Nun wenden wir uns wieder dem Wort Gottes zu. Lest mit: Lukas 20, beginnend ab Vers 45.
„Als aber das ganze Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gern im Talar einhergehen und die Begrüßungen auf den Märkten lieben und die ersten Sitze in den Synagogen und die obersten Plätze bei den Mahlzeiten; sie fressen die Häuser der Witwen und sprechen zum Schein lange Gebete; diese werden ein umso schwereres Gericht empfangen!“
Das sind starke, unmissverständliche Worte. Im größeren Kontext der gesamten Schrift sehen wir, dass die Bibel uns von Anfang bis Ende vor falschen Lehrern warnt. Es gab schon immer falsche religiöse Führer, die für Satan arbeiteten. Und es wird sie auch immer geben. Sie handeln aus dem Reich der Finsternis heraus und geben sich dabei als Boten Gottes aus.
In Apostelgeschichte 20 trifft sich der Apostel Paulus mit den Ältesten von Ephesus und sagt zu ihnen: Ich habe drei Jahre lang nicht aufgehört, euch Tag und Nacht unter Tränen zu warnen. Wovor musste er sie warnen? Dass „räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden“. Damit sagt er ihnen, dass sie sowohl von außen als auch von innen Irrlehren erwarten sollen.
In 2. Korinther 11,13-15 schreibt der Apostel Paulus, dass Satan sich als Engel des Lichts verkleidet und so als Stellvertreter Gottes auftritt. Wundert euch also nicht, wenn seine Boten ebenfalls als Engel des Lichts getarnt sind.
Falsche Lehrer kleiden sich immer in die Gewänder Gottes. Sie wollen, dass die Menschen glauben, dass sie Gott repräsentieren und ihn kennen. Man soll ihnen abnehmen, dass sie spirituelle Einblicke, göttliche Wahrheit und Weisheit besitzen, obwohl sie in Wahrheit Abgesandte der Hölle sind. In 1. Timotheus 4 schreibt Paulus an Timotheus, um ihm zu helfen, den Dienst in der Gemeinde zu verstehen: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern“. Hier spricht Paulus von den Irrlehrern der heutigen Zeit, deren Heuchelei und Lüge von dämonischen Geistern und ihren dämonischen Lehren angefeuert wird.
In 2. Petrus 2,1 sagt Petrus: „Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Lehrmeinungen einführen, (...) und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen. Und viele werden ihren verderblichen Wegen nachfolgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. Und aus Habsucht werden sie euch mit betrügerischen Worten ausbeuten; aber das Gericht über sie ist längst vorbereitet, und ihr Verderben schlummert nicht.“
Und natürlich erinnert ihr euch an die Worte des Judasbriefes. „Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, dass ihr für den Glauben kämpft“. Judas sagt ihnen auch, weshalb sie das tun sollen. „Es haben sich nämlich etliche Menschen unbemerkt eingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht aufgeschrieben worden sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher, und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.“
Hütet euch, hütet euch, hütet euch unbedingt vor falschen Lehrern. Denn wie wir in 1. Johannes 2 lesen, gibt es viele Antichristen. Sie sind überall, und ihr, die ihr die Wahrheit kennt, müsst euch vor ihnen schützen.
Nie waren jedoch Irrlehrer aggressiver als während des Dienstes unseres Herrn Jesus Christus. Es ist, als hätte die Hölle in diesen drei Jahren mit geballter Kraft den schwersten Angriff aller Zeiten gegen eine einzige Person gefahren, nämlich gegen den Herrn Jesus Christus. Und das ist ja auch nur zu verständlich. Satan wollte die Pläne Gottes für das Evangelium vereiteln. Dazu musste er alle seine Stellvertreter auf Jesus Christus loslassen. Wer waren diese Stellvertreter der Hölle? Waren es die Kriminellen der damaligen Kultur? Oder waren es die Steuereintreiber, Verräter, Prostituierten, Schläger oder Diebe? Nein. Die Abgesandten und Agenten Satans waren die frommsten und angesehensten religiösen Führer Israels. Es waren die Schriftgelehrten und die Pharisäer, zusammen mit den Sadduzäern und den Herodianern.
Sie alle taten sich gegen Jesus Christus zusammen. Um ihn anzugreifen vereinigten sie all ihre geistlichen Fähigkeiten, die aber dämonischen Ursprungs waren. Ihr Ziel war, ihn zu stürzen und die Pläne Gottes zu vereiteln. Vergiss bitte nicht, dass das Evangelium schon immer am meisten von den Religiösen bedroht wurde. Das traf in der damaligen Zeit insbesondere auf die Pharisäer und die Schriftgelehrten zu. Sie kontrollierten die vorherrschende Religion des Judentums und griffen Jesus unerbittlich an.
Eigentlich kamen sie mit den Sadduzäern nicht zurecht, weil diese eine ganz andere Theologie hatten. Auch mit den Herodianern hatten sie Schwierigkeiten, weil diese politisch waren und Herodes anhingen. Dabei war der nicht einmal ein Jude. Aber trotz ihrer großen Differenzen gelang es der Hölle, sie in einer Sache zusammenzubringen. Sie alle wollten Jesus unbedingt loswerden. Und am Freitag der Passionswoche hatten sie Erfolg, weil Gott es so wollte. Es gelang ihnen, ihn kreuzigen zu lassen.
In Lukas 20 ist es jedoch erst Mittwoch der Passionswoche. Es war ein langer Tag, an dem Jesus im Tempel unter den Menschen war und sie unterrichtete. Außerdem war er in Konfrontationen verwickelt mit den Pharisäern, den Schriftgelehrten, den obersten Priestern, den Sadduzäern und den Herodianern. Diese griffen ihn an, weil er eine solche Bedrohung für das Reich der Finsternis und ihre eigene irdische Position darstellte. Ihr Plan war, ihn öffentlich in Verruf zu bringen, denn dann hätten sie einen triftigen Grund, ihn hinrichten zu lassen. Sie versuchten alles, was in ihrer Macht stand, doch es gelang ihnen nicht.
