Heute Morgen wollen wir 1.Korinther 11 betrachten, als Vorbereitung auf das Mahl des Herrn. Wir sind dieser Wahrheit, die Gott hier offenbart, bereits mit großem Gewinn nachgegangen. Normalerweise feiern wir das Mahl des Herrn mittwochs. Aber weil das heute unser Predigttext ist, konnten wir gar nicht anders, als es auch jetzt voller Erwartung und Freude zu feiern. Wir haben letzten Sonntag mit den Versen 17 bis 34 begonnen. Alle, die schon länger in der Gemeinde sind, kennen diesen Abschnitt, weil er vom Mahl des Herrn spricht. Heute Morgen sehen wir ihn im Licht des gesamten Kontextes an. Wir haben sicherlich alle die Verse 23 bis 26 schon öfter gelesen, aber vielleicht nie in ihrem Kontext, also in der Situation in Korinth. Der Zusammenhang hilft uns nicht nur die Verse zu verstehen, sondern auch praktische Erkenntnisse zu gewinnen.
Heute folgt Teil zwei unserer Beschäftigung mit dem Mahl des Herrn. Letztes Mal haben wir die Verse 17 bis 22 behandelt; heute Morgen wollen wir uns den Rest bis Vers 34 ansehen. Aber vorher möchte ich eure Aufmerksamkeit kurz auf Johannes 6 lenken. Das ist eine sehr wichtige Stelle, die uns hilft, das Abendmahl besser zu verstehen, so wie Paulus es in 1. Korinther 11 beschreibt.
In Johannes 6 geht es unter anderem darum, dass der Herr Jesus Christus sich den Juden als das Brot des Lebens vorstellt. Nachdem er mit ihnen darüber gesprochen hat, fasst er alles Gesagte ab Vers 51 mit folgenden Worten zusammen: „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“
Hier sagt Jesus, dass er Brot ist, lebendiges Brot, und dass er vom Himmel herabgekommen ist, was von seiner Gottheit spricht. Wenn jemand von diesem Brot isst, bekommt er ewiges Leben. Dann bezeichnet er das Brot als sein Fleisch. Das alles bedeutet, dass Gott Fleisch geworden ist, und als Mensch in diese Welt kam. Wenn Menschen ihn annehmen – das ist mit ihn „essen“ gemeint –, wenn sie Christus annehmen, bekommen sie ewiges Leben. Jesus spricht hier in Bildern aus der physischen Welt, aber er hat eine geistliche Botschaft vor Augen: Nehmt mich an, nehmt mich in euch auf, um eure Seele zu sättigen, so wie ein Mensch Brot zu sich nimmt, um seinen Körper zu sättigen.
Vers 52: „Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns [sein] Fleisch zu essen geben?“ Sie verstehen es rein physisch. „Darum sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch.“ Wenn ihr die Menschwerdung und das das Sühnopfer seines Blutes nicht annehmen könnt, werdet ihr niemals ewiges Leben haben. Ewiges Leben bedeutet, zu glauben, dass Gott in menschlicher Gestalt gekommen ist und einen stellvertretenden, sühnenden Opfertod für die Sünde gestorben ist. Das Fleisch zu essen bedeutet, anzuerkennen und anzunehmen, dass Christus Gott in menschlicher Gestalt ist. Das Blut zu trinken bedeutet, seinen Opfertod anzuerkennen, daran zu glauben und ihn anzunehmen.
In den Versen 54 bis 56 sagt Jesus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ Ausgehend von diesem greifbaren Bild des Brotes erklärt Jesus, dass man sich ihn selbst aneignen muss. Er sagt den Juden: Wenn ihr nicht akzeptieren könnt, dass ich Gott in Menschengestalt bin, wenn ihr meinen Tod nicht anerkennen könnt, werdet ihr nie das ewige Leben erfahren. Sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken ist also nicht wörtlich zu verstehen. Es ist ein Bild dafür, sich all das anzueignen, wer er war und ist und was er am Kreuz getan hat.
Sei dir dessen bewusst: als du errettet wurdest, hast du genau das getan. Du hast im Glauben bekannt: „Ich glaube, dass Jesus Gott ist, dass er in menschlicher Gestalt in die Welt gekommen ist, dass er sein Blut als Opfer für die Sünden der Welt vergossen hat.“ Du hast das für dich in Anspruch genommen. Wenn du am Abendmahl teilnimmst, das Brot nimmst und aus dem Kelch trinkst, zeigst du äußerlich, was du damals geistlich für dich in Anspruch genommen hast. So wie du bei deiner Errettung seine Gottheit und sein Opfer für dich geistlich angenommen hast, so bekennst du das im Brot und im Kelch. Das Abendmahl wird so zu einem Symbol unserer Errettung. Es wird zu einer Bekräftigung. Es wird zu einer erneuten Erklärung. Wenn man so will, wird es zu einer erneuten Hingabe an unsere Erlösung, die geschehen ist, als wir Christus geglaubt und ihn angenommen haben. Darum ist das Abendmahl für uns so wesentlich.
Wie wir letztes Mal gesehen haben, machte es die Urgemeinde zur Gewohnheit, an der Mahlfeier teilzunehmen – als äußeres Zeichen, wie wir gerade gesehen haben. Und zugleich als Erinnerung an den, der für sie gelebt hat und gestorben ist. Drittens ist das Abendmahl Gemeinschaft – lebendige, lebenswichtige Gemeinschaft mit ihm. Wir haben in 1. Korinther 10,16-18 gesehen, dass wir am Tisch des Herrn tatsächlich Gemeinschaft mit ihm haben. Er ist gegenwärtig. Wir haben Gemeinschaft mit ihm.
Außerdem ist der Tisch des Herrn eine Verkündigung. Wir verkündigen den Tod des Herrn. Es ist eine Erklärung an die Welt, dass wir glauben, dass Jesus Gott in Menschengestalt war, der einen stellvertretenden Sühnetod für uns gestorben ist. Fünftens ist die Feier des Abendmahls eschatologisch; sie ist eine große Hoffnung. Jesus sagte: „Tut dies, bis wir es im Reich Gottes wieder gemeinsam feiern werden.“ Wir feiern es also in Erwartung seiner baldigen Wiederkunft. Das macht das Abendmahl zu einer heiligen, besonderen, ernsten, anbetenden Erfahrung für einen Gläubigen. Wir sind verpflichtet, es mit der Würde, Ehre und Feierlichkeit zu behandeln, die ihm gebührt. Genau das haben die Korinther nicht getan. Die Korinther hatten das Abendmahl zur Farce gemacht.
