen Artikel über zehn Gründe schreibe, warum ich Pastor bin?“ Die Zahl zehn kam mir dabei ganz spontan in den Sinn. Und er sagte: „Fallen dir denn zehn überhaupt ein?“ Ich antwortete: „Ich wette, ich finde so viele. Hast du einen Stift?“ Und so begann er zu schreiben, während ich ihm zehn Gründe nannte, warum ich Pastor bin. Dies arbeitete ich aus zu einem weiteren Artikel, der im redaktionellen Teil der letzten Ausgabe des Magazins Masterpiece erschienen ist.
Meine Beschäftigung mit dem Thema begann, als ich Ian Murrays Biographie über Jonathan Edwards las und von all dem persönlichen Kummer erfuhr, den er in seiner Gemeinde erlebte. Er war Pastor einer Gemeinde, aber sie wählten ihn ab und warfen ihn raus. Und das nach der ganzen langen Zeit, in der er unter ihnen einen tiefgreifenden und gesegneten Dienst ausgeübt hatte. Jonathan Edwards war ja sogar der Hauptverantwortliche für die Große Amerikanische Erweckung. Es war die größte Erweckung, die dieses Land je erlebt hatte. Das schien seine Gemeinde aber nicht zu interessieren.
Ich selbst stehe im 22. Dienstjahr in dieser Gemeinde. Und obwohl ich nicht mit einem solchen Schicksal rechne, weiß ich doch, was es heißt, Kritik ertragen zu müssen. Ich weiß, wie es ist, ständig angeklagt zu werden und das sowohl von innerhalb als auch außerhalb der Gemeinde. Glaubt mir: Es gab Momente, in denen mir der Gedanke verlockend erschien, die Gemeinde zu verlassen. Und in meinem Hinterkopf schwirrt ständig die Frage herum: „Warum verlässt du die Grace Church nicht und machst etwas anderes?“ Aber ernsthaft zog ich einen solchen Schritt noch nie in Erwägung, denn ich liebe meine gottgegebene Berufung, ich liebe meinen Platz und ich liebe meine Leute. Deshalb bleibe ich ganz und gar meinem Dienst als Pastor verpflichtet.
Dafür gibt es eine Reihe von Gründen und ich möchte kurz die zehn Gründe dafür nennen, warum ich Pastor und Hirte bin. Erstens: Die Gemeinde ist die einzige Institution, von der Christus versprach, sie zu bauen und zu segnen. Er sagte: „Ich will meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen.“ Ich ziehe großen Trost und Zuversicht aus der Tatsache, dass ich als Teil der Ortsgemeinde zur großartigsten Institution der Erde gehöre. Und ich bin dankbar, einen kleinen Teil zum großen Werk unseres Herrn beitragen zu können, indem ich Gemeinde baue.
Zweitens bin ich Pastor, weil der Leib alle seine Funktionen und Tätigkeiten innerhalb der Gemeinde ausführt. Sobald man sich von der Gemeinde weg nach draußen bewegt, trennt man sich vom Ort des Feierns, vom Ort des Gottesdienstes, vom Ort des Abendmahls, vom Ort der Taufe, vom Ort der Ermutigung, Erbauung und Unterweisung. Nur in der Ortsgemeinde findet statt, was der Psalmist sagte, nämlich dass wir kommen, um niederzufallen und anzubeten. Nur in der Ortsgemeinde können wir vom Tisch des Herrn essen, zum Wasser der Taufe kommen, gespeist und gelehrt, genährt und unterwiesen werden und den Reichtum der Gemeinschaft genießen.
Drittens bin ich Pastor, weil die Predigt Gottes wichtigstes Mittel ist, um seine Gnade auszuteilen. Der Apostel Paulus befahl Timotheus, das Wort zu predigen. Durch das gepredigte Wort und seine Verkündigung werden Menschen erbaut, ermutigt, gestärkt, motiviert, konfrontiert, überführt, zurechtgewiesen, getadelt und wiederhergestellt. Ich habe das Vorrecht, jeden Sonntag Gottes Botschaft zu verkündigen, einmal am Morgen und einmal am Abend. Und um ganz ehrlich zu sein, ist unser Sonntagabendgottesdienst nur deshalb da, weil wir eine weitere Gelegenheit haben wollen, diese Wahrheit zu verkündigen und alles, was damit zusammenhängt.
Viertens bin ich Pastor, weil ich mein ganzes Leben dem Studium und der Gemeinschaft mit Gott widme. Die Schrift nimmt mich völlig in Beschlag. Ich würde es hassen, mich mit der Verwaltung einer Organisation beschäftigen zu müssen. Dann müsste ich mich mit all den belanglosen Details und Kleinigkeiten befassen, die nichts mit dem Wort Gottes zu tun haben. Erst letzte Woche fragte mich jemand, was mich antreiben würde. Und ich sagte: „Alles was mich antreibt ist die Liebe zum Wort Gottes.“ Es begeistert mich ungemein, dass ich ein Leben lang das tun kann, was ich liebe. Vor ein paar Wochen sprach ich mit einem professionellen Baseballspieler und fragte ihn, was ihm am meisten an seinem Beruf gefallen würde. Seine Antwort war: „Am meisten gefällt mir, dass ich das tue, was ich liebe.“
Und so geht es mir auch, weil das, was ich liebe, nämlich mich mit dem Wort zu beschäftigen, mich ständig in eine persönliche und private Gemeinschaft mit Gott führt. Es ist eine große Freude, dass einer unserer Lehrer am Predigerseminar, Dr Rosscup, ein Buch über Auslegungspredigt schreibt. In einem Kapitel beschäftigt er sich mit Gebet und Auslegungspredigt. Er bat mich, ihm ein paar Zeilen dazu zu schreiben, wie das Gebet in meine Vorbereitung einfließt. Natürlich tat ich das gerne. Der Rohentwurf liegt jetzt auf meinem Schreibtisch und wartet darauf, in den nächsten Tagen überarbeitet zu werden. Darin sage ich, dass Gebet absolut untrennbar mit der Vorbereitung verbunden ist.