So lesen wir in Lukas 20,40: „sie getrauten sich nicht mehr, ihn etwas zu fragen.“ Sie sind erledigt. Sie haben alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und nun ist es vorbei. Deshalb stellen sie ihm keine weiteren Fragen. Und wir sehen in Vers 41, dass jetzt Jesus beginnt, die Fragen zu stellen. Barmherzig, mitfühlend und freundlich, wie er ist, geht er nochmals auf die Identität des Messias ein, der nicht nur ein Sohn Davids ist, sondern auch der Sohn Gottes.
Letzte Woche haben wir uns angeschaut, dass Jesus sie in den Versen 41 bis 44 auf Psalm 110 hinweist, in dem David den Messias „mein Herr“ nennt. Der Messias ist also sowohl Davids Sohn als auch Davids Herr. Und deshalb ist er ein Mensch, der zu der Zeit, als David sprach, noch geboren werden muss. Aber zugleich muss er auch Gott sein, der zu der Zeit schon lebte.
Weil Jesus barmherzig ist, bekräftigt er noch einmal seine Gottheit und dass der Messias sowohl Gott als auch Mensch sein muss. In gewissem Sinn vollbringt er hier einen letzten Akt des Mitgefühls. Es ist sein allerletzter Versuch, seine Identität als wahrer Messias, Sohn Davids und Sohn Gottes zu verkündigen.
Und dann ist er fertig mit den Schriftgelehrten, Pharisäern, Sadduzäern und Herodianern. Ab jetzt redet er nicht mehr mit ihnen, sondern nur noch bei seinem Prozess. Er spricht auch nicht mehr zu den Menschen in der Volksmenge. Sondern es heißt in Vers 45: „Als aber das ganze Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern“. Hier findet ein Übergang statt. Die Leute hören zwar immer noch zu, aber er wendet sich ab jetzt nur noch an die Jünger, nicht mehr an die Massen. Dieser Wechsel ist sehr wichtig.
Er hat alles gesagt, was zu sagen ist. Er hat alle Fragen beantwortet, die gestellt werden konnten. Jetzt richtet er seine Unterweisung an die, die ihm immer noch folgen und von ihm lernen wollen. Die Angreifer sind verschwunden, und die Menge löst sich allmählich auf.
Aber bevor er sie verlässt, hat er noch eine allerletzte Botschaft für alle, sowohl für die Jünger, als auch für das Volk. Sie steht in den Versen 46 und 47: „Hütet euch vor den Schriftgelehrten.“ Wenn jemand eine letzte Botschaft verkündet, sollte man sie ernst nehmen. Was ist Jesu letztes Wort an diese Menschen? Es ist eine Warnung. Mehr noch: Es ist sogar eine Verurteilung. Er sagt: Hütet euch vor ihnen, denn sie sind gefährlich und sie „werden ein um so schwereres Gericht empfangen!“ Das ist das Ende von Vers 47. Er warnt die Menschen in sehr starken Worten vor den Schriftgelehrten und spricht Verdammnis über sie aus. Dieser Text ist brandheiß.
Vor einigen Monaten schrieb ich ein Buch mit dem Titel Der Kampf um die Wahrheit. Es ist das letzte Buch in einer ganzen Reihe von Büchern, die ich im Laufe der Jahre über gefährliche Irrlehren in der Gemeinde geschrieben habe. Das Buch Der Kampf um die Wahrheit schrieb ich, um die Irrwege und Gefahren einer neuen Bewegung namens Emergente Gemeinde (Emerging Church) oder emergente Bewegung aufzudecken und sie anhand des Wortes Gottes zu beurteilen.
Der emergenten Bewegung liegt eigentlich ein postmoderner Relativismus zugrunde. Dieser hat einen zerstörerischen Einfluss auf die Gemeinde. Dieser postmoderne Relativismus hat auch unter den so genannten Evangelikalen Einzug gehalten, und nun lehnen diese die lehrmäßige Gewissheit, die Klarheit der Schrift und die Ausschließlichkeit des Evangeliums ab. Ich wiederhole das noch einmal. Kennzeichnend für diese Bewegung ist, dass sie Lehrsicherheit, die Klarheit der Schrift und die Ausschließlichkeit des Evangeliums ablehnen. Das ist Neoliberalismus. Es ist derselbe altbekannte Liberalismus, der die großen Konfessionen in diesem Land zerstörte. Man könnte auch sagen, es ist die alte historisch-kritische Theorie im neuen Gewand. Er ruft zur Kameradschaft und Toleranz mit denen auf, die nicht an das Evangelium glauben und das Christentum erst recht nicht als die wahre Religion ansehen.
Liberalismus preist die Tugenden eines großzügigen, offenen Dialogs anstelle von Dogmatismus. Er ruft zu Respekt, Toleranz und Vielfalt auf. Das Schlagwort der Emergenten Gemeinde ist das Wort „Dialog“. Sie wollen alle einbinden in einen Dialog über ihre unterschiedlichen spirituellen Erkenntnisse.
Einer der Führer des alten Liberalismus war ein Mann namens Harry Emerson Fosdick. Er sagte 1928: „Viele Prediger schwelgen gewohnheitsmäßig in dem, was sie Auslegungspredigten nennen. Sie nehmen einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift und gehen davon aus, dass die Menschen, die an diesem Morgen in die Gemeinde kommen, zutiefst beunruhigt darüber sind, was dieser Abschnitt wohl bedeutet. Und so verbringen sie eine halbe Stunde oder länger damit, den Vers oder das Kapitel historisch zu erläutern, um dann mit einer praktischen Anwendung für die Zuhörer zu schließen.
Ist irgendein Vorgehen noch mehr zu Langeweile und Sinnlosigkeit prädestiniert? Wer nimmt denn ernsthaft an, dass auch nur eins von hundert Gemeindemitgliedern sich damit beschäftigt, was Mose, Jesaja, Paulus oder Johannes in diesen speziellen Versen gemeint haben, oder dass jemand mit diesem Anliegen in die Gemeinde kommt? Niemand sonst, der sich an die Öffentlichkeit wendet, geht derart davon aus, dass die Menschen ein lebhaftes Interesse an der Bedeutung von Worten haben, die vor zweitausend Jahren gesprochen wurden.“
Deshalb sagt Fosdick 1928 voraus: „Die Zukunft gehört einer Art von Predigt, die man am besten als ein Abenteuer des kollegialen Denkens beschreiben kann.“ Er sprach also schon 1928 vom Dialog, dem „Abenteuer des kollegialen Denkens“.