Wie wir beim letzten Mal gesehen haben, als wir uns die Verse 17 bis 22 angeschaut haben, hatten sie das Abendmahl völlig entstellt. Das war Punkt eins. Heute kommen wir zu den Punkten zwei und drei. Wir haben gesehen, dass sie das Abendmahl völlig entstellt haben, indem sie betrunken und gefräßig kamen. Die Reichen waren gefräßig, stopften sich voll, berauschten sich und ließen die Armen leer ausgehen. Dadurch hatten die Armen bei dem Liebesmahl das damals dem Abendmahl vorausging nichts zu essen. Sie kamen zum Abendmahl: einander hassend, mit Spaltungen, mit Bitterkeit und Sünden, die sie nicht bekannt hatten. Das Ergebnis sehen wir in Vers 20. Paulus sagt: „Wenn ihr nun am selben Ort zusammenkommt“ – und hier steht im Griechischen wörtlich: „dann ist es unmöglich, dass ihr das Mahl des Herrn esst.“ Ihr denkt vielleicht, dass ihr das Abendmahl feiert, aber das ist wegen eurer Einstellung unmöglich. Einige von euch sind betrunken. Einige von euch sind benachteiligt. Einige von euch sind gefräßig. Einige von euch hassen einander. Da ist Bitterkeit, da sind Spaltungen, da ist Uneinigkeit. Da sind soziale Gräben. Da sind theologische Gräben. Da sind Spaltungen wegen jeder erdenklichen Meinung in der Gemeinde. Da gibt es keine echte Gemeinschaft der Gläubigen. Keine echte Gemeinschaft mit Christus wegen all eurer Sündhaftigkeit. Ihr habt das Mahl des Herrn verdorben und entweiht, und was ihr feiert, ist nicht das Mahl des Herrn. Wie auch immer ihr es nennt, es ist nicht das Mahl des Herrn.
Von dieser Aussage über die Entstellung des Abendmahls geht Paulus zum zweiten Bereich über – zum Zweck der Mahlfeier, ab Vers 23. Schauen wir uns das an. Hier stellt er die Bedeutung des Abendmahls auf wunderbare Weise dar. Wenn du schon eine Weile Christ bist, hast du diese Verse bestimmt schon oft gehört – vielleicht hast du sie sogar auswendig gelernt, weil sie so häufig gelesen werden. Aber das Schöne daran ist, dass dies eine absolut herrliche Schriftstelle ist, die mitten in eine chaotische Situation hineingesprochen wird. Sie ist wie ein Diamant in einem Schmutzklumpen. Die Situation in Korinth war so abscheulich und schlecht, und doch setzt Paulus mitten hinein dieses wunderschöne Juwel der Schönheit und des Sinns der Mahlfeier. Am Anfang dieses Abschnitts sagt er: „Folgendes tut ihr …“ Und am Ende sagt er: „Aus diesem Grund werdet ihr gezüchtigt.“ Er spricht am Anfang und am Ende über Negatives, aber genau in der Mitte, in den Versen 23 bis 26, liegt die Schönheit und Bedeutung des Abendmahls. Paulus war ein Meister darin, solche Dinge mitten in hässliche Situationen einzuflechten, und das tut er auch hier.
Beginnen wir mit Vers 23: „Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe“. Bleiben wir hier einen Moment stehen. „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe“. Was ich euch zu sagen habe, ist keine menschliche Meinung. Was ich euch zu sagen habe, ist nicht meine eigene Idee. Was ich euch zu sagen habe, ist nicht irgendeine Tradition, die von Mensch zu Mensch weitergereicht wurde. Was ich euch zu sagen habe, das habe ich vom Herrn empfangen und gebe es an euch weiter.
Mit anderen Worten: Hier geht es um eine göttliche Wirklichkeit. Du denkst vielleicht: War nicht alles, was Paulus geschrieben hat, von Gott inspiriert? Doch! Aber was er hier sagt, das hat er direkt aus den Worten Jesu Christi übernommen. So gut wie alle konservativen Ausleger gehen davon aus, dass der 1. Korintherbrief vor allen vier Evangelien geschrieben wurde. Auch wenn die Evangelien in deinem Neuen Testament an erster Stelle stehen, wurden sie nicht in dieser Reihenfolge verfasst. Die Evangelien wurden später geschrieben als dieser Brief. Dieser Abschnitt ist also tatsächlich die erste niedergeschriebene Aussage Gottes über den Tisch des Herrn. Um das vollständige Bild zu haben, musst du den Bericht in Matthäus, Markus, Lukas und Johannes lesen. Aber hier haben wir den ältesten Bericht über die Einsetzung des Abendmahls, und Paulus sagt, dass diese Worte direkt von Jesus stammen. Jesus selbst hat es eingesetzt.