Ich kann während meiner Vorbereitung nicht darauf verzichten, ständig mit Gott zu sprechen. Es ist absolut notwendig, beim Studieren der Schrift Gottes Gedanken, sein Herz und seinen Willen zu erkennen, damit das in meinem Herzen umgesetzt wird, bevor ich es früher oder später predigen werde. Ihr seht mein öffentliches Leben. Aber ich habe auch eine private Seite, die nur Gott kennt. Ihr seht mich am Sonntag zwei Stunden: eine Stunde morgens und eine Stunde abends, … wenn ihr wirklich geistlich seid. Wenn ihr nicht geistlich seid, dann seht ihr mich nur nur eine Stunde am Morgen. Doch das kommt nicht einmal annähernd an die 30 Stunden heran, die ich in persönlicher Gemeinschaft mit Gott verbringe, um mich auf die zwei Stunden vorzubereiten, in denen ihr mich seht. Diese Vorbereitung für meinen Dienst ist voller Freude, Liebe und Leidenschaft.
Fünftens bin ich Pastor, weil ich als Hirte Gott gegenüber für das Leben der Menschen verantwortlich bin, die er mir anvertraut hat. Dafür muss ich Rechenschaft ablegen und ich liebe diese Verantwortlichkeit. Ich habe nichts dagegen, im Radio zu lehren oder Bücher zu schreiben. Es macht mir nichts aus, meine Worte an Menschen weiterzugeben, die ich nicht kenne, sei es über das Radio, durch eine Aufnahme oder ein Buch. Aber zu meinen Gemeindegliedern habe ich eine Beziehung wie ein Hirte zu seinen Schafen. Ich habe das Privileg und bin von Gott berufen, über ihre Seelen zu wachen als jemand, der Gott gegenüber Rechenschaft ablegen muss. Und dieser Berufung kann ich nur in einer Ortsgemeinde nachkommen. Ich kann nicht in einer Radiosendung für die Seelen der Menschen Verantwortung tragen oder wenn sie eine Aufnahme von mir hören oder eines meiner Bücher lesen. Ich kann Gott gegenüber nur für die Seelen der Schafe in meiner eigenen Herde die Verantwortung tragen. Dazu bin ich berufen und dem will ich treu sein.
Sechstens bin ich nicht nur Gott gegenüber für die Menschen in meiner Gemeinde verantwortlich, sondern auch den Menschen in meiner Gemeinde, dass ich Gott treu bin. Am 9. Februar sind es 22 Jahre und in all diesen Jahren lag alles offen vor euch. Meine Frau, meine Kinder, mein Familienleben, meine persönlichen Stärken, meine persönlichen Schwächen, was ich liebe, was ich hasse, mein Lebensstil. All das ist offen sichtbar.
Und ich schätze diese Rechenschaftspflicht, weil sie mich dazu anhält, dort zu bleiben, wo ich sein muss. Diese Rechenschaftspflicht ist für mich eine ständige Ermutigung, Christus in allem widerzuspiegeln, was ich sage und tue. Denn nur so kann ich eine Botschaft untermauern. Die Leute, die mich im Radio hören, haben keine Ahnung davon, wie ich lebe. Sie können sich eine Aufnahme anhören oder eines meiner Bücher lesen, aber sie wissen nicht, wie mein Leben aussieht. Aber ihr wisst wie mein Leben aussieht. Deshalb ist diese Art von Rechenschaftspflicht sehr, sehr gut für mich.
Siebtens: Ich bin Pastor, weil ich die Herausforderung liebe, ein effektives Leitungsteam aus den Menschen aufzubauen, die Gott in die Gemeinde gestellt hat. Ich bin überzeugt davon, dass es die größte Herausforderung ist, die Gemeinde wirksam und erfolgreich zu leiten. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Wenn man zum Beispiel ein Geschäft oder ein Unternehmen gründen und erfolgreich sein will, kann man nach eigenem Gutdünken einstellen, wen man will. Aber wenn man eine Gemeinde baut, muss man nehmen, was Gott einem gibt. Das macht einen gewaltigen Unterschied. Und gleichzeitig ist es eine ehrenamtliche Organisation. Man nimmt nicht nur, was Gott gibt, sondern man nimmt, was die von Gott gegebenen Menschen zu geben bereit sind. Und dann ist man berufen, ausgehend von dieser Herausforderung ein Leitungsteam aufzubauen, das Gottes Reich voranbringen kann.
Was nun folgt, sage ich nicht, um euch in die Verzweiflung zu treiben, aber die Bibel sagt in 1. Korinther 1,26: „Da sind nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme.“ Wir als Gemeinde sind doch in dieser Welt im Grunde nur das gemeine Volk. Und ich danke Gott immer wieder, dass er mich nicht in irgendeine elitäre Gemeinde gesteckt hat. Ich wollte nie Pastor einer Gemeinde sein, die aus der Elite besteht. Ich wollte eine Gemeinde, die einen Querschnitt durch die Gesamtheit des Leibes Christi darstellt. Eine Gemeinde, in der es nur wenige gibt, die als die Mächtigen und Edlen gelten und in der die meisten von uns einfach treue Menschen sind. Ich halte mich selbst für einen von ihnen. Deshalb war es eine riesige Freude und zugleich eine große Herausforderung, zu sehen, wie der Geist Gottes ein Leitungsteam aufgebaut und sein Reich durch unsere Gemeinde vorangebracht hat.
Achtens: Ich bin Pastor, weil das Hirtenamt das ganze Leben umfasst. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich liebe das Abenteuer und die Abwechslung. Wenn du ein Leben voller Abenteuer und Abwechslung willst, werde Pastor. Kein Tag ist wie der andere. Ich wurde nie dazu gezwungen, am Fließband zu arbeiten. Wenn ich am Fließband arbeiten müsste, würde ich verrückt werden. Ich würde irgendwo in der Ecke kauern und das griechische Alphabet vor mich hinmurmeln. Mein Verstand sehnt sich nach Abwechslung, und das liegt daran, dass Gott mich dafür geschaffen hat. Mein Dienst umfasst das gesamte Leben und ist daher sehr abwechslungsreich. Ich kann die Freude der Eltern über die Geburt eines Kindes teilen oder den Schmerz von Eltern beim Tod eines Kindes. Ich kann die Freude einer Hochzeit teilen. Und ich kann den Trost teilen, der bei einer Beerdigung notwendig ist.