Erst kürzlich, im Jahr 2005, sagte Doug Pagitt, einer der Führer der entstehenden Bewegung: „Unsere Predigten sind nicht so sehr Lektionen, die den Glauben genau definieren, sondern vielmehr Geschichten, die unsere Hoffnungen und Ideen und unsere Beteiligung willkommen heißen.“ Mit anderen Worten, lasst uns Dialoge mit Menschen führen, die anderer Meinung sind, oder die eine andere Religion haben. Wir lassen jeglichen Dogmatismus und jegliche Verurteilung beiseite und führen Dialoge.
Brian McLaren, der wahrscheinlich führende Autor der Emergenten Bewegung, hat ein neues Buch mit dem Titel veröffentlicht Die geheime Botschaft von Jesus: Die Wahrheit, die alles verändern könnte. So etwas ist immer beängstigend. Jesus hat keine geheime Botschaft. Er hat seine Botschaft offenbart. Trotzdem sagt McLaren in dem Buch Die geheime Botschaft von Jesus: „In einer Zeit des globalen Terrorismus und der zunehmenden religiösen Konflikte bedeutet es etwas, dass alle Muslime Jesus als großen Propheten betrachten, dass viele Hindus bereit sind, Jesus als legitime Manifestation des Göttlichen zu sehen, dass viele Buddhisten Jesus als einen der erleuchtetsten Menschen der Menschheit ansehen und dass Jesus selbst Jude war.“ Damit sagt er: „Ist das nicht toll? Wir alle mögen Jesus. Lasst uns also mit dem Dialog beginnen.“
Er fährt fort: „Eine gemeinsame Aufarbeitung der Botschaft Jesu könnte einen einzigartigen Raum oder eine gemeinsame Basis für den dringend benötigten religiösen Dialog bieten. Und es scheint nicht übertrieben zu sagen, dass die Zukunft unseres Planeten von einem solchen Dialog abhängen könnte.“ Um den Planeten zu retten, schieben wir also alle unsere lehrmäßigen Differenzen zur Seite, und die Menschen lassen wir zur Hölle fahren.
Sein letzter Kommentar lautet: „Diese Neubewertung der Botschaft Jesu ist vielleicht das einzige Projekt, das eine Reihe von Religionen, einschließlich des Christentums, retten kann.“ Nach ihm müssen wir also alle die geheime Botschaft Jesu finden, die zweifellos in unserem spirituellen Seelenleben verborgen ist. Und anstatt diese anderen Religionen zu verurteilen, müssen wir uns hinsetzen und einen Dialog führen und von ihrer Spiritualität und ihrem Gott in ihnen lernen.
Ein weiterer prominenter Vertreter der Emergenten Bewegung ist der sehr beliebte Redner Tony Campolo. Tonys eigene Worte geben euch eine Vorstellung, wohin diese Bewegung unterwegs ist. Normalerweise lese ich so etwas nicht, aber ich denke, es ist sehr hilfreich, um zu verstehen, was passiert. Er sagt Folgendes: „Wir müssen einander Respekt erweisen und miteinander in dem Bewusstsein sprechen, dass auch Menschen, die sich nicht bekehren, Gottes Volk sind und von Gott geliebt werden, und dass nicht wir darüber entscheiden, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt.
Ich glaube, dass wir alle das Urteil Gott überlassen müssen. Was z. B. die Muslime nicht tun werden, ist, Juden und Christen zur Hölle zu verdammen, wenn sie sich nicht zum Islam bekehren. Der Islam ist viel gnädiger evangelikalen Christen gegenüber, die dem Neuen Testament treu sind, als Christen es gegenüber islamischen Menschen sind, die dem Koran treu sind.“ Das ist eine interessante Wendung. Offensichtlich hat er die Zeitungsberichte über die Massaker an Christen im islamischen Umfeld nicht gelesen.
Aber der dahinterliegende Gedanke ist, dass wir einfach großzügig zu allen sein müssen. Er fährt fort: „Mohammed verstand sehr gut, dass im Christentum viel Wahrheit steckt. Er unterschied sich von uns insofern, als er meinte, er habe eine vollständigere Wahrheit, an die der Islam sich halte. Doch Mohammed vertrat die Ansicht, dass wir letztlich nach der Wahrheit beurteilt werden, die uns zur Verfügung steht. Ich denke, es gibt muslimische Brüder und Schwestern, die bereit sind zu sagen: Du lebst nach der Wahrheit, wie du sie verstehst, ich werde nach der Wahrheit leben, wie ich sie verstehe, und wir werden es am Tag des Gerichts Gott überlassen. Ich muss glauben, dass Jesus der einzige Retter ist, aber Christ zu sein ist nicht der einzige Weg, um gerettet zu werden.“
Weiter sagt er: „Unsere muslimischen Brüder und Schwestern sagen, dass der Islam der einzig wahre Glaube ist. Aber trotzdem sind sie nicht davon überzeugt, dass nur Muslime das Heil erfahren. Ich (Campolo) bin nicht davon überzeugt, dass die Gnade Gottes nicht weiter reicht als die christliche Gemeinschaft. Wir müssen zugeben, dass wir unterschiedliche Dinge glauben. Aber es gibt so viel Gutes in der islamischen Gemeinschaft, das man nicht ignorieren kann. Mir scheint, wenn ich den muslimischen Mystikern zuhöre, wie sie über Jesus und ihre Liebe zu ihm sprechen, dann stehen sie dem neutestamentlichen Christentum viel näher als viele der Christen, die ich höre.“
Anders ausgedrückt sagt er, dass wir in einer mystischen Spiritualität eine gemeinsame Basis finden können, auch wenn wir theologisch nicht übereinstimmen. Wir können gemeinsam beten, indem wir uns mit einem Gott verbinden, der unsere theologischen Unterschiede überwindet. Ohne Klarheit in der Lehre kann man mit allen Religionen einen Dialog führen.
