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Schlag bitte deine Bibel in Matthäus 18 auf. Wir gehen fortlaufend durch dieses wunderbare Evangelium und kommen nun zu einem sehr ergreifenden und wichtigen Abschnitt. Dieser Text spielt im Wort Gottes eine entscheidende Rolle und wir kennen ihn alle sehr gut. Und trotzdem fand ich ihn bei der Vorbereitung auf die heutige Predigt noch reichhaltiger als zuvor. Ich lese Matthäus 18,15-20: „Wenn aber dein Bruder gegen dich gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“

Dieser Abschnitt handelt von der Züchtigung eines in Sünde gefallenen Christen, eines sündigen Bruders oder einer sündigen Schwester. Wir müssen diesen wichtigen Text sehr ernst nehmen, weil er das Wort Gottes ist und eine Antwort von uns verlangt. In all den Jahren in der Grace Church glaubten wir fest daran, dass die Gemeinde rein und als das von Gott erlöste Volk heilig sein soll. Erst kürzlich sahen wir während unseres Studiums von Römer 6, dass wir zur Heiligkeit erlöst wurden. Du wurdest gerettet, um geheiligt zu werden. Wenn Gott dich zu sich bringt, tut er das mit dem Ziel, dass du ein reines Leben lebst. Man kann weder das Alte, noch das Neue Testament lesen, ohne davon überzeugt zu werden, dass Gott die Heiligkeit seines Volkes sucht. Er gibt sich nie mit Ungehorsam zufrieden. Petrus fasst das in 1. Petrus 1,16 wunderbar zusammen, wo es heißt: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ Das ist der Wunsch Gottes für sein Volk und das war auch mir seit Beginn meines Dienstes hier bewusst. In all diesen Jahren bemühte ich mich von Herzen, das Wort des allmächtigen Gottes so gut zu verstehen, wie ich konnte. Und auch wenn ich es noch nicht so gut verstand wie heute, bemühte ich mich, mich dem Herrn hinzugeben. Ich rang auf Knien darum, dass ich das, was ich in seinem Wort als wahr erkannt hatte, in meinem eigenen Leben ausleben würde und auch die Gemeinde dazu führen würde, es in ihrem Leben auszuleben. Wir können die biblische Wahrheit nie vom Leben trennen. Das wäre ein Mangel an Integrität. Damit kann ich nicht leben.

Was im Wort Gottes steht, muss gelebt werden. Gott ist sehr um die Heiligkeit seines Volkes und seiner Gemeinde besorgt. Es geht ihm darum, seinen heiligen Ruf zu bewahren und sein Volk zu segnen. Und wenn Gott sich so sehr darum sorgt, dann muss ich mich als sein Vertreter genauso darum sorgen. Eine Gemeinde, die eine Botschaft verkündigt, die sie selbst nicht lebt, besitzt vor Gott und der Welt nicht die geringste Integrität. Nun war ich in meinem Leben schon in vielen unterschiedlichen Gemeinden. Mir ist bewusst, dass viele Menschen gegen die Sünde predigen und absolut nichts dagegen unternehmen. Die allermeisten Gemeinden sprechen sehr deutlich davon, dass bestimmte Dinge falsch oder sündhaft sind. Doch dann rufen sie die Menschen einfach nur zu einem bestimmten Lebensstil auf, ohne wirklich dafür zu sorgen, diese Botschaft umzusetzen. Und so gibt es zwar auf der Kanzel null Toleranz, aber im realen Leben der Menschen dafür umso mehr. Das liegt daran, dass im Lauf der Jahre in vielen Gemeinden die Predigt vom Leben getrennt wurde. Das Predigen verkümmerte zu einer Übung, bei der man über irgendetwas schwafelt, was aber in Wirklichkeit niemanden interessiert.

Und sobald die Leute denken, dass die Predigt nichts mit ihrem Leben zu tun hat, hast du als Prediger ein Problem. Du kannst die Leute nicht zu etwas auffordern und dann nicht dafür sorgen, dass es in ihrem Leben auch wirklich passiert. Und genau das meint unser Herr hier. Wir können keine Gemeinde haben, in der Heiligkeit verkündet und Sünde angeprangert wird, aber nichts unternommen wird, um diese Dinge durchzusetzen. Zu viele Menschen trennen die Sonntags-Predigt von ihrem praktischen Leben, das von Montag bis Samstag passiert. Oft waren diese Menschen jahrelang in Gemeinden, in denen es niemanden wirklich zu interessieren schien, ob sie sündigten, oder nicht. Und dann kann es passieren, dass wir die Bibel irgendwann doch toll finden. Wir glauben daran und würden sogar für ihre Autorität und Unfehlbarkeit kämpfen. Aber gleichzeitig kümmern wir uns nicht darum, sie umzusetzen. Das ist für mich die größte Form von Heuchelei. 

Dies sind Gründe, weshalb es in Bezug auf Heiligkeit in den meisten Gemeinden an Integrität mangelt: nicht nur in unserem Land, sondern weltweit. Menschen bekennen sich zwar zur Bibel und bekräftigen, was sündhaft ist, aber sie setzen diese Überzeugungen einfach nicht im Leben um. Und das ist ein Kompromiss der schlimmsten Sorte.

Deshalb hört man heute kaum etwas davon, dass innerhalb der Gemeindefamilie Personen gezüchtigt werden, die in Sünde leben. In den letzten Jahren kommt das Thema allerdings immer öfter auf. Und auch zu uns kommen viele Leute, um darüber zu sprechen. Aber ich kann mich noch gut an die Anfangszeit hier erinnern. Damals sagte ein sehr lieber Mann Gottes zu mir, der jahrelang als Bibelkonferenzredner und Evangelist in allen möglichen Gemeinden gepredigt hatte: „Ich kenne keine einzige Gemeinde in den Vereinigten Staaten von Amerika, die sich mit der Züchtigung sündiger Mitglieder befasst, keine einzige.“ Und ich sagte zu ihm: „Nun, du wirst auf jeden Fall eine finden, denn wir als Gemeinde haben uns dazu verpflichtet.“ Das erzählte ich einmal einem anderen Pastor, der mich warnte und sagte: „Wenn du das tust, wirst du die Gemeinde leerräumen. Die Gemeinde wird das niemals akzeptieren. Du kannst nicht herumlaufen und deine Nase in die Angelegenheiten aller anderen stecken und sie der Sünde beschuldigen.“ Und dann zitierte er diese Stelle aus Matthäus 7 — die immer wieder falsch ausgelegt und falsch angewandt wird — wo es heißt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Und dann ist da noch dieses amerikanische Syndrom, dass ich mich um meine Angelegenheiten kümmere und du dich um deine Angelegenheiten kümmerst. Damit kommen wir uns nicht in die Quere, weil jeder sich selbst Gesetz ist. Wir sind unabhängig und mischen uns nicht in die Probleme der anderen ein. Diese Kultur scheint sich auch in die Gemeinde eingeschlichen zu haben und führte dazu, dass die Gemeinde ihre Reinheit verloren hat.