Im Hirtendienst bekommt man die ganze Bandbreite des Lebens zu sehen. Alle Freuden, alle Hochgefühle, alle glücklichen Momente des Lebens, sowie alles Tragische, alle Schwierigkeiten, alle Anfechtungen und allen Schmerz des Lebens. Es ist ein unglaubliches Abenteuer, das jeden Moment beginnen kann. Denn jedes Mal, wenn etwas Ungewöhnliches passiert, bin ich irgendwie beteiligt. Es ist eine Freude, mehr zu machen als zu predigen. Das ist ja der vorhersehbare Teil des Dienstes. Aber wenn etwas passiert, bewegt man sich im unvorhersehbaren Teil, wo man im Leben der Menschen in den Riss tritt – für Gott, an Christi statt.
Es gibt zwei weitere Gründe, weshalb ich Pastor bin. Nummer neun: Ich habe Angst davor, kein Pastor zu sein. Und das ist die reine Wahrheit. Als ich 18 war, warf mich Gott aus einem Auto, das mit mehr als 110 km/h fuhr. Ich landete auf dem Rücken und rutschte 100 Meter weit auf der Straße. Durch Gottes Gnade bin ich nicht gestorben. Ich wusste schon vorher, dass Gott mich berufen hatte, Pastor zu werden und hatte dagegen rebelliert. Doch nun musste ich feststellen: wenn der Herr so kämpft, dann muss ich mich geschlagen geben, und würde Pastor werden, oder was immer er auch von mir wollte. Also wurde ich durch Gottes Gnade Pastor. Und jedes Mal, wenn ich mich am Rücken kratze, spüre ich die Narben. Sie sind immer noch da und erinnern mich daran, dass ich dem Hirtendienst treu sein soll. Ansonsten könnte mich in Zukunft nochmals irgendwo eine andere Autobahn erwarten. Und das ist in Ordnung.
Und schließlich bin ich Pastor, weil der damit verbundene Lohn absolut großartig ist. Ich kann euch sagen, dass ich mich geliebt und geschätzt fühle. Ich fühle mich gebraucht und habe das Gefühl, dass man mir vertraut. Und das alles erfahre ich nicht wegen mir, sondern weil das Leben der Menschen verändert wird, wenn man ein Werkzeug Gottes ist. Wenn man von Gott gebraucht wird, um sein Wort zu predigen, sein Wort zu lehren, sein Wort anzuwenden, dann verändert sich das Leben der Menschen. Und man selbst hat das Gefühl, dass das Leben einen überaus wunderbaren Sinn hat. Das Leben ist für mich so wertvoll, weil Gott etwas dadurch erreicht.
Ich weiß, dass ihr für mich betet und dass ich euch am Herzen liege. Dafür bin ich Gott sehr dankbar, denn ich bin dessen nicht würdig. Es ist wunderbar und äußerst beglückend ein Kanal zu sein, durch den die Gnade Gottes zu den Menschen fließen kann. Ohne Zweifel tut Gott das alles und Gottes Geist wirkt alles. Und doch wird der Dank, der an Gott zurückgegeben wird, irgendwie durch den Kanal weitergeleitet, durch den er gekommen ist.
Letzten Endes werde ich als Pastor erfreut und erfüllt durch die Rückmeldung und die gegenseitige Liebe zwischen Schafen und Hirte. Ihr sollt wissen, dass ich in all meinen Jahren hier nie ohne Freude gedient habe, nie ohne Erfüllung, nie ohne mich geliebt zu fühlen. Ihr habt mich immer geliebt und mein Herz immer ermutigt. Es war die Reaktion der Schafe auf den Hirten, die diesen Dienst für mich so beglückend machte. Und ich denke, dass jeder in diesem Dienst das sagen würde. Die Quintessenz dieser zehn Punkte, die ich euch genannt habe, ist Folgendes: Ich bin in diesem Dienst, weil der Lohn so groß ist. Es ist wahr und großartig, dass sowohl der Lohn ewig ist, als auch der Wert der Beziehung zwischen einem Hirten und seinen Schafen.
Ich nehme an, dass alle Hirten dieser Herde, alle Ältesten dieser Gemeinde, zustimmen würden, dass die Freude im Dienst eng mit der Haltung der Schafe gegenüber dem Hirten verbunden ist. Wenn Gott die Wahrheit durch mich an euch weitergibt und ihr den Dank durch mich an ihn weitergebt, dann ist das eine riesige Freude. Es ist aber leider so, dass nicht jeder das erlebt. Die Zufahrt vieler Gemeinden ist geschwärzt von den Reifenspuren, die Pastoren bei ihrem überstürzten Abgang hinterlassen, wenn sie von herzlosen, undankbaren Gemeindegliedern misshandelt und schlechtgemacht wurden. Das war bei mir nicht der Fall.
Aber dies bringt uns zu der Frage, wie Hirten behandelt werden sollen. Um diese Frage zu beantworten müssen wir unseren Text heranziehen. Ich predige diese Botschaft mit einem gewissen Widerwillen. Denn bestimmt wird irgendjemand behaupten, ich würde diese Botschaft nur deswegen predigen, weil ich jemanden zurechtzustutzen müsse, der hinter mir her ist. Aber das stimmt nicht. Wir sind einfach nur in 1. Thessalonicher Kapitel 5 bei den Versen 12 und 13 angekommen. Und ihr wisst, dass wir dem Plan Gottes verpflichtet sind, nicht meiner persönlichen Agenda.