Im Januar 2006 traf sich die Emergent USA Group mit Synagogue 3000 zu einem 24-stündigen interreligiösen Gespräch. Dabei ging es um Themen wie heilige Gemeinschaft, Lernen und Gottesdienst. Ein jüdischer Blog namens Synablog berichtete folgendermaßen über die Ereignisse:
„Synagogue 3000 identifizierte ein zeitgenössisches jüdisches religiöses Phänomen, das als 'Jewish Emergent' bezeichnet wird. Diese Woche berief Synagogue 3000 zum ersten Mal eine „Arbeitsgruppe für emergente heilige Gemeinschaften“ ein. Darin vertreten sind visionäre jüdische Führungspersönlichkeiten. Sie setzen sich für die Gründung von emergenten heiligen Gemeinschaften ein, die nicht an die konventionellen Erwartungen an eine Synagoge gebunden sind.“ Das Motto der Emergenten Gemeinde war bisher, Gemeinden zu schaffen, die nicht an die herkömmliche Vorstellung von einer Gemeinde gebunden sind. Nun stoßen die Juden dazu, die nicht an die konventionellen Vorstellungen von der Synagoge gebunden sein wollen.
„Um das Gespräch zu bereichern, lud Synagogue 3000 die Mitglieder der Arbeitsgruppe zu einem Gedankenaustausch mit vorwärts denkenden christlichen Führungspersönlichkeiten von Emergent USA ein. Das Treffen der „Arbeitsgruppe für emergente heilige Gemeinschaften“ war das erste Mal, dass Emergent USA mit einer religiösen Gruppe außerhalb des christlichen Glaubens zusammenkam. Es war aufregend, inspirierend und historisch.“
Für emergente Menschen ist das ein perfektes Umfeld. Man geht dorthin und lernt etwas über die Spiritualität der Anderen und ihr Wissen über Gott. Man führt einen Dialog mit den Anhängern des Judentums, des Islams, des Mormonentums, des römischen Katholizismus, der griechisch-orthodoxen Religion oder der Zeugen Jehovas. Und daraus ergibt sich eine Art Erleuchtung.
Als ich nun das Buch „Der Kampf um die Wahrheit“ schrieb, war ich neugierig, wie die Reaktion darauf ausfallen würde. Und es verwunderte mich nicht, dass die Leute aus der Emergenten Gemeinde es nicht mochten. Ihre Resonanz war folgende: „Das Buch spaltet. Das Buch ist lieblos. Das Buch ist intolerant.“ Und sie warfen mir an den Kopf: Wenn mir die Menschen wirklich am Herzen lägen und wenn ich den Geist Jesu wirklich hätte, dann würde ich mich demütig am Dialog beteiligen.
Denn dann würde ich die nützlichen spirituellen Erkenntnisse anderer Religionen offen annehmen. Ich solle daher den Dialog suchen, nicht verurteilen.
Nun, als Antwort auf diese Kritik möchte ich nur eine einzige Frage in den Raum stellen. Und zwar Folgende: Wie ging Jesus mit denen um, die nicht an die Wahrheit glaubten? Wie ging er mit denen um, die total religiös waren und die Spiritualität zum Gipfel der menschlichen Erfahrung machten? Wie ging er mit den religiösen Führern um? Führte er einen Dialog? Oder verurteilte er sie?
Ich will einfach das tun, was Jesus getan hat und Jesus ließ sich eindeutig nicht auf eine postmoderne Konversation ein. Er führte keinen abstrakten relativistischen Dialog über spirituelle Themen. Er warf auch nicht mit vieldeutigen Ideen über Gott und über sich selbst als Christus um sich.
Hier sind die letzten Worte unseres Herrn über jüdische Führer. Beachtet, dass es sich bei ihnen um religiöse jüdische Führer handelte und nicht um Ungläubige. Und eigentlich sagt er nichts Neues. Geht zurück zu Lukas 11,37. Dort heißt es: „Und während er redete, bat ihn ein gewisser Pharisäer, bei ihm zu Mittag zu essen.“ Das ist die perfekte Gelegenheit, um in einem informellen Rahmen ein Gespräch zu führen. Es handelt sich nicht um eine Synagoge, eine Predigt oder eine öffentliche Versammlung im Tempel. Sondern es ist einfach ein Mittagessen im Haus des Pharisäers, an dem wahrscheinlich noch einige andere Pharisäer teilnahmen.
„Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch. Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er sich vor dem Mittagsmahl nicht gewaschen hatte.“ Er sah, dass Jesus die pharisäische Vorschrift für eine zeremonielle Waschung nicht befolgte, sondern sich einfach hinsetzte und aß.
„Da sprach der Herr zu ihm: Nun, ihr Pharisäer ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit.“ Das ist ein sehr kurzer Dialog. Und um es noch schlimmer zu machen, sagt er dann in Vers 40: „Ihr Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere schuf, auch das Innere gemacht? Gebt vielmehr Almosen von dem, was drinnen ist, und siehe, alles ist euch rein.
Aber wehe euch Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht! Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen! Wehe euch Pharisäern, dass ihr den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten liebt! Wehe euch, (...) dass ihr wie die unkenntlich gewordenen Gräber seid, über welche die Leute dahingehen, ohne es zu wissen.“ Jesus verdammt sie und sagt: Verflucht seid ihr, ihr werdet geschändet werden. Das nenne ich mal eine Unterhaltung.
In Lukas 12,1 kommt diese riesige Menschenmenge zusammen. Und es sind so viele, dass sie „aufeinander traten“. Und Jesus beginnt, „zuerst zu seinen Jüngern zu sprechen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher die Heuchelei ist. Es ist aber nichts verdeckt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das nicht bekannt werden wird.“ Er sagt zu ihnen: „Heuchler verbergen Dinge, aber ich werde ihre Heuchelei entlarven.“
Der vorliegende Text aus Lukas 20 hat eine kurze Parallelstelle in Markus 12. Die andere Parallestelle in Matthäus 23 umfasst ein ganzes Kapitel. Dort haben wir einen vollständigen Bericht der scharfen Tirade, mit der Jesus die falschen religiösen Führer anprangert.