Im ersten Jahr meiner Tätigkeit hier in der Gemeinde ließ es mich nicht in Ruhe, dass die Bibel so streng mit Sünde umgeht. Deshalb studierte ich Matthäus 18. Und Apostelgeschichte 5. Und 1. Korinther 5. Und 2. Thessalonicher 3. Ich studierte jeden Teil der Schrift, in dem ich etwas darüber fand, wie der Maßstab an Heiligkeit durchgesetzt werden könnte. Ich stellte mir immer wieder die Frage: Wie bringt man Menschen dazu, heilig zu sein? Ich konnte nicht einfach nur darüber predigen und dann gleichgültig sein, wie sie darauf reagieren würden. Es musste mehr geben, als nur darüber zu sprechen. Es musste einen Weg geben, Menschen mit einem gesunden, gottgemäßen Druck dazu zu bewegen, sich daran zu halten.

Schließlich half mir die Begebenheit in Apostelgeschichte 5, ein klareres Verständnis in dieser Sache zu entwickeln. In jenen Tagen sammelte die Gemeinde das Opfer ein, und jeder brachte sein Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. Und so steht in Apostelgeschichte 5,1: „Ein Mann aber mit Namen Ananias verkaufte ein Grundstück zusammen mit seiner Frau Saphira, und schaffte etwas von dem Erlös für sich beiseite mit dem Wissen seiner Frau; und er brachte einen Teil davon und legte ihn den Aposteln zu Füßen.“ Vielleicht waren sie in einer wirtschaftlichen Notlage und hatten dem Herrn gelobt „Herr, wenn du uns beim Verkauf des Grundstücks hilfst, dann geben wir dir den Erlös vom Verkauf“. Und jetzt haben sie es verkauft, sehen das ganze Geld daliegen und behalten einen Teil für sich. Die Sünde hier hat nichts damit zu tun, wieviel sie geben, sondern damit, dass die Gott anlügen.

Sie gehen also zu Petrus und fühlen sich unglaublich großzügig und freigiebig. Hier war diese große Summe, die sie dem Herrn geben würden. Doch Petrus begrüßt ihn mit folgenden Worten: „Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, sodass du den Heiligen Geist belogen hast und von dem Erlös des Gutes etwas für dich auf die Seite geschafft hast?“ Ich weiß nicht, warum wir Opfergaben heute nicht mehr auf diese Art und Weise einsammeln. Die Ältesten könnten sich aufstellen und beobachten, was jeder gibt, und nachfragen: „Warum gibst du nur dies, obwohl du doch jenes versprochen hast?“ Dann sagt Petrus weiter in Vers 4: „Hättest du es nicht als dein Eigentum behalten können? Und als du es verkauft hattest, war es nicht in deiner Gewalt?“ Er macht deutlich, dass Ananias Gott gar kein Versprechen hätte geben müssen. Es stand ihm frei, darüber zu verfügen. Aber nachdem er sein Versprechen gegeben hatte, ersann er in seinem Herzen Böses, um Gott zu betrügen. Somit hatte er nicht die Menschen belogen, sondern Gott. Denkt ihr das ist eine Konfrontation? Und ob! Petrus konfrontiert ihn mitten im Gottesdienst, als Ananias gerade darüber nachdenkt, wie toll es ist, all dieses Geld zu geben. Er fragt ihn: „Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, sodass du den Heiligen Geist belogen hast?“

„Als aber Ananias diese Worte hörte, fiel er nieder und verschied.“ Gott tötete ihn auf der Stelle, „und es kam große Furcht über alle, die dies hörten.“ Man kann sich vorstellen, wie der Nächste seine Opfergabe brachte. „Und die jungen Männer standen auf, hüllten ihn ein, trugen ihn hinaus und begruben ihn.“ Er ist tot und begraben, und seine Frau weiß es nicht einmal. Drei Stunden später kommt seine Frau herein. Das sagt übrigens vielleicht etwas darüber aus, wie lange Gottesdienste damals dauerten. Darauf will ich nicht weiter eingehen. Vers 8: „Da richtete Petrus das Wort an sie: Sage mir, habt ihr das Gut um so und so viel verkauft? Sie sprach: Ja, um so viel! Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr übereingekommen, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür, und sie werden auch dich hinaustragen! Da fiel sie sogleich zu seinen Füßen nieder und verschied; und als die jungen Männer hereinkamen, fanden sie sie tot und trugen sie hinaus und begruben sie bei ihrem Mann. Und es kam große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die dies hörten.“

Du kannst dir vorstellen, dass solch ein strenger Umgang Gottes mit der Sünde eine Gemeinde sehr schnell auf die richtige Spur bringt. In Apostelgeschichte 5 macht Gott dieser noch jungen und einfachen Gemeinde seine Haltung gegenüber der Sünde mehr als deutlich. Ananias und Saphira fallen einfach vor den Augen der Gemeinde tot um. Vers 13 sagt, dass dieser Vorfall sogar Ungläubige davon abhielt, sich der Gemeinde anzuschließen. Niemand wollte dieser Organisation beitreten. Dies war wirklich überaus beängstigend. Und es führte schlussendlich dazu, dass die ganze Gemeinde Sünde sehr ernst nahm.

Die Gemeinde gehört heute immer noch demselben Herrn, oder? Er ist immer noch das Oberhaupt seiner Gemeinde, oder? Der Herr hat weder seine Haltung gegenüber Sünde verändert, noch hat sich sein Wunsch verändert, die Gemeinde rein zu sehen. Aber was sich verändert hat, ist, dass er die Autorität. Der Herr hat die Autorität eine Gemeinde zu leiten, in die Hände von gottesfürchtigen Männern gelegt. Im Grunde genommen sagt er zu Gemeindeleitern: Ihr repräsentiert mich in dieser Gemeinde und ihr seid für diese Gemeinde das, was ich für sie sein würde. Deswegen handeln wir heute wie die Apostel von damals, indem wir Sünde konfrontieren. Und obwohl Gott wahrscheinlich nicht in allen Fällen so handelt, bin ich überzeugt, dass er es in einigen Fällen tut. Ich bin mir sicher, dass es immer wieder vorkommt, dass ein Christ stirbt, weil Gott ihn straft.