Es gibt zwei Ordnungen, die der Herr der Gemeinde gegeben hat: das Abendmahl und die Taufe. Beide wurden durch Jesu eigenes Beispiel eingesetzt und von ihm selbst der Gemeinde gegeben. Das hier ist keine Ausnahme. Paulus sagt also, dass dies direkt vom Herrn kommt. Es ist sein Abendmahl; er hat es eingesetzt. In Vers 20 nennt er es „das Mahl des Herrn“ – es gehört ihm. Schauen wir uns jetzt Vers 23 weiter an: „Denn ich habe von dem Herrn empfangen“, das heißt durch eine direkte Mitteilung von Jesus hat er die Worte empfangen, die Jesus in der Nacht gesprochen hat. Paulus sagt: Das habe ich empfangen, „dass der Herr Jesus in der Nacht, als er verraten wurde, Brot nahm, und dankte, es brach und sprach: Nehmt, esst! Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; dies tut zu meinem Gedächtnis! Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl, indem er sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr ihn trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr dieses Brot esst und diesen Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“
Paulus zitiert hier also die Worte Jesu. Deshalb sagt er: Das ist das Wort des Herrn, das ich euch überliefere. Er zitiert die Worte, die Jesus in der Nacht sprach, in der er verraten wurde, in der Nacht vor seinem Tod. Es ist interessant, was er in Vers 23 einfügt: „dass der Herr Jesus in der Nacht, als er verraten wurde, Brot nahm.“ Warum sagt er das? Weil er dies in den geschichtlichen Rahmen setzen möchte. Er will dies in seinen historischen Kontext einordnen, weil das von großer Bedeutung ist. Er hätte auch sagen können: am Vorabend des Passahfestes oder am Donnerstagabend vor der Kreuzigung. Warum sagt er „in der Nacht, als er verraten wurde“? Weil das Neue Testament immer wieder etwas sehr Interessantes macht. Es stellt das Herrlichste und Schönste vor den Hintergrund des Hässlichsten, damit die Schönheit im Kontrast sichtbar wird. So zum Beispiel in Johannes 13. Das ist meiner Meinung nach – abgesehen vom Kreuz – die schönste Stelle in der ganzen Bibel über die Liebe. In Johannes 13 wäscht Jesus den Jüngern die Füße und durch den ganzen Bericht zieht sich die Begebenheit mit Judas, der im Begriff ist, ihn zu verraten. Mitten in all diesem geschehen fährt Satan in sein Herz. Der Kontrast zwischen Judas‘ Hass und der Unreinheit des Teufels einerseits und der Schönheit und Liebe Jesu andererseits macht das Ganze umso herrlicher.
Am Kreuz, wo Gott der Sohn für die Sünden der Welt stirbt, herrschen rundherum Hass, Spott und Ablehnung. Und das macht es umso schöner. Und hier im Korintherbrief sehen wir die herrlichste Ordnung, die der Herr der Gemeinde gegeben hat, und ihr steht der schreckliche Hass und die Grausamkeit eines Verrats gegenüber. Doch gerade dieser dunkle Hintergrund verleiht dem Ganzen umso mehr Schönheit.
Beachtet außerdem, dass dies keine gewöhnliche Nacht war. Es war nicht nur die Nacht, in der er verraten wurde. Es war nicht nur die Nacht vor seiner Kreuzigung. Sondern es war auch die Nacht in der sie das Passah aßen. Einmal im Jahr feierten die Juden das Passahfest. Es erinnerte sie an das, was Gott in der Vergangenheit getan hatte, als er sie aus Ägypten befreite. Über 400 Jahre lang hatten in Ägypten in Knechtschaft gelebt, und nun hatte Gott sie durch eine Reihe von Plagen befreit. Die letzte Plage war der Tod der Erstgeborenen. Die einzige Möglichkeit, wie sie der Hinrichtung der Erstgeborenen in ihren Häusern entgehen konnten war folgende: Sie mussten ein Lamm schlachten – ein makelloses Lamm – und sein Blut an die Türpfosten und die Oberschwelle sprengen. An dem Haus, an dem das Blut war, würde der Todesengel vorübergehen. Darum heißt es Passah, d. h. Vorübergehen. Gott sagte damit: Ich will, dass ihr an diesem Abend ein Festmahl habt. Ich will, dass ihr dieses Lamm esst. Ich will, dass ihr bittere Kräuter esst. Und ich will, dass ihr ungesäuertes Brot esst. Er hat ein Fest eingesetzt, das bis heute im orthodoxen und teilweise im konservativen Judentum als Gedenkfeier erhalten geblieben ist. Das Passah war also wirklich der Höhepunkt in der Geschichte Israels.
Für einen Juden war das Passah die Feier der befreienden Macht Gottes. Gott als Retter, führt sie aus Ägypten in das verheißene Land. Für uns ist es das Kreuz, wo Gott uns aus der Knechtschaft der Sünde in das Reich seines geliebten Sohnes führt. Es ist dieselbe Parallele. Es ist Gott, der befreiende und rettende Gott. Das war die Nacht, in der das gefeiert wurde. Vergiss nie, dass Jesus am Passah gekreuzigt wurde. Warum? Weil er das wahre Passahopfer war. Er war das endgültige Erlösungsopfer. Am Abend davor aßen sie also das Passahmahl, das sehen wir klar in Lukas 22,7. Du kannst das gerne später nachlesen. Ich will ganz kurz schildern, wie das Passah ablief.
Es begann immer mit dem Leiter. Das konnte der Vater sein, das Familienoberhaupt oder sonst jemand, der einen Segen sprach, den man Kiddusch nennt. Beim Passah wurden vier Kelche getrunken. Kiddusch war der Segen über den ersten Kelch. Er enthielt immer Rotwein, natürlich als Symbol für das Blut des Passahlammes in Ägypten. Der Leiter trank aus dem Kelch und reichte ihn dann herum, damit alle anderen daran teilhaben konnten. Danach gab es etwas, das wir heute vielleicht Vorspeisen nennen würden: bittere Kräuter, die man in Charosset tunkte — eine Art Fruchthumus — und aß. Das war sozusagen ein kleiner Appetitanreger.
Dann folgte eine Erklärung über die Bedeutung des Passah; das ist bis heute Tradition. Dabei wird das Passah erklärt. Sie sollten ein Lamm essen, denn Gott hatte angeordnet, dass ein Lamm geschlachtet und sein Blut an die Türpfosten gestrichen wurde. Das Lamm wurde dann gegessen als Zeichen dafür, dass Gott in Ägypten verschonend an Israel vorübergegangen war. Sie aßen bittere Kräuter als Zeichen für die Bitterkeit ihrer Sklaverei. Sie aßen ungesäuertes Brot, weil Israel aus Ägypten befreit wurde und in großer Eile aufbrechen musste. Das erforderte ein Brot, das nicht schlecht wurde, weil sie unterwegs kein neues backen konnten. Dieses ungesäuerte Brot sah aus wie ein riesiger Salzcracker und war lange haltbar.
Nach den Kräutern und dem Wein wurde das Hallel gesungen; von diesem Wort kommt unser „Halleluja“. Das Hallel sind die Psalmen 113 bis 118; und sie begannen mit Psalm 113 oder 113 bis 114. Das waren die Eröffnungslieder nachdem das Passah erklärt wurde.