Letzte Woche ging es darum, wie die Hirten die Schafe behandeln sollen. Und ich sagte euch, dass ihr noch eine Woche lang ohne Verantwortung leben könnt. Die Zeit ist jetzt um. Heute sehen wir uns die Verantwortung der Schafe gegenüber den Hirten an. Wie sollen die Schafe die Hirten behandeln? Manche Menschen denken darüber gar nicht nach. Manchmal ist das Thema kaum mehr als einen Scherz wert. So wie bei dem Pastor, der in den Wahnsinn getrieben wurde von einem Mann, der jeden Sonntag während seiner Predigt einschlief. Dieser Mann war ein wichtiges Gemeindeglied und schlief bei jeder Predigt ein. Schließlich beschloss der Pastor, dass er diesen Mann zur Rede stellen musste, egal wie bedeutend der Mann war und egal wie viel er spendete. Also fragte er den Mann: „Mein Herr, warum schlafen Sie ein, wenn ich meine Predigt halte? Das zeugt von mangelndem Respekt.“ Darauf antwortete der Mann: „Glauben Sie, ich würde schlafen, wenn ich Ihnen nicht vertrauen würde?“ Ihr Lieben, in unserer Gemeinde verzichte ich gern auf diese Äußerung von Vertrauen.
Wie sollen die Schafe ihre Hirten behandeln? In einem Gemeindeblatt erschien der folgende Artikel mit der Überschrift „Wie man einen Pastor loswird“. Hör gut zu. Ich zitiere: „Vor nicht allzu langer Zeit kam eine wohlmeinende Gruppe aus einer benachbarten Gemeinde zu mir. Sie wünschten, dass ich ihnen eine bequeme und schmerzlose Methode vorschlage, um ihren Pastor loszuwerden. Ich fürchte jedoch, dass ich ihnen keine große Hilfe war. Denn damals hatte ich noch keine Gelegenheit gehabt, ernsthaft über diese Frage nachzudenken. Aber seither dachte ich viel über diese Frage nach. Und das nächste Mal, wenn mich jemand fragt, wie man den Pastor loswerden kann, werde ich Folgendes antworten:
Erstens: Schau dem Pastor direkt in die Augen, während er predigt, und sag ab und zu ‚Amen‘ – und er wird sich zu Tode predigen. Zweitens: Klopf ihm auf die Schulter, prahle mit seinen guten Seiten – und er wird sich wahrscheinlich zu Tode arbeiten. Drittens: Widme dein Leben erneut Christus und bitte den Prediger um eine Aufgabe, vorzugsweise darum, verlorene Menschen für Christus zu gewinnen – und er wird an Herzversagen sterben. Viertens: Bring die Gemeinde dazu, gemeinsam für den Prediger zu beten – und er wird bald so effektiv werden, dass eine größere Gemeinde ihn euch wegschnappen wird.“
Wenn man das so hört, wirft das einige wichtige Fragen auf, wie wir den Pastor behandeln sollen. In einer Umfrage unter 3.000 Gemeinden wurden Pastoren und Mitarbeiter gefragt: „Was sind die Hauptgründe, warum Menschen aus einer Gemeinde austreten?“ Eine der häufigsten Antworten war: „Ich mag den Pastor nicht.“ Ich möchte nun zu unserem Text zurückgehen und schauen, was unsere Pflicht ist. Wir haben uns bereits die Verantwortung der Hirten für ihre Schafe angeschaut und festgestellt, dass sie in erster Linie an den Schafen arbeiten sollen. Zweitens sollen sie Autorität über die Schafe ausüben. Und sie sollen die Schafe unterweisen. Diese drei Dinge schauten wir uns ausführlich an.
Den ersten Punkt, die Arbeit an den Schafen, finden wir in Vers 12, wo es heißt: „Wir bitten euch aber, ihr Brüder, dass ihr diejenigen anerkennt, die fleißig unter euch arbeiten“. Pastoren, Älteste, Aufseher und Hirten sollen also hart arbeiten. Sie dienen bis an den Rand der Erschöpfung an der Seite der Schafe und führen ein aufopferungsvolles Leben. Die demütige Rolle eines Dieners beinhaltet völlige Hingabe. Und dann beachtet bitte auch, dass sie „euch im Herrn vorstehen“. Aufgrund der Berufung durch den Herrn haben sie Autorität über die Schafe. Um seinetwillen, nach seinem Willen und zu seiner Ehre sollen sie vorstehen, lenken und leiten. Und dann, am Ende von Vers 12, sollen sie die Schafe unterweisen. In ihrem Dienst ist die Lehre das vorrangige Element. Sie sollen geschickte Lehrer sein, darin geübt, das Wort der Wahrheit darzustellen und zu verbreiten.
Nun komme ich zu der Verantwortung der Schafe gegenüber ihren Hirten. Und es ist wichtig, dass die Gemeinde um diese ganz grundlegenden Dinge kennt. Es betrifft das Wesen unserer Beziehungen. Schafe können manchmal sehr hart mit ihren Hirten ins Gericht gehen. Manchmal denken wir, dass Schafe kleine, knuddelige Tiere sind, weil wir nur ausgestopfte Schafe kennen. Aber wenn du schon mit Schafen zu tun hattest weißt du, dass sie schwach sind, hilflos, unorganisiert, anfällig für Irrwege, anspruchsvoll, schmutzig und dass sie spitze Hufe haben. Als der Herr uns als Schafe bezeichnete, sprach er über echte Schafe, nicht über ausgestopfte.
Wenn Schafe ihrer Pflicht nicht nachkommen, können sie ihrem Hirten durch ihren Ungehorsam das Leben schwer machen und ihm jegliche Freude rauben. Schauen wir uns also die drei Eigenschaften oder Grundsätze an, die Schafen gegenüber ihren Hirten auferlegt sind.
Erstens: Schätzt eure Hirten. In Vers 12 heißt es: „Wir bitten euch aber, ihr Brüder, dass ihr diejenigen anerkennt, die an euch arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen.“ Das Wort „anerkennen“ ist das griechische oida und bedeutet „kennen“. Es ist ein im ganzen Neuen Testament geläufiges Wort für „kennen“, wobei es die Art von Kenntnis meint, die durch Erfahrung kommt. Man hat etwas kennengelernt oder ist durch Erfahrung zu Kenntnis gelangt. In unserem Vers vermittelt es die Vorstellung einer tiefgründigen Kenntnis und einer Kenntnis, die Respekt und Wertschätzung beinhaltet. Hier bedeutet es, zu kennen und zu schätzen. Die beste Übersetzung ist vielleicht das Wort „wertschätzen“, so dass man auch sagen könnte: „dass ihr diejenigen schätzt und respektiert, die fleißig unter euch arbeiten“.