Das sehen wir in 1. Korinther 11 und auch in 1. Johannes 5. Gott ist also um die Heiligkeit seiner Gemeinde besorgt. Und vielleicht nimmt er immer noch hin und wieder das Leben eines Sünders, aber im Grunde genommen beruft er uns dazu, mit der Sünde in seiner Gemeinde richtig umzugehen. Paulus tat das kontinuierlich! Genauso wie Johannes. Er nannte sogar Namen, z. B. Diotrephes. In unserem Abschnitt — in Matthäus 18 — sehen wir dasselbe. Gott ruft sein Volk durch Christus zur Reinheit auf. Manchmal greift der Himmel immer noch auf übernatürliche Weise ein, um die Gemeinde zu reinigen. Aber meistens reinigt die Gemeinde sich selbst, indem der Geist Gottes an seinem Volk wirkt. Diese ganze Einleitung soll dich dazu bringen, zu erkennen, wie überaus wichtig es ist, mit der Sünde umzugehen.

Nun möchte ich den Kontext von Kapitel 18 betrachten. Die Kernaussage dieses Kapitels ist, dass Gläubige wie Kinder sind. Das ist alles. Der Gläubige wird wie ein Kleinkind angesehen. Als der Herr dieses Kapitel lehrte, hielt er sogar ein Kleinkind im Arm. Und wie ein solches Kleinkind sieht er uns. Wir sind geistlich das, was dieses Kleinkind körperlich ist: unreif, schwach, abhängig, unwissend und vieles mehr. In den Versen 3 und 4 sehen wir, dass man wie ein kleines Kind sein muss, um in das Reich Gottes zu kommen. In den Versen 5 bis 9 geht es darum, dass man wie ein kleines Kind beschützt wird. In den Versen 10 bis 14 muss man wie ein kleines Kind umsorgt werden, und jetzt in den Versen 15 bis 20 muss man wie ein kleines Kind erzogen werden. Wir sind Kinder, und Kinder müssen zum Gehorsam erzogen werden. Es reicht nicht aus, Ankündigungen zu machen. Es reicht nicht aus, Regeln aufzustellen. Es reicht nicht aus, Befehle zu erteilen. Sondern diese müssen auch durchgesetzt werden. Und hier lernen wir, wie genau das in der Familie Gottes geschehen muss.

Sprüche 3,11 macht das sehr deutlich. Dort heißt es: „Mein Sohn, verwirf nicht die Züchtigung des Herrn und sei nicht unwillig über seine Zurechtweisung; denn wen der Herr liebt, den züchtigt er, wie ein Vater den Sohn, an dem er Wohlgefallen hat.“ Der springende Punkt dieser Analogie ist folgender: genauso wie der Herr seine Kinder zurechtweisen muss, genauso muss es ein Vater bei seinem Sohn tun. Wir sind wie Kinder und müssen als solche zum Gehorsam erzogen werden. Und wie lernen wir Gehorsam? Meistens indem wir die Folgen von Ungehorsam erfahren. Denn wenn Ungehorsam keine offensichtlichen Folgen hat, gibt es keine Veränderung. Deshalb lässt Gott Ungehorsam Folgen haben.

Dieses Konzept wird im gesamten Buch der Sprüche immer wieder aufgegriffen. In Sprüche 10,13 heißt es: „Auf den Lippen des Verständigen wird Weisheit gefunden, aber auf den Rücken des Uneinsichtigen gehört eine Rute.“ Hier ist das Bild eines Kindes, das zurechtgewiesen werden muss. Wie weist du es zurecht? Mit einer Rute. Mit anderen Worten, es muss Schmerz erfahren. Sein Fehlverhalten muss Konsequenzen haben. In Sprüche 13,24 steht: „Wer seine Rute spart, der hasst seinen Sohn, wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.“ Oder in Sprüche 19,18: „Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung vorhanden ist, und lass dich nicht von seinem Weinen erweichen.“ Lass dich nicht abhalten. In Sprüche 22,15 heißt es: „Torheit steckt dem Knaben im Herzen, aber die Rute der Zucht wird sie ihm austreiben.“ In Sprüche 23,13: „Erspare dem Knaben die Züchtigung nicht; wenn du ihn mit der Rute schlägst, muss er nicht sterben. Indem du ihn mit der Rute schlägst, rettest du seine Seele vor dem Totenreich.“ Und so geht es weiter. „Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Erquickung verschaffen und deiner Seele Wonne bereiten.“

In Hebräer 12 greift der Herr dieses Konzept wieder auf. Dort heißt es: „›Wen der Herr liebt, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt.‹“ Und ein paar Verse weiter, in Vers 10, wird der Grund dafür erklärt: „damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.“ Das ist eine großartige Wahrheit. Gott züchtigt uns, um uns durch äußere oder innere Konsequenzen zu formen. Manchmal schmerzt uns die Schuld, manchmal kommt der Schmerz von außen. Aber Gott züchtigt uns immer, um uns auf den Weg des Gehorsams zu bringen, damit wir uns seinem Standard der absoluten Heiligkeit angleichen. Weil wir Kinder sind, kann man nicht einfach nur gegen die Sünde predigen und erwarten, dass sie sich dem Muster der Heiligkeit irgendwie anpassen, ohne jemals im Leben der Menschen etwas zu unternehmen. Das ist eine Illusion. Denn Kinder neigen zum Ungehorsam. Und so neigen auch wir in unserem geistlichen Leben zum Ungehorsam, weil die Sünde immer noch in uns ist. Wenn wir nicht in gewisser Weise zum Gehorsam gedrängt werden, folgen wir der Richtung des Ungehorsams und driften ab. Deshalb benötigt es Nachdruck, um im Gehorsam zu bleiben. Das klingt nach einem sehr starken Wort, aber es passt tatsächlich sehr gut. Das Prinzip muss von der Kanzel verkündet werden und dann mit Nachdruck umgesetzt werden. Im Grunde genommen geht es darum, dass wir die Botschaft nicht nur hören, sondern uns selbst und die anderen Zuhörer dazu bringen, diese auch umzusetzen. 