Nachdem sie ein paar Psalmen gesungen hatten, nahmen sie den zweiten Kelch. Nach dem zweiten Kelch nahm der Leiter ungesäuertes Brot – dieses große, flache Brot –, dankte Gott, brach es und verteilte es an alle. Dann begann die eigentliche Mahlzeit. Wie ich letztes Mal erklärt habe, begannen Mahlzeiten immer, wenn der Gastgeber das Brot brach, und dann wurde das Passah gegessen.
Wenn das Passahmahl beendet war, betete der Gastgeber und nahm dann den dritten Kelch – wieder ein Weinkelch –, betete und sie tranken ihn. Danach sangen sie den Rest des Hallel, also Psalm 115 bis 118. Deshalb heißt es in den Evangelien über die Jünger in der Nacht, als das Mahl des Herrn eingesetzt wurde: „Und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus“. Sie sangen den Rest des Hallel – das war die Tradition. Nach diesen Psalmen, bevor sie auseinander gingen, wurde der vierte Kelch genommen, um das kommende Reich zu feiern.
Wenn man die Evangelien mit diesem Wissen liest, kann man fast Schritt für Schritt nachvollziehen, was in jener Nacht während des Passah wann geschah. Als das ungesäuerte Brot vor dem Essen gebrochen wurde, nahm Jesus das Brot, das den Auszug aus Ägypten symbolisierte, brach es und sagte: „Das ist mein Leib“. Nach dem Essen nahm er den dritten Kelch. Wir wissen, dass es nach dem Essen war, weil es heißt: „nach dem Mahl“ d. h. nach dem Essen. Er nahm den dritten Kelch und sagte: „Dieser Kelch, der für euch bisher das Blut eines Lammes beim Passah dargestellt hat, steht jetzt nicht mehr dafür. Dieser Kelch ist mein Blut, das für euch vergossen wird.“ Damit verwandelte Jesus das Passah in das Mahl des Herrn. Damit sagt er: „Wenn ihr euch jetzt erinnern wollt, dann erinnert euch nicht mehr an den Auszug aus Ägypten, nicht mehr an Ägypten, nicht mehr an das Passah, wenn ihr an den Rettergott denkt, wenn ihr an Gott als Befreier denkt. Sondern ihr sollt euch an meinen Tod erinnern. Das Passah war großartig und hat euch aus Ägypten herausgeführt und schließlich nach Kanaan gebracht. Aber mein Tod wird euch aus der Knechtschaft Satans herausführen und schließlich in den Himmel bringen. Das Passah hat euch nur eine körperliche Befreiung verschafft. Aber mein Tod wird euch eine ewige und geistliche Befreiung schenken.“ Wenn ihr Gott als Retter begegnen wollt, Gott als Befreier, dann geschieht das nicht mehr durch das Passah, sondern durch das Mahl des Herrn.
So nahm Jesus dieses herrliche Passahfest und verwandelte es in der Nacht vor seinem Tod in sein eigenes Abendmahl. Wenn wir heute zusammenkommen, feiern wir den großen rettenden und befreienden Gott nicht mehr wegen der Befreiung aus Ägypten, sondern wegen dem, was er am Kreuz getan hat. Es gab eine Umwandlung.
Achte auf eine Sache: Die römisch-katholische Kirche – und sogar die lutherische Sicht der Konsubstantiation – sagt: „Das ist mein Leib“ (Vers 24) und das ist „der neue Bund in meinem Blut“ (Vers 25). Weil man die Bedeutung von estin, dem griechischen Verb für „sein“, missverstanden hat, hat man fälschlicherweise angenommen, dass Brot und Kelch buchstäblich der Leib und das Blut Christi sein müssen – entweder ganz wörtlich d. h. sogar physisch oder in einem merkwürdigen geistlichen Sinn. Das ist aber nicht das, was Jesus meinte. Das Verb „sein“, estin, – egal in welcher Form – wird im Griechischen oft im Sinn von „für etwas stehen“ gebraucht. Dieses Brot ist nicht sein Leib, sondern es steht für seinen Leib. Dieser Kelch ist nicht sein Blut, sondern er steht für sein Blut. Als Jesus in Johannes 10 sagte: „Ich bin die Tür“, meinte er, dass er als Retter und Hirte der Schafe eine Tür zum Schafstall repräsentiert. Er war nicht buchstäblich eine Tür. In Matthäus 13 sagte er im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen: „Der Acker ist die Welt“. Damit meinte er nicht wirklich, dass der Acker die Welt ist. In dem Gleichnis meinte er, dass der Acker für die Welt steht. Und er sagte, dass der gute Same die Kinder Gottes sind und der schlechte Same die Kinder des Bösen. Auch hier bedeuten die Wörter „ist“ und „sind“ einfach „steht für“. Sie werden in einem bildlichen, metaphorischen Sinn verwendet.
Dieses Brot hier steht für meinen Leib, sagte er. Und dieser Kelch steht für mein Blut. Es war nicht sein Blut. Sein Blut war noch in seinen Adern, als er das sagte. Es war nicht sein Leib. Sein Leib saß noch da, als er das sagte. Das ist also nicht wörtlich gemeint, sondern übertragen. Das ist ja genau das, was die Juden in Johannes 6 dachten: Wie sollen wir sein Fleisch essen, es reicht ja gar nicht für alle?
In Vers 23 sagt Paulus also, dass der Herr Jesus „Brot nahm, und dankte“ – das Wort heißt im Griechischen eucharisteō, von hier kommt unser Wort Eucharistie – … „er nahm Brot, dankte, brach es“ – damit alle von einem gemeinsamen Laib essen konnten – „und sprach: Nehmt, esst! Das steht für meinen Leib, der für euch gebrochen wird“. Das steht für meinen Leib. „Was meinst du damit, Herr?“ Für den jüdischen Hörer meinte „Leib“ den ganzen Menschen – die ganze Person, das ganze menschgewordene Leben Christi. Dieses Brot steht für alles, was ich als menschgewordener Gott bin. Das Geheimnis der Menschwerdung – von seiner Geburt bis zu seinem Tod und bis zu seiner Auferstehung – ist in diesem Begriff „Leib“ enthalten. Gott in menschlicher Gestalt. Erinnert euch daran, dass ich Mensch geworden bin, dass ich gelitten habe, abgelehnt wurde, verachtet wurde und schließlich für euch gestorben bin. Das Brot steht nicht nur für meinen Tod, sondern für meine gesamte Menschwerdung. Das ist mein Leib, es steht für meinen Leib, der für euch ist.