Das meint nicht eine oberflächliche Art von Kenntnis, dass man einfach nur den Namen kennt. Es bedeutet auch nicht, nur die Namen ihrer Kinder oder ihrer Frau zu kennen, oder ihre Postleitzahl, oder wo sie wohnen, oder welche Schule sie abgeschlossen haben, oder was für ein Auto sie fahren und so weiter. Sondern es bedeutet, dass man sie tief und vertraut persönlich kennengelernt hat und das in Wertschätzung mündet. Man kennt sie gut genug, um Zuneigung für sie zu empfinden. Das Wort „kennen“ wird manchmal auf den körperlichen Akt zwischen einem Mann und einer Frau bezogen. Dann meint es die tiefe, vertraute Kenntnis, bei der ein Mann eine Frau erkennt und sie ein Kind zur Welt bringt. Es bedeutet, einen Menschen und dessen Wert zu kennen.
Von Leuten, die mich predigen hören, bekomme ich immer wieder einen bestimmten Kommentar. Sehr, sehr oft sagen sie: „Auch wenn ich Sie nicht persönlich kenne, oder nicht viel Zeit mit Ihnen verbracht habe, habe ich das Gefühl, Sie zu kennen.“ Eigentlich sagen sie damit Folgendes: Weil sie dem Prediger so lange zugehört haben, wie er sein Herz ausschüttete, haben sie jetzt das Gefühl, ihn zu kennen. Und ich antworte immer: „Wenn Sie mir zugehört haben, kennen Sie mich, denn was Sie hören, bin ich.“ Ich bin nicht das, wonach ich aussehe. Wenn mich Leute treffen, sagen sie mir immer wieder: „Oh, ich habe Sie jahrelang im Radio gehört.“ Und dann antworte ich ihnen und sage: „Ich weiß, dass ich im Radio besser aussehe.“ Aber es geht nicht darum, wie ich aussehe. Man kennt mich nicht, wenn man weiß, wie ich aussehe. Aber man kennt mich, wenn man weiß, was ich fühle oder was aus meinem Herzen kommt. Man kennt mich, wenn man die Leidenschaften meines Lebens kennt.
Wenn man jemanden nicht sehr gut kennt, ist es leicht, ihm gegenüber unfreundlich, kritisch oder gleichgültig zu sein. Aber wenn man jemanden aus eigener Erfahrung kennt und die Leidenschaft seines Herzens versteht, dann entsteht dadurch ein gewisser Respekt. Deshalb seid ihr verpflichtet, eure Leiter kennenzulernen. Wenn ihr sie respektieren, schätzen, bewundern und ihren Wert verstehen wollt, müsst ihr sie kennenlernen. Und dann, wenn ihr sie kennt, bringt ihr ihnen diesen Respekt entgegen.
Ich muss erwähnen, dass Paulus hier in 1. Thessalonicher 5 eine Anspielung auf die finanzielle Unterstützung macht. Darum möchte ich etwas klarstellen: Ich predige diesen Abschnitt nicht, weil ich eine Gehaltserhöhung wünsche. Ich wünsche keine Gehaltserhöhung und ich werde auch keine Gehaltserhöhung akzeptieren. Aber für euch ist es trotzdem wichtig zu wissen, dass der Kontext andeutet, dass diese Wertschätzung eine finanzielle Unterstützung beinhaltet. Um das zu sehen, braucht ihr nur kurz in 1. Timotheus 5,17 reinschauen, wo es heißt: „Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wertgeachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten.“
Die Ältesten, die gut vorstehen, sind wertgeachtete Männer. Und wegen ihrer Würdigkeit ist doppelte Ehre notwendig, auf Griechisch: timē. Das kann Respekt bedeuten, oder auch Hochachtung. Aus dem Kontext geht jedoch hervor, dass dies auch die Bezahlung einschließt. In den vorangegangenen Versen 3 bis 16 ging es um die Unterstützung von Witwen. Jetzt spricht Paulus über die Unterstützung von den Leitern, von Pastoren. Und er sagt, wenn sie gut vorstehen, sind sie der doppelten timē würdig. Übrigens wird das Wort timē im Neuen Testament mehrfach mit Geld in Verbindung gebracht: z. B. auch in Matthäus 27,6.9, sowie in 1. Korinther 6,20. Er sagt also: Gebt ihnen Respekt und Lohn, und zwar doppelt. Gebt ihnen doppelte Ehre, doppelten Respekt und eine großzügige Bezahlung. Warum? Auf diese Weise sollen die gut vorstehenden Ältesten belohnt werden, weil sie als fleißige, treue Älteste würdig sind. Sie haben es verdient.
Als kurze Fußnote: Es gibt niemanden, dem man mit den Mitteln, die man ihm zur Verfügung stellt, mehr vertrauen kann, als einem gottesfürchtigen Mann. Wo wäre Geld besser aufgehoben als in den Händen eines gottesfürchtigen Mannes, der es zur Ehre des Herrn einsetzen würde? Am Ende des Verses bezeichnet Paulus diese Männer als „besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten“. Gottes Geld soll denjenigen anvertraut werden, die fleißig am Wort Gottes arbeiten. Sie sollen belohnt werden und ihnen so auf greifbare Weise Ehre erwiesen werden.
Hier sehen wir also eine Art Abfolge. Älteste sind der Ehre würdig und deshalb würdig, mit einer Vergütung geehrt zu werden. Fleißige und ausgezeichnete Älteste sind dabei doppelter Ehre wert. Und fleißige und ausgezeichnete Älteste, die sich hauptsächlich mit Predigen und Lehren befassen, sind in besonderem Maße würdig, respektiert und entlohnt zu werden. Deshalb muss jeder treue Hirte geschätzt, respektiert, bewundert, geehrt und unterstützt werden. Es gibt dazu einen sehr einfachen, direkten Vers, auf den ich nur kurz eingehen möchte. 1. Korinther 9,14 enthält einen Grundsatz, der das alles zusammenfasst. Dort steht: „So hat auch der Herr angeordnet, dass die, welche das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollen.“ Das heißt, wenn man sein Leben damit verbringt, das Evangelium zu verkündigen, soll man dabei unterstützt werden. Nun kehren wir wieder zu unserem Text in 1. Thessalonicher 5 zurück.