Schon oft wurde ich gefragt: Warum ist die Gemeinde und sogar die evangelikale Gemeinde in Amerika so unheilig? Das Problem ist nicht, dass wir eine falsche Botschaft predigten, sondern das Problem ist, dass wir nie gehorsam waren, wenn es darum ging, sie im Leben der Menschen umzusetzen. Dadurch haben wir Menschen gegenüber kommuniziert: Solange die Predigt richtig und orthodox ist, kannst du damit machen was du willst. Aber so kann man mit Kindern nicht reden, damit können sie nicht umgehen. Es wäre furchtbar, einen Tag mit deinen Kindern zu verbringen, wenn du ihnen ihr ganzes Leben lang nur sagen würdest, was sie tun sollten, ohne sie jemals zu züchtigen. Du kannst dir sehr gut vorstellen, was dabei herauskommt. In diesem Abschnitt werden wir also dazu aufgerufen, in der Gemeinde Gemeindezucht anzuwenden, um mit Sünde umzugehen. Und unser Ziel dabei ist, dass die Gemeinde dem biblischen Muster der Heiligkeit folgt.

Ich schaffe heute nicht den ganzen Abschnitt. Aber ich denke, das ist gut so, weil wir das Thema so mindestens zwei Wochen lang in unseren Herzen bewegen und es uns einprägen. Als Erstes schauen wir uns den Ort der Züchtigung an. Der Ort der Züchtigung. Dazu gehen wir zu Vers 17 und von dort zieht es sich durch den ganzen Abschnitt hindurch. In Vers 17 erwähnt Jesus zweimal die Gemeinde. Das ist der Ort. Es ist ekklēsia, die Herausgerufenen, die Versammlung. Dieses Wort wird hier zum dritten von drei Mal im Matthäusevangelium verwendet. Das erste Mal war es in Kapitel 16. Matthäus verwendet es nicht im technischen Sinn und bezieht sich nicht auf die an Pfingsten entstandene Gemeinde. Sondern es sollte einfach eine Versammlung bedeuten. An anderer Stelle im Neuen Testament wird es auch in diesem Sinn verwendet, um von der in der Wüste versammelten Gemeinde zu sprechen. Dort bezieht es sich auf Israel als das versammelte Volk Gottes. Und in der außerbiblischen griechischen Kultur wurde es verwendet, um von einer Stadtversammlung zu sprechen. Ekklēsia bezeichnet also jede Versammlung von Menschen und wird auch genau so in diesem Text verwendet. Es nimmt die offizielle Gemeinde von Pfingsten vorweg, die durch die Taufe mit dem Heiligen Geist in Apostelgeschichte 2 entstehen würde. Und es nimmt die heutige Gemeinde vorweg. Aber hier ist die Grundidee einfach die Versammlung der Erlösten, und so konnte dieses Wort nicht erst ab Pfingsten angewendet werden. Sondern es konnte sofort für die Versammlung der Jünger verwendet werden, die sich in einem Haus in Kapernaum versammelt hatten, wo Jesus sie lehrte. Es meint einfach jede Versammlung von Gläubigen.

Und hier wird es im selben nicht-technischen Sinn verwendet wie in Matthäus 16, wo Christus sagte: „Ich werde meine Gemeinde bauen“. Damit meinte er nicht irgendein Versprechen für die Zukunft, das sich auf Pfingsten und darüber hinaus bezog. Sondern er meinte damit, dass er sein erlöstes Volk versammeln würde. Und natürlich würde die zukünftige christliche Gemeinde ein großer Teil davon sein.

Einige Kommentatoren meinen, dass hier die jüdische Synagoge gemeint sei, aber das stimmt überhaupt nicht. Nirgendwo im Neuen Testament gibt Jesus Regeln, wie man sich in einer jüdischen Synagoge verhalten soll. Er möchte nicht die Synagogen verändern, sondern er will sein eigenes erlöstes Volk und seine eigene erlöste Gemeinde errichten. Außerdem können die Verse 18 bis 20 auf keinen Fall mit einer Synagoge in Verbindung gebracht werden, weil man von keiner Synagoge sagen kann, dass sie in seinem Namen versammelt sind und er mitten unter ihnen ist. Es ist also weder ein Hinweis auf eine Synagoge noch auf die formale Gemeinde nach Pfingsten. Jesus verwendet das Wort ekklēsia zu Beginn der neutestamentlichen Ära einfach allgemein, und sowohl er, als auch Matthäus beziehen sich auf die Versammlung des erlösten Volkes Gottes. Dabei geht es ihnen nicht darum, zu sagen, wie eine Gemeinde organisiert und strukturiert sein sollte. Es heißt nicht, sagt es dem Verantwortlichen, und der soll acht Leute auswählen, einen Ausschuss gründen und die Ermittler aussenden. Es heißt nur, dass man es der versammelten Gemeinde sagen soll. Er gibt keine Anweisungen zu bestimmten Schritten oder Abläufen. Das überlässt er jeder einzelnen Gemeinde von Gläubigen an jedem Ort zu jeder Zeit mit all den verschiedenen Gaben, die die verschiedenen Führungsstile mit sich bringen. Gemeint ist einfach die Gemeinde als Gottes versammeltes, erlöstes Volk. Dort soll die Züchtigung stattfinden, weil dort auch die Reinigung geschehen soll.

Darauf bezog sich Paulus, als er sagte, er habe dasselbe Ziel wie Christus, nämlich Christus eine reine Jungfrau zuzuführen. Das hatte er in Epheser 5 im Sinn, als er schrieb, dass so, wie Braut und Bräutigam zusammenkommen, auch Christus und seine Gemeinde zusammenkommen. Und Christus möchte diese Gemeinde, sein erlöstes Volk, heilig und untadelig, ohne Flecken und Makel haben. Das ist also der Kontext für unsere weiteren Betrachtungen.

Was bedeutet das? Das bedeutet auch, dass es kein externes Gericht gibt, das eine höhere Autorität besäße als die Ortsgemeinde. Wir brauchen kein nationales Gericht aller Gemeinden. Immer wenn du eine Gruppe oder eine einzelne Person einsetzt wie z. B. einen Bischof, einen Papst, einen Kardinal oder eine Synode, die nichts mit der örtlichen Versammlung der Gläubigen zu tun haben, erschaffst du ein Gericht, das über das hinausgeht, was das Wort Gottes verlangt. Denn der zentrale Punkt, wo dies geschieht, sind die erlösten Menschen und ihre Versammlung. Darüber hinauszugehen bedeutet, über das Wort Christi und die Lehre seiner Apostel hinauszugehen.