Das Wort „gebrochen” fehlt in den zuverlässigeren Handschriften. Wenn man Johannes 19 sorgfältig liest, sieht man, dass die Soldaten kamen, als Jesus am Kreuz hing. Sie bemerkten, dass er schon tot war, darum brachen sie seine Beine nicht, damit die Schrift erfüllt würde: „Kein Knochen soll ihm zerbrochen werden”. Oft sprechen wir vom vergossenen Blut und vom gebrochenen Leib, aber der Leib wurde nie gebrochen. Kein einziger Knochen seines Körpers wurde gebrochen. „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Die zwei schönsten Worte in diesem Vers sind „für euch, für euch“. Jesus sagt damit: „Lasst euch erinnern, dass Gott für euch Mensch geworden ist.“
Warum wurde Gott Mensch? Für sich selbst? Nein, für dich. Warum kam Jesus auf diese Welt und hat all das erlitten? Für dich. Warum musste er den Hass erleiden, den Spott, die Schmähungen und die Intrigen all der Leute, die ihn einfach nicht ertragen konnten? Warum hat er das alles auf sich genommen? Warum ist er in dieser Nacht in den Garten gegangen und hat sein Herz in Qualen ausgeschüttet? Warum hat er große Blutstropfen geschwitzt? Warum ist er am Kreuz gestorben? Für dich. Das ist der Grund – für dich. Das ist mein Leib, der für euch ist. Er ist für dich.
Was für ein unglaublich gnädiger, großzügiger, liebender, und barmherziger Gott – für dich. Du denkst vielleicht: „Aber ich verdiene das nicht.“ Das stimmt. Es ist trotzdem für dich. Vielleicht denkst du: „Aber ich will es gar nicht.“ Es ist trotzdem für dich. Wenn du es nicht annimmst, ist das dein Problem. Aber es ist für dich. Jesus sagte: „Schau, es ist für dich. Wirst du dich daran erinnern? Alles, was ich je getan habe, ist für dich. Mein ganzes leidvolles Leben macht mich zu einem mitfühlenden, verständnisvollen Hohepriester für dich. Damit du zu mir kommen kannst, dich auf mich stützen kannst und mich sagen hören kannst: Ja, ich verstehe, ich habe das auch durchgemacht. Es ist für dich. Ich brauche das nicht, es ist für dich. Mein Leib ist für dich gegeben.“ Die ganze Menschwerdung, meine Lieben, war für euch. Er ist als Stellvertreter für euch gestorben. Er hat gelebt, damit er mit euch mitfühlen kann. So war das.
Deshalb erwartet er eine Reaktion und fragt: „Würdet ihr das zu meinem Gedächtnis tun? Nachdem ich all das für euch getan habe, würdet ihr etwas für mich tun?“ Und wir müssten sagen: „Ja, Herr sofort – was soll ich tun?“ Jesus antwortet: „Würdet ihr das Abendmahl zu meinem Gedächtnis tun?“ Manchmal frage ich mich, wie es um den einfachsten, grundlegendsten Gehorsam bei Christen steht. Vor kurzem habe ich einen Christen gefragt: „Wie lange ist es her, seit du zuletzt am Mahl des Herrn teilgenommen hast?“ Er antwortete „Oh, ich schätze vor eineinhalb Jahre.“ Ich habe ihm dann gesagt, dass das Sünde ist. Das ist Sünde. Das ist Ungehorsam. Schau dir Vers 24 an. Jesus sagte: „tut dies“. Hast du das verstanden? „tut dies zu meinem Gedächtnis“. Entweder du tust es oder du tust es nicht. Wenn du es tust, ist es Gehorsam. Wenn du es nicht tust, ist es Ungehorsam. Tu es einfach. So simpel ist das. Hat er gesagt, man soll es am Sonntagmorgen tun? Nein. Er hat einfach gesagt, dass man es tun soll. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.
Ich bin mir nicht sicher, ob wir das Wort „Gedächtnis“ richtig verstehen. Es bedeutet nicht einfach nur sich an etwas zu erinnern, das in der Vergangenheit passiert ist. Juden verstanden unter „Gedächtnis“ etwas anderes. Für sie bedeutete es, die Person, an die man dachte, bewusst innerlich gegenwärtig werden zu lassen. D. h. du erinnerst dich nicht einfach nur daran, dass Jesus vor 2.000 Jahren am Kreuz gestorben ist. Nein. Es bedeutet, dieses Ereignis in die Gegenwart zu holen, um bewusst in der Gegenwart Jesu Christi zu leben. Wenn ein Jude sich erinnerte, bedeutete das für ihn, dass sein ganzes Denken, seine Seele und sein Herz von der Wirklichkeit der Person erfüllt waren, an die er sich erinnerte.
Jesus sagt: „tut dies, und wenn ihr es tut, habt mich bewusst vor Augen. Nicht nur mein Sterben für euch, sondern auch mein Leben für euch, meine ganze Menschwerdung. Würdet ihr in diesem Bewusstsein das Mahl feiern?“ Du kannst kommen, den Kelch trinken und das Brot essen – aber wenn deine Gedanken weit weg sind, hast du nichts davon zum Gedächtnis des Herrn gemacht. D. h. du musst alles andere aus deinem Denken verdrängt und ihn dir bewusst vor Augen stellen. Jesus sagt: „Würdest du dieses Brot nehmen, es essen, und dir dabei mich ins Bewusstsein rufen? Alles, was ich mein ganzes Leben lang für dich getan habe. Denn schließlich war es für dich. Würdest du mit dieser Realität vor Augen das Abendmahl nehmen?“ Vers 25: „Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl“ – daher wissen wir, dass es der dritte Kelch war, denn die Mahlzeit des Passah war zu diesem Zeitpunkt vorbei. Jesus sagte: „Dieser Kelch ist der neue Bund“. Diathēkē wird fast immer mit „Bund“ übersetzt. Nur in Hebräer 9 sollte man es anders wiedergeben, aber sonst bedeutet es durchgängig „Bund“. „Dies ist der neue Bund oder die neue Verheißung in meinem Blut, tut dies sooft ihr ihn trinkt, zu meinem Gedächtnis!“
Jesus nimmt jetzt den Kelch und sagt: „Das stellt den neuen Bund in meinem Blut dar.“ Der alte Bund wurde mit dem Blut von Tieren besiegelt. Der neue Bund wird mit dem Blut Christi besiegelt. Wenn du ein Dokument unterschreibst, besiegelst du es. Der Präsident unterschreibt ein Gesetz, und es tritt in Kraft. Wenn du eine Versicherungspolice zugeschickt bekommst oder einen Kaufvertrag für ein Haus oder irgendwelche Dokumente, unterschreibst du sie mit Tinte und besiegelst so das Versprechen. Die andere Seite verspricht dir das Produkt und du versprichst das Geld oder irgendetwas anderes. Sie versprechen dir in einer Versicherungspolice Schutz, und du versprichst, den Preis für diesen Schutz zu zahlen. Da ist ein Bund, der durch Flüssigkeit, durch Tinte, bestätigt wird.