Denn es geht ihm nicht um Zusammenarbeit oder einen Dialog. Sondern er konfrontiert und verurteilt sie. Trotzdem hat er Mitgefühl mit ihnen. Erinnert ihr euch noch daran, wie er in Lukas 19,41 weinte, als er in die Stadt kam? Und gerade vorhin sprachen wir davon, wie er ihnen doch noch ein letztes Mal erklärte, dass er der Messias ist, der Sohn Davids und Gottes Sohn. Die Barmherzigkeit, mit der er sich um sie bemüht, ist nicht zu übersehen. Obwohl es für ihn sehr traurige Tage sind, lädt er sie voller Mitgefühl zum Glauben ein. Aber als die Zeit des Mitgefühls abgelaufen ist, hören die Einladungen auf und die Verurteilung kommt.
Ich möchte den heutigen Text im Hinblick auf 3 Punkte besprechen. Zunächst die Warnung, dann die Charakterisierung und zum Schluss die Verurteilung. Jeder, der eine verdrehte Sichtweise von Jesus Christus und dem Evangelium hat, steht unter der Verdammnis. 1. Johannes 2 sagt es folgendermaßen: Wer nicht an den Herrn Jesus Christus glaubt, kennt den Vater nicht.
Deshalb lautet Jesu Warnung im Matthäusevangelium: „Hütet euch vor den Schriftgelehrten und Pharisäern.“ Schriftgelehrte waren Pharisäer. Zwar waren nicht alle Pharisäer Schriftgelehrte, aber alle Schriftgelehrten waren Pharisäer. Sie waren die Experten in Sachen Recht.
Die Juden hatten sogar ein Sprichwort. Der Spruch lautete: „Mose empfing das Gesetz und gab es Josua. Josua empfing das Gesetz und gab es den Ältesten. Die Ältesten empfingen das Gesetz und gaben es den Propheten. Die Propheten empfingen das Gesetz und gaben es den Pharisäern und Schriftgelehrten.“ Die Pharisäer sollen das Gesetz Gottes bewahren. Sie sind als Anwälte Israels die Experten für das Gesetz. Aber vor allem sind sie eine gesetzliche, selbstgerechte Sekte.
Denkt daran, dass Israel zu der Zeit ein theokratisches Königreich ist. In ihm werden alle Gesetze als Gesetze Gottes angesehen, nicht nur die biblischen Gesetze, sondern auch die Traditionen, die im Laufe der Jahre zu Gesetzen geworden waren. Das gesamte Gesetzeswerk wurde als theokratisch betrachtet. Es war alles das Gesetz Gottes.
Die Rechtskundigen in Israel gaben also nicht nur Einblick in die Bedeutung der Heiligen Schrift. Sondern sie legten das Gesetz auch im Hinblick auf dessen Anwendung aus. Sie waren die dominierende Kraft im Judentum, nicht nur in religiöser, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Als Anwälte kümmerten sie sich um alle Rechtsangelegenheiten der Menschen wie Immobilien, Nachlässe, Verträge oder Beschlüsse. Das ist heute nicht viel anders.
Auch heute landen letztlich alle Rechtsangelegenheiten in den Händen von Anwälten. Und damals waren das die Schriftgelehrten. Aber aus ihrer Sicht war alles, was sie taten, unantastbar. Sie sahen sich als Verwalter Gottes. Somit war für sie jedes Urteil, das sie fällten, oder jede Position, die sie einnahmen, eine Repräsentation Gottes und seines Willens.
Als solche Vertreter Gottes besaß ihr Wort ein enormes Gewicht und sie genossen großes Vertrauen. Und weil es nur die Schriftgelehrten gab, die sich um all ihre Angelegenheiten kümmern konnten, konnten sich die Menschen auch nirgendwo anders hinwenden. Und nun warnt Jesus sie vor genau diesen Schriftgelehrten. Seine Warnung gilt dabei sowohl der Menge als auch den Jüngern, prosechete apo, „hüte dich, bewahre dich vor“.
Wie soll das gehen, wo die Schriftgelehrten doch in allem ihre Finger drin haben? Wie sollen sie sich aus diesem theokratischen Umfeld befreien, in dem die Schriftgelehrten in allem ihren Willen durchsetzen? Das Letzte, was Jesus über die Schriftgelehrten sagen würde, wäre, dass sie eigentlich gute Menschen mit religiösen Absichten und ein paar spirituellen Einsichten sind. Er würde niemals zum Dialog mit ihnen aufrufen. Sondern im Gegenteil. Er sagt: Stoßt sie weg, nehmt Abstand von ihnen. Wie in Judas 23 geschrieben steht: Euer Gewand wird befleckt, und ihr werdet euch verbrennen, wenn ihr ihnen zu nahe kommt.
Warum sind die Schriftgelehrten eine solche Bedrohung? Jesus warnt vor ihnen, weil sie Gott nicht kennen und ihn nicht fürchten. Ihnen fehlt es an geistlicher Weisheit und deshalb sind sie zerstörerisch. Sie sind Agenten des Satans, die ausgesandt wurden, um die Absichten Gottes zu bekämpfen.
Falsche Religion bezähmt niemals das Fleisch. Verstehst du das? Das ist etwas so Grundlegendes, dass ich im Laufe der Jahre schon oft darauf zurückkam. Diese Menschen verhalten sich wie die schlimmsten der Unbekehrten, nur dass es an der Oberfläche nicht sichtbar ist. Falsche Religion kann das verdorbene Herz nicht zähmen. Das verdorbene Herz kann nur durch Wiedergeburt unterworfen werden, und das geschieht nur durch die Wahrheit des Evangeliums. Die Schriftgelehrten werden also äußerlich immer das eine und innerlich etwas völlig anderes sein. Hüte dich vor ihnen. Sie sind nicht gottesfürchtig und haben geistlich nichts zu bieten. Du hast keinen Nutzen von ihnen. Stattdessen sind sie gefährlich, zerstörerisch und tödlich. Komm ihnen nicht zu nahe, sonst wirst du angesengt und befleckt. Halte Abstand.
Deshalb heißt es am Anfang der Psalmen in Psalm 1, wo die Grundlagen gelegt werden: „Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen“. Hab keine Gemeinschaft mit ihnen.