Die Schrift bleibt hier sehr allgemein. Es gibt keinerlei Entwurf für die Umsetzung in der Gemeinde. Es gibt keinerlei hierarchische Struktur. Es gibt keine obere Kaste herrschender Menschen, die als Richter eingesetzt werden. Alles geschieht in der Versammlung der Erlösten. In diesem Zusammenhang gibt uns 1. Korinther 6,1 ein Beispiel, um das zu verstehen. Dort wirft Paulus den Korinthern vor, dass sie sich gegenseitig verklagen. Er sagt: „Wie kann jemand von euch, der eine Beschwerde gegen einen anderen hat, sich bei den Ungerechten richten lassen anstatt bei den Heiligen?“ Wie kommt ihr dazu, eure Beschwerden und Probleme vor die Gerichte der Ungerechten zu bringen und nicht vor die Heiligen?

Bitte beachte, dass er nicht sagt: „bei dem von den Heiligen eingesetzten Gericht“. Sondern da steht „bei den Heiligen“. Der Kontext der christlichen Gemeinschaft und Familie ist das höchste Gericht, das es gibt. Das beweist er in der nächsten Zeile: „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“ Und dann, in Vers 3: „Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden? Wie viel mehr die Angelegenheiten dieses Lebens?“ In anderen Worten: Die Gemeinde ist das höchste Gericht. Deshalb findet jede Gemeindezucht innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen statt, egal, ob sie so groß ist wie unsere, oder sehr klein. Gemeindezucht kann sogar auf dem Missionsfeld unter drei bis vier Missionaren stattfinden. Auch wenn sie vielleicht noch nicht einmal eine Gemeinde unter den Einheimischen gegründet haben, sind sie doch eine Versammlung von Gottes erlöstem Volk. Und in einer solchen Versammlung müssen Gottes Prinzipien der Heiligkeit durchgesetzt werden. Der Ort, an dem das geschieht, kann innerhalb deiner Familie sein. Es kann in deiner Bibelgruppe sein oder in deinem Hauskreis. All diese Versammlungen von Gottes erlöstem Volk bilden unter der geistlichen Leitung der gesamten Versammlung seine Gemeinde. Das Gericht geschieht also unter Gottes erlöstem Volk in der Ortsgemeinde und es gibt hier auf der Erde für uns kein höheres Gericht.

Auch der zweite Punkt ist sehr wichtig. Es geht in Bezug auf die Züchtigung nicht nur um das Wo, sondern auch um das Warum. Dazu sagt Jesus in Matthäus 18,15: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Darum geht es. Züchtigung geschieht mit der Absicht, Heiligkeit wiederherzustellen. Gott war schon immer um Wiederherstellung bemüht. In Sprüche 11,30 heißt es: „Der Weise gewinnt Seelen.“ Vielleicht besteht die Weisheit vor allem darin, Menschen zu Gott zurückzuführen. In Galater 6,1 sagt Paulus: „wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht.“ Stellt ihn wieder her. Am Ende des Jakobusbriefes heißt es in Kapitel 5,19-20: „Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt, und es führt ihn einer zur Umkehr, so soll er wissen: Wer einen Sünder von seinem Irrweg zur Umkehr führt, der wird eine Seele vom Tod erretten und eine Menge Sünden zudecken.“ Wenn du jemanden wiederherstellst, rettest du dessen Seele vor dem Tod.

Das ist immer das Ziel der Züchtigung. Das Ziel von Gemeindezucht ist nicht, Leute rauszuwerfen oder sie zu beschämen. Es geht nicht darum, sich selbstgerecht über ihre Sünde zu erheben und Gott zu spielen. Es geht nicht darum, auf unbiblische Weise Autorität auszuüben. Züchtigung geschieht nicht in der Absicht, Leute rauszuwerfen, sondern sie reinzuholen, indem man sie zurückholt. In Vers 15 steht diesbezüglich ein interessantes Wort, nämlich: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen“. Das Wort „gewonnen“ kommt aus der Geschäftswelt und beschreibt ein Marktgeschehen. Zum Beispiel wird es verwendet, um über das Anhäufen von Reichtum, also Geld, Gütern oder Waren zu sprechen. Es meint „gewinnen“ im Sinne von Schatz. Und in diesem Zusammenhang zeigt uns die Verwendung dieses Wortes das Herz Gottes Gott sieht einen sündigenden Bruder als Verlust eines Schatzes oder als Verlust von etwas Wertvollem. Er kann keine einzige Seele aufgeben, weil jede einzelne für ihn ein Schatz ist. Und dieses Verständnis muss auch die Gemeinde haben. Du darfst nicht zulassen, dass jemand davontreibt und schulterzuckend sagen: „Ich weiß nicht, was mit ihm los ist, aber ich möchte mich lieber nicht einmischen.“ Wenn jemand in Sünde fällt, ist das ein Verlust für dich, weil kein Sohn Gottes und keine Tochter Gottes wertlos oder bedeutungslos ist. Du hast einen Schatz verloren. Und wenn er wiederhergestellt wird, gewinnst du diesen Reichtum zurück.

Deshalb musst du fleißig daran arbeiten, diesen Schatz zurückzuholen und wiederherzustellen. Auch in meinem Leben verlor ich Schätze, als Leute sündigten.

Was meine ich damit? Als sie gehorsam waren und nach Gottes Willen und im Einklang mit seinem Geist lebten, wirkte der Geist Gottes durch sie in meinem Leben. Gott segnete mich mit ihrem Dienst und ihren geistlichen Gaben. Er bereicherte mich durch ihre Gemeinschaft. Und so war es ein Verlust für mich, als sie weg waren. Denn kein anderer kann diesen Menschen ersetzen, ebenso wenig, wie man durch ein weiteres Kind ein verlorenes Kind ausgleichen kann. Jedes Kind und jeder Mensch ist unersetzlich.

Deshalb ist es ein Verlust, wenn jemand in Sünde fällt. Jede dieser Seelen ist ein Werkzeug, das Gott benutzt, um seinen Geist zu verbreiten und zu dienen. Und weil wir erkennen, wie wertvoll diese Seele für Gott ist, kann sich keiner mit ihrem Verlust abfinden. In Matthäus 18,12 offenbart Gott sein Herz in dieser Angelegenheit. Damit knüpfen wir an die Passage von letzter Woche an. Jesus sagt hier: „Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?“ Die Antwort ist natürlich „ja“. „Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt waren. So ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, dass auch nur eines dieser Kleinen verloren geht.“ So sollte es auch für dich sein. Du solltest sie als wertvoll ansehen, weil sie ein verlorener Schatz sind und wiedergefunden werden müssen. Menschen unternehmen enorme Anstrengungen, um ihren verlorenen Reichtum wiederzugewinnen. Wahrscheinlich strengen sie sich weit weniger an, um einen Menschen wiederzugewinnen, der doch von unendlichem Wert ist.