Im Alten Testament sagte Gott zu Israel: „Ich werde euch in das verheißene Land führen. Ich werde verschonend an euren Häusern vorübergehen und eure Erstgeborenen nicht töten, wenn ihr unterschreibt.“ Und womit unterschrieben sie? Mit dem Blut eines Lammes an Türpfosten und Oberschwelle. Das war die Flüssigkeit, die das Versprechen besiegelte. Gott, du tust deinen Teil und wir tun unseren Teil. Durch das ganze Alte Testament hindurch sagte Gott immer wieder: Ihr müsst das Versprechen mit Blut besiegeln. Darum opferten sie ein Tier nach dem anderen, immer und immer wieder, und das Blut zog sich durch Israels ganze Geschichte, weil das Volk unaufhörlich das Versprechen erneuerte. Tatsächlich schloss man im alten Osten Bündnisse nicht, indem man einfach seine Unterschrift daruntersetzte. Ein Tier wurde getötet und das Blut wurde auf beide Parteien gesprengt. Beide wurden mit Blut übergossen, als Zeichen dafür, dass sie ihr Versprechen halten würden. Der Bund wurde durch Blut besiegelt.
Jesus sagt, es gibt einen neuen Bund. Gott macht ein neues Versprechen. Es ist nicht mehr das alte Versprechen des Gesetzes, das immer wieder unterschiedliche Opfer erforderte. Es ist ein ganz neues Versprechen, und es lautet: „Ich werde euch alle eure Sünden für immer vergeben.“ Das war neu, denn früher mussten sie ständig Opfer bringen. „Ich werde ein einziges Opfer bringen, für alle Zeit, und das wird Christus sein. Sein einmaliges Opfer und sein einmaliges Besiegeln mit Blut werden das Opfersystem endgültig beenden.“ Das ist ein neues Versprechen. Gott sagt: „Ich werde euch auf ewig völlige Vergebung schenken, ich werde euch für immer ewiges Leben schenken – durch das Blut Christi. Es war, als hätte Jesus am Kreuz mit seinem eigenen Blut unterschrieben. Das ist der neue Bund: das Blut Christi. Es ist nicht mehr das Blut eines Lammes an einem Türpfosten, als Gott sagte: „Ich werde euch aus dem Land herausholen und euch in das verheißene Land bringen.“ Das war zeitlich und begrenzt. Sondern das Blut des neuen Bundes, durch das Gott sagt: „Ich werde euch in den Himmel bringen und euch eure Sünden für immer bedingungslos vergeben – wegen Jesus Christus.“ Das ist der neue Bund.
Darum sagt Jesus, dass der Kelch für den neuen Bund steht. Du musst nicht mehr zurück zum Blut des Passahfestes, sondern zurück zum Blut des Kreuzes. Die Israeliten haben natürlich immer und immer wieder dieses Blut vergossen und immer und immer wieder gesagt: „Es tut mir leid, Gott, ich binde mich erneut an dein Versprechen. Ich habe wieder gesündigt, bitte vergib mir wieder. Hier ist wieder mein Opfer, ich will wieder gehorchen“ und so weiter. Aber wir kommen ein einziges Mal im Namen des Blutes Jesu Christi und binden uns an das Versprechen.
Weißt du was? Jedes Mal, wenn wir das Mahl des Herrn feiern, bekräftigen wir dieses Versprechen erneut. Wir nehmen den Kelch und sagen damit, dass wir unser Versprechen, unseren Teil des Heilsbundes, sichtbar erneuern. Vielleicht denkst du: „Was ist denn mein Teil?“ Gott sagt: „Ich werde dich retten, ich werde dir ewiges Leben geben. Ich werde dir deine Sünden für immer vergeben, wenn du eine Sache tust: Wenn du glaubst.“ D. h. wenn du den Kelch nimmst, sagst du damit: „Ich glaube. Ich erneuere dieses Gelübde, ich bekräftige dieses Versprechen.“ Und Jesus sagte: „tut dies“! Wie oft? Oft – sooft du davon trinkst. Wie oft sollst du davon trinken? Vers 26: „Denn sooft ihr dieses Brot esst und diesen Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Die Antwort ist: So oft, wie du gern den Tod Christi verkündigen willst. Wie oft möchtest du Gemeinschaft mit seinem Tod haben? Wie oft möchtest du dieses Versprechen bekräftigen? Genauso oft. Und wenn du das tust, erinnere dich an meinen Tod. Erinnere dich an mich, im vollsten Sinn dieses Wortes. Ruf dir meinen Tod ins Gedächtnis.
In Vers 26 sehen wir, dass es nicht nur ein Abendmahl ist, sondern eine Verkündigung. Du zeigst der Welt den Tod des Herrn. Du verkündigst ihn. Die Welt fragt sich, was das Abendmahl bedeutet. Und jemand antwortet: „So feiern sie den Tod Jesu.“ Das stimmt, und wir verkündigen ihn und verkündigen ihn und verkündigen ihn der Welt. Vielleicht hast du den Tod Jesu Christi noch nicht für dich in Anspruch genommen. Du hast nicht geglaubt, dass er Gott in Menschengestalt ist, dass er einen stellvertretenden Sühnetod für dich gestorben ist. Dann hörst du heute Morgen diese Botschaft, die von diesem Abendmahl ausgeht, damit du dich Christus anvertraust. Im letzten Gottesdienst haben einige Christus angenommen, weil diese Botschaft angekommen ist. Durch das Abendmahl verkündigen wir diese Botschaft.