Das Erste, was die Gemeinde also den Leitern, den Ältesten und Pastoren entgegenbringen soll, ist Respekt. Eine Fürsorge die Vergütung einschließt. Die Gemeinde soll sie unterstützen, sie doppelt ehren und großzügig sein. Die Gemeinde soll nicht nur das Minimum geben, so dass jene gerade so über die Runden kommen. Sondern sie soll ihnen besondere Großzügigkeit, Respekt und Bewunderung entgegenbringen. Das soll die Gemeinde tun, weil sie weiß, dass ihre Leiter das Empfangene gut verwalten werden. Die erste Verantwortung der Gemeinde ist also Respekt, Bewunderung, Ehre und Wertschätzung.
Der zweite Punkt baut direkt darauf auf. Die Gemeinde soll die Leiter achten. Paulus sagt in Vers 13: „und dass ihr sie umso mehr in Liebe achtet um ihres Werkes willen.“ Dies ähnelt sehr dem ersten Punkt, es gibt keinen großen Unterschied. Zu achten, hēgeomai, bedeutet zu bedenken oder zu beachten, zu denken. Das beinhaltet, ein bisschen über die erste Pflicht hinauszugehen, denn es heißt, dass man sie „umso mehr“ achten soll. Das Griechische sagt hier: über alle Maßen. Das Schlüsselwort dabei ist „in Liebe“. „in Liebe, um ihres Werkes willen.“ Sie sollen nicht wegen ihrer Persönlichkeit geachtet werden, denn dies ist kein Persönlichkeitswettbewerb, sondern wegen ihrer Arbeit. Die Gemeinde soll also einen treuen Pastor über alle Maßen achten. Worauf es ankommt ist, dass es keine Grenzen gibt für die Achtung und die Liebe, die sie für diesen Mann haben sollten. Sie sollen ihn lieben.
Was bedeutet Liebe? Es bedeutet, ihm aufopferungsvoll zu dienen. Es bedeutet Zuneigung zu ihm, nicht wegen seiner Persönlichkeit, oder weil er ihnen einen Gefallen getan hat, sondern wegen seiner Arbeit. Weil er ihnen mit dem Wort Gottes dient und ihre bedürftige Seele nährt. In Galater 4,14 sagt Paulus: „Und meine Anfechtung in meinem Fleisch habt ihr nicht verachtet oder gar verabscheut.“ Paulus hatte irgendein körperliches Leiden, das ihn abstoßend machte. Der Mann hatte wirklich nichts Attraktives an sich und er sagt: „Ihr habt das nicht verabscheut. Wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf. Wie Christus Jesus selbst nahmt ihr mich auf.“
So gehört sich das. Das ist die richtige Einstellung. Unabhängig von der Persönlichkeit oder den unerfreulichen Dingen, wie zum Beispiel einer abscheulichen Krankheit, nahmen sie ihn „wie einen Engel Gottes“ auf, „wie Christus Jesus.“ Und dann sagt Paulus in Vers 15: „Denn ich gebe euch das Zeugnis, dass ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet.“ Manche glauben, dass er eine üble, nässende Augenkrankheit hatte. Und er sagt: „Ihr hättet eure eigenen Augen aus euren eigenen Augenhöhlen genommen und sie mir gegeben, wenn ihr gekonnt hättet.“
Das bedeutet es, jemanden über alle Maßen wertzuschätzen. „Ihr habt mich geliebt, trotz der Abscheulichkeit und meiner Krankheit. Ihr habt mich geliebt, obwohl ich kein schöner Anblick war. Und ihr hättet euch für mich die Augen ausgerissen“. Um diese Art von aufopfernder Liebe geht es. Ihr erinnert euch bestimmt, dass Paulus den Galatern mit gebrochenem Herzen schreibt und ihnen durch seinen Brief eigentlich sagt: „So war es früher. Was habe ich getan, dass sich eure Liebe verändert hat?“ Wodurch hat sich das geändert?
Die Schafe müssen also ihre Hirten wertschätzen. Mehr noch, sie sollen denjenigen, den sie als ihren Hirten kennen, nicht nur achten und entlohnen, sondern über alle Maßen lieben. So sehr, dass sie zu jeglichem persönlichen Opfer bereit wären. Warum? Nicht wegen der Persönlichkeit ihrer Hirten, sondern wegen ihrer Arbeit. Sie wurden von Gott berufen und für ein besonderes Werk bestimmt. Deshalb sollen die Menschen sie wertschätzen und das Werk, zu dem sie berufen wurden, in Liebe anerkennen. In Johannes 13,20 heißt es: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer den aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Wenn sie den Hirten aufnehmen, nehmen sie ebenso den Oberhirten auf, der ihn sandte. Und schlussendlich nehmen sie Gott auf, der den Oberhirten sandte.
Für die Gemeinde bedeutet es also, dass ihr eure Ältesten und Pastoren achtet. Und eure Wertschätzung für sie sollte keine Grenzen kennen. Und egal, wie viel Wertschätzung ihr jetzt auch haben mögt, lasst sie in Liebe wachsen. Ihr sollt sie für das lieben, was sie tun. Das sagt die Schrift ganz klar. Und wenn ihr das nicht tut, seid ihr diesen direkten Worten gegenüber ungehorsam. Sie zu lieben bedeutet, dass ihr ihr Bestes sucht. Sie zu lieben bedeutet, über ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten hinwegzusehen. Sie zu lieben bedeutet, dass ihr gut von ihnen sprecht. Sie zu lieben bedeutet, dass ihr sie ermutigt. Sie zu lieben bedeutet, dass ihr sie hochhaltet als berufene Gottesmänner, die euch die Wahrheit gebracht haben.