In 2. Timotheus 2,24 gibt Paulus dem jungen Timotheus einen Rat, der meiner Meinung nach hier gut passt. Er sagt: „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten“, also nicht streitsüchtig sein, „sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen“. Es wird immer Leute geben, die widersprechen. Das erlebe ich in meinem Leben ständig. Aber ich darf nicht streitsüchtig sein, sondern muss sanft sein, direkt in meiner Lehre, geduldig und demütig. Wenn ich so solche Menschen anspreche, wird Gott ihnen vielleicht Buße schenken, damit sie die Wahrheit erkennen und sich aus der Falle des Teufels befreien können, der sie nach seinem Willen gefangen genommen hat. Weißt du, was mit Leuten passiert, die sich treiben lassen? Weißt du wer sie erwischt? Der Feind erwischt sie. Und wir müssen hingehen und sie zurückholen. In Galater 6,1 heißt es: „Ihr, die ihr geistlich seid, helft wieder zurecht.“ Und dieses Wort „zurechthelfen“, katartizō, ist wirklich ein interessantes Wort. Es bedeutet im Grunde genommen, etwas zu reparieren, um es wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Es wird für gebrochene Knochen verwendet zu heilen und ausgerenkte Glieder wieder einzurenken. Es wird auch im Zusammenhang mit dem Flicken von Fischernetzen verwendet. Es bedeutet, etwas wieder in seinen früheren Zustand zu versetzen.

Das ist das Ziel der Züchtigung. Es geht darum, einen Menschen als Schatz zu sehen, so wie Gott, der gute Hirte, ihn sieht. Er lässt alle übrigen Schafe der Herde zurück, um das eine zu suchen und zurückzubringen. Denn auch schon eins von hundert ist ein Verlust, weil es etwas gibt, das nur diese Person durch ihren Dienst dir und mir geben kann. Es ist also sehr wichtig, zu verstehen, dass unsere Aufgabe die Wiederherstellung ist. Denn sonst kann es sein, dass wir uns als Gemeinde nur damit beschäftigen, unsere Reinheit zu erhalten. Es geht nicht darum, als Grace Community Church die Sünden aller zu überprüfen und in einer Art Geheimdienst alle auszuspionieren. Das wurde uns schon oft vorgeworfen. Aber das ist weder unsere Absicht, noch die Idee dahinter. Sondern wir haben zwar ein großes Verlangen danach, die Gemeinde als Ganzes heilig zu haben, weil Gott es so will. Doch wir sehen auch den Wert einer jeden Seele, die zu Gott gehört.

Und als solche, die das Herz eines Hirten haben, sehen wir sie als Schaf, das wir nicht einfach gehen lassen wollen. Sondern wir wollen es zurückholen: für das Schaf selbst, für uns und vor allem für Gott. Vielleicht siehst du dich selbst als nicht qualifiziert an, etwas zu einer solchen Person zu sagen. Wer bist du, dass du ihr sagen könntest wo es lang geht? Außerdem ist das ihre Sache. Oder vielleicht findest du ein wenig Genugtuung darüber, dass der andere gefallen ist, weil du dich dann besser fühlen kannst. Doch das ist eine Krankheit. Man nennt sie Stolz.

Vielleicht fühlst du dich geistlicher als dein sündiger Bruder. Du denkst, dass du besser bist als er und bleibst darum selbstgefällig gleichgültig gegenüber seiner Sünde. Aber dann bist du wirklich weit entfernt von einem Hirtenherz und bist genauso in Sünde gefallen wie er. Diese Woche las ich die Aussage eines anderen Gläubigen: „Ich dachte schon oft, wenn ich jemals in Sünde falle, oh Gott, lass mich nicht in die Hände dieser kritischen Richter in der Gemeinde fallen. Lass mich lieber in die Hände eines Barkeepers, Straßenmädchens oder eines Drogendealers fallen. Warum? Weil mich die Gemeindeleute mit ihrem Gerede und Klatsch in Stücke reißen würden.“ Zitatende.

Ich weiß nicht, in welche Gemeinde er ging. Aber ich bin mir sicher, dass noch viel mehr Menschen genau diese Erfahrung gemacht haben. Denn du und ich neigen dazu, uns daran zu weiden, wenn ein Mensch strauchelt und in Sünde fällt. Dann reden wir über seine Sündhaftigkeit und fühlen uns sehr geistlich, weil nicht wir es waren, die fielen. Und anstatt das Herz eines Hirten zu haben, der hingeht und um Wiederherstellung bittet, sind wir selbstgerecht und verspüren eine gewisse Befriedigung. Denn wir haben so etwas ja nicht gemacht. Doch das ist nicht das, was Gott will.

Gott bemüht sich so sehr darum, wiederherzustellen. Das zeigt er in den Versen 12 bis 14. Und wer sind wir, dass wir uns weniger anstrengen? Wir sprechen viel von Heiligkeit. Und ich predigte in unserer Gemeinde schon viel darüber. Doch ich glaube nicht, dass es jemals wirklich passieren wird, solange du dich nicht persönlich um die Menschen kümmerst, die in Sünde fallen, anstatt dich an ihrem Fall zu ergötzen oder es dich gleichgültig lässt. Denn dann tust du das, was auch unsere Kultur von dir erwartet: Du mischst dich nicht ein. Der Andere ist doch sein eigener Herr, deshalb greifst du nicht in sein Leben ein. Seine privaten Angelegenheiten gehen dich nichts an, deshalb sagst du ihm nicht, was er tun soll. Doch das ist der falsche Weg. Stattdessen solltest du dich wirklich um solche Menschen kümmern. Hole sie in die Gemeinschaft zurück. Sonst wirst du niemals die Heiligkeit erfahren, über die immer gepredigt wird.

Lass mich dir zum Schluss noch ein drittes Prinzip zeigen. Der Ort ist die Gemeinde. Das Warum ist Wiederherstellung. Es bleibt noch das Wer. Wer soll das machen? Der Pastor zusammen mit einem Disziplinarausschuss? Nein, nicht wirklich. Ich selbst erkannte das auch erst neulich, als ich diesen Abschnitt und vor allem Vers 15 immer und immer wieder gelesen habe. Das mache ich oft, um zu sehen, was mir auffällt. Vielleicht fällt dir ja auch etwas auf. „Wenn aber dein Bruder gegen dich gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Wer ist der Handelnde in Vers 15? Niemand anders als du. Jetzt sagst du vielleicht: Ich? Aber ich kann das doch nicht machen. Ich bin kein konfrontativer Mensch. Ich bin viel zu nett. Das ist zwar schön, aber trotzdem geht es hier nicht um mich oder irgendein Ältestenkomitee. Hier geht es um dich.