Wie ich vorhin sagte, ist das Abendmahl auch eschatologisch. Vers 26 sagt „bis er kommt“. Dies richtet unseren Blick auf den Tag, an dem wir es mit ihm feiern werden. An den Tisch des Herrn zu kommen ist darum keine beiläufige Sache. Wir erinnern uns daran, was Christus getan hat. Und dann rufen wir ihn in unser Bewusstsein und erneuern unseren Bund und unsere Verpflichtung ihm gegenüber. Wir haben Gemeinschaft mit dem lebendigen Herrn. Wir verkündigen das Evangelium und erwarten seine Wiederkunft – alles an diesem Tisch. Das ist ein besonderer Ort. Und wenn wir kommen, sagt Paulus, sollten wir lieber mit einer besonderen Haltung kommen.
Drittens, schauen wir uns nun kurz die Vorbereitung auf das Mahl des Herrn an. Vers 27: „Wer also unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und Blut des Herrn.“ Paulus sagt damit: „Es ist ernst, es ist wichtig. Wenn ihr diese ungewöhnliche Sache wie etwas Gewöhnliches behandelt, werdet ihr schuldig – wörtlich „haftbar“ für den Leib und das Blut des Herrn. Wenn ihr falsch an diesen Tisch kommt, seid ihr daran schuldig.“
Vielleicht denkst du: „Wie kann man unwürdig das Abendmahl feiern?“ Das werden wir uns jetzt anschauen. Die Korinther haben das getan! Erstens, du nimmst das Abendmahl unwürdig ein, indem du ihn ignorierst, anstatt ihm zu gehorchen – indem du einfach nicht kommst, weil es dir irrelevant erscheint, unwichtig. Das ist unwürdiges Verhalten und entehrt ihn. Zweitens kannst du das Abendmahl unwürdig behandeln, indem du es zu einer gewöhnlichen Handlung machst, anstatt zu etwas Bedeutungsvollem – d. h. indem du es mechanisch tust, ohne darüber nachzudenken. Eine andere Möglichkeit, wie du das Abendmahl entweihen und unwürdig empfangen kannst, ist es zu etwas Rettendem machst anstatt zu einem Ausdruck der Gemeinschaft. Du könntest denken, dass dich das Abendmahl rettet; und verstehst nicht, dass es dich nur dazu bringen will, dich Christus neu hinzugeben und neu mit ihm Gemeinschaft zu haben. Eine weitere Möglichkeit, wie du unwürdig teilnehmen kannst, ist, es als Zeremonie zu behandeln anstatt als persönliche Erfahrung. Du kannst auch unwürdig daran teilnehmen, indem du es leichtfertig und nicht ernsthaft behandelst. Wenn du mit Bitterkeit gegenüber einem anderen Christen an diesen Tisch kommst, oder mit Sünde, die du nicht bekannt hast, dann nimmst du unwürdig daran teil. Wenn du in Sünde lebst, und darüber keine Buße tun willst, die Sünde nicht lassen willst, dann nimmst du unwürdig daran teil. Wenn du nicht mit den erhabensten Gedanken über Gott zum Abendmahl kommst, oder über Christus, den Heiligen Geist oder das Wort Gottes, dann nimmst du unwürdig daran teil. Wenn du nicht mit vollkommener Liebe zu deinen Brüdern und Schwestern im Leib Christi zum Abendmahl kommst, dann kommst du unwürdig an diesen Tisch.
Die Folge davon ist, dass du haftbar bist für den Leib und das Blut des Herrn. D. h. du machst dich schuldig gegenüber Christus. Du behandelst ihn buchstäblich unwürdig und machst dich dieser Misshandlung schuldig. Du gehst unwürdig mit dem gesamten Leben und Sterben Christi um, und das bringt Schuld mit sich. Anders gesagt: Gott erklärt dich dessen schuldig. Du wirst haftbar, schuldig. Ein Mann, der zum Beispiel die Flagge seines Landes mit Füßen tritt, tritt nicht nur Stoff mit Füßen, er beleidigt sein Land. Er macht sich schuldig, eine Nation entehrt zu haben. Wer den Leib und das Blut Christi im Abendmahl mit Füßen der Gleichgültigkeit oder Sündhaftigkeit tritt, der macht sich schuldig, Jesus Christus selbst zu entehren, zu verspotten, mit Gleichgültigkeit und Heuchelei zu behandeln. Wie du das Abendmahl behandelst, so behandelst du Jesus. Das meint Paulus. Das zeigt, dass hier eine wirkliche Begegnung mit Christus geschieht. Und zwar so real, dass es Gericht nach sich zieht, wenn wir die Wirklichkeit und den Ernst nicht anerkennen. Was solltest du also tun?
Vers 28: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken“. Selbstprüfung ist nötig. Schau in dein Herz. Ist da etwas, das nicht dort sein sollte? Das griechische Wort meint eine gründliche, strenge Selbstprüfung: dein Leben, deine Motive, deine Haltung gegenüber dem Herrn, gegenüber der Mahlfeier, gegenüber anderen Christen. Stell sicher, dass du nicht nachlässig bist, leichtfertig, gleichgültig, dass du keine Sünde duldest, unbußfertig oder spöttisch bist – nichts davon. Nachdem du dich geprüft hast, iss vom Brot und trink vom Kelch. Aber erst die Prüfung.
Warum? Weil derjenige, der unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst krima. Im Griechischen bedeutet das „Züchtigung“. Es bedeutet nicht „Verdammnis“. Das ist die schlechteste Übersetzung, die man dafür finden konnte. Katakrima bedeutet Verdammnis – das steht in Vers 32. Krima ist ein viel schwächeres Wort. Es bedeutet Züchtigung. Wenn du unwürdig isst und trinkst, isst und trinkst du dir selbst Züchtigung, weil du den Leib des Herrn nicht unterscheidest. Mit anderen Worten: Du behandelst die Wirklichkeit Christi nicht mit Ernst, Würde, Reinheit und Heiligkeit.