Und schließlich, drittens, sagt Paulus in Vers 13: „Lebt im Frieden miteinander.“ Das ist der dritte Punkt: Ordnet euch euren Hirten unter. Es gibt nichts, was trauriger, schwieriger oder schmerzhafter ist, oder mehr ablenkt, als Uneinigkeit in der Gemeinde. Deshalb ist uns die Ermahnung sehr geläufig, in Frieden miteinander zu leben. Sie ist überall im Neuen Testament zu finden, z. B. in Römer 14,19, 2. Korinther 13,11, Epheser 4,3, Kolosser 3,15, Jakobus 3,18. Immer wieder ruft das Neue Testament zum Frieden untereinander auf. Aber hier geht es um etwas ganz Konkretes, nämlich um die Beziehung zwischen den Schafen und dem Hirten, diese Beziehung soll friedlich sein. Es geht darum, sich den eigenen Hirten unterzuordnen, nicht zu streiten und Konflikte auszuräumen. Das setzt natürlich einen treuen Hirten voraus. Und wenn ein Mann treu darin ist, in der Kraft des Geistes Gottes sein Bestes zu tun, dann sollt ihr euch dem unterordnen. Das gebietet die Schrift.
Ich möchte diesen Punkt mit Hebräer 13,7 abschließen. In Hebräer 13 gibt es drei an die Gemeinde gerichtete Stellen, die beschreiben, wie sie mit dem Hirten umgehen soll. In Vers 7 heißt es: „Gedenkt an eure Führer“. Wer sind diese Führer? Das sind diejenigen, „die euch das Wort Gottes gesagt haben.“ Das „Gedenken“ hier meint, ihrer in Liebe und Zuneigung zu gedenken. Paulus sagt: Ihr sollt gedenken, dass sie „euch das Wort Gottes gesagt haben; schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach!“ Sie sprachen zu euch durch das Wort. Gedenkt ihres Wandels und was daraus entstand, wie Gott ihr Leben segnete und sie mächtig gebrauchte. Ahmt ihren Glauben nach und seid euch dessen bewusst, dass Jesus Christus, der gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist, euren Gehorsam genauso belohnen wird, wie er ihren Gehorsam belohnt hat. Und wagt es nicht, euch „von vielfältigen und fremden Lehren umhertreiben“ zu lassen. Denkt an die, die die Wahrheit lehrten, und schätzt sie, liebt sie und achtet sie.
Zuerst sagt er: „Gedenkt an sie“. Gedenkt an sie mit einem dankbaren Herzen. In Vers 17 fügt er dann noch etwas hinzu: „Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen.“ „Gehorcht und fügt euch euren Führern!“ Wahrscheinlich denken jetzt einige daran, dass sich Führer ja auch irren können. Das stimmt. Aber gehorcht ihnen trotzdem und fügt euch ihnen. Denn sie müssen Rechenschaft ablegen, nicht ihr. Denk niemals, dass du deine Führung umgehen könntest. Sie müssen Rechenschaft ablegen, aber du sollst ihnen folgen. Es sei denn, dass sie dich auffordern, etwas Unbiblisches, Gottloses und Sündhaftes zu tun. Als Hirten haben wir eine ernüchternde Pflicht: Wir legen Rechenschaft ab, und du folgst der Führung. „Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen; denn sie wachen über eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden.“
Das ist für mich und für jeden anderen Pastor oder Ältesten in geistlicher Leitung eine sehr deutliche und ziemlich respekteinflößende Aussage. Unsere ernüchternde Pflicht ist, dass wir vor Gott Rechenschaft ablegen werden müssen. Es ist schon schwer genug, mit diesem Wissen zu leben. Ich lebe die ganze Zeit mit dem Wissen, dass ich Gott gegenüber für den Zustand der Schafe verantwortlich bin. Ich bin mir bewusst, dass ich für alle meine Entscheidungen Gott gegenüber verantwortlich bin. Auch als Gruppe von Ältesten sind wir Gott gegenüber verantwortlich für unsere Entscheidungen, wenn wir die Weisheit des Geistes suchen. Darum tun wir als Älteste nie etwas, was nicht einstimmig beschlossen ist. Denn weil wir Rechenschaft ablegen müssen, wollen wir sicher sein, dass wir die Gedanken Gottes kennen, wenn wir euch leiten.
Deshalb sagt Paulus: „Gehorcht.“ Sture, eigensinnige Menschen rauben ihren Pastoren die Freude und bereiten ihnen Kummer. Das sehen wir in Vers 17: „damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch!“ Wenn ihr eine unglückliche Gemeinde wollt, dann müsst ihr nur dafür sorgen, dass euer Pastor unglücklich ist. Fügt euch nicht. Dann raubt ihr ihm die Freude. Dann wird er unglücklich sein und auch ihr werdet unglücklich sein. Sture, eigensinnige Menschen rauben ihren Leitern die Freude und fügen zugleich sich selbst nur noch mehr Schmerz hinzu. Genau das hat Paulus im Sinn, als er sagt: „Das wäre nicht gut für euch“. Es wird euch nichts bringen, wenn ihr einen bekümmerten, freudlosen Hirten habt.
Wenn das jemand kannte, dann war es der Prophet Jeremia. Er hatte keine Freude am Dienst, weil es so viele Konflikte gab. Ständig hatte er Kummer, weil das Volk rebellierte und sich weigerte, sich seiner Botschaft unterzuordnen, obwohl es Gottes Worte waren. In Kapitel 9 sagt er: „O dass mein Haupt zu Wasser würde und mein Auge zum Tränenquell, so würde ich Tag und Nacht die Erschlagenen der Tochter meines Volkes beweinen! O dass ich in der Wüste eine Herberge für Wanderer hätte, dass ich mein Volk verlassen und von ihm wegziehen könnte!“ Er sagt, dass er von diesem Ort am liebsten verschwinden würde — wenn er nur weg könnte — und diese sturen, rebellischen, hartherzigen Menschen verlassen würde. Denn „sie haben ihre Zunge als ihren Bogen mit Lügen gespannt, und nicht durch Wahrheit sind sie mächtig geworden im Land; denn sie schreiten fort von Bosheit zu Bosheit; mich aber erkennen sie nicht!, spricht der HERR.“ Jeremia war der weinende Prophet. Jesus machte die gleiche Erfahrung, so dass er ausrief: „Jerusalem, Jerusalem [...] Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt!“ Und er weinte. Er weinte.