Züchtigung geschieht nicht nur durch Vollzeitangestellte. Sie geschieht zwar durch die Gemeindeleitung, aber auch durch alle anderen. Galater 6,1 sagt ganz genau, wer helfen soll: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht“. Du, der du im Geist lebst und gehorsam bist, der du in der Gemeinschaft bist, bring ihn wieder auf den richtigen Weg. Und zwar in einem Geist der Sanftmut, Demut und Liebe. „Und gibt acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst.“ Du tust das nicht in einer Haltung geistlicher Überlegenheit. Sondern du tust es in Sanftmut und liebevoller Demut. Es beginnt bei dir. Du bist der Schlüssel.

Ihr Lieben, es ist unsere Aufgabe, Sünder zu Gott zurückzubringen. Wir dürfen sie nicht einfach gehen lassen. Und wenn dir das nicht wichtig ist, dann sind dir nicht die Dinge wichtig, die Gott wichtig sind. Vielleicht erlaubst du dir falsches Mitleid, Gleichgültigkeit, Selbstgefälligkeit, Selbstgerechtigkeit und Geringschätzung gegenüber jemandem, weil seine Sünde gegen dich gerichtet war. Und jetzt bist du eigentlich ganz froh, dass er weg ist. Oder du lässt zu, dass Stolz, Sentimentalität, Feigheit oder Geschäftigkeit dich davon abhalten, im Werk Christi treu zu sein und einen sündigen Bruder zu konfrontieren. Auch dann hast du versagt. Und ich auch. Denn wenn du es ignorierst, ein verirrtes Schaf wiederherzustellen, dann bist du in gewisser Weise auch ein Verirrter geworden, nicht wahr? Du warst ungehorsam.

Deshalb liegt es dir und mir am Herzen, dass die Gemeinde rein ist. Aber es wird nie geschehen, bis wir uns dazu verpflichten, das, was sie unrein macht, in Liebe und Sanftmut anzusprechen. Es reicht nicht, nur für den Anderen zu beten, dass er erleuchtet wird. Sondern du, der du das Licht hast, nimm es und leuchte es ihm in die Augen. Um das zu tun, brauchst du drei ganz praktische Dinge.

Nummer eins: Du brauchst Bereitschaft. Du musst bereit sein, es zu tun. Schau dir in Vers 15 das Hauptverb an: geh hin. „Geh hin und sag es ihm.“ Vielleicht denkst du „Wenn ich einen Bruder in Sünde sehe, was soll ich tun?“ Dann gehst du hin und sagst es ihm. Das ist ganz einfach. Sag ihm, dass er in Sünde lebt. Und Vers 16 sagt dann, wie es weitergeht, wenn er nicht hört. Dann nimmst du noch zwei oder drei mit. Und wenn er dann immer noch nicht auf dich hört, sagst du es gemäß Vers 17 der ganzen Gemeinde.

Geh hin, sag es, nimm mit, sag es. Jeder dieser Befehle verlangt eine Antwort. Das setzt voraus, dass du antworten kannst. Denn Gott gibt keine Befehle an Menschen, die nicht in der Lage sind, darauf zu reagieren. Die Befehle an sich zeigen also, dass du dazu bereit sein müsstest. Gott sagt: Geh und sag es ihm. Wenn er darauf nicht hört, nimm ein paar Leute mit und sag es ihm noch mal. Wenn er dann immer noch nicht hört, sag es der ganzen Gemeinde und lass die ganze Gemeinde hingehen und es ihm sagen. Es hängt also davon ab, ob du bereit bist, zu reagieren und zu handeln. Es gibt in unserer Gemeinde viele Leute, die gerne predigen würden. Sie würden gerne so wie ich auf die Kanzel steigen, eine Gruppe um sich scharen und von dort aus lehren oder predigen. Sie wollen Menschen ganz engagiert und lautstark zur Umkehr oder zur Heiligkeit aufrufen. Das ist ein großartiger Dienst, für den wir in der Tat viele Menschen ausbilden. Andere wollen sich in der Evangelisation engagieren und die Verlorenen gewinnen. Wieder andere wollen seelsorgerlich tätig sein oder beten.

Und bei alldem geht ein Dienst in der Gemeinde komplett verloren. Nämlich das, was ich als Diener der Heiligkeit bezeichnen würde. Zu diesem Thema fand ich in meinem ganzen Leben noch nie eine Predigt, einen Artikel oder ein Buch. Die Aufgabe eines Dieners der Heiligkeit ist, aus der Sicht Jesu Christi die Sünde der Gemeinde anzusprechen, um sie zur Reinheit zurückzurufen. Wir brauchen nicht nur eine Gemeinde voller Prediger und Lehrer. Das ist gut und schön, aber sie sorgen nur dafür, dass die Tatsachen hervorragend formuliert werden. Wir brauchen nicht nur eine ganze Menge Leute, die beten, und eine ganze Menge Leute, die ausbilden. Wir brauchen ebenso eine ganze Menge Leute, die für die Umsetzung sorgen. Wir brauchen Diener der Heiligkeit, die zu mächtigen Waffen in der Hand Gottes werden. Das heißt aber nicht, dass wir es mit geistlichem Stolz tun. Sondern es bedeutet, dass man es mit einem Herzen voller Sorge, Mitgefühl und Liebe tut. Und das liegt an dir. Du musst dazu bereit sein.

Das ist übrigens nichts Neues. Lass uns zum Pentateuch zurückgehen, zu den 5 Büchern Mose. Das ist die erste Buchreihe in der Bibel. In 3. Mose 19,16 heißt es: „Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk.“ Lauf nicht rum und rede schlecht über andere. „Du sollst auch nicht auftreten gegen das Blut deines Nächsten!“ Mit anderen Worten: Mach nicht mit, wenn jemand verurteilt wird. Dann sagt Gott: „Ich bin der Herr.“ Gott ist der Herr und er meint es ernst mit dem, was er sagt. Also tu das nicht. Und dann sagt er Folgendes: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen“. Vielleicht denkst du „das würde mir nie in den Sinn kommen“. Doch es geht weiter: „sondern du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, dass du nicht seinetwegen Schuld tragen musst!“. Das bedeutet, dass sich der Hass auf deinen Bruder darin zeigt, dass du dir nie die Mühe machst, ihn für seine Sünde zu tadeln. Und gib nicht vor, dass du zu liebevoll seist, um zu tadeln. Du bist nicht zu liebevoll, sondern zu gleichgültig.