Wenn du den Ernst und die Heiligkeit des Abendmahls nicht erkennst – als Gemeinschaft mit dem Leib und Blut Jesu Christi – und du gehst sündig damit um, dann entehrst du buchstäblich Christus. Du machst dich strafwürdig, und Gott wird dich züchtigen, weil du nicht ernsthaft darüber nachgedacht hast, was du tust. Du hast die Bedeutung und Wichtigkeit des Leibes des Herrn nicht erkannt. Manche wollen den Ausdruck „Leib des Herrn“ auch auf die Gemeinde beziehen und sagen: Du nimmst die Gemeinde, den Leib Christi als Ganzes, nicht ernst. Das mag dort mitschwingen, aber im Text bezieht sich das Wort „Leib” immer auf den tatsächlichen Leib des Herrn. Wie züchtigt Gott uns?
In Vers 30 sehen wir, wie er das in Korinth gemacht hat: „Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und eine beträchtliche Zahl sind entschlafen“, wobei „entschlafen“ eine Metapher für den Tod ist. Der Herr sagte, weil die Korinther den Tisch des Herrn missachteten, waren einige schwach geworden – sie waren leicht krank –, manche waren schwer krank, und einige hatte Gott getötet. Ich weiß nicht, wie viele Gott in Korinth getötet hat, aber es waren ziemlich viele. Warum hat Gott sie getötet? Welches Übel hatten sie begangen? Sie waren respektlos zum Tisch des Herrn gekommen. Daran erkennt man ein Stück weit, wie ernst das ist. Ich persönlich glaube, dass Ananias und Saphira – die von Gott wegen ihrer Sünde hingerichtet wurden – möglicherweise bei einem Abendmahlsgottesdienst getötet wurden; denn die frühe Gemeinde feierte es jedes Mal, wenn sie zusammenkamen. Das wäre sehr, sehr drastisch, oder? Vielleicht sind auch heute manche Christen schwach, andere krank und einige sogar gestorben, weil sie mit dem Abendmahl gleichgültig oder sündhaft umgegangen sind.
In Vers 31 liefert Paulus die Lösung: „Denn wenn wir uns selbst richteten, würden wir nicht gerichtet werden“. Wenn wir uns selbst prüfen würden, würden wir nicht gezüchtigt werden. Die Selbstprüfung bringt dich direkt zurück zu Vers 28. Prüf dein Herz, prüf deine Motive. Die Korinther wurden von Gott gezüchtigt, weil sie sich nicht selbst geprüft und ihr Leben nicht in Ordnung gebracht haben. Und dann Vers 32 — ein wunderschöner Vers. Schade, dass wir keine Zeit mehr haben, und wir uns beeilen müssen. Vielleicht erscheint dir das zu viel und zu hart. Du denkst jetzt vielleicht: „wenn ich an den Tisch des Herrn komme und irgendetwas ist nicht in Ordnung, dann erwischt es mich und ich lande möglicherweise in der Hölle“. Ich liebe die Antwort die Paulus hier gibt: „Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt katakrima werden.“ Wir werden vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.
Hör zu: Kein Christ – zu keiner Zeit, unter keinen Umständen – wird jemals mit der Welt verurteilt werden. Vielleicht fragst du dich: „Bedeutet dieser Vers, dass ich meine Errettung verlieren könnte?“ Dieser Vers bedeutet nicht, dass du dein Heil verlieren kann. Sondern dieser Vers sagt, dass du niemals mit der Welt verurteilt wirst, denn Gott wird dich vorher züchtigen. Das Schlimmste, was einem Christen jemals passieren könnte, wäre die äußerste Züchtigung. Und die besteht darin, dass Gott ihn vorzeitig in den Himmel nimmt. Das ist gar nicht so schlimm, oder? Dieser großartige Vers will uns eines sagen: Wir werden vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden. Vielleicht denkst du: „Woher weiß ich, dass der Herr mich züchtigt?“ „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt.“ Jeder Christ steht unter der züchtigenden Hand des Herrn, die ihn davor bewahrt, mit der Welt verurteilt zu werden. Ist das nicht eine großartige Wahrheit? Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich wäre ehrlich gesagt lieber noch eine Weile gesund, froh und am Leben. Darum prüfe ich mich, wenn ich zum Tisch des Herrn komme.
Zum Schluss sagt Paulus in den Versen 33–34: „Brüder, bringt dieses Liebesmahl in Ordnung, und wenn ihr zusammenkommt, wartet aufeinander.“ Erinnerst du dich an die letzte Predigt? Stopft euch nicht voll, bevor die Armen überhaupt da sind. Lasst ihnen etwas übrig. Und wenn ihr Hunger habt, dann esst zu Hause, damit ihr nicht zur Züchtigung zusammenkommt. Den Rest werde ich in Ordnung bringen, wenn ich komme. Ich weiß nicht, was die restlichen Probleme waren, aber da kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen. Das alles soll uns zeigen, dass Gott sehr, sehr ernst nimmt, wie das Abendmahl behandelt wird. Während wir uns heute Morgen zum Abendmahl versammelt haben, vertraue ich darauf, dass du dein Herz prüfst — wie ich es auch getan habe. Lasst uns beten.
Danke Vater, dass du zu unseren Herzen gesprochen hast, zu meinem Herzen. Ich weiß, dass heute Morgen einige unter uns sind, die dich Jesus Christus nicht als ihren Retter kennen und deshalb nicht daran teilnehmen können. O Vater, ich bete, dass du jetzt ihre Herzen für dich öffnest, dass sie jetzt sagen: „Herr Jesus, ich möchte dein Fleisch essen und dein Blut trinken. Ich möchte deine Menschwerdung und deinen Opfertod für mich annehmen.“ Herr, andere Christen können nicht daran teilnehmen, weil sie Sünden nicht bekannt und nicht bereut haben, weil sie bitter sind oder aus anderen Gründen. Mögen sie es jetzt bekennen. Mögen wir unsere Herzen prüfen und so essen und trinken. Im Namen Jesu. Amen.
ENDE
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