Jesus charakterisiert in Lukas 20,46 die Schriftgelehrten folgendermaßen: „Die gern im Talar einhergehen und die Begrüßungen auf den Märkten lieben und die ersten Sitze in den Synagogen und die obersten Plätze bei den Mahlzeiten; sie fressen die Häuser der Witwen und sprechen zum Schein lange Gebete“. Wow. In einem Wort zusammengefasst bezeichnet er sie als Heuchler. Alle Menschen in einer falschen Religion sind Heuchler. Sie kennen Gott nicht. Nur durch Christus kann man dorthin gelangen, Gott zu kennen. Unser Herr nimmt kein Blatt vor den Mund, um das Wichtigste ganz klar auszudrücken: dass sie alle geistliche Schwindler und Betrüger sind.
Seine Zuhörer hatten sich sehr an die Heuchler und ihr Tun gewöhnt. Ich möchte auf sechs dieser Dinge genauer eingehen. Erstens liefen sie gerne in langen Gewändern herum. Das griechische Wort ist stolē, von dem das alte Wort Stola stammt. Das ist ein Gewand, das bis zum Boden reicht. Und sie begannen, Gewänder zu entwerfen, die sich von den Gewändern anderer Leute stark unterschieden. Ihre Gewänder wiesen bestimmte Markierungen und andere ausgefallene Sachen auf. Diese einzigartigen Gewänder waren sehr teuer und sollten sie als heilige Leute ausweisen.
Sie „machen die Säume an ihren Gewändern groß“, heißt es in Matthäus 23,5. Das kommt aus dem Alten Testament. Dort hatte Gott in 4. Mose 15,38-40 angeordnet, dass die Juden kleine Quasten am unteren Ende ihres Gewandes anbringen sollten. Dieses wunderbare kleine Symbol sollte sie überall, wo sie hingingen, an das Gesetz Gottes erinnern. Selbst Jesus hatte solche Quasten an seinem Gewand, wie es in Matthäus 9,20 beschrieben wird. So wurde es eben gemacht.
Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer verlängerten die Quasten, nicht um eines besseren Gedächtnisses willen, sondern weil sie damit prunken wollten. Sie versuchten nicht, die Aufmerksamkeit auf Gott und sein Wort zu lenken, sondern auf sich selbst, als ob sie heilig wären. Es war eine Möglichkeit, sich zu positionieren, um das zu erreichen, was sie wollten. Und was sie wollten, war, sich in das Leben der Menschen einzumischen, um sie für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. Anstatt ihr Gewand als Zeichen der Unterwerfung unter Gottes Gesetz zu betrachten, hatten die Schriftgelehrten diese Art von Gewändern entwickelt, die nur ihnen selbst Status verleihen sollten.
Daran denke ich jedes Mal, wenn ich heute jemanden in irgendeinem lächerlichen religiösen Gewand sehe, der umherstolziert und so tut, als sei dies ein Zeichen für größere Heiligkeit.
Zweitens liebten die Schriftgelehrten respektvolle Begrüßungen auf dem Marktplatz. Sie wollten in der Öffentlichkeit mit einem würdigen Titel angesprochen werden. Matthäus 23,7 beschreibt ausführlich, dass sie die Anrede „Rabbi“ bevorzugten. Die deutsche Bedeutung von „Rabbi“ ist so viel wie „erhabener Lehrer, Exzellenz, der Wissendste, der Weiseste“. Das war ihr Ziel, so wollten sie genannt werden. Das wäre in etwa so, als würde man heute jemanden „Herr Doktor“ nennen. Dadurch waren sie in der Gesellschaft ganz oben.
In der Tat war man, wenn man „Rabbi“ genannt wurde, so erhaben, dass im Talmud, im Sanhedrin 88 folgendes steht: „Es ist strafwürdiger, gegen die Worte eines Schriftgelehrten zu handeln als gegen die Worte der Schrift.“
Dann wollten sie auch „Vater“ genannt werden. Deshalb sagt Jesus in Matthäus 23,9: „Nennt auch niemanden auf Erden euren Vater; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.“ „Vater“ bedeutet „Quelle“. Sie wollten in ihrer Weisheit nicht nur erhaben sein, sondern sogar die Quelle des geistlichen Lebens und der geistlichen Wahrheit. Sie wollten Vater, Stammvater und Schöpfer sein.
Sie trugen also schicke Gewänder und nahmen großmächtige und scheinheilige Titel an. Sie ließen sich „Vater“ nennen, als ob sie die Quelle des geistlichen Lebens wären. Darüber hinaus wollten sie „Meister“ genannt werden, in Vers 10. „Auch sollt ihr euch nicht Meister nennen lassen, denn einer ist euer Meister, der Christus.“ Nennt euch lieber „Diener“.
Sie wollten aber „Meister“ genannt werden. Denn das ist schließlich derjenige, der den Kurs vorgibt und damit das Schicksal bestimmt. Falsche Lehrer sind niemals demütig, obwohl sie eine Fassade der Bescheidenheit besitzen können. Aber vergiss nicht, das Stolzeste, was man tun kann, ist, die Wahrheit abzulehnen und sich gegen Gott und sein Wort zu stellen. Und wer die Bibel ablehnt, lehnt das Evangelium ab. Das ist der ultimative Akt des Stolzes.
Drittens liebten sie nicht nur „die Begrüßungen auf den Marktplätzen“, sondern sie liebten auch „die ersten Sitze in den Synagogen.“ Dafür hatten sie an der Vorderseite der Synagoge erhöhte Plattformen. Dort saßen die wichtigen Schriftgelehrten und Pharisäer, die als Experten für das Gesetz anerkannt waren. Schriftgelehrte, die von ihrem eigenen Ort zu Besuch in eine andere Synagoge kamen, erwarteten, dass man sie auf den erhöhten Platz geleiten würde.
Versteht ihr langsam, worum es hier geht? Jetzt wisst ihr, warum ich nicht „Herr Doktor“ genannt werden möchte, warum ich keine Robe trage und nicht auf dem Podest sitze. Das ist eine Art und Weise, sich von all dem fernzuhalten.
Und viertens liebten sie Ehrenplätze bei Banketten. Sie wollten am liebsten bei jedem besonderem Anlass den Ehrenplatz neben dem Gastgeber haben. Damit würden sie nämlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und die größte Ehre empfangen. Das zeigt, worum es ihnen eigentlich ging. Es ging nur um ihren Stolz. Alle vier Dinge haben etwas mit Stolz und Erhöhung zu tun. Und wie bei allen falschen religiösen Führern war das ihr Bestreben.