Es gibt Eltern, die ihr Kind nie zurechtweisen. Diese Eltern lieben ihr Kind nicht, und interessieren sich auch nicht für es. Man hasst sein Kind, wenn man es nicht erzieht und ihm keine Grenzen setzt. Das Gleiche gilt auch im geistlichen Bereich. Gott sagt: Du hasst deinen Nächsten in deinem Herzen, wenn du ihn nie für seine Sünden zurechtweist und ihn nicht mit seiner Sünde konfrontierst. Denn wenn du ihn lieben würdest, dann würdest du ihn doch vor den Folgen seiner Sünden bewahren und ihn wieder an den Ort der Glückseligkeit zurückbringen wollen, oder?

Es ist also wirklich offensichtlich, dass du eine solche Bereitschaft mitbringen solltest. Ich bin überzeugt, dass diese Bereitschaft aus einem zweiten Grund kommt. Diese Dinge bauen aufeinander auf. Bereitschaft entsteht aus Eifer für Gott. Schau dir Johannes 2 an. Dort findest du ein Beispiel für die Bereitschaft, jemanden mit seiner Sünde zu konfrontieren. Diese Bereitschaft den Bruder auf seine Sünde anzusprechen kommt aus der Begeisterung für Gott. In Johannes 2,13 kommt Jesus zum Passahfest nach Jerusalem und findet im Tempel Leute vor, die Rinder, Schafe und Tauben verkaufen. Und er findet dort auch die Geldwechsler, die die Leute abzockten. Sie sitzen alle da und machen Geschäfte. Das ist eine eklatant große Sünde, weil es direkt im Tempel geschieht. Also macht Jesus sich eine Geißel aus Stricken. Er flechtet die Stricke zu einer dicken Peitsche und treibt damit buchstäblich alle aus dem Tempel hinaus. Es heißt: „Er trieb sie alle zum Tempel hinaus, samt den Schafen und Rindern, und den Wechslern verschüttete er das Geld und stieß die Tische um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das weg von hier! Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!“ Was brachte ihn dazu, so auf die Sünde zu reagieren? Warum hatte er so ein starkes Verlangen nach der Heiligkeit des Hauses Gottes?

Vers 17: „Seine Jünger dachten aber daran, dass geschrieben steht“ in Psalm 69,10: „›Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt‹.“ Und der Rest des Verses in Psalm 69 lautet: „Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“ Christus hat eine solche Leidenschaft in seinem Herzen, eine solche Sehnsucht nach Gottes Herrlichkeit, dass er den Schmerz verspürt, wenn Gott entehrt wird. Diese Bereitschaft, sich der Sünde zu stellen, kommt aus der Leidenschaft für Gottes Namen, für Gottes Ruf und für Gottes Herrlichkeit. Jesus kann nicht zulassen, dass sie Gottes Haus zu einer Räuberhöhle machen. Er kann Sünde in seinem Haus nicht tolerieren, sondern muss sie vertreiben. Heute ist jedoch nicht mehr der Tempel das Haus Gottes. Sondern ihr seid das Haus Gottes, nicht wahr? Die Versammlung der Gläubigen ist eine heilige Wohnstätte, in der Gott wohnt. Und wir sollten das Herz Christi haben, der die Unheiligkeit in diesem seinem Tempel genauso wenig tolerieren kann wie er sie im Tempel seines Vaters in Jerusalem tolerieren konnte. Du brauchst Eifer für Gott. Sich der Sünde zu stellen, sie anzusprechen, geschieht nicht in einem Vakuum. Diese Bereitschaft kommt aus dem Eifer für Gott.

Aber woher kommt der Eifer für Gott? Das ist der dritte Punkt. Um als Diener der Heiligkeit dafür zu wirken, dass die Gemeinde rein ist, muss man selbst rein sein. Es sind drei Dinge notwendig: Deine Bereitschaft, dein Eifer für Gott und deine persönliche Reinheit. Wenn du nicht selbst in dieser Heiligkeit wandelst, dann wirst du keinen Eifer für sein Haus haben und auch nicht wünschen, dass sein Name geheiligt wird. Dazu schauen wir uns Matthäus 7,3 an. Auch wenn dieser Abschnitt zunächst in einem etwas anderen Zusammenhang steht, gilt sein Grundsatz genauso für unseren Text. Dort heißt es: „Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.“

Was lernen wir also daraus? Bevor du jemanden wegen seiner Sünden zur Rede stellst, musst du selbst deine eigene Sünde in Ordnung bringen. Das ist ein sehr wichtiger Grundsatz. Wenn eine Gemeinde sich dafür einsetzt, Heiligkeit und Reinheit durchzusetzen, indem sie Sünden anspricht, dann wird sie allein schon durch diese Ausrichtung einen Prozess der Selbstreinigung durchlaufen. Und das Endergebnis wird sein, dass weniger Züchtigung notwendig ist, obwohl die Gemeinde sich mehr dafür einsetzt. Verstehst du das? Denn wenn du anfängst, dich in diese Richtung zu bewegen um diese Befehle umzusetzen, dann verlangt das von dir, dass du dich selbst reinigst. Dieser schwierige Dienst steht mit allen anderen Diensten auf einer Stufe. Wir hören viel über Lehren und Predigen, Leiten, Ausbilden, Dienen, im Chor singen, Helfen, aber wo sind die Diener der Heiligkeit? Unser Herr fordert seine Gemeinde dazu auf, diesen Dienst zu tun. Nächste Woche werden wir herausfinden, wie sie ihre Arbeit machen. Lasst uns beten.

Gnädiger Herr, du hast uns mit unserer Unzulänglichkeit konfrontiert. Und so kehren wir dorthin zurück, wo wir angefangen haben. „Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf dem ewigen Weg!“ Herr, wir brauchen Reinigung, weil wir hier versagt haben. Wir waren nicht bereit, weil wir von deiner Heiligkeit nicht leidenschaftlich begeistert waren. Und weil in unserem eigenen Leben nicht alles so war, wie es sein sollte. Mögen wir bei uns selbst anfangen, mache uns rein. Erfülle uns mit der Art von Eifer, die genau den Schmerz spürt, den dein Herz empfindet, damit wir die gleiche heilige Reaktion auf Sünde haben wie du. Mache uns bereit, in Liebe, in Zartheit und in Sanftmut zu konfrontieren, um zu zeigen, dass wir lieben. Denn Liebe konfrontiert und stellt wieder her. Danke, Vater, für das, was du uns gelehrt hast. Im Namen Christi. Amen.

ENDE

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