Eine Gemeinde soll also in Frieden mit ihrer Leitung leben. Ihr sollt weder Streit noch Konflikte fördern, sondern euch unterordnen und gehorchen. Die Leitung muss Gott gegenüber Rechenschaft ablegen für das, was sie tut, nicht du. Du sollst nur ihrer Führung treu und gehorsam folgen. Und falls sie die Gemeinde irgendwie in die Irre geführt oder unkluge Entscheidungen getroffen haben, werden sie vor Gott Rechenschaft ablegen müssen, nicht du. Du wirst gesegnet, weil du gehorsam bist. Das gilt natürlich nur, solange es nicht um Sünde geht, denn dann bist du selbst dafür verantwortlich, die Wahrheit der Schrift anzuwenden.
Es ist eigentlich ganz einfach, oder? Wenn die Gemeinde ein überfließender, fröhlicher, gesegneter Ort sein soll, dann müssen die Hirten ihre Pflicht gegenüber den Schafen erfüllen, und die Schafe müssen ihre Pflicht gegenüber den Hirten erfüllen. Das bedeutet, dass du die Hirten schätzt, durch Respekt und Vergütung. Du schätzt sie über alle Maßen in Liebe. So sehr, dass du jedes Opfer für sie bringen würdest. Das bedeutet konkret, dass du sie aufbaust, gut von ihnen redest, sie ermutigst und alles tust, um ihren Dienst positiv zu gestalten. Sie sind nämlich der Segenskanal, den Gott benutzt, um dir die Wahrheit zu bringen. Und drittens ordne dich ihnen unter, damit du die Gemeinde zu einem Ort des Friedens machst, indem du alle Konflikte beseitigt.
Wenn Gemeindeglieder und Hirten so handeln, dann wird die Gemeinde zu dem Ort der Freude und des Friedens, der sie nach Gottes Willen sein soll. Das erinnert mich an die Zeit, als Saul zum König gemacht wurde. Wie es in 1. Samuel 10,26 heißt, ging mit ihm eine Schar von „Tapferen, deren Herz Gott angerührt hatte.“ Die Schrift sagt, dass der Heilige Geist machtvoll über Saul kam, als er erfuhr, dass Nahas dem Volk Gottes Schaden zufügte. Und in Kapitel 11 heißt es dann, dass sie als Ergebnis der Einberufung wie ein Mann auszogen. Hier war eine Gruppe von Männern, deren Herz Gott berührt hatte, und die daraufhin zusammen mit ihrem König wie ein Mann auszogen.
Diese Art von Einssein und Einheit ist das, was Gott in der Gemeinde fordert. Er möchte, dass Hirten und Schafe in vollkommener Harmonie leben. Der Hirte arbeitet fleißig. Er führt, leitet und ernährt. Und die Gemeinde schätzt, unterstützt, liebt und ordnet sich unter. Treue Hirten und treue Gemeindeglieder bringen das Reich Gottes voran und geben Gott die Ehre. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir als Älteste und ihr als Gemeinde etwas anderes tun wollen, als diesen Dingen gehorsam zu sein. Denn nur so erfahren wir die Fülle des Segens Gottes, den er den Gehorsamen verheißt. Lasst uns beten.
Vater, die Zeit verging wie im Flug, und trotzdem haben wir den Eindruck, dass sie für uns alle mit einer Menge direkter und hilfreicher Anweisungen gefüllt war. Vater, ich danke dir für das wunderbare Privileg, in den Dienst berufen worden zu sein, obwohl ich völlig unwürdig bin. Ich danke dir für den besonderen Segen, den diese Gemeinde für mich darstellt. So viele Männer sind nicht so privilegiert, an einem Ort zu sein, wo man sie liebt und wertschätzt, respektiert, entlohnt und sich ihnen unterordnet. Vater, ich danke dir dafür und ich halte das nicht für selbstverständlich. Ich weiß, dass man sich das nicht verdienen oder selbst herbeiführen kann, sondern es wird einem aus Gnade geschenkt. Ich danke dir dafür.
Ich danke dir auch im Namen dieser Gemeinde, dass du ihr im Laufe der Jahre viele treue Hirten geschenkt hast. Diese leiteten sie nicht nur von dieser Kanzel aus, sondern auch in allen anderen Diensten der Gemeinde: in der Kinderarbeit, in der Jugendarbeit, in allen Arten von Diensten für Erwachsene und in der Evangelisation. Vater, du hast viele treue Hirten gegeben, die sich unter den Schafen abgemüht und treu die Aufsicht geführt haben. Du hast uns viele treue Hirten gegeben, die uns im Wort Gottes unterwiesen haben. Und, Vater, wir wollen diese Einheit bewahren im Band des Friedens, das du uns geschenkt hast, indem wir auch weiterhin treu sind. Ich bete für diese Gemeinde, dass du ihre Herzen mit Wertschätzung erfüllst, mit Hochachtung in Liebe für diejenigen, die dienen. Und zwar wegen ihrer Arbeit, nicht wegen ihrer Persönlichkeit oder weil sie sympathisch sind. Und dass du sie dazu bringst, in Gehorsam und Unterordnung ihrer Leitung gegenüber zu leben, damit in dieser Gemeinde große Freude herrscht. Vielleicht kämpft jemand hier unter uns damit, diesen Dingen zuzustimmen, weil in seinem Herzen Bitterkeit ist oder Feindseligkeit, Streit und Rebellion. Dann beten wir, Herr, dass du diese Dinge bereinigst und uns eine süße Harmonie schenkst. Mach alle Hirten und auch die Schafe treu, damit wir dich in dieser Welt richtig vertreten und erfahren, welche Freude der volle Segen mit sich bringt. Mach uns treu, damit wir erfahren, welche Kraft eine so gesegnete Gemeinschaft von Gläubigen in der Welt hat, wenn sie diejenigen erreicht, die unseren Christus so dringend brauchen. Dafür beten wir in Christi Namen zu deiner Herrlichkeit. Amen.
ENDE
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