Der fünfte Punkt geht in eine etwas andere Richtung. In Vers 47 heißt es: „sie fressen die Häuser der Witwen“. Was ist damit gemeint? Zuallererst müssen wir beachten, dass das griechische Verb für „fressen“, das griechische Verb esthiō ist, ein sehr starkes Verb. Wörtlich heißt es „essen“, aber die metaphorische Bedeutung ist „fressen oder verschlingen“.
Aber hier haben wir katesthiō. Wenn man eine Präposition an den Anfang setzt, verstärkt das immer das Verb. Es bedeutet also „völlig verzehren, plündern, auffressen“ und somit „fressen“ im engsten Sinne. Das heißt, dass sie es auf die Wehrlosesten abgesehen hatten. Wie die Irrlehrer, über die Paulus an Timotheus schreibt, waren sie hinter törichten Frauen her. Die waren schutzlos und schwach und am leichtesten zu kriegen. Darum fraßen sie die Häuser der Witwen.
Eigentlich sollten Witwen aber doch geschützt werden, oder nicht? Schließlich sagt Jakobus, dass schon im Alten Testament die reinste Form von Gottesdienst beinhaltete, sich um die Witwen zu kümmern. Schriften wie 2. Mose 22,21, 5.Mose 10,18, Maleachi 3,5 fordern das Volk Gottes auf, für Witwen zu sorgen. Und obwohl Gott sich um Witwen kümmert, fressen diese Schriftgelehrten ihre Häuser auf.
Wie machen sie das? Vergesst nicht, dass sie die Anwälte des Systems waren. Wenn also eine Witwe jemanden brauchte, der sie und ihr Eigentum beschützte, wandte sie sich an einen Anwalt. Sie ging davon aus, dass dieser sie beschützen würde. Zu den Praktiken der Anwälte gibt es eingehende Untersuchungen und ich möchte kurz auf ein paar davon hier eingehen.
Zunächst einmal nahmen die Anwälte von den Witwen verbotenerweise Bezahlung für sich selbst. Eigentlich galt für einen wahren Rabbiner in Bezug auf Witwen der Kodex, dass er ihr sein Wissen ohne Gegenleistung anbot. Aber daran hielten sie sich nicht. Stattdessen stellten sie den Witwen horrende Summen für ihre Weisheit in Rechnung. Und diese waren machtlos dagegen.
Zweitens betrogen sie Witwen um ihr Vermögen, indem sie unter dem Vorwand, Rechtschutz zu bieten, Intrigen gegen sie spannten. So fraßen sie buchstäblich das Vermögen der Witwen auf.
Drittens nutzten sie die Gastfreundschaft von Witwen aus, indem sie Zimmer, Verpflegung und Essen in Anspruch nahmen. Es gibt einige Berichte über Völlerei und übermäßigen Alkoholkonsum, alles auf Kosten von armen Witwen.
Oder sie verwalteten das Vermögen der Witwen falsch und unachtsam, so dass eine Witwe ihretwegen bettelarm wurde. Eine der beliebtesten Methoden war, älteren Witwen Geld abzunehmen die geistig nicht mehr auf der Höhe waren, und überhaupt diejenigen auszunutzen, die verstandesmäßig nicht in der Lage waren, sich zu wehren.
Und vermutlich das Schlimmste war, dass sie die Schulden der Witwen anhäuften, bis diese zu guter Letzt nicht mehr zahlen konnten. Dann warfen sie die Witwe aus ihrem Haus hinaus, das sie als Bürgschaft für die Schulden hinterlassen hatte. So fraßen sie die Häuser der Witwen.
Deshalb charakterisiert Jesus die Schriftgelehrten in Lukas 11,39 mit den folgenden Worten: „euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit.“ Und in Lukas 16,14 nennt Lukas „die Pharisäer, geldgierig“.
Das, was sie auszeichnete, waren also Stolz und Gier. Und auch das ist typisch für Irrlehrer. Das Ziel ihres Tuns ist schmutziger Profit, und dafür betrügen sie die hilflosesten und wehrlosesten Menschen. Aber sich selbst erhöhen sie und geben sich einen Anstrich von Spiritualität.
Dem Herrn sei Dank gibt es heute integre christliche Anwälte, die so etwas nicht tun, auch wenn es sonst unter Anwälten teilweise immer noch so gehandhabt wird. Aber weißt du was? Es gibt auch unter den Evangelisten falsche religiöse Lehrer, die den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. In der dritten Welt machen falsche Religionen Jagd auf Menschen, die ohnehin schon bitterarm sind. Die jüngste Episode dieser Entwicklung spielt sich übrigens in Afrika ab. Dort verzeichnen falsche Lehrer mit ihren Versprechen von Gesundheit, Reichtum und Wohlstand große Erfolge. Damit ködern sie eine hoffnungslos arme Bevölkerung, die keine Zukunft sieht und in gewisser Weise wehrlos ist.
Ein Beispiel dafür ist Lagos in Nigeria. Dort gibt es eine Gemeinde, in der solche Dinge verkündet werden. In dieser Gemeinde sind 54 000 Menschen, die im Namen Jesu gelehrt werden, dass sie dem Anführer ein Monatsgehalt bezahlen müssen, um Gesundheit, Reichtum und Wohlstand zu ernten. Auf diese Weise werden die Armen und Wehrlosen ausgebeutet und misshandelt. Das breitet sich in ganz Afrika aus, so dass dort im Namen des sogenannten Wohlstandsevangeliums die größten Gemeinden der Welt gebaut werden. In einem System, das nur den Mann an der Spitze reich macht, beuten sie die armen Menschen aus, die keine Hoffnung haben.
Falsche Lehrer sind also stolz und habgierig, aber nicht alle in gleichem Maße. Und sechstens sprachen die Schriftgelehrten „zum Schein lange Gebete“. An einem langen Gebet ist an und für sich nichts auszusetzen. Ich habe selbst habe manchmal lange gebetet. Aber es ist falsch, nur zum Schein zu beten, um gesehen zu werden. Diese Art des Betens war so charakteristisch für die falschen Führer.
Erinnert euch an Matthäus 6,5-6, wo Jesus das in der Bergpredigt verurteilt. Dort sagt er: „Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; sie stellen sich gern in die Synagogen und an den Straßenecken auf und beten, um von den Leuten bemerkt zu werden.“ Sie sind geistliche Betrüger und Schwindler, die die Menschen unter einem Vorwand ausnutzen.
Übrigens ist das griechische Wort für „unter einem Vorwand“ sehr interessant. Es ist das Wort prophasei und bedeutet: „das, was in den Vordergrund gestellt wird, um den wahren Zustand der Dinge zu verbergen“. Das trifft es genau. Die Schriftgelehrten verbergen die Realität dessen, was sie sind. Die langen Gebete sind wie ein trügerischer Mantel, den sie tragen. Das ist ein Spiel, das alle falschen Lehrer spielen. Auch in Matthäus 23,25 geht es um diese Art von Heuchelei. Jesus spricht von den religiösesten Menschen in Israel, als er sagt: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reinigt, inwendig aber sind sie voller Raub und Unmäßigkeit! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde! Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr getünchten Gräbern gleicht, die äußerlich zwar schön scheinen, inwendig aber voller Totengebeine und aller Unreinheit sind! So erscheint auch ihr äußerlich vor den Menschen als gerecht, inwendig aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.“
Wir haben heute Evangelikale, die sagen: Wir müssen uns mit Israel zusammentun, weil sie das Volk Gottes sind. Wir müssen unsere geistlichen Erkenntnisse mit ihnen teilen. Aber das stimmt nicht. Jesus führte mit den religiösesten Menschen Israels keinen Dialog. Sondern er sprach ein Urteil über sie aus. In Matthäus 23,15 verdammt und verflucht er sie, indem er spricht: „Wehe“. Und in Vers 16 wieder: „Wehe“. In den Versen 23, 25, 27, 29, „Wehe, wehe, wehe, wehe“. Das kündigt ein entsetzliches, erschreckendes Gericht über sie an und in Vers 33 wird er noch direkter: „Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen?“ Das ist eine Verurteilung, kein Dialog.
Kehren wir nun zu Lukas 20 zurück, zu den letzten Worten des Kapitels. Nach der Warnung und der Charakterisierung folgt nun die Verurteilung. „Diese werden ein umso schwereres Gericht empfangen!“ Der Schlüssel zum richtigen Verständnis dafür ist, dass sie wegen ihrer Religiosität ein größeres Gericht empfangen werden und nicht ein kleineres. Der Herr wird sie nicht aufgrund ihrer Religiosität und Moral plötzlich lieben, weil Gott ja alle Religionen liebt und alle Religionen Gott lieben.
Nein, sondern er verurteilt sie wegen ihrer Religiosität zu einer noch härteren Strafe. Das Wort für größer ist: perissoteron. Es ist ein vergleichendes, krima, Urteil. Perissoteron bedeutet: „eine weitaus größere, eine übermäßige, eine reichlichere“ oder „eine außergewöhnliche“ Verurteilung. Es ist also eine Verurteilung, die über das Übliche hinausgeht. Religiöse Menschen, die nach ihrer eigenen Wahrheit leben, sind weit davon entfernt, Gott zu gefallen. Stattdessen werden sie noch mehr verurteilt. Hebräer 10,29-31 sagt, dass dies vor allem zutrifft, wenn sie das Blut des Bundes mit Füßen getreten und als etwas Unheiliges angesehen und Christus verworfen haben.
Der Gedanke hier ist eindeutig. Wer der falschen Religion angehört, wird verurteilt werden. Er wird in der Hölle weitaus größeres Leid und mehr Verdammnis erfahren. Sei deshalb gewarnt vor den falschen Führern. Sie sind gefährliche Heuchler und verdienen es, verurteilt zu werden. Haben sie trotzdem unser Mitgefühl verdient? Ja. Haben sie das Evangelium verdient? Ja, unbedingt. Wir bringen ihnen das Evangelium und beten für ihre Errettung. Wir trauern um sie. Aber letztlich haben wir von falschen Lehrern oder falschen Religionen nichts zu lernen. Und sie müssen wissen, dass sie unter dem Urteil göttlicher Verdammnis stehen. Das ist so wichtig, um ihrer selbst willen und um derer willen, die vor ihnen geschützt werden müssen. Lasst uns beten.
Herr, wir können dir nur danken, dass dies in der Heiligen Schrift steht. Denn wenn wir unabhängig von der klaren Lehre der Schrift so reden würden, würden die Menschen das vielleicht nicht ertragen. Aber wir wissen, dass es deine Gedanken sind, weil du es in deinem Wort geschrieben hast. Herr, wir sind traurig und weinen über diejenigen, die Teil dieser falschen Systeme sind. Wir wollen barmherzig sein und ihnen die Wahrheit verkünden. Und selbst diese Botschaft von der drohenden Verurteilung ist eine Gnade für jeden Irrlehrer, der sie hört. Wir müssen sie warnen. Und ebenso müssen wir diejenigen warnen, die von ihnen verführt werden könnten und unter dieselbe Verurteilung kommen.
Wir danken dir für diese gnädige und barmherzige Warnung. Wir danken dir, Herr, für die Wahrheit. Wir danken dir, weil wir, die wir dich kennen, allein durch deine Kraft und deinen Geist zur Wahrheit gekommen sind. Wir alle wollen herausfinden, was du in der Heiligen Schrift durch Mose, Jesaja, Paulus und Johannes sprichst. Wir wollen mit niemandem einen Dialog führen, außer mit dir. Wir wollen auch niemandem Rede und Antwort stehen, sondern wir wollen nur, dass du sprichst.
Wir selbst haben nichts zu sagen oder zu bieten. Wir können dein Wort nicht übertreffen. In keinem Dialog mit irgendjemandem werden wir eine bessere Erkenntnis finden, vor allem nicht mit denen, die tot sind in Übertretungen und Sünden und die Wahrheit nicht haben. Herr, ich bete, dass wir uns voller Freude nur dem Wort Gottes beugen mögen, denn das ist die Wahrheit. Und die Wahrheit macht uns frei. Wir danken dir dafür. Wir beten im Namen Christi.
Amen.
ENDE
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